Derek Jason Bentley, auch Dij Davies genannt, verlor seine Mutter Catherine Anfang letzten Jahres, sie starb an den Folgen einer Leukämie-Erkrankung. Die behandelnden Ärzte baten Verwandte und Bekannte, sich für eine mögliche Blutspende testen zu lassen, um seiner Mutter zu helfen. Doch einer wurde nicht getestet. Derek Bentley hätte helfen können, aufgrund seiner sexuellen Orientierung wurde ihm die Blutspende jedoch verwehrt.



Dieser Fall führte in Großbritannien zu einer Diskussion, die im April dieses Jahres mit dem Beschluss endete, dass Homosexuelle in Großbritannien und Nordirland zur Blutspende zugelassen werden dürfen, sofern sie zehn Jahre enthaltsam gelebt haben.

Auch in Deutschland dürfen Homosexuelle kein Blut spenden, obgleich die deutsche Bundesregierung im Dezember 2010 erklärt hat, eine Expertengruppe am Robert-Koch-Institut denke über eine Veränderung des Verbotes nach. In einem im Sommer 2006 erschienenen Interview mit dem Focus fasste der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes, Klaus Jetz, die Situation in Deutschland mit den Worten zusammen: "Damit stehen Schwule unter HIV-Generalverdacht". Lübbo Roewer, Sprecher des deutschen Roten Kreuzes, sagte dem Focus, das Risiko, sich bei einer Blutspende mit HIV zu infizieren, liege bei eins zu 1,5 Millionen. Die Gefahr, dass einem die Decke auf den Kopf falle sei größer, so Roewer.

Kein Blutspendeverbot in Russland

Neben Argentinien, Japan und Australien, die allesamt Blutspenden von Homosexuellen zulassen, entschied sich überraschenderweise auch Russland dafür. Ein Land, das stets als illiberal gegenüber Schwulen galt, bewertet nun jeden Spender unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung und wirkt so Diskriminierung und Stigmatisierung entgegen. Die Ursache für die stetig steigende Zahl HIV-Infizierter in Russland sieht Alexander Goliussow, Chef der HIV-Abteilung der russischen Aufsichtsbehörde für Verbraucherschutz, im intravenösen Konsum von Rauschgift. 85 Prozent der neuregistrierten Fälle seien darauf zurückzuführen.

Trotz der Tatsache, dass das deutsche Rote Kreuz seit vielen Jahren über Blutknappheit klagt, hält die Regierung an ihrem Verbot fest. Seit Italien 2001 Homosexuelle zur Blutspende zugelassen hat, stieg dort die Zahl der Blutspenden um 20 Prozent an, die Zahl der infizierten Spender sank. Beispiele wie Italien, Russland und Argentinien zeigen, wie wichtig es ist, Menschen individuell zu beurteilen. Das rettet nicht nur Leben, sondern ist ein Schritt gegen Diskriminierung und Stigmatisierung.