Der Entführer des Millionärs Jan Philipp Reemtsma, Thomas Drach, ist vom Hamburger Landgericht zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Kammer sprach ihn der versuchten Anstiftung zur räuberischen Erpressung schuldig. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass er im Februar 2009 mit zwei Briefen aus der Haft heraus versuchte, einen Bekannten zur Erpressung seines jüngeren Bruders anzustiften.

Drachs Bruder Lutz war wegen Geldwäsche eines Teils des bis heute weitgehend verschwundenen Lösegelds in Höhe von etwa 17,5 Millionen Euro zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er wurde im Mai 2009 entlassen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fühlte sich Drach von seinem Bruder um Geld betrogen und wollte ihn zwingen, binnen sechs Monaten 30 Millionen Euro zu beschaffen. Mit diesem Ziel soll er im Februar 2009 aus seiner Zelle heraus in mehreren Briefen an einen Freund und an seine Mutter versucht haben, diese zur Erpressung seines Bruders anzustiften. Zu der Erpressung kam es letztlich jedoch nicht.

Drach selbst hatte die Vorwürfe im Prozess stets abgestritten, sein Verteidiger Helfried Roubicek forderte Freispruch. Die Briefe seien lediglich ein Dampfablassen gewesen, sagte Verteidiger Roubicek. "Er wollte mit dem Briefinhalt höchstens die Justiz provozieren und vorführen, was ihm eindrucksvoll gelungen ist", sagte er.

Gemeinsam mit zwei Komplizen hatte Drach 1996 den Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma entführt, ihn 33 Tage lang gefangen gehalten und damit ein Millionen-Lösegeld erpresst. Eigentlich sollte Drach im Juli 2012 aus dem Gefängnis entlassen werden.