Leserartikel

Präimplantationsdiagnostik Der Verfall unserer humanistischen Tradition

Leser Thomas Küper ist gegen die Präimplantationsdiagnostik. Wir sollten nicht von dem Grundsatz abweichen, dass alles Leben lebenswert ist, argumentiert er.

"Das muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden." Diesen Satz liest man immer wieder, wenn über die Einführung der Präimplantationsdiagnostik (PID) diskutiert wird. Er ist Ausdruck einer Rücksichtnahme auf die Situation der Mütter, die ohne PID ihre Kinder mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lebend oder mit schweren Behinderungen zur Welt bringen würden.

Ich kann die Gewissenskonflikte und Gefühle dieser Mütter nachempfinden – und die ihrer Familien. Ich bin mit ihrem Leid vertraut, ich habe eine Tochter mit Glasknochen (Typ III). Ich möchte den Betroffenen aber klarmachen, dass ihr so seltenes Schicksal für die Diskussion über die Wertegrundlagen unserer Gesellschaft von geringer Bedeutung ist. 

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Gebetsmühlenartig wird beteuert, mit der Zulassung der PID ginge es darum, einer kleinen Gruppe von Extremfällen zu helfen. Das stimmt nicht. Mediziner werden diese Technik zukünftig immer mehr Menschen zur Verfügung stellen, aus marktwirtschaftlichen sowie aus berufsethischen Gründen. Schließlich ist es ihre Aufgabe, gegen Erkrankungen vorzugehen.

Die PID ist eine mächtige Waffe im Kampf gegen eine Vielzahl von erblich bedingten Krankheiten. Mit ihren Möglichkeiten werden wir uns die Fragen stellen: Was ist lebenswertes Leben? Welchen Anlagen schenken wir den Vorzug? Muss das am Ende wirklich jeder für sich selbst entscheiden? Nein!

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Es gibt kein nicht lebenswertes Leben. Diese Definition von Leben ist die Grundvoraussetzung der Ethik, die wir kennen. Das Leben ist das absolute Gut, ohne das nicht weiter gedacht werden kann. Wenn wir anfangen, dieses ursprüngliche Gut aufzubrechen, nach welchen Kriterien sollen wir dann unser Zusammenleben ordnen? An welchen Kriterien sollen wir uns in unserem Handeln orientieren? An denen der Religionen? Ich bin Atheist, aber sei's drum: Was würde Gott sagen?

Fest steht, wenn wir das Leben als ein Gut, als das Gut an sich, aufgeben, nehmen wir uns gleichzeitig jedes stichhaltige Kriterium, nach dem wir bestimmen wollen, was lebenswert ist und was nicht. Danach folgt ethische Willkür. Mit ihr würden wir unsere humanistische Tradition dem Verfall preisgeben.

 
Leser-Kommentare
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    ...widerspruchsfrei zu handeln. Wenn Untersuchungen im Mutterleib und Abtreibungen nicht bestraft werden, dann kann man einer befruchteten Eizelle in der Petrischale keinen höheren strafrechtlichen Schutz angedeihen lassen. Auch wer von einem seltenen Schicksal betroffen ist, muss vor willkürlichen Verboten geschützt werden. Es fällt sehr leicht auf Kosten weniger Verbote zu setzen, damit sich einige Moralapostel im Land besser fühlen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe allen Respekt vor denjenigen, die sich gegen eine PID entscheiden.

    ...widerspruchsfrei zu handeln. Wenn Untersuchungen im Mutterleib und Abtreibungen nicht bestraft werden, dann kann man einer befruchteten Eizelle in der Petrischale keinen höheren strafrechtlichen Schutz angedeihen lassen. Auch wer von einem seltenen Schicksal betroffen ist, muss vor willkürlichen Verboten geschützt werden. Es fällt sehr leicht auf Kosten weniger Verbote zu setzen, damit sich einige Moralapostel im Land besser fühlen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe allen Respekt vor denjenigen, die sich gegen eine PID entscheiden.

  2. ...imho an der Realität vorbei:

    "Mit ihren Möglichkeiten werden wir uns die Fragen stellen: Was ist lebenswertes Leben?"

    Ich nehme an diese Formulierung wurde bewusst gewählt, um die richtigen Reflexe auszulösen. Es geht eben nicht darum was ist *lebenswert*, denn diese Frage ist nicht zu beantworten. Sondern es geht darum, wer, angesichts Millionen befruchteter Zellen, die Auswahl trifft. Der Zufall oder der Mensch.

    Der Artikel impliziert dabei zweierlei:

    1) alle werden über kurz oder lang die Auswahl treffen müssen, aus ökonomischen Gründen

    2) selbst auswählen ist moralisch verwerflich, den Zufall entscheiden zu lassen aber nicht

    Ob Punkt 1 eintritt, wage ich zu bezweifeln, gerade aus ökonomischen Gründen gibt es eben idR keine Untersuchungen oder gar Selektionen. Gerade weil es durch Zufall zu Schwangerschaften kommt und Menschen die dazu notwendige Prozedur mit Freuden vollziehen ;-) wird PID niemals breitentauglich. Das kann auch gerne so bleiben.

    Wer sich bei Punkt 2 für den Zufall entscheidet ist hingegen religiös und hat seinen Zufall in *Gott* umbenannt. Kann jeder machen wie er will, diese Denke anderen aufzuzwingen, halte ich aber für falsch. So oder so sterben Millionen befruchteter Zellen ab, die Natur ist halt verschwenderisch.

    14 Leser-Empfehlungen
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    Eben, der Zufall oder der Mensch. Sagen wir einmal von uns, den so unperfekten Menschen von heute, dass die meisten von uns wohl nicht da wären, hätte uns nicht der Zufall ausgesucht, da wir alle irgendwelche Macken haben. Der Mensch hingegen ist wählerisch und strebt nach Perfektion. Die Autorin hat Recht wenn sie sagt es gäbe kein unlebenswertes Leben. Alle unsere Fehler, seien es ein schiefes Gesicht, Sprachfehler, mangelnde Intelligenz, Hang zum eigenen Geschlecht oder Stabsichtigkeit, sind Aufbegehren gegen die Norm, die ausschließlich menschengemachte. Egal, um welche Abweichung es geht: Sie hat uns zu besonderen Wesen gemacht, zu Erwachsenen, die sich im Leben behaupten mussten. Das macht die tiefere Würde des Menschen aus.

    vor allem da die PID selbst wiederum ein Risko darstellt für den Embrio.

    Und natürlich stellt sich die moralische Frage.

    Als Vater von Drillingen weis ich wovon ich spreche. Doch selbst wenn eine Behinderung droht, wollen sie wirklich eine Entscheidung über Leben oder Tod fällen?
    Oder ist das nur eine neue Form der Euthansie? Nur vorverlegt in die Unauffälligkeit?
    Die PID ist eine Entscheidung gegen die Risiken des Lebens und damit auch gegen die Herausforderung. und häufig ist das Ergebnis keine Geswissheit, sondenr eine Risikoprognose.

    Die Frage zu Verdrängen löst sie nicht, ebenso wenig ist der Verweis auf die gängige Abtreibungspraxis keine Antwort.
    Fehlendes Unrechtsbewußtsein Verdrängung der Probleme war noch nie eine Entschuldigung oder Lösung.

    H.

    Sie sind ein [selbst gekürzt] und der Grund dafür, warum man für jeden lächerlichen Irrtum ein 20-seitiges Essay schreiben müsste statt meiner vorangegangenen Beleidigung. Der Leser-Artikel trifft genau den Punkt und hat überhaupt nicht die Absicht, irgendwelche Emotionen zu treffen, um von fehlender Stichhaltigkeit abzulenken. Er weist auf die philosophischen Irrtümer in unserem Denken hin, für die sich die selbsternannten Philosophen Deutschlands einen Dreck interessieren, und ich kann mich diesem Verweis nur anschließen. Die Missbräuchlichkeit der medizinischen Fortschritte (ja, Fortschritte!) darf nie und unter keinen Umständen übersehen werden. Also halten Sie ihr Maul und denken demnächst zweimal nach, bevor Sie jemandem - aufgrund fehlender Stichhaltigkeit Ihrerseits - emotionale Befangenheit unterstellen.

    Sie sind der Befangene - sie glauben, Wahrheit schließe ethische Bedenken aus oder relativiere sie und Ethik wiederum impliziere Religiösität. Da haben Sie immerhin genau den wunden Punkt und die große Dummheit des Abendlandes getroffen. Das erlaubt einen gewissen Stolz. Nur wer die an sich frei von Bewusstsein sich entfaltende Natur erfassen will, kann dies nur tun, indem er ihr einen Maßstab gibt: in unserem Fall den menschlichen. Deshalb hat das nichts mit Gott zu tun.

    Dass PID die Regel wird, bezweifele und hoffe ich auch, doch widerspreche ich Ihnen bei Ihrem Punkt 2. Nur weil in der Natur befruchtete Eizellen, sprich Menschen, absterben, heißt das ja nicht, dass Menschen auch Embryonen töten dürfen! In der Natur würden auch Menschen mit bestimmten (angeborenen) Krankheiten (relativ schnell) sterben, das heißt ja nicht, dass wir ihnen deswegen nicht helfen brauchen oder sie gar töten dürften.
    Die Argumentation im Artikel war zudem ohne Gott. Wir sollten uns aber nicht zum Herr über Leben und Tod machen, indem wir bestimmen welches vorhandene menschliche Leben lebenswert ist und welches nicht.
    Bei schon geborenen Menschen ist es in der Geschichte Deutschlands schon vorgekommen, dass viele ihr Leben lassen mussten, weil ihr Leben als nicht lebenswert und sie von gewissen Bevölkerungsschichten als "lästig" empfunden wurden.

    Eben, der Zufall oder der Mensch. Sagen wir einmal von uns, den so unperfekten Menschen von heute, dass die meisten von uns wohl nicht da wären, hätte uns nicht der Zufall ausgesucht, da wir alle irgendwelche Macken haben. Der Mensch hingegen ist wählerisch und strebt nach Perfektion. Die Autorin hat Recht wenn sie sagt es gäbe kein unlebenswertes Leben. Alle unsere Fehler, seien es ein schiefes Gesicht, Sprachfehler, mangelnde Intelligenz, Hang zum eigenen Geschlecht oder Stabsichtigkeit, sind Aufbegehren gegen die Norm, die ausschließlich menschengemachte. Egal, um welche Abweichung es geht: Sie hat uns zu besonderen Wesen gemacht, zu Erwachsenen, die sich im Leben behaupten mussten. Das macht die tiefere Würde des Menschen aus.

    vor allem da die PID selbst wiederum ein Risko darstellt für den Embrio.

    Und natürlich stellt sich die moralische Frage.

    Als Vater von Drillingen weis ich wovon ich spreche. Doch selbst wenn eine Behinderung droht, wollen sie wirklich eine Entscheidung über Leben oder Tod fällen?
    Oder ist das nur eine neue Form der Euthansie? Nur vorverlegt in die Unauffälligkeit?
    Die PID ist eine Entscheidung gegen die Risiken des Lebens und damit auch gegen die Herausforderung. und häufig ist das Ergebnis keine Geswissheit, sondenr eine Risikoprognose.

    Die Frage zu Verdrängen löst sie nicht, ebenso wenig ist der Verweis auf die gängige Abtreibungspraxis keine Antwort.
    Fehlendes Unrechtsbewußtsein Verdrängung der Probleme war noch nie eine Entschuldigung oder Lösung.

    H.

    Sie sind ein [selbst gekürzt] und der Grund dafür, warum man für jeden lächerlichen Irrtum ein 20-seitiges Essay schreiben müsste statt meiner vorangegangenen Beleidigung. Der Leser-Artikel trifft genau den Punkt und hat überhaupt nicht die Absicht, irgendwelche Emotionen zu treffen, um von fehlender Stichhaltigkeit abzulenken. Er weist auf die philosophischen Irrtümer in unserem Denken hin, für die sich die selbsternannten Philosophen Deutschlands einen Dreck interessieren, und ich kann mich diesem Verweis nur anschließen. Die Missbräuchlichkeit der medizinischen Fortschritte (ja, Fortschritte!) darf nie und unter keinen Umständen übersehen werden. Also halten Sie ihr Maul und denken demnächst zweimal nach, bevor Sie jemandem - aufgrund fehlender Stichhaltigkeit Ihrerseits - emotionale Befangenheit unterstellen.

    Sie sind der Befangene - sie glauben, Wahrheit schließe ethische Bedenken aus oder relativiere sie und Ethik wiederum impliziere Religiösität. Da haben Sie immerhin genau den wunden Punkt und die große Dummheit des Abendlandes getroffen. Das erlaubt einen gewissen Stolz. Nur wer die an sich frei von Bewusstsein sich entfaltende Natur erfassen will, kann dies nur tun, indem er ihr einen Maßstab gibt: in unserem Fall den menschlichen. Deshalb hat das nichts mit Gott zu tun.

    Dass PID die Regel wird, bezweifele und hoffe ich auch, doch widerspreche ich Ihnen bei Ihrem Punkt 2. Nur weil in der Natur befruchtete Eizellen, sprich Menschen, absterben, heißt das ja nicht, dass Menschen auch Embryonen töten dürfen! In der Natur würden auch Menschen mit bestimmten (angeborenen) Krankheiten (relativ schnell) sterben, das heißt ja nicht, dass wir ihnen deswegen nicht helfen brauchen oder sie gar töten dürften.
    Die Argumentation im Artikel war zudem ohne Gott. Wir sollten uns aber nicht zum Herr über Leben und Tod machen, indem wir bestimmen welches vorhandene menschliche Leben lebenswert ist und welches nicht.
    Bei schon geborenen Menschen ist es in der Geschichte Deutschlands schon vorgekommen, dass viele ihr Leben lassen mussten, weil ihr Leben als nicht lebenswert und sie von gewissen Bevölkerungsschichten als "lästig" empfunden wurden.

    • Realo2
    • 04.07.2011 um 15:44 Uhr

    Dieser Beitrag beruht – wie leider viel zu oft – auf einer allzu formalen und eskapistischen Sicht der Dinge. Eine Betrachtung der Wirklichkeit wie sie tatsächlich ist, hilft indes auch bei diesem Thema entscheidend weiter.
    Diese Betrachtung der Realität zeigt: Bei einem Verbot der PID verkehrt sich die Sentenz vom „Im Zweifel für das Leben“ ins komplette Gegenteil. Betroffene Eltern werden zumeist – falls sie nicht ohnehin den Weg ins Ausland suchen – zwischen den Alternativen Abtreibung (des Kindes!) oder Verzicht auf weitere Kinder wählen. Was dies mit einer Entscheidung für das Leben zu tun hat, bleibt unerfindlich. Ein weiterer Irrglaube ist es, die begrenzte Zulassung der PID würde mit einer Wertentscheidung im Hinblick auf wertes resp. unwertes Leben einhergehen. Vielmehr findet einzig eine Bewertung der betroffenen Eltern statt, ob ihre eigenen Lebenskräfte dahingehend ausreichen, ein weiteres schwerstkrankes Kind für einige Jahre zu pflegen und sodann zu Grabe tragen zu müssen.
    Sicher ist: Sich die Hände in putativ-ethischer Unschuld zu waschen und betroffene Eltern die Drecksarbeit (gemeint: Abtreibung, Totgeburt) verrichten zu lassen, ist jedenfalls das Gegenteil von human.

    15 Leser-Empfehlungen
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    "Dieser Beitrag beruht – wie leider viel zu oft – auf einer allzu formalen und eskapistischen Sicht der Dinge. Eine Betrachtung der Wirklichkeit wie sie tatsächlich ist, hilft indes auch bei diesem Thema entscheidend weiter."

    Eine sehr manipulative Aussage, die Ihre rein persönliche Sicht darstellt, wie sie tatsächlich lediglich für Sie so ist.

    "Ein weiterer Irrglaube ist es, die begrenzte Zulassung der PID würde mit einer Wertentscheidung im Hinblick auf wertes resp. unwertes Leben einhergehen."

    Ihr Irrglaube dahingehend scheint zu sein, zu glauben, dass es nach Einführung der - wie Sie es nennen - "begrenzten Zulassung" der PID zwangsweise bei dieser Begrenzung bleiben wird.

    "Vielmehr findet einzig eine Bewertung der betroffenen Eltern statt, ob ihre eigenen Lebenskräfte dahingehend ausreichen [...]"

    Sie schließen also aus, dass die Bewertung der betroffenen Eltern irgendwann einmal einschließt, dass ihre Lebenskräfte für ein blindes/taub geborenes Kind nicht mehr ausreichen?

    "betroffene Eltern die Drecksarbeit (gemeint: Abtreibung, Totgeburt) verrichten zu lassen, ist jedenfalls das Gegenteil von human."

    Sie verwenden das Wort "human" ziemlich freizügig. Das Leben so zu nehmen, wie es ist - nämlich auch Mutationen zuzulassen, die möglicherweise einen nicht lebensfähigen Fötus zuzulassen - und den Eltern diese natürliche Bürde aufzuerlegen, hat nichts mit Inhumanität zu tun.

    Wer Höhen und Tiefen des Lebens nicht akzeptieren kann, ist selbst nicht lebensfähig.

    "Dieser Beitrag beruht – wie leider viel zu oft – auf einer allzu formalen und eskapistischen Sicht der Dinge. Eine Betrachtung der Wirklichkeit wie sie tatsächlich ist, hilft indes auch bei diesem Thema entscheidend weiter."

    Eine sehr manipulative Aussage, die Ihre rein persönliche Sicht darstellt, wie sie tatsächlich lediglich für Sie so ist.

    "Ein weiterer Irrglaube ist es, die begrenzte Zulassung der PID würde mit einer Wertentscheidung im Hinblick auf wertes resp. unwertes Leben einhergehen."

    Ihr Irrglaube dahingehend scheint zu sein, zu glauben, dass es nach Einführung der - wie Sie es nennen - "begrenzten Zulassung" der PID zwangsweise bei dieser Begrenzung bleiben wird.

    "Vielmehr findet einzig eine Bewertung der betroffenen Eltern statt, ob ihre eigenen Lebenskräfte dahingehend ausreichen [...]"

    Sie schließen also aus, dass die Bewertung der betroffenen Eltern irgendwann einmal einschließt, dass ihre Lebenskräfte für ein blindes/taub geborenes Kind nicht mehr ausreichen?

    "betroffene Eltern die Drecksarbeit (gemeint: Abtreibung, Totgeburt) verrichten zu lassen, ist jedenfalls das Gegenteil von human."

    Sie verwenden das Wort "human" ziemlich freizügig. Das Leben so zu nehmen, wie es ist - nämlich auch Mutationen zuzulassen, die möglicherweise einen nicht lebensfähigen Fötus zuzulassen - und den Eltern diese natürliche Bürde aufzuerlegen, hat nichts mit Inhumanität zu tun.

    Wer Höhen und Tiefen des Lebens nicht akzeptieren kann, ist selbst nicht lebensfähig.

  3. Bei der Verschmelzung von Ei und Samenzelle werden ein Ei und einer von Millionen Samen statistisch ausgewählt für ein neues Leben. Die Natur leistet sich, mit einer maximalen Vielfalt zu arbeiten, wobei man immer darauf achten muss, dass der "Erfolg" letztendlich nicht ein "erfülltes Leben" ist, sondern eine maximale Zahl von Nachkommen, deren Nachkommen etc., aber immer im Rahmen der zur Zeit geltenden Randparameter ( Temperatur, Luftfeuchte, Licht, Nahrungsangebot, Krankheitskeimen etc ). Etwas, was heute "perfekt" ist, kann morgen unter geänderten Randbedingungen absolut "daneben" sein, etwas, was heute "na ja" ist, wäre uU dann das Beste ...
    Wir müssen also davon ausgehen, dass auf "natürliche Weise" immer ein Prozentsatz "nicht perfekt" ( kein Problem, das sind die meisten ), "etwas daneben", "ziemlich daneben" und vielleicht sogar "absolut daneben" ist. Ein gewisser Prozentsatz schafft es nicht mal auf natürliche Weise bis zur Geburt. Das ist Natur.
    Wenn wir PID mit Augenmaß betreiben, können wir das "absolut daneben" vermeiden. Der Fehler in der Argumentation ist, heute LEBENDE Schwer- und Schwerstbehinderte mit einem Mehrzellenstadium kurz nach der Befruchtung zu vergleichen. Wir wollen keinen lebenden Menschen ( mit Gefühlen, mit Präsenz ) umbringen, wir wollen "nur", dass die Weiterentwicklung einiger Zellen nicht stattfindet, von denen wir wissen, dass ein Mensch daraus werden könnte, absolut gesehen könnte es aber auch ein Polyp werden..

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    Man kann durchaus geborene, selbstverständlich lebende, Menschen mit schweren Behinderungen mit Embryonen, die auch Menschen sind, vergleichen. Auch Embryonen sind präsent und leben, biologisch gesehen.
    Ihnen das Menschsein aufgrund mangelnder Gefühle vorzuwerfen, ist meines Erachtens falsch. Ein Mensch ist doch um seiner selbst willen Mensch und nicht weil er Gefühle hat. Es gibt auch Menschen, die keine Emphatie empfinden oder nicht sehen können. Diese sind doch selbstverständlich auch Menschen. Auch wenn sich die Zellen eines Embryos zu verschiedenen Organen entwickeln können und er sich teilen kann (eineigige Mehrlinge), heißt das ja nicht, dass es sich nicht um menschliches Leben handelt, das schutzbedürftig ist.
    Ethisch gesehen befinde ich mich in der Tradition Albert Schweitzers, der forderte, "Leben zu erhalten und zu fördern". Embryos zu töten, verstößt gegen diesen Leitsatz. Jedes Menschenleben ist lebenswert.

    Man kann durchaus geborene, selbstverständlich lebende, Menschen mit schweren Behinderungen mit Embryonen, die auch Menschen sind, vergleichen. Auch Embryonen sind präsent und leben, biologisch gesehen.
    Ihnen das Menschsein aufgrund mangelnder Gefühle vorzuwerfen, ist meines Erachtens falsch. Ein Mensch ist doch um seiner selbst willen Mensch und nicht weil er Gefühle hat. Es gibt auch Menschen, die keine Emphatie empfinden oder nicht sehen können. Diese sind doch selbstverständlich auch Menschen. Auch wenn sich die Zellen eines Embryos zu verschiedenen Organen entwickeln können und er sich teilen kann (eineigige Mehrlinge), heißt das ja nicht, dass es sich nicht um menschliches Leben handelt, das schutzbedürftig ist.
    Ethisch gesehen befinde ich mich in der Tradition Albert Schweitzers, der forderte, "Leben zu erhalten und zu fördern". Embryos zu töten, verstößt gegen diesen Leitsatz. Jedes Menschenleben ist lebenswert.

    • bari
    • 04.07.2011 um 17:03 Uhr

    Sind befruchtete Eizellen ausserhalb des Körpers überhaupt "menschliches Leben"? Und selbst wenn es schon Zellhaufen mit embryonalem Charakter sind. Sie sind und bleiben (ausserhalb des Körpers der Mutter) zu 100% nicht entwicklungs- und lebensfähig. Damit sterben diese "Zellhaufen" immer eines natürlichen Todes. Die moralische Frage stellt sich dann bei der Erzeugung dieser Zellhaufen: Natürlich oder im Reagenzglas? Ich denke hier müsste erst eine trennscharfe Argumentation im Vorfeld gefunden werden.

  4. In dieser Frage bin ich vollkommen Ihrer Meinung, Herr Küper - die übrigen Kommentare bringen mich allerdings zum Schaudern.
    Ich bin keineswegs fachkundig auf diesem Gebiet aber mir scheint, die Vision des Science Fiction-Films Gattaca von 1997 nähere sich der Wirklichkeit.
    Vielleicht sollten wir bei unserer Beurteilung derart gravierender Fragen Emotio nicht gänzlich von Ratio verdrängen lassen, sondern mal fernab rein wissenschaftlicher und statistischer Argumente mithilfe simpler, primitiver Menschlichkeit entscheiden.
    Ich für meinen Teil empfinde die Argumentation einiger meiner Mitkommentatoren hier jedenfalls als einschüchternd und unangemessen 'kalt' und leidenschaftslos.

    Eine Leser-Empfehlung
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    ...die Natur ist ein unromantisches Vieh. Da wird gezeugt, gewachsen, verschwendet, getötet, vestümmelt, gefressen, geschissen, verfault usw. was das Zeug hält. Vollkommen moralfrei und mit jeder Menge Zufall.

    Es ist letztlich unsere Entscheidung wie weit wir diesen, oft sehr grausamen und bestenfalls evolutionär sinnvollen, Zufall zulassen oder nicht. Aber JEDER sollte die Pro-und-Contra Argumente sehr genau abwägen, denn die Entscheidung kann das Leben einer Person oder einer Familie zur Hölle machen.

    Und da die Philosophie die Tendenz hat, mit dem Kopf in den Wolken und mit den Füßen im Elfenbeinturm zu stehen, sollte man die Entscheidung auf dem Boden von aktuellen Tatsachen und technischer Entwicklung treffen und besser gegebenenfalls nachbessern, als von vornherein aus Angst alles abzuwürgen und Totalverbote auszusprechen.

    War das jetzt emotional genug für dich?

    ...jegliche Behinderung zum Leben zu verdammen. Und nein, ich halte nicht jedes Leben für lebenswert und mir kann keiner erzählen, dass ein schwer behinderter Mensch bei freier Wahl nicht lieber einen gesunden Körper vorziehen würde.

    ...die Natur ist ein unromantisches Vieh. Da wird gezeugt, gewachsen, verschwendet, getötet, vestümmelt, gefressen, geschissen, verfault usw. was das Zeug hält. Vollkommen moralfrei und mit jeder Menge Zufall.

    Es ist letztlich unsere Entscheidung wie weit wir diesen, oft sehr grausamen und bestenfalls evolutionär sinnvollen, Zufall zulassen oder nicht. Aber JEDER sollte die Pro-und-Contra Argumente sehr genau abwägen, denn die Entscheidung kann das Leben einer Person oder einer Familie zur Hölle machen.

    Und da die Philosophie die Tendenz hat, mit dem Kopf in den Wolken und mit den Füßen im Elfenbeinturm zu stehen, sollte man die Entscheidung auf dem Boden von aktuellen Tatsachen und technischer Entwicklung treffen und besser gegebenenfalls nachbessern, als von vornherein aus Angst alles abzuwürgen und Totalverbote auszusprechen.

    War das jetzt emotional genug für dich?

    ...jegliche Behinderung zum Leben zu verdammen. Und nein, ich halte nicht jedes Leben für lebenswert und mir kann keiner erzählen, dass ein schwer behinderter Mensch bei freier Wahl nicht lieber einen gesunden Körper vorziehen würde.

    • bari
    • 04.07.2011 um 18:22 Uhr

    ..da machen Sie es sich etwas zu einfach. Ein Beispiel: Der Vater eines ermordeten Kindes handelt durchaus simpl und mit primitiver Menschlichkeit, wenn er den Mörder ebenfalls tötet. Und emotional nachvollziehbar ist so eine Tat erst recht. Aber der Fortschritt der Zivilisation und auch der Moral erlaubt diese Tat aus guten Gründen nicht. Und wenn wir über PID reden, dann sollte uns schon klar sein, und zwar auch in Grenzbereichen, ob wir von menschlichem Leben reden oder nicht. Auch wenn es kalt und herzlos klingt.

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    also welche Dinge werden vererbt, die mit der PID erkannt werden können? bitte Antworten!!!
    andere Fragen: ist unsere Gesellschaft in der Lage mit den Lebenden, der eigentlich zu Vermeidenden umzugehen.. wo findet ein Gespräch über die zu Vermeidenden statt? wer, der hier anwesenden ist zu vermeiden oder kennt jemanden der ausgeschaltet werden müsste?
    wahrscheinlich wenige, weil alle schon jenseits sind! gut bürgerlich begraben, die Kirche läutet, die Bürger schauen, wer denn so zu diesem Begräbnis gekommen ist!
    freiwillig wird sich wohl niemand zur Selektion melden, das macht die verwaltete Welt schon-- PID könnte ja auch für PolizeilicheIndustrieDiagnose stehen, wenn sich schon niemand mehr findet, der sich dann diesen Test oder das ja das LEISTEN kann.. sei´s drum! ich würde es machen, wenn ich durch ein Test erfahren könnte, welch ungeheuren Dinge sich vor meinem beschränkten Horizont abspielen, auch über die Guten würde ich gerne mehr erfahren; ein Test für Plagiatoren, ein Experimentekasten mit dem Thema "wie werde ich Manager" mit organisationalen prozessbeförderden interkulturell auf rechnungswesens abgestimmter Basis, wie Teste ich gute Migranten, nein STOP, das gibt es schon , den Deutschtest,, alles Träume, manche sprechen von Fortschritt und dann noch MORALISCH, obwohl alle Welt entzaubert ist und in manchen Regionen Spiele ums Leben gespielt werden.......
    ich setze auf den Testsieger der ersten PID, den wähl ich dann auch
    tutu mir leid, war nur ein Test!!

    also welche Dinge werden vererbt, die mit der PID erkannt werden können? bitte Antworten!!!
    andere Fragen: ist unsere Gesellschaft in der Lage mit den Lebenden, der eigentlich zu Vermeidenden umzugehen.. wo findet ein Gespräch über die zu Vermeidenden statt? wer, der hier anwesenden ist zu vermeiden oder kennt jemanden der ausgeschaltet werden müsste?
    wahrscheinlich wenige, weil alle schon jenseits sind! gut bürgerlich begraben, die Kirche läutet, die Bürger schauen, wer denn so zu diesem Begräbnis gekommen ist!
    freiwillig wird sich wohl niemand zur Selektion melden, das macht die verwaltete Welt schon-- PID könnte ja auch für PolizeilicheIndustrieDiagnose stehen, wenn sich schon niemand mehr findet, der sich dann diesen Test oder das ja das LEISTEN kann.. sei´s drum! ich würde es machen, wenn ich durch ein Test erfahren könnte, welch ungeheuren Dinge sich vor meinem beschränkten Horizont abspielen, auch über die Guten würde ich gerne mehr erfahren; ein Test für Plagiatoren, ein Experimentekasten mit dem Thema "wie werde ich Manager" mit organisationalen prozessbeförderden interkulturell auf rechnungswesens abgestimmter Basis, wie Teste ich gute Migranten, nein STOP, das gibt es schon , den Deutschtest,, alles Träume, manche sprechen von Fortschritt und dann noch MORALISCH, obwohl alle Welt entzaubert ist und in manchen Regionen Spiele ums Leben gespielt werden.......
    ich setze auf den Testsieger der ersten PID, den wähl ich dann auch
    tutu mir leid, war nur ein Test!!

  5. ... was lebenswertes Leben ist. Für die Allermeisten geht es darum, ob sie ihrem Kind und sich selbst eine bestimmte Art zu leben zumuten wollen.

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    Hallo Herr Küper,
    .
    Das ist nur Ihre Behauptung: "Danach folgt ethische Willkür."
    .
    Es ist aber bei allen neuen Techniken so, dass sie zum Wohl oder zum Verderben eingesetzt werden können. Was davon passiert, hängt vom Grad der Demokratisierung einer Gesellschaft ab. Das muss immer wieder neu austariert werden, und das passiert eben im Streit - wenn er fair ausgetragen wird.
    .
    "Ethische Willkür" sehe ich erst, wenn der Streit unterbunden wird. Wenn die PID aus so einem Grund verboten wird, dann müsste man alle Techniken verbieten, die sich missbrauchen lassen. Sogar die Küchenmesser müsste man dann abschaffen!

    Hallo Herr Küper,
    .
    Das ist nur Ihre Behauptung: "Danach folgt ethische Willkür."
    .
    Es ist aber bei allen neuen Techniken so, dass sie zum Wohl oder zum Verderben eingesetzt werden können. Was davon passiert, hängt vom Grad der Demokratisierung einer Gesellschaft ab. Das muss immer wieder neu austariert werden, und das passiert eben im Streit - wenn er fair ausgetragen wird.
    .
    "Ethische Willkür" sehe ich erst, wenn der Streit unterbunden wird. Wenn die PID aus so einem Grund verboten wird, dann müsste man alle Techniken verbieten, die sich missbrauchen lassen. Sogar die Küchenmesser müsste man dann abschaffen!

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