Frage : Frau Will, vor genau zehn Jahren haben wir uns das letzte Mal zum Interview getroffen. Erinnern Sie sich?

Will : Aber wie! Ein munteres Gespräch war das in Hamburg. Das war kurz bevor ich bei den Tagesthemen anfing.

Frage : Sie wirken irgendwie noch munterer als damals. Täuscht das?

Will : Es würde mich sehr freuen, wenn ich den Eindruck machte. Denn ich fühle mich tatsächlich gerade sehr frei. Und bin es auch.

Frage : Das war nicht immer so?

Will : Nicht wirklich. In den vergangenen vier Jahren, also seitdem ich Anne Will mache, habe ich mich nicht immer so gefühlt. Da war ich nicht durchgängig fröhlich.

Frage : Es gab also Höhen und Tiefen. Wo würden Sie die denn ansiedeln?

Will : Oben und unten. Aber Sie wollen sicher wissen, wann es mir besonders schlecht ging und warum, oder?

Frage : So ist es. Das Warum interessiert uns am meisten.

Will : Momente der Verzweiflung gab es keine. Auch nicht am Anfang von Anne Will , als es nicht so gut lief. Ich wusste ja, was ich konnte. Und ich wusste auch, woran es lag. Zum Beispiel daran, dass ich relativ plötzlich auf die Talk-Bühne gestoßen worden bin. Günther Jauch hatte abgesagt und mir blieb dann bis September 2007 gerade mal ein knappes halbes Jahr, um mir ein Team zusammenzusuchen und mich vorzubereiten. Ich muss zugeben, dass ich anfangs auch meinen eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht werden konnte. Nach einer Weile war das Schlimmste dann aber überstanden, und quotenmäßig ging es ja ohnehin nur noch bergauf.

Frage : Haben Sie den Talk anfangs zu leicht genommen?

Will : Das würde ich so nicht sagen. Aber eines ist mal sicher: Talk ist ein ganz schwieriges Format, das soll lieber keiner unterschätzen. Talk ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Wenn Sie eine echte Debatte wollen, dann müssen Sie in der Lage sein, aus verschiedenen Richtungen und mit verschiedenen Zielsetzungen zu fragen.

Frage : Klingt doch ganz einfach.

Will : Und das soll dann auch noch total unangestrengt aussehen. Als ich noch keine Talkerin war, habe ich auch immer gesagt, das gibt's doch nicht, warum fragt der jetzt nicht das oder das. Aber sitzen Sie da mal und müssen es selbst machen. Das ist ein komplett anderer Schuh. Mit den Worten meines ehemaligen Chefredakteurs beim damaligen SFB, Jürgen Engert, kann ich nur sagen: Ich warne vor Hochmut. Passt übrigens in jeder Lebenslage.