Deutschland-Bild : Franzosen erkennen in Angela Merkel die Deutschen

Fleißig, ernst und diszipliniert – so sehen die Franzosen die Deutschen. Immer mehr halten das Nachbarland eher für einen Partner als einen Freund.

Für die Franzosen ist der Nachbar Deutschland wie Angela Merkel : fleißig, ernst, diszipliniert bei der Arbeit und rechtschaffen. Das ergab eine Studie zum Deutschlandbild der Franzosen. Der Bundeskanzlerin bescheinigt die repräsentative Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts IFOP einen Symbolcharakter.

"Angesichts der hohen Anzahl der Nennungen von Angela Merkel scheint sie diese Werte gut zu verkörpern", schreiben die Autoren. Auf die Frage nach einem spontanen Gedanken beim Wort Deutschland nannten die Befragten den Namen Merkel am zweithäufigsten. Auf Platz eins standen die Begriffe ernst und streng. Auf den hinteren Plätzen landeten Wörter wie Krieg und Hitler, aber auch Europa , Verbündeter, Freund, Bier oder Sauerkraut.

Die meisten der befragten Franzosen sehen in Deutschland mehr einen Partner als einen Freund : 67 Prozent gaben an, das Wort Partnerschaft beschreibe die deutsch-französischen Beziehungen am ehesten. Bei einer ähnlichen Umfrage 2003 waren es nur 57 Prozent gewesen. Damals meinten 34 Prozent der Befragten, Freundschaft charakterisiere die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Dieser Meinung waren diesmal nur noch 24 Prozent.

Wie ein altes Paar

"Die Beziehung ist eher von Vernunft als vom Gefühl geprägt", sagte Jérôme Fourquet vom Ifop-Institut. Deutschland und Frankreich seien in dieser Hinsicht "wie ein altes Paar". Der Nutzen sei inzwischen wichtiger als die menschlichen Beziehungen: Einen Austausch beispielsweise zwischen Schulen oder Gemeinden halten nur noch 13 Prozent für wichtig; 2003 waren es noch 25 Prozent. Für eine engere Zusammenarbeit der Unternehmen sprachen sich dagegen 36 Prozent der Befragten aus – zehn Prozentpunkte mehr als 2003.

Eine klare Mehrheit spricht sich für eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit und Harmonisierung der Arbeits- und Steuersysteme beider Länder aus. Gemeinsamkeiten in Kultur und Werten sehen aber nur drei Prozent der Befragten.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

de facto ist es doch so

dass Frankreich sich so gerne als "Partner" sieht, weil Frankreich selbst finanziell schwach ist. Da kommt ein wenig Lob natürlich gerade recht (wie war das noch mit der Abwertung von Frankreich)?

Wahre Freundschaft erkennt man dann, wenn es einem selbst schlecht geht. Solange richtig viel Geld von Deutschland nach Frankreich und ins Ausland fließt, ist alles paletti.

Ob die Franzosen auch so gerne für uns zahlen würden?

Passend dazu ein Mitterand-Zitat ggü. Thatcher anlässlich der

Wiedervereinigung Deutschlands und die daran gebundene Währungsunion:

„Deutschland wird, nachdem die Schwierigkeiten der Vereinigung überwunden sind, wahrscheinlich stärker werden, aber ich denke, dass diese Macht durch die Europäische Union und nur durch sie eingedämmt werden kann. Ich sehe daher anders als Sie in den Unruhen im Osten einen Grund mehr, die Union zu verwirklichen. Ohne eine gemeinsame Währung sind wir alle – Sie und wir – dem Willen der Deutschen unterworfen. Wenn sie ihre Zinssätze anheben, müssen wir ihnen folgen, und Sie, die sie nicht dem Währungssystem angehören, tun dasselbe. Mitreden können wir nur, wenn es eine europäische Zentralbank gibt, wo gemeinsam entschieden wird.“

Wenn das keine Freundschaft ist.

"Die Franzosen schauen jetzt auch woanders hin"

Das halte ich für eine durchaus normale und positive Entwicklung für eine (auch) mediterrane Nation.

Eine auf Vernunft begründete Partnerschaft zwischen Nationen halte ich auch für grundsätzlich solider, als die "großen" Emotionen. Wenn uns Franzosen als verläßlichen, redlichen Partner sehen, ist das doch ein großes Lob vom alten Erbfeind.
Kein Grund zur Beunruhigung also.