ProtestDer Marsch der Schlampen

Die Botschaft des "Slutwalks": Ein kurzer Rock ist keine Einladung zur Vergewaltigung, sagt Organisatorin Anne Wizorek. Am Samstag wird in deutschen Städten demonstriert. von 

ZEIT ONLINE: Den Slutwalk könnte man mit "Marsch der Schlampen" übersetzen. Klingt verrückt, wenn es um Frauenrechte gehen soll.

Anne Wizorek: Ja, aber es war total clever, einen derart provokanten Titel zu wählen. Wenn wir die Veranstaltung "Demo für Frauenrechte" nennen würden, hätten wir diese Aufmerksamkeit nicht bekommen.

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ZEIT ONLINE: An diesem Samstag finden Slutwalks in vielen Deutschen Städten statt , es gab ihn schon in Kanada, USA und auch in Europa. Worum geht es bei dem Protest?

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Eine Teilnehmerin eines Slutwalks in Manchester

Eine Teilnehmerin eines Slutwalks in Manchester  |  CC BY 2.0 Man Alive/Flickr

Wizorek: Den ersten Slutwalk hat es in Toronto gegeben. Dort hatte ein Polizist Studentinnen geraten, sie sollten sich "nicht wie Schlampen" anziehen , um nicht zum Opfer sexueller Gewalt zu werden. Gegen solche Vergewaltigungsmythen protestieren wir. Aber auch gegen die tägliche Belästigung von Frauen, durch Bemerkungen, Hinterherpfeifen, oder durch Anfassen.

ZEIT ONLINE: Die Selbstbezeichnung als "Schlampen" kann aber auch Menschen davon abhalten, zum Slutwalk zu gehen.

Wizorek: Das stimmt, in Berlin war es für uns deshalb auch wichtig, dass es um mehr als den Schlampenbegriff geht. In Toronto ging es um das klassische " Reclaiming ", das sich Aneignen eines Begriffs, wie es zum Beispiel auch bei " queer " passiert ist. Für uns steht der Schlampenbegriff im Titel symbolisch für alle Mechanismen, die es in der Gesellschaft gibt, um sexuelle Selbstbestimmung zu verhindern.

ZEIT ONLINE: Kann man die Situation in Kanada wirklich mit der in Deutschland vergleichen?

Anne Wizorek

30, ist freie Online-Redakteurin, Eventplanerin, PR-Managerin und passionierte Internetliebhaberin. Sie war Autorin für spreeblick.com und hat unter anderem die Bloggerkonferenz re:publica mitorganisiert

  Wizorek: Ja. Der Spruch "Die hat's ja nicht anders gewollt", ist auch bei uns immer noch verbreitet. Wenn diese Vergewaltigungsmythen – das Opfer habe Mitschuld – immer weiter reproduziert werden, dann führt das dazu, dass Betroffene sich nicht trauen, solche Taten anzuzeigen.

Leserkommentare
  1. it's a man's world. Frauen verhalten sich in a man's world und sind bekanntlich nicht die besseren Menschen. Sie haben völlig recht, daß viele Frauen Androzentrismus http://de.wikipedia.org/w... verinnerlicht haben und an ihre Töchter und Söhne weitergeben.

  2. Natürlich mache ich mich manchmal "schön" für meinen Mann oder für einen bestimmten Mann. Das ist jedoch keine generelle Aufforderung für ein ganzes Rudel. Die meisten Vergewaltigungen finden auch nicht wegen eines Minirockes statt. Dieser wird hier nur benutzt um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.

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    • multix
    • 13. August 2011 20:57 Uhr

    ist kein weibliches Privileg. Wenn ich als Mann dies für meine Frau mache, dann genießt sie dies in vollen Zügen - von der farbbewußt ausgewählten Socke über die saubere Rasur bis zum unauffälligen wet-look der Haarpracht.

    Dezenter Duft, gern ein wenig herb, kann auch gefallen.

    Hauptsache der Knackarsch passt in die lässig - elegante Hose...

    ;-)

    Das Ding ist. Als Mann darf ich es nicht übertreiben.

    Oder doch?

    Bevor ich verheiratet war, gehörte neben qualitativ hochwertigen Jeans & Jackett ein extrem dünn aufgetragener Kajal-Stift und hautfarbener Lidschatten zur Grundausstattung meines Make-Ups.

    Hey, die Kerle haben es, bis auf die Schwulen, nicht bemerkt.
    Die darob irritierten Frauen umso mehr.

    Die männliche "Schlampe" ist eine begehrte Stilblüte.

    m.

  3. ...an der ach so tollen nahöstlichen Gesellschaft und ziehen unseren Frauen einen schwarzen Mantel und eine Burka an, "damit sie uns nicht zur Sünde verführen".

    Antwort auf "Weiter so!"
  4. 188. Freiwild

    Dieses Thema hat viele Facetten.
    Und eine Facette davon ist: Viele Frauen geniessen es, Männer aufzuheizen und aufzugeilen und sie am langen Arm verhungern zu lassen. Das ist die weibliche Form von Ego-Spielchen.

    Das funktioniert aber nur in unserer Kultur, mit starken Rechtsstaat und massiver Bestrafung von sexueller Belästigung. In vielen anderen Kulturen und auch in unserer eigenen Kultur bis nicht vor allzulanger Zeit sind solche Frauen, zurecht, Freiwild.

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    • multix
    • 13. August 2011 20:32 Uhr

    viele Männer glauben sie wären die Jäger.

    Dabei sind sie die Gejagten.

    Sie merken es, in Friedenszeiten, nur nicht.

    m.

    Arme, arme gejagte Männer, die es nötig haben, 'zurecht' Frauen als Freiwild zu betrachten. Das gibt dem Androzentrismus noch eine andere Drehung, nämlich die Selbstviktimisierung.

    *virtuelles Taschentuch*

    • multix
    • 13. August 2011 20:32 Uhr

    viele Männer glauben sie wären die Jäger.

    Dabei sind sie die Gejagten.

    Sie merken es, in Friedenszeiten, nur nicht.

    m.

    Antwort auf "Freiwild"
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    So ist es. Es ist eine "Womens world", keine "mens world". Alle Indikatoren zeigen das eindeutig.

    Und es ist ja geradezu genial, das Frauen es geschafft haben, den Männern einzureden das es genau umgekehrt ist. Da gehört dann schon eine Menge Selbstverleugnung dazu um das überzeugend rüberzubringen.

    Kann es Männer eigentlich trösten, das es genau diese Selbstverleugnung ist, über die Frauen allzuoft dann selber stolpern?

  5. So ist es. Es ist eine "Womens world", keine "mens world". Alle Indikatoren zeigen das eindeutig.

    Und es ist ja geradezu genial, das Frauen es geschafft haben, den Männern einzureden das es genau umgekehrt ist. Da gehört dann schon eine Menge Selbstverleugnung dazu um das überzeugend rüberzubringen.

    Kann es Männer eigentlich trösten, das es genau diese Selbstverleugnung ist, über die Frauen allzuoft dann selber stolpern?

    Antwort auf "Freiwild-Unsinn"
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    Krieg, Kolonialismus, Nationalismus, Faschismus, Stalinismus, überhaupt -ismus, Religionen, Folter etc.etc. - sind Ihrer Ansicht nach alles Mädchenerfindungen? Ah so.

  6. Arme, arme gejagte Männer, die es nötig haben, 'zurecht' Frauen als Freiwild zu betrachten. Das gibt dem Androzentrismus noch eine andere Drehung, nämlich die Selbstviktimisierung.

    *virtuelles Taschentuch*

    Antwort auf "Freiwild"
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    • multix
    • 13. August 2011 20:59 Uhr

    daß Sie mir immer wieder so zur Seite stehen.

    ;-)

    schnief.

    m.

    • multix
    • 13. August 2011 20:57 Uhr

    ist kein weibliches Privileg. Wenn ich als Mann dies für meine Frau mache, dann genießt sie dies in vollen Zügen - von der farbbewußt ausgewählten Socke über die saubere Rasur bis zum unauffälligen wet-look der Haarpracht.

    Dezenter Duft, gern ein wenig herb, kann auch gefallen.

    Hauptsache der Knackarsch passt in die lässig - elegante Hose...

    ;-)

    Das Ding ist. Als Mann darf ich es nicht übertreiben.

    Oder doch?

    Bevor ich verheiratet war, gehörte neben qualitativ hochwertigen Jeans & Jackett ein extrem dünn aufgetragener Kajal-Stift und hautfarbener Lidschatten zur Grundausstattung meines Make-Ups.

    Hey, die Kerle haben es, bis auf die Schwulen, nicht bemerkt.
    Die darob irritierten Frauen umso mehr.

    Die männliche "Schlampe" ist eine begehrte Stilblüte.

    m.

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    • clair11
    • 13. August 2011 21:09 Uhr

    Es steht im §183 STGB: "ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt..."

    Entweder ist eine exhibitionistische Handlung durch eine Frau nicht belästigend, oder das ist belästigend aber nicht strafbar.

    Je nach gesellschatlicher Entwicklung kann das natürlich ändern, entweder, in die Richtung dass die exhibitionische Handlung eines Mannes auch legalisiert wird, oder dass auch eine solch Handlung einer Frau strafbar wird.

    Früher konnte laut StGB auch nur Frauen vergewaltigt werden. Jetzt ist §177 geschlechtsneutral, hinsichtlich des Opfers aber auch des Täters.

    Was ich bei SlutWalk immer noch nicht verstehe (gerade wenn ich Ftots davon sehe, ist, wie eine Frau gegen Sexismus demonstriert, in dem sie ihre Busen offen zeigt und so für die Pressefotografen posiert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Protest | Medien | Feminismus | Botschaft | Debatte | Gewalt
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