Internetradio : Günter Netzers Comeback

Günter Netzer kehrt als Fußballexperte zurück. Bei einem Internetradiosender assistiert er seinem Freund Wilfried Mohren, dem verurteilten Ex-MDR-Sportchef.
Günter Netzer Im Januar auf einer Messe in Genf © Getty Images

Die Auslosung hat die beiden zurück an den Anfang geführt, nach Mönchengladbach. Als Günter Netzer dort vor vier Jahrzehnten für die Borussia so Fußball spielte wie nach ihm kein anderer, eiferte ihm auch der 13 Jahre jüngere Wilfried Mohren nach, er wollte spielen wie Netzer und die Haare lang tragen wie er. Netzer wurde zur Fußballlegende, Mohren zwar nur ein Verbandsligaspieler, aber immerhin schaffte er es später als Fernsehreporter zu Weltmeisterschaften. An diesem Mittwoch kommentieren beide nun gemeinsam für das Fußballradio 90elf das Halbfinale im DFB-Pokal zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München . Es ist eine doppelte Rückkehr. Von einem, der aufhören wollte. Und einem, der aufhören musste.

"Ich habe nichts mehr zu sagen"

Seine Karriere als öffentlicher Spielanalytiker hatte Netzer nach der Weltmeisterschaft 2010 beendet. "Ich habe nichts mehr zu sagen", befand er. Seit 1998 hatte er gemeinsam mit Gerhard Delling vor und nach Länderspielen für die ARD über Fußball gesprochen. Für ihre Auftritte waren die beiden unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Dass Netzer doch noch etwas sagen möchte, ohne dazu noch auf dem Bildschirm zu erscheinen, liegt an der persönlichen Verbindung zu Wilfried Mohren.

Netzers Rolle als Fernsehexperte beginnt im Grunde im Zusammenspiel mit Mohren, 1988, als RTL für einige Jahre die Fußball-Bundesliga zeigt – die erste Liaison zwischen Bundesliga und Privatfernsehen. Bei RTL fängt Mohren damals seine Laufbahn als Fernsehkommentator an. Mit Netzer versteht er sich von Anfang an. "Es ist nicht so, dass wir uns gegenseitig nach Hause zum Grillen eingeladen hätten, aber es ist eine lange und tiefe Verbindung entstanden", sagt Mohren.

Mit 33 wird Mohren dann Sportchef des MDR . Er kommentiert nun nicht mehr nur Fußballspiele, er verwaltet auch ein Millionenbudget und entscheidet darüber, welche Sportart auf den Bildschirm kommt und welche nicht. Weil Sport den Menschen in Sachsen , Sachsen-Anhalt und Thüringen traditionell viel bedeutet, kommt sich Mohren vor wie ein kleiner König im Osten. In seiner neuen Machtfülle verliert er mit der Zeit jedoch die journalistische Perspektive, er reicht falsche Abrechnungen ein, er kungelt mit Sponsoren. Bis seine Betrügereien auffliegen. Wegen Bestechlichkeit erhält er 2009 eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, sie wird zur Bewährung ausgesetzt. Mohren sagt, er habe nur helfen wollen. Sein Sportchef-Kollege beim Hessischen Rundfunk, Jürgen Emig , wird zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte daraus ein Geschäftsmodell gemacht, Sendezeit an Sportarten zu verkaufen.

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