Die Stadt New York hat die geplante Räumung des Protest-Camps in der Nähe der Wall Street verschoben. Der private Betreiber der Anlage zog einen Antrag auf Säuberung des Zuccotti-Parks von Abfall zurück, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Entscheidung sorgte für Jubel unter den Aktivisten der Initiative Occupy Wall Street, die sich auf eine mögliche Räumung durch die Polizei vorbereitet hatten.

Mehrere feiernde Aktivisten gerieten im Anschluss mit der Polizei aneinander, woraufhin sie verhaftet wurden. Der Sender NBC berichtete von vier Protestlern, die in Arrest genommen worden seien.

Eigentlich hätte am frühen Morgen New Yorker Zeit eine Putzkolonne anrücken sollen, um den Park von Schmutz zu reinigen, wie es Bürgermeister Michael Bloomberg angekündigt hatte. Die Protestler befürchteten, dass sie unter diesem Vorwand dauerhaft vertrieben werden sollten, und riefen zum Widerstand auf. Es wurde angenommen, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei kommen könnte.

Polizeichef Raymond W. Kelly hatte laut New York Post angekündigt, dass die Demonstranten zwar nach der Reinigung auf den Platz zurückkehren dürften, allerdings ohne Schlafsäcke, Zelte, Essensstände und dergleichen. Die Reinigung fassten die Aktivisten daher als Vorwand für eine Räumung des Parks auf. 

Nun kündigte das Büro des Bürgermeisters an, sich mit den Demonstranten arrangieren zu wollen, "um sicherzustellen, dass der Park sauber, sicher und für die Öffentlichkeit zugänglich bleibe". Die Demonstranten sollen sich daher um die Reinigung der Fläche kümmern.

Zuvor hatte Bürgermeister Bloomberg bei einem Besuch in dem Park ankündigt, der Park müsse von einer professionellen Putzeinheit gereinigt werden, die Demonstranten dürften aber hinterher wieder zurückkehren. Der Zustand im Park sei "unhygienisch" geworden, sagte ein Sprecher der Stadt. "Die Lage ist nicht im besten Interesse der Protestanten, der Anwohner oder der Stadt", hieß es weiter. Die Säuberung der privaten Parkvermietungsgesellschaft solle mit Hochdruckreinigern erfolgen.

"Bloomberg soll uns Töpfchen und Wasser bringen"

Die Demonstranten äußerten Unverständnis für die Anordnungen. "Unhygienisch? Wir haben hier eine eigene Säuberungseinheit", sagte einer der Teilnehmer. Eine andere Demonstrantin erklärte: "Wir leben auf der Straße, wir leben auf diesem Grund. Wenn Bloomberg hierherkommen und uns Töpfchen und Wasser bringen möchte, wäre das großartig. Wir tun unser Bestes mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen."

In einem Schreiben an die Stadt hatte der private Betreiber sich über die Zustände auf dem Gelände beschwert. "Es gibt keine Toiletten im Park, und während die bestehenden Mülleimer immer für den normalen Müll ausreichten, quellen sie nun über. Die Ansammlung zieht Ungeziefer und Ratten an."

Der Aktion von ein paar Dutzend Studenten an der Wall Street hat sich mittlerweile zu einem Massenprotest ausgeweitet. Unterstützt von den Gewerkschaften forderten in der vergangenen Woche mehr als 7.000 Demonstranten vor dem New Yorker Rathaus Reformen des US-Sozialsystems und eine höhere Besteuerung von Banken und Großverdienern.