Aussehen : Der Fluch der Schönheit

Schöne Frauen haben es nicht unbedingt leichter im Leben, meint Leserin Emelie Laarsen. Männer reagieren häufig unsicher, neue Freunde werden schnell eifersüchtig.

Schöne Menschen haben es einfacher, sind erfolgreicher und zufriedener, heißt es. Aber ist das wirklich so? Eine attraktive Frau hat durchaus Vorteile im Leben. Ein überdurchschnittlich gutes Aussehen bringt aber auch Nachteile mit sich, über die seltener gesprochen wird.

Ich würde trotz aller Bescheidenheit behaupten, dass ich relativ attraktiv bin. Natürlich ist mir bewusst, dass das eigentlich kein Grund zur Klage ist. Ich würde auch nicht gerne mit anderen Frauen tauschen wollen. Trotzdem kann ich von Problemen berichten, die Schönheit mit sich bringt.

Meine Erfahrungen haben gezeigt: Ist man weiblich, groß und gutaussehend, sind die Chancen gering, einen geeigneten Partner zu finden. Männer reagieren ängstlich und offenbaren Minderwertigkeitskomplexe. Häufig nehmen sie deshalb gar nicht erst Kontakt auf. Und falls doch, dann neigen sie sehr zur Selbstdarstellung und wollen sich besonders hervortun.

So versuchen sie ihre vermeintliche Unterlegenheit zu kompensieren. Das lässt ihre Sympathiewerte bei mir meistens soweit sinken, dass ich alleine nach Hause gehe. Ich suche keinen Macho, sondern einen liebevollen und vielleicht sogar romantischen Mann. Auf jeden Fall will ich einen Mann, der authentisch ist.

Auf der Suche nach neuen Freundschaften ist die Ausgangslage nicht einfacher. Die ersten Blicke sind meist eindeutig: Ich werde genau gemustert, dann setzt die Eifersucht ein. Die meisten Menschen denken, ich sei beneidenswert. Sie würden auch gerne so aussehen wie ich. Potenzielle neue Freunde entwickeln häufig ein starkes Konkurrenzdenken und eine ablehnende Haltung mir gegenüber. Sie werfen mir vernichtende Blicke zu oder machen schnippische Bemerkungen – keine gute Grundlage für neue Freundschaften.

Lange Zeit ging ich besonders nett und verständnisvoll auf andere Frauen zu. Ich versuchte, mein Äußeres mit einem überdurchschnittlich netten Charakter wettzumachen. Natürlich bin ich sonst auch nett, aber eine schöne Frau muss einfach doppelt so nett sein. Ich finde es anstrengend, immer erst Vorurteile abbauen zu müssen.

Um nicht unnötig Neid hervorzurufen, achtete ich außerdem auf mein Äußeres. Anders als die meisten Frauen gab ich aber nicht mein Bestes, um möglichst gut auszusehen. Im Gegenteil: Ich habe eine Zeit lang schöne Kleidung vermieden und auf Make-up verzichtet, von High Heels einmal ganz abgesehen.

Doch all das war kein Zustand, den ich auf Dauer durchhalten konnte und wollte. Ich möchte mich nicht ewig verstecken. Ich möchte authentisch sein dürfen, so wie ich es auch von anderen erwarte. Deshalb trage ich jetzt ab und an High Heels und benutze Mascara, wenn ich mich danach fühle. Und wenn ich unterwegs bin, lächle ich auch nicht mehr allen freundlich zu, sondern schenke mein Lächeln nur noch bestimmten Menschen.

Anderen Frauen versuche ich nicht mehr betont freundlich zu begegnen, indem ich ihnen besonders nette Komplimente mache. Ich hoffe auf Freundschaften, die sich auf eine andere Art und Weise entwickeln. Bei Männern muss ich wohl verstärkt die Initiative ergreifen und durch einfühlsames Herantasten versuchen, ihnen ihr Unbehagen zu nehmen. Hoffentlich habe ich damit Erfolg.

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Kommentare

171 Kommentare Seite 1 von 23 Kommentieren

Das ist das Schöne an der Anonymität...

man wird nicht danach bewertet, wie man aussieht und im Netz wird meist immer noch davon ausgegangen, dass man ein Mann ist und wird meist mit männlichen Zuschreibungen bedacht.

Das kann Einblicke verschaffen, die sehr interessant sind.

Und auf den Artikel bezogen. Ich kann vieles, was die Autorin schreibt, nachvollziehen, halte sie aber für sehr problembeladen, denn sie künstelt sich durchs Leben, wie sie selbst schreibt. Ihr Verhalten wird gesetzt und ist nicht authentisch, wenn es tatsächlich so ist, wie sie schreibt.

In diesem geplanten Umgang mit Alltagsfreundlichkeiten in der Interaktion mit ihren Mitmenschen sehe ich das eigentliche Problem, denn Schönheit muss kein Makel sein und schon gar kein Problem.

Zumindest gibt es beeinträchtigendere Formen von Aussenwirkung.

Nette Sichtweise

Es ist schön, wenn Sie schreiben, dass sie versuchen nett zu sein.

Doch wenn Frauen richtig gut aussehen, habe ich als Mann eher die Erfahrung gemacht, dass viele tendenziell eher nicht nett sind, um nicht zu sagen eingebildet und arrogant, sich Ihres Äußeren nur zu gut bewusst.

Es ist halt schwierig für den Menschen mit Erfolg umzugehen, gleich welcher Art, und die Gefahr der Arroganz und Überheblichkeit ist hoch.

Sicher manche verbergen ihre Entäuschung, nur auf das Äußere reduziert zu werden, mit einer Maske der Arroganz, doch die meisten versuchen tatsächlich das Beste für sich damit herauszuholen.

Bis sie merken, dass sie durch ihre oberflächlichen Handlungen auch nur oberflächliche Partner bekommen, die sie eben so behandeln, was sie darstellen.

Da empfehle ich doch glatt den Artikel Ihrer Kollegin:

http://www.zeit.de/wissen...

Eventuell hat das eine mit dem anderen zu tun?

da ist der Neid

Und da ist der vorausgesagt Neid schon. "Wie kann die sich auch noch beschweren wo sie doch alles hat."

Ich kann da keine Arroganz in dem Artikel finden. Er ist nicht gerade selbstkritisch, aber das war wohl auch nicht die Zielstellung.
Tatsächlich beschreibt er bekannte Alltagsprobleme schöner Frauen. In der Gesellschaft spielen die keine Rolle und man sieht sie auch gerne als "ausgleichende Gerechtigkeit" oder zumindest als marginal neben dem "Geschenk" der Schönheit.
Probleme bei der Partnersuche und bei Freundschaften sind für schöne Personen nicht einfacher zu ertragen als für hässliche oder normale (was auch immer normal ist).

Naja, ob es fair ist....

...auf Kritik gleich mit dem Neid-Argument zu kommen, also demselben Totschlagargument wie die gutaussehende (Selbsteinschätzung) Autorin des Artikels ?

Und es ist ja meines Wissens schon oft nachgewiesen worden, daß gutes Aussehen karrierefördernd ist.

ALLERDINGS, und da liegt "der kleine Unterschied" - und hier hätte die Autorin mit besseren Grundlagen ansetzen können - scheint die Karriereförderlichkeit durch Schönheit bei Männern stärker ausgeprägt tzu sein als bei Frauen,
siehe hier
http://www.spiegel.de/kar... Artikel "Schöne Frau, schick besser kein Foto").

Vielleicht haben wir einfach alle ein bisschen recht und die Wahrheit liegt wie die Schönheit im Auge/Hirn des Betrachters ;-)

SCHÖNES Wochenende !

Nicht fair aber korrekt

"Naja, ob es fair ist....
...auf Kritik gleich mit dem Neid-Argument zu kommen"

Ich weiß nicht ob man sowas als Kritik bezeichnet:
" Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen derart arroganten Artikel gelesen zu haben"

"spätestens wenn man den Artikel gelesen hat, brauchen Sie sich keine Sorgen mehr zu machen, dass jemand Sie für eine charakterliche Choriphäe hält."

"So viel Arroganz und Unreflektiertheit ist mir auch selten begegnet"
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"Und es ist ja meines Wissens schon oft nachgewiesen worden, daß gutes Aussehen karrierefördernd ist."
Und? Das hat mit dem Thema des Artikels nichts zu tun.

Endlich

habe ich den Artikel gelesen, dessen Titel mich schon seit Tagen neugierig macht und - ich finde ihn kein bisschen arrogant.
Die Frau beschreibt ihre subjektiven Erfahrungen und verallgemeinert so keineswegs.
Außerdem kann ich so einige ihrer Erfahrungen bestätigen
aber das finden Sie bestimmt wieder arrogant
nun, ja
man hat's eben nicht leicht, wenn man gut aussieht u n d intelligent ist ;D

nicht sooo schlimm!:-)

Also für mich klingt die Situationsbeschreibung der Autorin durchaus plausibel. Sie ist ja auch nicht die erste "Schöne Frau", die dieses Phänomen beschreibt. Wenn man sich allerdings das Verhältnis von Schönheitsoperationen zu Hässlichkeitsoperationen anschaut, so erscheint mir der Wunsch nach Schönheit weitaus ausgeprägter zu sein.
Aber der unserer Wirklichkeit innewohnenden Dialektik entkommt man halt nicht. Anders ausgedrückt, alles hat seine zwei Seiten.
Aber der reiche Mann, der über sein geld klagt, mag meist nicht wirklich arm sein, und der Promi, der unter der Bekanntheit leidet, wünscht sich selten zurück in die Anonymität.
Welcher Ausweg bleibt? Die Autorin hat es ja schon angedeutet: Authentisch bleiben. Aber auch kritisch, neugierig, selbstbewusst und etwas bescheiden. Einfach all das, was im Prinzip alle Menschen auszeichnen sollte.
Schönheit ist nun mal kein Verdienst, aber dies trifft bei etwas Nachdenken auch auf alle anderen Attribute zu. Ein glückliches Händchen in der Gen-Lotterie, eine passende Umwelt, und schon hat man ein günstiges Los gezogen.
Halt mit kleinen Nebenwirkungen!
Machen sie einfach das Beste draus!