PR-KampagneFacebook disst Google

Ausgerechnet Facebook hat eine PR-Agentur beauftragt, Google wegen mangelnden Datenschutzes anzuprangern. Artikel sollten platziert werden. Ein Blogger deckte es auf. von Kurt Sagatz

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Kleinmütig gestand das soziale Netzwerk Facebook am Donnerstag in den USA ein, eine wenig schmeichelhafte Kampagne gegen Internet-Gigant Google angezettelt zu haben. Allerdings habe nie die Absicht bestanden, Google damit zu verleumden. Die von Facebook engagierte PR-Agentur Burson-Marsteller, die 2008 die Präsidentschaftskampagne für Hillary Clinton betreute, sollte darauf aufmerksam machen, wie Google insgeheim Daten unter anderem von Nutzern des sozialen Netzwerks sammelt. Die Sache flog auf, als der amerikanische Anwalt und gelegentliche Google-Kritiker Christopher Soghoian die Mail-Korrespondenz mit der Agentur online stellte. Statt sich dabei helfen zu lassen, Negativberichte über Google zu verfassen und bei renommierten Medien wie der Washington Post oder der Huffington Post zu platzieren, machte Soghoian die Angelegenheit publik.

Für das Unternehmen von Mark Zuckerberg ist das Eingeständnis in doppelter Hinsicht ein PR-GAU. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade Facebook den Konkurrenten um Werbegelder mit Datenschutzvorwürfen anschmieren wollte . Nun aber wurde die Schmutzkampagne zeitgleich mit einem peinlichen Datenleck offenbar. So hatten Anbieter von Facebook-Apps theoretisch Zugang zu den kompletten Profildaten der Mitglieder – und zwar bereits seit vier Jahren.

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Privatsphäre

Die 2004 gestartete Seite Facebook will nach Aussage ihre Gründers Mark Zuckerberg die Welt offener und vernetzter machen. Das gelingt ihr offensichtlich viel zu gut, gab es doch bereits häufig Proteste, Facebook nötige seine Nutzer zu mehr Offenheit, als diese sich wünschten. So sammelt die Seite E-Mail-Adressen und Telefonnummern auch von Nichtmitgliedern, wenn Mitglieder ihr Adressbuch bei Facebook speichern. Sie nutzt diese Informationen, um Nichtmitglieder zu kontaktieren. Facebook betont, dass dabei keine "Schattenprofile" von Nichtmitgliedern erstellt werden. Der Konzern hat auf den Widerstand seiner Nutzer reagiert und zumindest die möglichen Einstellungen, welche Profilinformationen für wen sichtbar sein sollen, überarbeitet. Auch "Gruppen" wurden eingeführt. Nutzer können ihre Kontakte in solchen organisieren, damit nicht jede Information an alle geht.

Vernetzung

Aufgrund der Struktur der Seite ist es jedoch möglich, Schlüsse über jemanden zu ziehen, die er so nicht beabsichtigt hatte. Allein die als Freunde bezeichneten Mitglieder können durch ihre Interessen beispielsweise nahe legen, dass jemand homosexuell ist, auch wenn er selbst das nicht in seinem Profil angibt. Der hohe Vernetzungsgrad und die vielen verfügbaren Informationen machen es möglich, statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und so neue Schlüsse zu ziehen. Kritiker sagen, das Netzwerk könne beispielsweise für Dissidenten lebensgefährlich sein, da es Gruppenstrukturen durchschaubar mache.

Profil

Wer Facebook nutzen, aber so wenig wie möglich über sich verraten will, sollte beispielsweise keinen Gruppen beitreten und keine persönlichen Interessen wie Musik angeben. Was genau das eigene Profil nach außen sichtbar macht, lässt sich unter anderem bei dieser Seite abfragen. Sie nutzt die offizielle API von Facebook, die Schnittstelle also, durch die externe Firmen Informationen über Mitglieder beziehen dürfen. Wer sich darüber hinaus davor schützen will, dass ihm mit einem gestohlenen Passwort sein halbes Leben abhanden kommt, kann inzwischen beim Login in seinen Account temporäre Passwörter nutzen.

Die PR-Agentur Burson-Marsteller räumte am Donnerstag ein, dass mit der Aktion gegen die selbst aufgestellten Transparenzregeln verstoßen wurde, weil der Auftraggeber im Dunkeln blieb. Zugleich teilte die Agentur mit, nicht länger für Facebook zu arbeiten. Die Chefin des amerikanischen Public-Relation-Verbandes Rosanna Fiske forderte in US Today die Technologiefirmen dazu auf, zu einem fairen Wettbewerb zurückzukehren und sich darauf zu besinnen, "dass die Kunden genaue und wahrheitsgemäße Informationen erwarten".

Die Zeitung US Today hatte bereits vor einigen Tagen Wind von der Anti-Google-Kampagne bekommen, ohne allerdings den Urheber zu kennen. Auch über Microsoft oder Apple war spekuliert worden. Erst als die Internetzeitung The Daily Beast Facebook mit Beweisen konfrontierte , folgte das Eingeständnis.

Facebooks Kritik an Googles Social-Circle-Dienst ist nicht einmal aus der Luft gegriffen. Tatsächlich lassen sich über die GoogleMail-Konten die Zugänge zu Netzwerken wie Facebook, Twitter und Flickr verbinden. Dies geschieht auch für deutsche GoogleMail-Nutzer in den Google-Kontoeinstellungen über den Menüpunkt "Verbundene Konten". Google wirbt damit, dass man dadurch bei einer Internetsuche auf einen Blick sehen kann, welche Informationen die Freunde im Internet weitergegeben haben. Bei einer Suche nach einem Restaurant werden so Empfehlungen von Freunden in einem verbundenen Netzwerk mit angezeigt. Blogger Soghoian stuft Social Circle laut New York Times als harmlos ein .

Die Schmutzkampagne schadet indes auch der Bloggerszene. Interessengesteuerte oder bezahlte Meinungsbeiträge in Foren und Blogs sind seit langem ein Ärgernis. Christopher Soghoian war nicht der Einzige, den die Agentur angesprochen hatte.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Sie gehören zu den ganz Großen 10 im Internet- und Computergeschäft und sie bekriegen sich wie kleine Kinder im Spielzimmer. Dabei geht es ihnen eigentlich nicht mehr darum, wer wo wann wie viel abgekupfert hat, es geht, wie in der Bundesliga, nur noch um die Tabellenspitze und da Bayern München hier niemals mitspielen kann, bleibt ihm diese Führungsposition gottseidank verwehrt.

    Aber Apple, die Apotheke unter diesen Firmen, hält gerade mal seit kurzer Zeit und einiger fragwürdiger ‘Innovationen’ diese Position und Facebook will diese Position unter allen Umständen erreichen. In dieser Liga wurde schon immer mit besonders harten Bandagen gefightet und einige Namen, die sich heute auf dem Boothill der Computerindustrie befinden, könnten einen echten Hit mit einem Lied darüber landen. Der Rest: http://freies-in-wort-und...

  2. In Deutschland strömen die Menschen auf die Straße um ihre berechtigte Ablehnung gegenüber dem Überwachungsstaat kundzutun.

    Im selben Moment werfen sie Datenkraken wie Google und Facebook ihre persönlichen Daten in den Rache und kaufen sich iPhones, deren Bewegungsdaten ohne nähere Begründung seit Jahren von Apple gespeichert werden.

    Warum vertraut man Multinationalen Konzernen gedankenlos Informationen an, von denen jeder Ermittler nur träumen kann?
    Ich krieg das einfach nicht ins Hirn!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann ihnen sagen wie man das ins Hirn bekommt. Man dimmt den IQ runter auf 50 und schon passt es! Die Idiotie kennt keine Grenzen. Ein Facebook account zu haben ist entweger idiotisch oder überflüssig. Idiotisch, wenn man da igrendwelche Informationen hinterlegt, überflüssig, wenn man es nicht tut. Das schlimme an Facebook ist, daß man bei denen auch ohne daß man einen Account hat gespeichert ist. Vollidioten laden massenweise ihre Kontaktdaten zu Facebook und facebook verknüpft diese dann mitainander. Schön zu erkennen, wenn man dann eine "Einladungsmail" von Facebook gesendet bekommt, in denen einem fröhlich aufgezählt wird, welche Freunde von einem dort einen Account haben (alle die meine E-Mailadresse an facebook geschickt haben). Da ist man sprachlos! Der Versuch Facebook dazu zu bringen scheitern spätestens bei deren Briefkastenfirma in Hamburg.

    Das erschreckenste daran ist aber erkennen zu müssen, wie viele Idioten man als Freunde hat.

    Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Die Redaktion/cs

  3. Ich kann ihnen sagen wie man das ins Hirn bekommt. Man dimmt den IQ runter auf 50 und schon passt es! Die Idiotie kennt keine Grenzen. Ein Facebook account zu haben ist entweger idiotisch oder überflüssig. Idiotisch, wenn man da igrendwelche Informationen hinterlegt, überflüssig, wenn man es nicht tut. Das schlimme an Facebook ist, daß man bei denen auch ohne daß man einen Account hat gespeichert ist. Vollidioten laden massenweise ihre Kontaktdaten zu Facebook und facebook verknüpft diese dann mitainander. Schön zu erkennen, wenn man dann eine "Einladungsmail" von Facebook gesendet bekommt, in denen einem fröhlich aufgezählt wird, welche Freunde von einem dort einen Account haben (alle die meine E-Mailadresse an facebook geschickt haben). Da ist man sprachlos! Der Versuch Facebook dazu zu bringen scheitern spätestens bei deren Briefkastenfirma in Hamburg.

    Das erschreckenste daran ist aber erkennen zu müssen, wie viele Idioten man als Freunde hat.

    Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Die Redaktion/cs

    Antwort auf "Gefahrenbewusstsein"
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    Und noch eine Anmerkung für Zeit online: Es wäre wirklich schön hier eine Vorschau und edit Funktion zu haben. Die idiotschen Schreibfehler und unvollständigen Sätze könnte man besser erkennen und vor allem korrigieren.

    Die Zeitschrift Chip (chip.de) hat in der Ausgabe 02/2011 exakt dieses Problem geschildert und einen Ausweg aufgezeigt:

    "Unter dem Link www.facebook.com/help/con... können Sie alle über sich gespeicherten Daten aus den Facebook-Datenbanken löschen lassen. Der Nachteil hierbei ist, dass Facebook Sie damit "vergisst", Sie also zukünftig Einladungsmails bekommen und dann erneut im Datenpool landen. Sie müssen also nach jeder Einladung Ihre Daten entfernen."

    Der ganze Artikel soll hier nicht zitiert, aber wärmstens empfohlen werden. Er zeigt sehr anschaulich auf, dass man auch als Facebook-Verächter "dabei" ist - ob man will oder nicht. Und ja, auch ich habe meinen Bekannten verflucht. Ausgerechnet meine sorgsam gehütete, top-private Email-Adresse wurde durch das gedankenlose Benutzen des "Freundefinders" bereitgestellt. Im Szenejargon: Aaaarrrrrrgh!

    Ich habe bei dieser ganzen Diskussion eigentlich nie so ganz verstanden, was so schlimm daran sein soll, seine Daten ins Internet zu stellen.
    Zu allererst mal: Nein, ich benutze kein Facebook (einfach schon deswegen, weil ich kein großer Freund des Chattens bin). Aber mal ehrlich: Selbst wenn irgendjemand alle möglichen Informationen über mich abrufen kann, was schadet mir das persönlich? Alles, was er erfahren kann ist in etwa: Soso, der mag also Fußball. Er hat Schuhgröße 43? Schau mal einer an. Er war am Dienstag, dem 31. Februar in der Eckbar. Interessant.
    Mir kommt es so vor als würden alle nur "Jawoll, offener Datenzugang ist böse!" rufen, ohne darüber nachzudenken, was für Auswirkungen das Ganze wirklich für sie hat. Und wenn jetzt wieder das Argument kommt, mein Arbeitgeber könnte rausfinden, was für ein Partymensch ich bin und mich nicht einstellen: Na dann soll er doch.
    Im Schlimmsten Fall bringt sowas die Wahrheit ans Licht.
    Also von diesem Standpunkt aus finde ich eine offene DAtengesellschaft sogar eher besser als schlechter.

    Und nein, ich wurde nicht dafür bezahlt diesen Post zu verfassen.

  4. Und noch eine Anmerkung für Zeit online: Es wäre wirklich schön hier eine Vorschau und edit Funktion zu haben. Die idiotschen Schreibfehler und unvollständigen Sätze könnte man besser erkennen und vor allem korrigieren.

    • schnop
    • 15. Mai 2011 2:30 Uhr

    ... google den Rang abzulaufen. Auch wenn es die Spacke Zuckerberg ist. Mir macht Googles Zunkunft Angst und ich empfinde googles alleinige Marktposition eher als Distopie, denn Fortschritt...

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    Na dann wissen Sie ja was sein kann wenn man vor Ihnen Angst hat. Einfach Wahnsinn solche Einstellungen.

  5. Die Zeitschrift Chip (chip.de) hat in der Ausgabe 02/2011 exakt dieses Problem geschildert und einen Ausweg aufgezeigt:

    "Unter dem Link www.facebook.com/help/con... können Sie alle über sich gespeicherten Daten aus den Facebook-Datenbanken löschen lassen. Der Nachteil hierbei ist, dass Facebook Sie damit "vergisst", Sie also zukünftig Einladungsmails bekommen und dann erneut im Datenpool landen. Sie müssen also nach jeder Einladung Ihre Daten entfernen."

    Der ganze Artikel soll hier nicht zitiert, aber wärmstens empfohlen werden. Er zeigt sehr anschaulich auf, dass man auch als Facebook-Verächter "dabei" ist - ob man will oder nicht. Und ja, auch ich habe meinen Bekannten verflucht. Ausgerechnet meine sorgsam gehütete, top-private Email-Adresse wurde durch das gedankenlose Benutzen des "Freundefinders" bereitgestellt. Im Szenejargon: Aaaarrrrrrgh!

  6. Wie hat der junge Mister Zuckerberg mal seine Klientel bezeichnet? So:
    "They trust me - Dumb fucks."

  7. ...Ich sage:

    Lieber gebe ich freiwillig einige unkritische Daten einem auf breiten Kundenzuspruch angewiesenen Unternehmen, dessen dramatischste Konsequenz ein bisschen personalisierter SPAM für Konsumartikel ist...

    ... als womöglich zwangsweise persönliche Daten einem Staat auszuhändigen, dessen Einfluss auf meine existentiellen Freiheiten viel weitreichender sind, und dessen Motive traditionell zweifelhaft, da lobbyorientiert und ausschliesslich auf den kurzfristigen Machterhalt ausgelegt sind.

    Habe ich Angst vor Werbung? Nö, kenn ich schon. Schert mich nicht.
    Und wenn google/Facebook aufgrund meiner Daten z.b. meine Suchergebnisse unkenntlich(!) im Sinne der Werbekunden verfälschen sollte, tun die beiden sich mittelfristig keinen gefallen, denn den Nutzern wird das nicht schmecken. Das dürfte also so nicht eintreten.

    Dass dagegen der Staat, weitgehend unkontrolliert, selbst aus halbgaren Daten aller Art, umgehend Argumente für Steuererhöhungen, Streichung von Bezuschussungen, und Freiheitsbeschränkungen, sorry "Kontrollmechanismen", aller Art zusammenstrickt, ist gängige Praxis seit vielen Jahren...

    Nichts gegen unreflektierte Prinzipienreiterei ob des Datenschutzes als ein abstraktes Gut - aber ein bisschen Praxisrelevanz bei der Betrachtung solcher Fragen kann sicher auch nicht schaden, oder?

    via ZEIT ONLINE plus App

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    Eigentlich gebe ich Ihnen da irgendwo Recht und sehe das ähnlich. Aber auf der anderen Seite, weckt eine Ansammlung von Daten immer Begehrlichkeiten. Soll heißen, dass der Staat sich ja bei Facebook oder Google bedienen könnte. Dann wäre es egal, wem man seine Daten anvertraut. Ich meine schon jetzt sucht die Polizei via Facebook Verkehrssünder:
    http://www.rtl.de/medien/...

    Allerdings tun sie das bisher wohl nur auf die althergebrachte Weise. Nicht auszudenken, sollte der Staat mal direkten Zugriff auf die Daten von Google und FB haben.

    Von daher sollte man auch bei FB und Google vorsichtig mit seinen Daten umgehen.

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