Gesellschaftsentwicklung Mehr als zwölf Millionen Deutsche von Armut bedroht

Armut könnte einen großen Teil der deutschen Bevölkerung treffen. Fast jeder sechste Bundesbürger war 2009 nach offiziellen statistischen Kriterien davon bedroht.

Rund 12,6 Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahr 2009 von Armut bedroht. Am stärksten armutsgefährdet seien Arbeitslose und Alleinerziehende. Das gab das Statistische Bundesamt bekannt und verwies auf eine EU-weite Erhebung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Jugendliche stärker als Ältere, Singles öfter als Menschen mit Familie. Insgesamt blieb das Armutsrisiko im Vergleich zu 2008 jedoch nahezu konstant.

Dennoch sprachen Sozialverbände und Bundestagsopposition angesichts dieser Zahlen von einem Versagen der Bundesregierung. Der Paritätische Wohlfahrtsverband bezeichnete die Zahlen als "neuerliches Dokument tiefgreifender Verwerfungen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft". Den mehr als zwölf Millionen Armen stehe ein privates Geldvermögen von rund fünf Billionen Euro gegenüber. Der schwarz-gelben Bundesregierung warf der Verband daher "armutspolitisches Versagen" vor.

Der Sozial- und Wohlfahrtsverband Volkssolidarität sprach von einem "Skandal" und fordert einen politischen Kurswechsel. "Die Ursachen für massenhafte Armut sind die hohe Arbeitslosigkeit, unsichere und schlecht bezahlte Beschäftigung und die fortgesetzte Umverteilungspolitik von unten nach oben", erklärte Verbandspräsident Gunnar Winkler.

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Das Bundessozialministerium hingegen sieht die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland als leistungsfähig an. Im EU-Vergleich habe Deutschland ein unterdurchschnittliches Armutsrisiko, hieß es. In den Ergebnissen für 2009 spiegele sich allerdings die Wirtschafts- und Finanzkrise wider.

Arbeitslosigkeit ist größtes Risiko

Nach Angaben der Statistiker waren arbeitslose Menschen 2009 insgesamt am stärksten armutsgefährdet: Mehr als sieben von zehn Arbeitslosen waren betroffen. Unter den Erwerbstätigen war es dagegen nur etwa jeder Vierzehnte. Nach der Definition der Statistiker gilt als "armutsgefährdet", wer im Jahr 2009 weniger als 940 Euro monatlich zur Verfügung hatte.

Die sogenannte Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil der Armen an der Gesamtbevölkerung an. Die Statistiker befragten dafür 2010 im Rahmen einer europaweiten Erhebung 13.079 Haushalte mit insgesamt 23.531 Menschen ab 16 Jahren zu Einkommen und Lebensbedingungen. Die Angaben wurden nach einem einheitlichen Schlüssel gewichtet.

 
Leser-Kommentare
  1. ist soviel geworden, dass es nicht mehr für alle reicht

    > http://commonman.de/wp/?p...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. ist es immer noch breiter Konsens in der Medienlandschaft, dass die neoliberale Wohlfühlpolitik für Oligarchen in den letzten 20 Jahre sowie Schröders asoziale Agenda "richtig und notwendig" war.

    • hurt
    • 03.11.2011 um 18:47 Uhr

    Da sieht man, wie gut die "schöne Maschine" funktioniert und wie diese doch Wohlstand für alle schafft. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

    • Mesa
    • 03.11.2011 um 18:48 Uhr

    Ich zitiere Marx:
    "In den Handelskrisen wird ein grosser Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelm ässig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen frnheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre - die Epidemie der überproduktion. Die Gesellschaft ndet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfngung stehen, dienen nicht mehr zur Bef örderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. - Wodurch überwindet die
    Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die grnndlichere
    Ausbeutung alter Märkte."

    Und trotzdem erzählt man uns, dass wir ewigs, ständiges Wachstum brauchen. Viel Glück dabei :)

  3. "Gesellschaftsentwicklung
    Mehr als zwölf Millionen Deutsche von Armut bedroht"

    Na das ist aber eine Überraschung.
    Seit Jahren liegen OECD Statistiken vor, dass 2/3 der deutschen Bevölkerung über

    N U L L

    Vermögen verfügen.

    Ähnliche Statistiken zur Verteilung liegen aus der ganzen Welt vor.

    Man darf davon ausgehen, dass solche Aussagen wie oben nun geleugnet werden, zergliedert und zerredet werden, relativiert werden und darauf hingewiesen wird, dass es einem Afrikaner in der Hungerregion Äthiopien auch nicht besser gehe, dass es einem mongolischen "Ziegenhirten" in der mong. Steppe auch nicht besser gehe und dass ein Indianer im Amazonas Urwald auch nicht mehr Geld habe. Noch gestern wurde bei Will der Mindestlohn in Deutschland mit dem Mindestlohn in Brasilien verglichen.

    Heißt: In Deutschland kommen die Bürger erst dann zur Vernunft, falls Deutschland wie nach dem 2. Weltkrieg insgesamt am Boden liegen würde. Solange das nicht so ist, wird man sagen: Wieviele sind das denn?

    Man könnte also auch sagen: Wieso sollten wir etwas gegen HIV unternehmen - wieviele sind das denn? Und letztlich handelt es sich auch bei mißbrauchten Kindern doch um eine Minderheit.
    Alles läßt sich relativieren, wenn man einen bestimmten Zustand leugnen möchte.

    Solange also in Deutschland nicht viele Millionen auf die Straße gehen - und das werden sie nicht - werden wir auch im Jahre 3000 auf modernen Kommunikationsmitteln der Zeit genau das Gleiche lesen.

    Rückwärts Evolution.

  4. Die Unmäßigkeit der Banker, die Geld zur Ware gemacht haben. Sie nennen sich eine Industrie, was aber stellen sie her?

    Die Verantwortungslosigkeit von Politikern, die ihren persönlichen Vorteil gegen den, der von ihnen gewählten Bevölkerung eintauschen. Eigennutz vor Allgemeinnutz. Durch Wegräumen von Ordnungskriterien, die diese Hemmungslosigkeit möglich machen. (Siehe ZEIT-Dossier, Die Straße der Tyrannen, 3.11.2011 Seite 19 – Es ist fast wie früher… )

    Die soziale Verantwortungslosigkeit von Unternehmern, die immer noch mehr aus ihren Mitarbeitern herauspressen. Eine Maschine, die keinen Treibstoff erhält, bleibt stehen – Menschen arbeiten weiter, bis sie sich zerstört haben.

    Die falschen Propheten des Feminismus. Frauen die Kinder gebären und erziehen, brauchen den Schutz der Gemeinschaft, Familie in einer gesunden sozialen Umgebung. Eine Frau ist eben kein Mann! Es ist leeres Gefasel, dass Frauen in Vorständen die Gesetzmäßigkeiten der „Finanzmärkte“ änderten.

    Diejenigen, die Krieg wieder für ein legitimes Mittel der Politik halten. Krieg ist aber ein Beweis für das Versagen der Politiker.

    Und so weiter.

    Wir sollten allen misstrauen, die Denkmauern (Ideologien) errichten wollen. Nicht alles ist schlecht – aber gut ist es auch nicht.

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