Verständigung findet heutzutage überwiegend elektronisch statt. Das ist schade, findet Leser Christoph Kober. Denn Briefe schreiben hat für ihn einen ganz besonderen Reiz.
Ich habe etwas getan, was wenige Menschen in der heutigen Zeit tun. Ich habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt, mir ein Blatt Papier und einen Füller genommen und begonnen, einen Brief an einen Freund zu schreiben. Damit habe ich etwas Besonderes getan, denn der private Brief gilt als nahezu ausgestorben.
Zu Beginn gingen mir die Worte und Formulierungen noch sehr zäh von der Hand. Die Schrift war zittrig, denn ich war das viele Schreiben in der Form nicht mehr gewohnt. Doch nach und nach wurden meine Formulierungen besser und meine Wortwahl treffender.
Natürlich war der erste Brief noch nicht perfekt, aber der zweite war schon viel besser. Heute werde ich sogar einen dritten Brief schreiben. Ich habe Gefallen daran gefunden und hoffe, dass dieser dritte Brief noch besser wird, als seine beiden Vorgänger.
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© BeneA / photocase.com
Bevor es Anfang der siebziger Jahre die ersten elektronischen Briefe gab, kommunizierten die Menschen entweder persönlich miteinander, oder sie verfassten Briefe. Anfangs noch handschriftlich, später wurden sie mit Schreibmaschine geschrieben. Doch immer befanden sich die Buchstaben auf einem Blatt Papier.
Später löste die E-Mail den Brief ab. Informationen konnten durch das Internet schneller übermittelt werden. Private Mitteilungen benötigten nicht mehr Tage bis Wochen, sondern nur noch ein paar Sekunden, bis sie den Empfänger erreichten. Das bedeutete eine enorme Zeit- und Kostenersparnis.
Wir leben in einer Gesellschaft, die getrieben ist von Hektik, Terminen und Meetings. Der Mensch ist selten in der Lage, einfach mal anzuhalten und Luft zu holen. Durch internetfähige Smartphones ist er jederzeit erreichbar und kann sich der Fülle an Informationen nicht mehr entziehen.
Der Versuch, einen Brief zu schreiben, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, einmal kurz abzuspannen. Natürlich benötige ich dafür mehr Zeit, denn Wörter selbst aufzuschreiben dauert länger, als alles schnell über eine Tastatur einzugeben.
Auch eine Antwort dauert länger. Es kann eine Woche vergehen, bis die Rücksendung im Briefkasten ist. Aber wenn ich von einem guten Freund ein paar handschriftlich geschriebene Worte zwischen Rechnungen und Werbung finde, dann freue ich mich darüber und weiß, dass der Brief für mich längst noch nicht ausgestorben ist.
- Datum 11.12.2011 - 08:26 Uhr
- Quelle Leserartikel
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genauso mache ich es. Ich schreibe handschriftlich meine Gedanken sauber auf. Es ist eine Freude einen länger durchdachten Inhalt in eine schöne Form gleich Handschrift zu gießen.
Das Handschriftliche verbindet mich mehr mit dem Text als das Eingetippte.
... wurde ich von meinen Professoren dafür belächelt, das Thema "Handschrift und Kommunikation" als zentralen Punkt in meiner Diplomarbeit zu verarbeiten. Es war wohl nicht fortschrittlich genug. Es ging grob darum, Handschrift mit modernen Medien zu verknüpfen und das handschriftliche Verfassen eines Briefs oder einer Nachricht wieder interessant zu machen. Heute lächle ich zurück wenn ich an Tabletts und eBook-Reader denke -die genau die Technik nutzen die ich damals beschrieben habe- und stelle mir vor, wie die bornierten Herren Professoren heute auf ihren iPads u.ä. herum kritzeln.
Nein, der handgeschriebene Brief ist noch lange nicht tot. Und nicht nur, wenn man die traurige Aufgabe hat, einen Kondulenzbrief zu schreiben – das sähe für mich aus dem Computer etwas befremdlich aus.
Es ist keine Technikfeindlichkeit – ganz im Gegenteil – E-Mails schreibe ich seit 1996 täglich.
Aber ich bin ein Fan von edlen Papieren und klassischen Füllfederhaltern (nicht die mit Patrone) sowie altmodischen Schreibfedern, Tintenfässern und Bleisatz. Ich liebe Kalligraphie, in meinem Elternhaus gab es immer Massen an edlen Bütten- und hadernhaltigen Papieren. Das bleibt in Erinnerung und somit decke ich mich weiterhin mit unterschiedlichstem Papier und Karton ein und schreibe Briefe und Karten.
Leider nimmt die Papiervielfalt stetig ab (bedingt durch billige 4-farbige digitale Druckverfahren), das Papier wird jedes Jahr 15 bis 20% teurer, somit sind meine Papiervorräte von mindestens 500 kg besser »angelegt« als auf dem Sparbuch …
von Stil und Persönlichkeit.
Ich stimme dem Autor zu: Sich die Zeit zu nehmen, um sich gedanklich konzentriert dem Adressanten zu widmen, um ihm handschriftlich seine "Botschaft" inhaltlich wie grammatikalisch sorgfältig und in verständlichen Worten zu übermitteln, bedarf althergebrachter und doch persönlicher Tugenden - und inzwischen wie der der Autor zu beginn anmerkte, wieder der Übung.
Ich freue mich immer besonders über jeden handgeschriebenen Gruß oder Brief, weil er zeigt, dass ich es dem Absender "wert" bin/war, seine Zeit dafür aufzuwenden.
Zum Beispiel eine elektronische Weihnachtskarte zu versenden, halte ich für "not done", weil stillos und oberflächlich, darüber hinaus kennzeichnet es in der Hinsicht den schnell-lebigen ungeduldigen, unpersönlichen Zeitgeist.
Die Rechtschreibefehler bitte ich zu entschuldigen - ich muss mich hinsichtlich der Sorgfalt in den elektronischen Mitteln auch immer wieder üben...
Die Email ist nicht mehr wegzudenken; die Vorteile liegen auf der Hand: Schnelligkeit, Zeitunabhängigkeit, Kosten.
Aber dass der Brief Renaissance feiert, wundert mich nicht, und es ist auch gut so, denn im handschriftlichen Brief liegt "Seele" drin. Mit dem analogen Buch läuft es derzeit ähnlich: eBooks werden nicht aufzuhalten sein, aber Bücher Rücken neben Rücken und Buchdeckel an Buchdeckel „reibend“ nicht völlig ersetzen können.
Vor drei Jahren habe ich Urlaub auf Wangerooge gemacht und meiner Tochter von dort einen Brief geschrieben, den ich am Donnerstag bei der Poststelle abgab. Die junge Frau, die den Brief entgegennahm, schaute mich sehr überrascht an und sagte: "Das ist der erste Brief in dieser Woche!". Ich fühlte mich wie ein Pionier aus längst vergangenen Zeiten, wie ein Eroberer einer fremden Kultur, der Schreibkultur.
"Huhu, bin morgen gegen 18 Uhr un München. Hast Du Zeit und Bier? Bringe dann Fleisch und Kohle mit. Beste Grüße..."
2 Zeilen 20 Sekunden und ggf. ist die Abend Planung des Folgetages mit einem alten Freund in einer fremden Stadt nach der Arbeit geplant. Das klappt auch, wenn man in Stress und Zeitnot ist. Da kommt ein Brief nicht mit.
Kommen mehrere Leute ins Spiel, hilft es z.B eine Facebook Gruppe zu bilden und einzuladen. Jeder kann die Nachricht eines jeden Lesen. Auf diese Weise lassen sich sehr unkompliziert z.B. Skype Konferenzen planen.
Der Brief hat Charm, neuere Kommunikationskanäle bieten aber unter Anderem die bessere Chance, den persönlichen Kontakt zu pflegen. Ein Werkzeug ist aber immer nur so gut wie die Hand, die es benutzt.
>>"Huhu, bin morgen gegen 18 Uhr un München. Hast Du Zeit und Bier? Bringe dann Fleisch und Kohle mit. Beste Grüße..."<<
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Electronic stamp: Nonhazardous - pass, G.D. CIA, Langley
>>"Huhu, bin morgen gegen 18 Uhr un München. Hast Du Zeit und Bier? Bringe dann Fleisch und Kohle mit. Beste Grüße..."<<
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