Geir Lippestad, der Verteidiger des norwegischen Attentäters Anders Breivik © Jonathan Nackstrand/AFP/Getty Images

Der Verteidiger des Attentäters Anders Breivik hält seinen Mandanten für geisteskrank. Der Anwalt Geir Lippestad sagte bei einer Pressekonferenz in Oslo : "Die ganze Sache deutet darauf hin, dass er verrückt ist." Er verwandte den englischen Begriff insane .

Lippestad will vor Gericht den Standpunkt vertreten, dass der Attentäter unzurechnungsfähig sei. Psychiater sollen Breiviks Geisteszustand untersuchen, was nach Angaben des Anwalts sechs bis zwölf Monate dauern kann. Breivik müsse sich der anwaltlichen Argumentation fehlender Zurechnungsfähigkeit aber nicht anschließen, sagte Lippestad.

60 Jahre Krieg

Breivik glaube, er befinde sich in einem Krieg: "Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen", erläuterte Lippestad die Sicht seines Mandanten. Breivik zeige "kein Zeichen von Mitleid" mit den Toten, sagte Lippestad. Er hasse alle, die an Demokratie glaubten , und sei überzeugt, dass der Krieg, den er mit dem Anschlag habe auslösen wollen, jetzt in vollem Gange sei: "Er glaubt, dass dieser Krieg 60 Jahre dauern wird und dass dieser Krieg in 60 Jahren gewonnen sein wird", berichtete der Verteidiger. 

Die Staatsanwaltschaft erwägt Anklageerhebung wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit mit einer Höchststrafe von 30 Jahren Haft. Die Maximalstrafe nach dem bisher von der Justiz verwandten Terror-Paragrafen im Strafgesetzbuch ist 21 Jahre im Gefängnis.

Breivik soll nach eigenen Angaben Kontakte zu Gleichgesinnten gehabt haben. Neben zwei "Zellen" in Norwegen gebe es weitere im Ausland, sagte sein Verteidiger vor der Presse. "Er weigert sich, etwas über diese anderen Zellen zu sagen."

"Er glaubte, getötet zu werden"

Der 32-Jährige ging offenbar davon aus, seine Mordtat nicht zu überleben: "Er hat geglaubt, nach dem Bombenanschlag oder der Aktion auf der Insel getötet zu werden." Der Attentäter sei überrascht gewesen, dass er sein Ziel erreicht habe. Breivik habe nach seiner Festnahme geglaubt, auf dem Weg zum Gericht getötet zu werden, sagte Lippestad. Die Anordnung der achtwöchigen Untersuchungshaft in Isolation habe Breivik ohne sichtbare Regung aufgenommen: "Er war nicht überrascht, er nahm die Dinge ruhig hin."

Gegenüber dem norwegischen Fernsehsender NRK sagte Lippestad am Montagabend, sein Mandant lebe in einer anderen Realität. "Er hat eine völlig andere Konzeption der Wirklichkeit als wir anderen Norweger", so Lippestad. "Zum Beispiel glaubt er, dass in Norwegen Folter existiert." Breivik habe ihn gefragt, ob er ihm eine bestimmte Uniform für den Auftritt vor Gericht beschaffen könne, sagte der Anwalt.