Leserin Cigdem Toprak kann mit dem Begriff Integration wenig anfangen. Für sie ist vielmehr kulturelle Vielfalt auf der Basis universeller Werte erstrebenswert.
© Juergen Schwarz/Getty Images

Türkische Flaggen an einem Balkon in Duisburg-Marxloh
Irgendwann mitten in den hitzigen Debatte über die Integration von Migranten in Deutschland, fragte ich mich: "Cigdem, bist du eigentlich integriert?"
Nein, das bin ich nicht. Ich weigere mich nämlich, mich in Deutschland zu integrieren.
"Wie, du bist keine Deutsche?"
Ähm, nein, ich besitze nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, noch nicht zumindest. Schließe ich mich deswegen von der Gesellschaft aus? Bin ich aus diesem Grund eine nicht integrierte Türkin? Ich lege keinen besonderen Wert auf Nationalität, denn staatliche Formulare und ein offizieller Status bestimmen noch lange nicht die Denkweise und die Lebensvorstellungen einer Person. Obwohl ich nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitze, die nur einige Antragsschritte von mir entfernt ist, stehe ich hinter den deutschen Werten und Normen und fühle mich in Deutschland zu Hause, weil es mein Zuhause ist.
Ergo: eine Staatsangehörigkeit sagt nichts über mich aus.
"Übersetzen Sie das bitte für Ihre Eltern!"
Es mag sein, dass meine Eltern, die seit vierzig und seit fünfundzwanzig Jahren in Deutschland leben, nicht den Unterschied zwischen einem Haupt- und einem Nebensatz kennen oder Verben meistens falsch oder gar nicht konjugieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sich nicht mit ihren Nachbarn verständigen könnten, dass sie in Behörden aufgeschmissen sind oder gar, dass sie nach all den Jahren einen Integrationskurs besuchen müssten, damit sie in dieser Gesellschaft willkommen sind oder damit sie sich als integriert bezeichnen dürfen.
Wahrscheinlich waren meine Eltern eher damit beschäftigt, in einem ihnen fremden Land mit einer fremden Kultur und Sprache zu arbeiten, den Alltag zu meistern und nebenbei drei Kinder großzuziehen, sie in ihrer Bildung zu unterstützen und sie zu kritischen und vernünftigen Menschen zu erziehen, die einen Beitrag zur deutschen Gesellschaft leisten werden, als sich mit den vier Fällen der Deklination von Nomen zu beschäftigen.
Ich akzeptiere die Sprachfehler meiner Eltern und bewundere sie dafür, dass sie mir in ihrem gebrochenen Deutsch abends vorgelesen haben, damit ich später den Deutsch-Leistungskurs wählen konnte.
Die deutsche Tragödie ist mein persönliches Drama
Wahrscheinlich zeigt diese Einstellung, dass ich mich nicht integrieren will. Wenn es so ist, dann ist es eben so: Ich integriere mich nicht. Weshalb sollte ich mich in eine Gesellschaft integrieren, der ich schon seit meiner Geburt angehöre und in der ich mein ganzes Leben hier verbracht habe?
- Leserartikel auf ZEIT ONLINE
ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
- Leserartikel schreiben
-
Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.
- Der ZEIT-ONLINE-Wald
-
© BeneA / photocase.comAls symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
Es ist eine Tragödie für die deutsche Gesellschaft, dass mir immer wieder ein Bild vor die Nase gehalten wird und mit den Worten darauf gezeigt wird "Das bist du!" Und auf dem Bild ist mal eine Fremde, eine Ausländerin oder Migrantin und mal eine integrierte Türkin oder Deutsch-Türkin oder Deutsche zu sehen, immer nur in Buchstaben, ohne mein eigenes Bild.
Ich würde mir wünschen, dass statt einer gezwungenen Integration, gegen die ich mich weigere, eine Pluralität auf der Basis von universellen Werten propagiert wird.
Natürlich sollen gesellschaftliche Probleme, die bei Menschen mit einem Migrationshintergrund eben andere sind als bei Deutschen, die bereits seit fünf Generationen hier leben, aufgezeigt, thematisiert und bearbeitet werden. Was Deutschland braucht, ist nicht Integration, sondern Aufklärung im Islam, Lösungen bei kulturell und persönlich bedingten Problemen wie Ehrenmorden oder Zwangsheirat, mehr Arbeitsplätze und die Bereitschaft, in die Bildung zu investieren. Aber das sind lediglich Vorschläge einer Türkin aus Ostanatolien, die sich weigert, sich in Deutschland zu integrieren.






ist "Aufklärung im Islam" - warum?
Warum braucht Deutschland Aufklärung im Islam?
Sollen wir Deutschen uns in den Islam integrieren?
Deutschland hat die Aufklärung des Christentums hinter sich
und ist nun eine aufgeklärte Gesellschaft, die die Menschenwürde und die unveräußerlichen Rechte eines jeden Einzelnen, ungeachtet, Geschlecht, Religion, Hautfarbe ...
lebt. Dazu hat uns der Weg über das Christentum geführt - und das Christentum als Religion haben wir hinter uns
weshalb braucht Deutschland dann Aufklärung in Islam?
Der Islam ist ein Teil Deutschlands
Das Cristentum ist ein Teil Deutschlands
Die jüdisch- christliche Kultur ist ein Teil Deutschlands
der Buddhismus ist ein Teil Deutschlands
und und und - all das ist Deutschland.
Das reicht uns - wir müssen doch nun nicht den Islam mitleben
Sie müssen doch auch nicht das Christentum mitleben
aber unsere freiheitlichen Menschenrechte - die sollen auch die Muslime mitleben, darin sollen sie sich integrieren.
Was Sie beschreiben mit Deutschland braucht Aufklärung im Islam
ist das, was die konservativen Islame und die Islamisten aussgagen, nämlich
Deutschland ist ein Teil des Islam
und das stimmt nicht.
Leben Sie Ihren Islam, aber leben Sie ihn für sich.
Und leben Sie ihn mit dem Verständnis der unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen
das reicht.
Und sorgen Sie sich mit Ihren Landsleuten - denn Sie verweisen auf Ihre nichtdeutsche Identität - dafür, dass ihre Landsleute und deren Kinder es hier mitleben können.
fuer diesen Kommentar.
...das kann man auch (und meiner Meinung auch viel konsistener) so interpretieren, daß die Autorin sich wünscht, die europäisch-Christliche Aufklärung würde im Islam nachvollzogen werden. Was sie mit dieser etwas unklaren Formulierung eigentlich meint hat die Autorin in keinster Weise (und anders als Sie es behaupten) beschrieben, sonst hätten wir keine so unterschiedliche Interpretationen.
fuer diesen Kommentar.
...das kann man auch (und meiner Meinung auch viel konsistener) so interpretieren, daß die Autorin sich wünscht, die europäisch-Christliche Aufklärung würde im Islam nachvollzogen werden. Was sie mit dieser etwas unklaren Formulierung eigentlich meint hat die Autorin in keinster Weise (und anders als Sie es behaupten) beschrieben, sonst hätten wir keine so unterschiedliche Interpretationen.
Es muss in der Mitte meines Kommentars natürlich heissen
"was die konservativen Muslime und Islamisten aussagen, nämlich ..."
Dann noch der Abschluss meines Kommentars, es reichte aus Platzgründen nicht mehr
Lehren Sie ihren Kindern die deutsche Sprache, damit Sie sich an unserer Gesellschaft beteiligen und in ihr sich verständlich machen können; damit sie die hier gebotenen Chancen von Schule, Bildung und Weiterbildung nutzen können
das ist Integration
und Sie meinen, dagegen müssen Sie sich wehren?
Sie haben sie doch verinnerlicht, die Integration -
auch wenn Sie es vielleicht nicht gerne hören: Sie sind voll integriert - sie sind hier hochwillkommen.
Ist das so schlimm?
Freude sei Ihnen unbenommen.
Im Sprachgebrauch zum Duden lese ich
"im heutigen Sprachgebrauch steht ..."
Nun sehen Sie einem fast 60jährigen Mitforisten, der naturgemäß schon einige Jahrzehnte allen Schulzwängen entwachsen ist nach, dass er sich die Freiheit nimmt, auf solche Feinheiten für den wenigen Rest der Jahre frei Schnauze lebt.
Der darf das.
Die Freiheit gönnen Sie mir - bitte.
(Sehen Sie, das letzte Wörtchen eben gerade, das fehlt dagegen sehr häufig im heutigen Sprachgebrauch - und DAS ist doch nun wirklich elementar leicht zu gebrauchen, ohne extra gelernt zu werden).
Im Sinne des vorliegenden Themas schließe ich dann mit einem freundschaftlichen
Shalom
(ich weiss, ich weiss) -
da gebe ich Ihnen diesen kleinen Lebensratgeber noch mit auf den Weg - auf mich warten jetzt meine drei Hunde, drei Katzen und der Papagei auf ihren Abendspaziergang mit mir).
http://www.youtube.com/wa...
Ihr Hinweis war ja nicht falsch.
Wissen Sie was ich unter diesen Umständen als Europäische Integration verstehe:
Ich spreche weder Französisch noch Italienisch perfekt- Englisch schon besser, das hatte ich in der Schule.
Französisch und Italienisch habe ich in den jeweiligen Ländern gelernt, im Zusammenleben mit den Menschen, als Deutscher. Und als Gastarbeiter dort.
Ich bin ohne Hemmungen auf die Menschen zugegangen, habe mit ihnen zusammengearbeitet und dabei gelernt.
Das klappt, bestens - auch wenn es nicht perfekt ist.
Perfektionismus ist etwas für Menschen mit Zeit, viel Zeit. Die hatte unsere Generation nicht in dem Maße, wie man es heute geboten bekommt. Man musste mit- arbeiten - es gab nichts für'n Umme, wie man in Teilen Schwabens sagt.
Integration ist ganz einfach, wenn man mitmacht. Das wird anerkannt und schafft Verständigung, sogar Völkerverständigung. Es ist ganz einfach. Auch für Fremde - in Italien und Frankreich war ich zu meiner Zeit noch ein Fremer - so viele Deutsche arbeiteten dort nicht.
Da seid Ihr ja in alter Frische!
Soweit also zu den überprüften Klarnamen der Artikelschreiber:-)))))
Ich verstehe den Artikel nicht.
Die Autorin schreibt in einwandfreiem Deutsch: “ich stehe hinter den deutschen Werten und Normen und fühle mich in Deutschland zu Hause…”
Jetzt vermute ich noch, dass Sie einer geregelten Arbeit nachgehen oder zumindest danach streben…
Dann sind Sie genau das, was man hier unter integriert versteht. Mehr verlangt doch niemand. Niemand verlangt von Migranten, ihre Wurzeln abzuschütteln oder ihre Traditionen zu verleugnen.
Es wird von Migranten einzig erwartet, dass sie am Erhalt und am Wohlergehen des Gemeinwesens mitwirken, und demselben nicht auf der Tasche liegen und sich gettoisieren.
Dass Sie sich nicht von der deutschen Gesellschaft abschotten, sondern daran teilnehmen, beweisen Sie genau durch die Veröffentlichung dieses Artikels, in dem Sie behaupten, Sie seien NICHT integriert.
Ich vermute, dass die deutsche Gesellschaft mit Integrationsverweigerern Ihres Schlages sehr zufrieden wäre! Und - Wenn Sie schon dabei sind: Leisten Sie doch Ihren Beitrag zur Aufklärung über den Islam in Deutschland! Das Interesse daran war noch nie so groß wie derzeit.
und danach hier aufwuchs, gehört einfach in dieses Land. Er hat doch kein anderes, nur vielleicht andere Gene. Auch wenn manch ein SPD Politiker Korrelationen zwischen sozial schwachen und bestimmten Genen zu finden glaubt, die Gene lassen sich nun mal nicht mehr ändern, das ist dann wie mit einer Naturkatastrophe, die nimmt man auch irgendwie hin, ohne Hass auf den Regengott, oder so.... Daher bin ich für den GEN-unabhängigen Integrationsbegriff, im Gegensatz zu fegalo und vielen anderen hier, die mit ihrer Definition von Integration ganz sicher nicht alleinerziehende Mütter, Behidnerte, und HarzIV Bezieher - mit deutschen Genen - desintegrieren wollten.
und danach hier aufwuchs, gehört einfach in dieses Land. Er hat doch kein anderes, nur vielleicht andere Gene. Auch wenn manch ein SPD Politiker Korrelationen zwischen sozial schwachen und bestimmten Genen zu finden glaubt, die Gene lassen sich nun mal nicht mehr ändern, das ist dann wie mit einer Naturkatastrophe, die nimmt man auch irgendwie hin, ohne Hass auf den Regengott, oder so.... Daher bin ich für den GEN-unabhängigen Integrationsbegriff, im Gegensatz zu fegalo und vielen anderen hier, die mit ihrer Definition von Integration ganz sicher nicht alleinerziehende Mütter, Behidnerte, und HarzIV Bezieher - mit deutschen Genen - desintegrieren wollten.
@Schmierfink.
Wieso muss ich mich integrieren, aber meine urdeutschen Freunde nicht? Weil meine Eltern aus der Türkei kommen, dabei bin ich doch eigentlich hier geboren und aufgewachsen. Das ist mein Kritikpunkt. Ich brauche mich nicht zu integrieren, ich bin bereits ein Teil dieser Gesellschaft, ob als Türkin oder Deutsche, die Nationalität spielt keine Rolle, wenn ich in meinem Herzen sowieso deutsch bin. Das sieht man mir aufgrund meiner dunklen Haare und Augenfarbe und meiner iranischen Gesichtszüge nicht an (meine Eltern gehören der zazaischen Volksgruppe an), das sieht man auch nicht an meinen Namen. Aber ich bin auch deutsch, ich bin auch türkisch. Integriert bin ich nicht. Weil ich hier geboren bin. Weil Deutschland meine Heimat ist. Da brauche ich mich nicht zu integrieren
Ich verstehe nicht, was Sie mit Integriertsein meinen. Könnten Sie das mal erläutern? Ich habe den Eindruck, Sie übertreiben die Forderungen, die an Migranten gestellt werden.
Was soll das Gerede um Integration? Sie sind integriert!
Jeder Nordeutsche in Bayern und jeder Bayer in Schleswig-Holstein haben mehr Integrationsprobleme!
Ich verstehe nicht, was Sie mit Integriertsein meinen. Könnten Sie das mal erläutern? Ich habe den Eindruck, Sie übertreiben die Forderungen, die an Migranten gestellt werden.
Was soll das Gerede um Integration? Sie sind integriert!
Jeder Nordeutsche in Bayern und jeder Bayer in Schleswig-Holstein haben mehr Integrationsprobleme!
Ich verstehe nicht, was Sie mit Integriertsein meinen. Könnten Sie das mal erläutern? Ich habe den Eindruck, Sie übertreiben die Forderungen, die an Migranten gestellt werden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren