Leserartikel

Internet Die Globalisierung unseres Denkens

Mit dem Internet hat sich ein neues globales Bewusstsein herausgebildet, schreibt Leser Sebastian Flad. Das hat Folgen für unsere Wahrnehmung.

Das von Tim Berners-Lee am Forschungsinstitut Cern in der Schweiz ins Leben gerufene World Wide Web feiert dieses Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag. Mittlerweile ist es weit mehr als nur eine Plattform zum Verlinken wissenschaftlicher Dokumente: Es ist zu einem Komplex aus Alltagskommunikation, Videos, Literatur und Meinungsbildung geworden, in dem Informationen immer schneller verschickt, sortiert und bewertet werden.

Wenn in Island ein Vulkan ausbricht, steht das fünf Minuten später detailliert auf Wikipedia, der größten Enzyklopädie aller Zeiten, die bezeichnenderweise den hawaiianischen Ausdruck für "schnell" im Namen trägt. Wenn ein weltbekannter Popstar stirbt, sind fünf Minuten später eine halbe Milliarde Menschen darüber informiert. Wenn es einen Tsunami gibt, verfolgen Milliarden Augen die Kamerabilder, um seiner Zerstörungskraft aus allen denkbaren Perspektiven zuzuschauen.

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Das Überwesen Web ist so unmittelbar geworden, dass es beinahe als eigenes Sinnesorgan verstanden werden kann. Nicht als Sinnesorgan eines einzelnen Menschen, sondern als ein gemeinsames Sinnesorgan aller Menschen. Wie die bereits bekannten Sinnesorgane liefert es enorme Datenmengen, die unsortiert, ungefiltert und uninterpretiert nur ein wertloses weißes Rauschen wären.

Mit dem globalen Sinnesorgan Web hat sich aber auch ein globales Bewusstsein herausgebildet, das ähnlich wie das des einzelnen Menschen bestimmte Inhalte in den Mittelpunkt rückt. Dieses globale Bewusstsein produziert weltweite Gefühlsregungen, Denkanstöße und Wutausbrüche. In zahllosen Foren, Blogs und Tweets entwickeln sich Diskussionen – über das Für und Wider von Atomkraft, die Ehrenhaftigkeit von Plagiatoren, den Sinn und Unsinn eines neuen Bahnhofs. Unser Denken beginnt sich ins Web zu verlagern.

 
Leser-Kommentare
  1. ich bitte Sie, etwas respektvoller mit der deutschen Sprache umzugehen. (da ich davon ausgehe, dass ihnen klar ist, welchen Blödsinn Sie da eigentlich geschrieben haben)

    Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

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    bist Du es?

    • nike11
    • 25.09.2011 um 12:02 Uhr

    ... und die Grammatik gebieten es, 'Ihnen' groß zu schreiben ;))

    bist Du es?

    • nike11
    • 25.09.2011 um 12:02 Uhr

    ... und die Grammatik gebieten es, 'Ihnen' groß zu schreiben ;))

  2. Demokratie muss jetzt ins Netz. Jeder soll wissen, wie sein Abgeordneter entscheiden wird, bzw sollte man ruhig seinem Abgeordneten Weisungen geben dürfen. Demokratisch natürlich.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. bist Du es?

    Antwort auf "ärgerlich"
    • jon777
    • 25.09.2011 um 10:33 Uhr

    Wir im jetzt und hier, und im Fern und Gestern und Morgen.
    Real und Virtuell, Danke für diesen Artikel!

  4. nur ein kurzer Gedanke, da ich diesen Artikel für Blödsinnig halte, mich aber nun leider gottes geäußert habe:

    Das Internet reizt uns. Nicht alles was uns reizt, hat auch ein bewusstsein, kann jedoch trotzdem informational komplex und unberechenbar sein.

    Zitat:
    Das Überwesen Web ist so unmittelbar geworden, dass es beinahe als eigenes Sinnesorgan verstanden werden kann. Nicht als Sinnesorgan eines einzelnen Menschen, sondern als ein gemeinsames Sinnesorgan aller Menschen.
    zitat ende
    Diese Auffassung ist offensichtlich in sich selbst widersprüchlich.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • sevens
    • 25.09.2011 um 20:09 Uhr

    Ich erkenne in der Aussage keinen Widerspruch. Bitte erklären Sie mir das.

    • sevens
    • 25.09.2011 um 20:09 Uhr

    Ich erkenne in der Aussage keinen Widerspruch. Bitte erklären Sie mir das.

    • R.B.
    • 25.09.2011 um 10:56 Uhr

    Es veränderte unsere erlebbare Gesellschaft radikaler als der Buchdruck und mit einer außerordentlichen Geschwindigkeit, wobei 1. und 2. durchlaufen sind und sich derzeit die unten genannten letzten drei Schritte formieren.

    1. Information (Achtung auch Desinformation)
    2. Kommunikation
    3. Handel und Wirtschaft (B2B, B2C: Beispiel amazon)
    4. Gesellschaft, (Soziale, private) Netzwerke
    5. Politik

    Das Besondere: Die ungeheure Freisetzung von Wissen und eine grenzüberschreitende internationale freie nicht steuerbare nicht hierarchisierte Kommunikation/ Austasch jedes Einzelnen mit jedem Einzelne und allen Formen der freien Gruppenbildung und Solidarisierung.

    Und gerade dies wird nicht ohne Rückwirkungen auf die Politik, das Recht, die Wirtschaft, die Gesellschaft sein, da Meinungsbildung nicht mehr nur von "oben" sondern eben auch von "unten" also basisdemokratischer Prozess durch den äußerst einfachen Zugang des Internets möglich wird.

    Allerdings ist die Reizflutung (Die ganze Welt abrufbar im Web) des Einzelnen (Wie filtere ich was aus diesem Information- und nicht zu vergessen Desinformationsstrom - heraus) ebenso enorm.

    In diesem Sinne ist der Einzelne gefordert geistige Strategien und Methoden zur Evaluierung dieses enormen Datenstroms zu entwickeln.

    Umgekehrt ist jede nationale Gesellschaft (Politik) gefordert, im grenzenlosen Web, an dem sich jeder mit einem "Click" beteiligen kann, gänzlich neue Regeln des Rechts, Handels, Wirtschaft, Politik zu entwickeln.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Das Web ist natürlich aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken.

    Aber Diskussionen im Web haben noch nichts verändert.
    Nicht das Web hat gegen S21 und Atomkraft gewonnen sondern Menschen die auf die Straße gingen und laut schrien das es ihnen nicht passt.
    Nicht das Web hat Mubarak und Ali gestürzt sondern Menschen die ihre Leben riskiert - und gegeben - haben.

    Hier im Zeitforum gibt es wirklich intelligente Ideen(plural!!!) wie man die EURO-Krise lösen kann.
    Hört jemand zu? Interessiert es irgend einem Parlament"Backbencher"?
    Würden sich die Foristen vor dem Reichstag versammeln und laut aufschreien sähe das vielleicht anders aus.

    Das Web ist ein Werkzeug, ein sehr gutes Werkzeug, eines auf das ich nicht verzichten will.
    Aber Denken findet immer noch im Kopf statt und Veränderungen immer nur dann wenn sich genügend Menschen finden die dafür Aktiv werden.
    Das Web hat die Menschen die Denken und Verändern wollen weltweit zusammengebracht.
    Aber die Welt verändert man vor dem Monitor nicht.
    Da muss man das Haus verlassen und auf die Straße gehen :-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • sevens
    • 25.09.2011 um 20:31 Uhr

    Ich kann mich Ihrer Aussagen nur anschließen: Die Welt verändert man vor dem Monitor nicht. Denken findet im Kopf statt.

    Dennoch entsteht aufgrund der Tatsache, daß das Web Möglichkeiten bietet, sich zu finden, sich über gemeinsame Interessen auszutauschen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und sich zu organisieren, ein gemeinsamer (kollaborativer) Denkprozess _zwischen_ den Köpfen, der zu vielen neuen Ideen _in_ den Köpfen führt.

    Freilich führen Ideen nicht automatisch zu einer Veränderung der Welt. Das habe ich allerdings auch nicht behauptet. Wer etwas verändern will, muß handeln. Doch vor jedem Handeln steht eine Idee, und das Web ist ein Humus für Ideen, denn es läßt Pluralität zu und hält Wissen frei verfügbar.

    • sevens
    • 25.09.2011 um 20:31 Uhr

    Ich kann mich Ihrer Aussagen nur anschließen: Die Welt verändert man vor dem Monitor nicht. Denken findet im Kopf statt.

    Dennoch entsteht aufgrund der Tatsache, daß das Web Möglichkeiten bietet, sich zu finden, sich über gemeinsame Interessen auszutauschen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und sich zu organisieren, ein gemeinsamer (kollaborativer) Denkprozess _zwischen_ den Köpfen, der zu vielen neuen Ideen _in_ den Köpfen führt.

    Freilich führen Ideen nicht automatisch zu einer Veränderung der Welt. Das habe ich allerdings auch nicht behauptet. Wer etwas verändern will, muß handeln. Doch vor jedem Handeln steht eine Idee, und das Web ist ein Humus für Ideen, denn es läßt Pluralität zu und hält Wissen frei verfügbar.

  6. Ich glaube auch, dass das Internet Einfluss auf viele Bereiche menschlichen Wirkens und Handels hat. Es ist aber vollkommen sinn- und nutzlos, sich - im wahrsten Sinne des Wortes - in Virtualität und Abstraktion zu verlieren und etwas substanziell Neues, wie ein globales Bewusstsein herbei reden zu wollen. Wenn sich, nebenbei bemerkt, diese neue Bewusstsein in "klicki bunti" Systemen wie Facebook ausdrückt, hoffe ich nur, dass ihm ein sehr kurzer Lebenszyklus beschieden ist. Aber im Enst, ich habe seit mehr als zwanzig Jahren beruflich mit dem Internet und dem Web zu tun. Wenn man vom Internet den Hype und das permanente und teilweise überaus penetrante "High Tech Markteting" abzieht, bleiben noch viele interessante Eigenschaften und Möglichkeiten übrig. Aber eins ist das Internet mit Sicherheit nicht: "the next big thing". Wir werden uns auch in Zukunft unseres Geistes bemühen müssen, um Veränderungen herbei zu führen. Wer anderes behauptet und propagiert, geht nur einer, am eigenen wirtschaftlichen Nutzen interessierten, Fortschrittsideologie auf den Leim.

    Eine Leser-Empfehlung

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