Sprache "Döner-Mord" ist Unwort des Jahres

Das Unwort des Jahres 2011 ist "Döner-Mord". Als Schlagwort verharmlose es die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer, teilte die Jury mit.

Das Unwort des Jahres 2011 ist "Döner-Mord". Der Vorschlag wurde 269 Mal eingereicht. Es ist das 21. Unwort. "Alternativlos" hatte es 2010 zum Unwort des Jahres geschafft.

"Döner-Mord" verharmlose als Schlagwort die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer, sagte Nina Janich. Die Sprachwissenschaftlerin sitzt der Unwort-Jury vor. Sie besteht aus sechs Mitgliedern: Vier Sprachwissenschaftler, ein Journalist sowie ein jährlich wechselndes Jury-Mitglied aus dem öffentlichen Kultur- und Medienbetrieb.

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Außerdem kritisierte die Unwort-Jury den Ausdruck "Gutmensch". Damit werde das ethische Ideal des guten Menschen in hämischer Weise aufgegriffen. Negativ fiel auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Begriff "marktkonforme Demokratie" auf. Er relativiere in unzulässiger Weise, gab die Unwort-Jury an.

Neben der sprachkritischen Jury wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache aus Wiesbaden das positive Pendant zum Unwort, das Wort des Jahres. Für 2011 ist es der Begriff "Stresstest".

 
Leser-Kommentare
  1. Plötzlich stört sich jeder an diesem Wort, das seit Jahren von Politik, Polizei und Medien benutzt wurde. Wären die Täter nicht entdeckt worden, dann hätte sich weiterhin niemand daran gestört. Lächerlich, dass jetzt zu wählen!

    12 Leser-Empfehlungen
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    "Plötzlich stört sich jeder an diesem Wort, das seit Jahren von Politik, Polizei und Medien benutzt wurde. Wären die Täter nicht entdeckt worden, dann hätte sich weiterhin niemand daran gestört. Lächerlich, dass jetzt zu wählen!"

    Eben diese Dimension macht "Dönermorde"/"Döner-Morde" doch zum Unwort par excellence. Gerade weil diese Bezeichnung so unreflektiert von zahlreichen Politik-, Polizei- und Medienvertretern benutzt wurde, eignet sie sich zum Unwort. Hier wird vielen der Spiegel vorgehalten, die das Wort nicht einmal unbedingt in böser Absicht verwendet haben. Oft werden ja eher weniger weit verbreitete Formulierungen einzelner neoliberaler und sonstiger Wirrköpfe (vgl. "betriebsratsverseucht", Unwort 2009) gewählt.
    Auch die besondere Erwähnung von "Gutmensch" ist angebracht - eine Bezeichnung, die schon lange kursiert und einen Unwortpreis "fürs Lebenswerk" verdient hätte.

    wie Sie sagen. Man hat Tatwaffen bei zwei Toten gefunden. Mehr nicht. Die einzige mögliche Zeugin schweigt. Insofern hat es schon ein gewisses Geschmäckle, ein Wort aufzugreifen, das bereits seit zehn Jahren Verwendung findet. Der Verdacht liegt nahe, dass hier populistisch auf den Kampf-gegen-Rechts-Zug aufgesprungen werden soll.
    Davon abgesehen schließe ich mich inhaltlich der Jury voll und ganz an: «Dönermorde» ist sprachlich falsch und hat auf emotionaler Ebene m.E. einen verharmlosenden Charakter.

    "Plötzlich stört sich jeder an diesem Wort, das seit Jahren von Politik, Polizei und Medien benutzt wurde. Wären die Täter nicht entdeckt worden, dann hätte sich weiterhin niemand daran gestört. Lächerlich, dass jetzt zu wählen!"

    Eben diese Dimension macht "Dönermorde"/"Döner-Morde" doch zum Unwort par excellence. Gerade weil diese Bezeichnung so unreflektiert von zahlreichen Politik-, Polizei- und Medienvertretern benutzt wurde, eignet sie sich zum Unwort. Hier wird vielen der Spiegel vorgehalten, die das Wort nicht einmal unbedingt in böser Absicht verwendet haben. Oft werden ja eher weniger weit verbreitete Formulierungen einzelner neoliberaler und sonstiger Wirrköpfe (vgl. "betriebsratsverseucht", Unwort 2009) gewählt.
    Auch die besondere Erwähnung von "Gutmensch" ist angebracht - eine Bezeichnung, die schon lange kursiert und einen Unwortpreis "fürs Lebenswerk" verdient hätte.

    wie Sie sagen. Man hat Tatwaffen bei zwei Toten gefunden. Mehr nicht. Die einzige mögliche Zeugin schweigt. Insofern hat es schon ein gewisses Geschmäckle, ein Wort aufzugreifen, das bereits seit zehn Jahren Verwendung findet. Der Verdacht liegt nahe, dass hier populistisch auf den Kampf-gegen-Rechts-Zug aufgesprungen werden soll.
    Davon abgesehen schließe ich mich inhaltlich der Jury voll und ganz an: «Dönermorde» ist sprachlich falsch und hat auf emotionaler Ebene m.E. einen verharmlosenden Charakter.

  2. Dass man Morde nach Tatorten- und Umständen benennt, auch wenn Menschen die Opfer waren, war schon immer Gang und gebe. Allerdings war der Ausdruck sehr unpassend gewählt, da nur zwei der Ermordeten Budenbesitzer waren.

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    • Chali
    • 17.01.2012 um 11:04 Uhr

    *amüsier*

    Selbst wenn es schon immer so gemacht wurde, heißt es nicht, dass es die Tat nicht relativiert.

    Und eben weil es schon immer so gemacht wurde, und das nicht nur in Bezug auf solche Taten, würde ich mir so meine Gedanken machen, warum das so gemacht wird.

    Sprache macht Politik, Musik, Frieden und Krieg. Sie beeinflusst uns mehr als man denkt.

    Menschen ermordet und keine Döner!

    • Chali
    • 17.01.2012 um 11:04 Uhr

    *amüsier*

    Selbst wenn es schon immer so gemacht wurde, heißt es nicht, dass es die Tat nicht relativiert.

    Und eben weil es schon immer so gemacht wurde, und das nicht nur in Bezug auf solche Taten, würde ich mir so meine Gedanken machen, warum das so gemacht wird.

    Sprache macht Politik, Musik, Frieden und Krieg. Sie beeinflusst uns mehr als man denkt.

    Menschen ermordet und keine Döner!

    • Kometa
    • 17.01.2012 um 10:57 Uhr

    "Dönermord" ist shcon längt aus den Medien verschwunden.
    Im Alltagsdeutsch mag es noch vorhanden sein; ob es noch zum aktiven Wortschatz gehört, möchte ich bezweifeln.

    • Chali
    • 17.01.2012 um 11:04 Uhr

    *amüsier*

  3. Dieses Wort ist falsch und es bedient ein Klischee. Alles, was sich beim Döner zwischen zwei Brothälften befindet, ist bereits tot und nicht alle Mordopfer besaßen Dönderbuden. Es klingt auch nach einer Einzeltat. Es passt nicht zum neu entdeckten Terror von rechts in Serie. Ist ein sexuelles Serienvergehen an mindestens zwei deutschen Mitarbeiterinnen eines Imbiss eine Kartoffelvergewaltigung?

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    Das Wort bedient ein Klischee. Schrecklich.
    Wenn ein paar Deutsche in London ermordet würden, von denen zwei Inhaber von Würschtelbuden wären, dann wären die Briten wahrscheinlich genauso wenig zimperlich und würden von Würschtelmorden, Krautmorden, Hunnenmorden oder noch Netterem reden. Jede Wette.

    M.E. diskriminiert das Wort in keiner Weise. Mit Türken assoziiert der normalsterbliche Deutsche nunmal Dönerbuden. Ich sehe daran nichts Verwerfliches. Nicht die Sprache diskriminiert. Die Menschen diskriminieren. Ob man einen Begriff als herabwürdigend, scherzhaft oder gar liebevoll betrachtet, hängt dann ganz von den Umständen ab. Eine Herabwürdigung der Opfer kann ich hier nicht erkennen.

    Das Wort bedient ein Klischee. Schrecklich.
    Wenn ein paar Deutsche in London ermordet würden, von denen zwei Inhaber von Würschtelbuden wären, dann wären die Briten wahrscheinlich genauso wenig zimperlich und würden von Würschtelmorden, Krautmorden, Hunnenmorden oder noch Netterem reden. Jede Wette.

    M.E. diskriminiert das Wort in keiner Weise. Mit Türken assoziiert der normalsterbliche Deutsche nunmal Dönerbuden. Ich sehe daran nichts Verwerfliches. Nicht die Sprache diskriminiert. Die Menschen diskriminieren. Ob man einen Begriff als herabwürdigend, scherzhaft oder gar liebevoll betrachtet, hängt dann ganz von den Umständen ab. Eine Herabwürdigung der Opfer kann ich hier nicht erkennen.

    • kinnas
    • 17.01.2012 um 11:13 Uhr

    hätte ja wieder alternativlos gewählt!
    Das ist einfach so ein großes Unwort, das muss mehrmals gewählt werden um seiner Schande für Deutschland gerecht zu werden.

    Trauri, daß es von einer Kanzlerin kommt, die eigentlich einen recht kompetenten Eindruck macht.

  4. da es den falschen und diskriminierenden Eindruck erweckte, das Motiv der Morde sei im türkischen "Döner"-Milieu und nicht im deutschen Nazi-Milieu zu suchen.

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    • Suryo
    • 17.01.2012 um 11:18 Uhr

    Stimmt genau. Es geht nicht darum, daß irgendwer die Opfer als Döner bezeichnet hätte. Aber sie wurden posthum quasi noch ausgegrenzt. Döner, das ist dieses billige ausländische Essen, das waren eben Türken, irgendwas wird da schon gewesen sein im Imbißbudenmilieu....aber mit uns hat das gottlob nichts zu tun. DAS ist das Schlimme an diesem Wort.

    ... dass "Dönermord" früher mal so ein Polizeijargon war. Polizisten, die sich mit den Fällen befassten, könnten das Wort als Abkürzung benutzt haben, um nicht dauernd "Morde in türkischen Imbissstuben" sagen zu müssen.

    • Suryo
    • 17.01.2012 um 11:18 Uhr

    Stimmt genau. Es geht nicht darum, daß irgendwer die Opfer als Döner bezeichnet hätte. Aber sie wurden posthum quasi noch ausgegrenzt. Döner, das ist dieses billige ausländische Essen, das waren eben Türken, irgendwas wird da schon gewesen sein im Imbißbudenmilieu....aber mit uns hat das gottlob nichts zu tun. DAS ist das Schlimme an diesem Wort.

    ... dass "Dönermord" früher mal so ein Polizeijargon war. Polizisten, die sich mit den Fällen befassten, könnten das Wort als Abkürzung benutzt haben, um nicht dauernd "Morde in türkischen Imbissstuben" sagen zu müssen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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