DemografieDie Verlierer der Überalterung

Die Bundesregierung stellt die Vorteile des demografischen Wandels heraus. Doch die Verlierer sind in der Überzahl: Rentner, Selbstständige und Unternehmer.

Die Demografiestrategie der Bundesregierung, die am Mittwoch im Kabinett verabschiedet wird, klingt nach Aufbruch und positivem Denken. Die "Chancen der Schrumpfung" stehen im Vordergrund, die Risiken werden spärlich beleuchtet. Dabei wird der demografische Wandel mehr Verlierer als Gewinner hervorbringen. ZEIT ONLINE beschreibt, wer zu diesen Verlierern gehören wird.

Rentner

Da sind zum einen die künftigen Rentner. Sie sind die größte Gruppe der Verlierer, weil immer weniger Menschen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Schon heute sinkt das sogenannte Sicherungsniveau stetig, derzeit liegt es bei ungefähr 50 Prozent. Das bedeutet: Versicherte werden weniger als die Hälfte ihres durchschnittlichen Monatsverdienstes als Rente bekommen. Und das auch nur, wenn sie mindestens 45 Jahre lang eingezahlt und bis zum Renteneintrittsalter durchgehalten haben.

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Viele schaffen das nicht und müssen so Renteneinbußen von 0,3 Prozent für jeden Monat in Kauf nehmen, den sie früher in Ruhestand gehen. Besonders Frauen leiden schon heute unter niedrigen Renten von durchschnittlich 645 Euro monatlich. Die von Ursula von der Leyen geplante Zuschussrente, die niedrige Renten auf bis zu 850 Euro aufstockt, hilft nur bedingt. Die Bedingungen, die Zuschussrente zu bekommen, sind streng, und auch von 850 Euro lässt sich nicht wirklich gut leben. Wer nicht privat vorgesorgt hat, wird also im Alter seinen Lebensstandard nicht halten können.

Selbstständige

Auch viele Selbstständige werden zu den Verlierern gehören. Sie sind meist privat krankenversichert und leiden heute schon unter der steigenden Beitragslast. Zurück in die gesetzlichen Krankenkasse können sie nur, wenn sie ein Angestelltenverhältnis aufnehmen und dort weniger als 46.000 Euro im Jahr verdienen. Zudem müssen sie dafür jünger als 55 Jahre sein.

Der Grund für die steigenden Beiträge bei den privaten Versicherungen: Es kommen immer weniger junge und gesunde Versicherte nach. Die Privatversicherungen versuchen, diesen Mangel auszugleichen, doch das kostet viel Geld: Allein die Summe der Altersrückstellungen stieg von 60 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 160 Milliarden 2010.

Ein weiteres Problem sind die mehr als 150.000 Mitglieder, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können. Sie haben sich seit der letzten großen Gesundheitsreform 2009 bei den Privatversicherungen angesammelt. Anders als früher dürfen ihnen die Krankenversicherungen nicht mehr kündigen, ihnen muss mindestens der Basistarif bleiben. Besonders viele ältere Männer, die hohe Kosten verursachen, aber keine Einnahmen mehr bringen, gehören zu dieser Gruppe.

Auch die Altersversorgung wird für viele Selbstständige zunehmend zum Problem. Sie sind oft auf private Rentenversicherungen angewiesen, da sich ein freiwilliger Eintritt in die gesetzliche Versicherung nicht mehr lohnt. Diese Verträge werden wegen der längeren Lebenserwartung immer teurer – oder die garantierten Leistungen sinken. Die Versicherer kalkulieren so, dass ihnen auch bei einer sehr langen Auszahlungsperiode noch eine Rendite bleibt. Sie preisen also den demografischen Wandel ein.

Unternehmer

Eine ganz andere Verlierergruppe sind Unternehmer, die ihre Arbeitsplätze nicht mehr besetzen können. Besonders den ländlichen Regionen Ostdeutschlands droht die Vergreisung. Im vergangenen Jahr haben etwa in Mecklenburg-Vorpommern erstmals weniger als 10.000 junge Leute ihren Schulabschluss gemacht. Das Bundesland stirbt langsam aus: 1,6 Millionen Menschen leben hier, im Jahr 2030 werden es laut Prognosen des Statistischen Landesamts schlimmstenfalls nur noch 1,3 Millionen sein. Schon heute finden viele Firmen, gerade in Ostdeutschland, keine Auszubildenden mehr. Unternehmer berichten, dass sie froh sein könnten, wenn sich für manche Stellen noch eine Handvoll Bewerber fänden. Vor einigen Jahren seien es mehr als drei Mal so viele gewesen. Sicher ist, dass sich diese Lage künftig verschärfen wird, insbesondere in ländlichen Gebieten.

 
Leserkommentare
    • th
    • 25.04.2012 um 13:57 Uhr

    "Der demographische Wandel ist in seiner jetzigen Form wünschenswert."

    Wünschenswert wären eine ungefähre Stabilität der Bevölkerung, oder sehr sehr langsame Veränderungen, damit genügend Zeit für den Anpassungsprozess bleibt.

    Der Staat sollte sich darauf konzentrieren, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen.

    Leider wurde in den letzten Jahrzehnten eine Ideologie vertreten, nach welcher der Staat für alles sorgen, alles fördern sollte - nur eine Bevölkerungspolitik, die für die langfristige Finanzierung gesorgt hätte, wurde als - na Sie wissen schon! - verschrien.

    Also Garantie auf Renten nach dem Umlageverfahren, aber keine Vorsorge dafür, dass genügend Beiträge in die gemeinsame Kasse eingezahlt werden.

    Einige der Leute - aus der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat - , die solche Vogel-Strauss-Politik vertreten haben, sitzen heute noch im Parlament - und sagen: nix (ähnlich wie beim EURO). Vielleicht ist das auch besser so.

    In einer gut funktionierenden Gesellschaft mit genügender Reproduktionsrate der Bevölkerung ist das Umlageverfahren bei der Rentenversicherung das stabilste und gerechteste.
    Das hat man nach dem 2. Weltkrieg gut beobachten können. Ohne dieses Verfahren hätten wir damals eine gigantische Altersarmut gehabt, da die Vermögenswerte entweder vernichtet, oder aber nicht greifbar waren.

    Allerdings hat damals Adenauer den entscheidenden Denkfehler ausgedrückt: "Kinder kriegen die Leute immer".
    Was heute eben einfach nicht mehr stimmt.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Suche das Problem...."
    • th
    • 25.04.2012 um 14:01 Uhr

    ganz schön mitgebastelt!

    Antwort auf "Deutschland "
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    • TDU
    • 25.04.2012 um 16:06 Uhr

    So isses.

    • TDU
    • 25.04.2012 um 16:06 Uhr

    So isses.

    • xpeten
    • 25.04.2012 um 14:01 Uhr

    dazu kommt noch, dass ein Teil der heute ganz Jungen durch schlechte Bildungschancen und mit Hilfe des Betreungsgeldes bewusst dumm gehalten werden(*),

    die werden später ganz sicher nicht ihren Beitrag zu einem hohen BIP leisten, welches angesichts der Problematik mit einer extrem überalterten und mit einer Rentengarantie ausgestatteten Gesellschaft dringend benötigt wird.

    (*dumm gehalten, weil die Konservativen -speziell die Bayern- in Bildung, Kitas und frühkindlicher Förderung eine potentielle Gefahrenquelle für ihr vorgestriges Geschlechterrollenverständnis und für das künftige Kirchensteueraufkommen sehen)

  1. 1) Soll man in Deutschland nie wieder über Demographie nachdenken dürfen, bloß weil dann mit Sicherheit einer aufsteht und "Neonazi" ruft?

    2) Heute gibt es so wenige Kinder und sie sind trotzdem arm (vgl. Hartz IV Bezug von Kindern).

    3) Den Rest Ihres Textes sollten Sie gut aufheben, damit Sie ihn, wenn Sie mal alt sind, zu Ihrer Beruhigung noch mal lesen können.

    2 Leserempfehlungen
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    • marwar
    • 25.04.2012 um 14:54 Uhr

    Über Demografie kann durchaus nachgedacht werden:
    Die Wirtschaft wird über neue Produkte, Dienstleistungen und Herstellungsverfahren nachdenken müssen. Das sollte sich positiv auf die gesammtwirtschaftliche Situation niederschlagen, wahrscheinlich auch auf die Löhne, wenn es denn gewollt wird.Erhöht sich der Wert der hergestellten Waren und Dienstleistungen erhöht sich auch die Wirtschaftsleistung und damit das Wirtschaftswachstum. Ich habe von ökonomischen Zusammenhängen keine Ahnung aber vielleicht wird es so sein wie es bis jetzt immer war: Immer weniger Menschen stellen mit Hilfe von neuen Techniken immer höherwertige Waren und Dienstleistungen für immer mehr Menschen her.

    Heute gibt es Armut in einem eigentlich reichen Land. Das ist schlimm genug, ist aber nicht zu vergleichen mit der Armut der arbeitenden und kinderreichen Bevölkerung zur ersten Hälfte des 20. Jahrhundert.

    Wenn poltisch so weitergefahren wird wie bisher wird es mit "in Würde altern" nichts. Hungerlöhne machen Hungerrenten. Mit Demografie hat das aber alles nichts zu tun

    • marwar
    • 25.04.2012 um 14:54 Uhr

    Über Demografie kann durchaus nachgedacht werden:
    Die Wirtschaft wird über neue Produkte, Dienstleistungen und Herstellungsverfahren nachdenken müssen. Das sollte sich positiv auf die gesammtwirtschaftliche Situation niederschlagen, wahrscheinlich auch auf die Löhne, wenn es denn gewollt wird.Erhöht sich der Wert der hergestellten Waren und Dienstleistungen erhöht sich auch die Wirtschaftsleistung und damit das Wirtschaftswachstum. Ich habe von ökonomischen Zusammenhängen keine Ahnung aber vielleicht wird es so sein wie es bis jetzt immer war: Immer weniger Menschen stellen mit Hilfe von neuen Techniken immer höherwertige Waren und Dienstleistungen für immer mehr Menschen her.

    Heute gibt es Armut in einem eigentlich reichen Land. Das ist schlimm genug, ist aber nicht zu vergleichen mit der Armut der arbeitenden und kinderreichen Bevölkerung zur ersten Hälfte des 20. Jahrhundert.

    Wenn poltisch so weitergefahren wird wie bisher wird es mit "in Würde altern" nichts. Hungerlöhne machen Hungerrenten. Mit Demografie hat das aber alles nichts zu tun

    • th
    • 25.04.2012 um 14:21 Uhr

    warum irgendwelche Bevölkerungsgruppen "ganz schlecht" sind.

    Ständig werden sinnlose neue "Fördermittel" gefordert.

    Wo bleibt die Studie, die erklärt, was die Hauptgründe dafür sind, dass die Menschen durchschnittlich zu wenig Kinder bekommen, und wie man diese Ursachen beseitigen oder ihre Wirkung verringern könnte?

    Wo bleiben, daran anschließend, konkrete Änderungsvorschläge der Politik? Das wäre sogar noch wichtiger als EURO-Rettung usw.!

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    Bei der von Ihnen geforderten Studie könnte herauskommen, dass das Rentensystem selbst der Grund ist!

    Das umlagefinanzierte Rentensystem bzw. der "Generationenvertrag" stellt den Versuch dar, die Dankbarkeit, die Kinder ihren Eltern gegenüber empfinden, und die sich darin äußert, dass Kinder ihre Eltern auch im Alter nicht im Stich lassen, sondern ihnen Fürsorge zukommen lassen, zu automatisieren.

    Folge dieser Automatisierung war, dass viele "besonders findige" Menschen an dieser kollektivierten Dankbarkeit teilhaben wollen, indem sie mit Rentenanwartschaften wedeln, obwohl es niemanden gibt, der ihnen gegenüber dankbar sein müsste, weil sie gar keine (oder zu wenige) eigene Nachkommen haben.

    Dabei basiert der Generationenvertrag auf einer Fiktion: Was ist ein Vertrag wert, den keine der Vertragsparteien ratifiziert hat?
    Die ungeheure Last der Verantwortung, die durch dieses System auf die jungen Menschen abgewälzt werden soll, kann postentiellen Eltern aber durchaus Angst machen. So sehr, dass sie Argumentieren, sie könnten es nicht verantworten "Kinder in eine solche Welt zu setzen".

    Dabei ist letztlich die Angst unbegründet, weil sie von der Realtiät überschrieben werden wird: Was nicht leistbar ist, wird nicht geleistet werden.

    Bei der von Ihnen geforderten Studie könnte herauskommen, dass das Rentensystem selbst der Grund ist!

    Das umlagefinanzierte Rentensystem bzw. der "Generationenvertrag" stellt den Versuch dar, die Dankbarkeit, die Kinder ihren Eltern gegenüber empfinden, und die sich darin äußert, dass Kinder ihre Eltern auch im Alter nicht im Stich lassen, sondern ihnen Fürsorge zukommen lassen, zu automatisieren.

    Folge dieser Automatisierung war, dass viele "besonders findige" Menschen an dieser kollektivierten Dankbarkeit teilhaben wollen, indem sie mit Rentenanwartschaften wedeln, obwohl es niemanden gibt, der ihnen gegenüber dankbar sein müsste, weil sie gar keine (oder zu wenige) eigene Nachkommen haben.

    Dabei basiert der Generationenvertrag auf einer Fiktion: Was ist ein Vertrag wert, den keine der Vertragsparteien ratifiziert hat?
    Die ungeheure Last der Verantwortung, die durch dieses System auf die jungen Menschen abgewälzt werden soll, kann postentiellen Eltern aber durchaus Angst machen. So sehr, dass sie Argumentieren, sie könnten es nicht verantworten "Kinder in eine solche Welt zu setzen".

    Dabei ist letztlich die Angst unbegründet, weil sie von der Realtiät überschrieben werden wird: Was nicht leistbar ist, wird nicht geleistet werden.

  2. Oder warum sorgen wir uns nicht um die massive "Unteralterung" der indischen Bevölkerung? Wo bitte findet sich die Naturkonstante die die "richtige" Alterung einer Bevölkerung beschreibt?. Dieser ärgerliche, ablenkende, zu demagogischem Missbrauch einladende, Begriff gehört in die Reihe der rhetorischen Nebelkerzen wie Generationenvertrag, Kinderarmut, "Leistungen" des Staates und so weiter und so fort.

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    • th
    • 25.04.2012 um 19:35 Uhr

    aber ich kann sehr wohl die Höhe der Beiträge zur Rentenversicherung auf meinem Gehaltszettel lesen, u. den Arbeitgeberanteil dazu, u. ich kann die Schätzung meiner Rentenansprüche durch die BfA lesen. Ich kann die Statistiken über die Lebenserwartung lesen, kann mich über die Anzahl der Rentner und Beschäftigten, und über die Änderung des Zahlenverhältnisses informieren.

    Der Rest ist eine Rechenaufgabe - nicht ganz leicht, aber allein mit den 4 Grundrechenarten näherungsweise lösbar.

    Wo sind da "Engel" auf Stecknadelköpfen?

    Im Grunde ist das ganze organisiert wie ein System aus Steuern für die Arbeitende Bevölkerung, und Subventionen für die Rentner. Da ist nichts geheimnisvoll.

    Die einzige unrealistische Annahme ist die, dass es hier um "erworbene Besitzansprüche" ginge. Keineswegs: es ist ein Umlagesystem, bei dem die bisher gezahlten Beiträge von den bisherigen Rentnern verbraucht worden sind!

    Wenn es in diesem System "Ansprüche" gibt, dann nur gegenüber der gleichzeitig arbeitenden Bevölkerung.

    Leider wird das selten klar ausgesprochen.

    Mit der kapitalfinanzierten Rente sieht es aber nicht besser aus: Zinsen fürs Kapital z.B. als von Mieten zahlt immer die aktuelle Generation - gibts keine Mieter, so sinken die Mieten, die Rendite der Immobilien, und damit die "Rente" (deshalb heisst ja so).

    Die Demographie setzt sich in jedem Falle durch - nur kann man bei der kapitalgestützten Rente hoffen, dass z.B. die arbeitenden Inder für den Fehlbetrag aufkommen :-)

    • th
    • 25.04.2012 um 19:35 Uhr

    aber ich kann sehr wohl die Höhe der Beiträge zur Rentenversicherung auf meinem Gehaltszettel lesen, u. den Arbeitgeberanteil dazu, u. ich kann die Schätzung meiner Rentenansprüche durch die BfA lesen. Ich kann die Statistiken über die Lebenserwartung lesen, kann mich über die Anzahl der Rentner und Beschäftigten, und über die Änderung des Zahlenverhältnisses informieren.

    Der Rest ist eine Rechenaufgabe - nicht ganz leicht, aber allein mit den 4 Grundrechenarten näherungsweise lösbar.

    Wo sind da "Engel" auf Stecknadelköpfen?

    Im Grunde ist das ganze organisiert wie ein System aus Steuern für die Arbeitende Bevölkerung, und Subventionen für die Rentner. Da ist nichts geheimnisvoll.

    Die einzige unrealistische Annahme ist die, dass es hier um "erworbene Besitzansprüche" ginge. Keineswegs: es ist ein Umlagesystem, bei dem die bisher gezahlten Beiträge von den bisherigen Rentnern verbraucht worden sind!

    Wenn es in diesem System "Ansprüche" gibt, dann nur gegenüber der gleichzeitig arbeitenden Bevölkerung.

    Leider wird das selten klar ausgesprochen.

    Mit der kapitalfinanzierten Rente sieht es aber nicht besser aus: Zinsen fürs Kapital z.B. als von Mieten zahlt immer die aktuelle Generation - gibts keine Mieter, so sinken die Mieten, die Rendite der Immobilien, und damit die "Rente" (deshalb heisst ja so).

    Die Demographie setzt sich in jedem Falle durch - nur kann man bei der kapitalgestützten Rente hoffen, dass z.B. die arbeitenden Inder für den Fehlbetrag aufkommen :-)

  3. Bei der von Ihnen geforderten Studie könnte herauskommen, dass das Rentensystem selbst der Grund ist!

    Das umlagefinanzierte Rentensystem bzw. der "Generationenvertrag" stellt den Versuch dar, die Dankbarkeit, die Kinder ihren Eltern gegenüber empfinden, und die sich darin äußert, dass Kinder ihre Eltern auch im Alter nicht im Stich lassen, sondern ihnen Fürsorge zukommen lassen, zu automatisieren.

    Folge dieser Automatisierung war, dass viele "besonders findige" Menschen an dieser kollektivierten Dankbarkeit teilhaben wollen, indem sie mit Rentenanwartschaften wedeln, obwohl es niemanden gibt, der ihnen gegenüber dankbar sein müsste, weil sie gar keine (oder zu wenige) eigene Nachkommen haben.

    Dabei basiert der Generationenvertrag auf einer Fiktion: Was ist ein Vertrag wert, den keine der Vertragsparteien ratifiziert hat?
    Die ungeheure Last der Verantwortung, die durch dieses System auf die jungen Menschen abgewälzt werden soll, kann postentiellen Eltern aber durchaus Angst machen. So sehr, dass sie Argumentieren, sie könnten es nicht verantworten "Kinder in eine solche Welt zu setzen".

    Dabei ist letztlich die Angst unbegründet, weil sie von der Realtiät überschrieben werden wird: Was nicht leistbar ist, wird nicht geleistet werden.

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    ... die Kinderlosen ja nicht auf einer privaten steuerfrien Insel ihre Rentenanwartschaften erworben, sondern sie haben während ihres Arbeitslebens nicht nur ihre eltenr, sondern auch die Kinder der anderen (!) über ihre Steuern und andere Sozialabgaben mitfinanziert. Als Singles waren die meisten von ihnen durchgehend in einer höheren Steuerklasse und haben damit fast die Hälfte ihres Einkommens für eine Solidargemeinschaft zur Verfügung gestellt, zu der sie keinen direkten verwandschaftlichen Bezug haben. Man kann das gerne entkoppeln und sagen, Kinderlose sollten im alter alleine für sich aufkommen müssen. aber ist man dann im Gegenzug auch bereit, Krankenversicherungen der Kinder, Schulen und Universitäten ausschliesslich aus Elternbeiträgen zu finanzieren?

    • th
    • 25.04.2012 um 19:14 Uhr

    ist in den Fünfzigerjahren von der Wählerschaft der Bundesrepublik (absolute Mehrheit für Adenauers CDU/CSU auch aus Zustimmung zur Rentenpolitik) "ratifiziert" worden, genauso, wie alle anderen Gesetze "Verträge" zwischen Regierung, Parlament und Volk sind, und durch die Wahlen "ratifiziert" werden.

    Der "Generationenvertrag" hat sehr lange Zeit gut funktioniert, und nach dem Krieg eine soziale Katastrophe durch gleichmäßige Verteilung der Lasten verhindert: mit den Löhnen und Gehältern stieg auch das Renteneinkommen.

    Inzwischen gelten aber die Grundannahmen des Generationenvertrages nicht mehr, nämlich, dass die überwiegende Mehrheit heiraten will und bereit ist, Kinder großzuziehen, so dass immer genügend Arbeitende da sind, um den Generationenvertrag zu erfüllen.

    Ein großer Teil der Bevölkerung hat sich - ohne sich dessen bewußt zu sein - aus dem Generationenvertrag verabschiedet - und zwar radikal, wie man an der Propagierung aller möglichen Gegenmodelle zur klassischen Ehe und Familie, und an der veränderten Einstellung zur Abtreibung sieht.

    But you cannot eat your cake and have it:

    Die Leute, die solche neuen Modelle mit wenig Nachwuchs propagieren, haben nie gesagt, dass die Konsequenz entweder Eigenvorsorge oder Altersarmut sein würde: über die Verbindung der beiden Themen wurde einfach möglichst nicht gesprochen.

    Übrigens hat es jede Generation erneut in der Hand, durch Großziehen von genügend Kindern den Generationenvertrag zu neuem Leben zu erwecken!

    ... die Kinderlosen ja nicht auf einer privaten steuerfrien Insel ihre Rentenanwartschaften erworben, sondern sie haben während ihres Arbeitslebens nicht nur ihre eltenr, sondern auch die Kinder der anderen (!) über ihre Steuern und andere Sozialabgaben mitfinanziert. Als Singles waren die meisten von ihnen durchgehend in einer höheren Steuerklasse und haben damit fast die Hälfte ihres Einkommens für eine Solidargemeinschaft zur Verfügung gestellt, zu der sie keinen direkten verwandschaftlichen Bezug haben. Man kann das gerne entkoppeln und sagen, Kinderlose sollten im alter alleine für sich aufkommen müssen. aber ist man dann im Gegenzug auch bereit, Krankenversicherungen der Kinder, Schulen und Universitäten ausschliesslich aus Elternbeiträgen zu finanzieren?

    • th
    • 25.04.2012 um 19:14 Uhr

    ist in den Fünfzigerjahren von der Wählerschaft der Bundesrepublik (absolute Mehrheit für Adenauers CDU/CSU auch aus Zustimmung zur Rentenpolitik) "ratifiziert" worden, genauso, wie alle anderen Gesetze "Verträge" zwischen Regierung, Parlament und Volk sind, und durch die Wahlen "ratifiziert" werden.

    Der "Generationenvertrag" hat sehr lange Zeit gut funktioniert, und nach dem Krieg eine soziale Katastrophe durch gleichmäßige Verteilung der Lasten verhindert: mit den Löhnen und Gehältern stieg auch das Renteneinkommen.

    Inzwischen gelten aber die Grundannahmen des Generationenvertrages nicht mehr, nämlich, dass die überwiegende Mehrheit heiraten will und bereit ist, Kinder großzuziehen, so dass immer genügend Arbeitende da sind, um den Generationenvertrag zu erfüllen.

    Ein großer Teil der Bevölkerung hat sich - ohne sich dessen bewußt zu sein - aus dem Generationenvertrag verabschiedet - und zwar radikal, wie man an der Propagierung aller möglichen Gegenmodelle zur klassischen Ehe und Familie, und an der veränderten Einstellung zur Abtreibung sieht.

    But you cannot eat your cake and have it:

    Die Leute, die solche neuen Modelle mit wenig Nachwuchs propagieren, haben nie gesagt, dass die Konsequenz entweder Eigenvorsorge oder Altersarmut sein würde: über die Verbindung der beiden Themen wurde einfach möglichst nicht gesprochen.

    Übrigens hat es jede Generation erneut in der Hand, durch Großziehen von genügend Kindern den Generationenvertrag zu neuem Leben zu erwecken!

  4. Die Arbeitgeber können halt immer noch aus einer "Handvoll von Bewerbern" (wieviel sind das genau) einen herauspicken, selbst für die lausigst bezahlten Stellen. Fragen Sie doch mal Arbeitslose in MVP, wie groß ihre Erfolgsquote bei Bewerbungen ist, nach wie vor.

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