Drogenbericht : Jeder vierte Deutsche hat ein Suchtproblem

Jugendliche greifen seltener als früher zu Flasche, Zigarette oder Joint. Insgesamt aber haben laut Drogenbericht Millionen Bundesbürger ein Suchtproblem.

Jugendliche in Deutschland trinken immer weniger Alkohol und konsumieren weniger Zigaretten und illegale Drogen. Dies ist das zentrale Ergebnis des diesjährigen Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung. Die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans sagte, der Alkoholkonsum insbesondere bei Jugendlichen habe den niedrigsten Stand seit den siebziger Jahren erreicht.

Allerdings gebe es keinen Grund zur Entwarnung. "Alkohol ist immer noch das am weitesten verbreitete Suchtmittel in Deutschland", sagte die FDP-Politikerin. So sei Deutschland mit im Schnitt zehn Liter reinen Alkohols pro Kopf und Jahr "an vorderster Stelle im Ländervergleich". Allein zehn Prozent der Menschen tränken davon etwa die Hälfte. Laut Dyckmans sind 1,3 Millionen Deutsche abhängig von Alkohol.

Noch verbreiteter sind jedoch Zigaretten: 16 Millionen Menschen rauchen. Etwa 200.000 Menschen wiesen einen "problematischen" Cannabiskonsum auf, sagte die FDP-Politikerin weiter. 200.000 Menschen nähmen andere illegale Drogen. 

"Suchtmittelmissbrauch und Suchtmittelerkrankung verursachen große gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Probleme", sagte Dyckmans. Sie kündigte eine neue Anti-Sucht-Strategie mit mehr direkt auf die einzelnen Konsumentengruppen gerichteten Präventionsangeboten an, ohne Details zu nennen.

Die Versorgung Schwerstkranker mit betäubungsmittelhaltigen Schmerzmitteln soll erleichtert werden: Die Bundesregierung hat Maßnahmen beschlossen, die morgen in Kraft treten. Hospize und Einrichtungen der spezialisierten Palliativversorgung erhalten dadurch die Möglichkeit, Notfallvorräte an Betäubungsmitteln anzulegen.

Erstmals werden auch die Voraussetzungen für die Zulassungs- und Verschreibungsfähigkeit von cannabishaltigen Fertigarzneimitteln geschaffen. "Das ist ein bedeutender Schritt, weil Schwerkranken dadurch eine weitere Therapieoption zur Behandlung von Schmerzen eröffnet wird. Ich wünsche mir jetzt weitere Zulassungsanträge, denn viele Menschen warten auf diese Medizin“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Der Suchtbericht widmet sich auch dem Internet als Droge: Nach Angaben Dyckmans gibt es in Deutschland bereits eine gute halbe Million internetsüchtige Menschen. Dabei handelt es sich um Personen, die "überhaupt nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen und sich nicht mehr aus dem Netz hinausbewegen", sagte die Drogenbeauftragte. Allerdings sei die wissenschaftliche Forschung dazu noch nicht weit fortgeschritten. "Noch ist nicht abschließend geklärt, wann von einem Abhängigkeitsverhalten zu sprechen ist", heißt es in dem knapp 150-seitigen Bericht.

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Kommentare

73 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

ich oute mich hier gerne

auch ich habe ein suchtproblem, die sucht nach information, stets der erste sein der etwas wissen möchte von dem er vorher noch nicht wußte das es das gibt-allerdings könnte ich mir nicht vorstelen diese sucht abzustellen-meine überlegung, ist denn informationssucht eine echte sucht, oder könnte ich sie abstellen? und bedenklich dabei wäre ja noch, jeder der informationssüchtig ist kann entscheiden woher er sich diese informationen beschafft und wie er damit umgeht und genau da kommt die gefahr auf sich ggfs. falsche informationen zu beschaffen und somit falsche rückschlüsse zu ziehen-

Aufklärung ist der beste Weg

Vorbeugung in Form von effektiver Drogenaufklärung ist immer noch der beste Weg, um gar nicht erst in die Abhängigkeit zu geraten und dieser Weg sollte auch weiter beschritten werden. Wenn die Menschen die verheerenden Auswirkungen des Drogenkonsums kennen dann werden viele wahrscheinlich nicht zur Droge greifen. Es muss auf die selbstbestimmte Entscheidung darüber von der Person selber getroffen werden. Gutes Aufklärungmaterial befindet sich u.a. auf der internationalen Internetseite der Foundation for a drug-free world. Sie wird zwar auch von Scientologen unterstützt, aber die Seite ist wirklich gut gemacht.

Mehr Aufklärung bitte!

Leider haben suchtgefährdete und suchtkranke Menschen noch ein weiteres Problem: In ihrer Umgebung wissen alle über ihren erhöhten Konsum von Rauschmitteln Bescheid, nur sie selbst tappen im Dunkeln und halten es für völlig normal, jeden Tag nach der Arbeit ihr "Feierabendbierchen" zu trinken. Und nicht wenige Ärzte leisten dem aus Unwissenheit weiteren Vorschub, beispielsweise durch die Empfehlung, täglich ein Glas Rotwein zu trinken. Dieser gut gemeinte Rat führt geradewegs in die Abhängigkeit.
Genauso wie die Menschen der Dritten Welt alphabetisiert werden müssen, um eine gesellschaftliche Verbesserung zu erfahren, muss in Deutschland mehr Präventionsarbeit in Sachen Drogen und Alkohol geleistet werden, damit wir aus der Rausch-Top-Ten rauskommen.

Oh Gott!!!

"Feierabendbierchen, jeden Tag ein Glas Rotwein" Au Weiha, alle die ich kenne mich eingeschlossen sind verkappte Alkoholiker! Bis auf Olli, das ist der Junge von der Nachbarin der ist erst fünf.

Gott sei dank haben wir ein Vorbild @Oliver van Troogk. Der Trinkt (öffentlich) nur Nichtalkoholisches.

Ist der Name "Troogk" eigentlich eine Anspielung auf das Bevorzugte Trinkgemäß?

im grunde haben sie nicht unrecht....

... jedoch geht es hier um andere mengen als um 1glas wein oder 1 bier am abend.
Wenn ich die zahlen richtig interpretiert und umgerechnet habe, geht es hier wenn man ca 80mio Menschen nimmt und 10 Liter alkohol, bei den genannten 10% die die hälfte davon trinken um 400mio liter auf 8 mio Menschen. Was pro kopf auf diese 10% mit 50 litern pro jahr schließlich im vergleich mit ca2000*0,5l bier zu setzen ist.
ergo: ca 5,5 große bier pro tag. im durchschnitt.

selbst wenn man davon ausgehen könnte, dass das feierabend bier der einstieg in die alkoholsucht sein könnte ist die steigerung von einem feierabendbier zu regelmäßig 5,5 große bier eine gewaltige steigerung. geht man weiter davon aus das von den 8mio menschen dann auch nur 1.3mio als süchtig angesehen werden müsste die steigerung noch einmal größer sein. wahrlich ist die menge bei hochprozentigerem nicht mehr so groß, aber der weg von einem täglichen feierabendbier zum täglichen feierabendschnapps ist meiner meinung nach etwas weit hergeholt.

Zum thema aufklärung und erziehung stimme ich ihnen vollkommen zu. Aber das die bildung in deutschland generell überarbeitet werden muss und den aktuellen gegebenheiten angepasst werden sollte auch den verantwortlichen langsam mehr als nur klar sein.

Was es so alles für "News" gibt!

Isch weiz jetzt gar nüscht wasn die jetztdammit meinen duen. Och, da is mir doch de gibbe aufs n Döner gefallen.

Wird "der" Drogenbericht nun eigentlich einfach jedes Jahr kopiert und die alte Jahreszahl mit TipEx übertüncht oder muss tatsächlich ein armer Referendar das Ding jedes Jahr "überarbeiten"?