Schöne Menschen haben es einfacher, sind erfolgreicher und zufriedener, heißt es. Aber ist das wirklich so? Eine attraktive Frau hat durchaus Vorteile im Leben. Ein überdurchschnittlich gutes Aussehen bringt aber auch Nachteile mit sich, über die seltener gesprochen wird.

Ich würde trotz aller Bescheidenheit behaupten, dass ich relativ attraktiv bin. Natürlich ist mir bewusst, dass das eigentlich kein Grund zur Klage ist. Ich würde auch nicht gerne mit anderen Frauen tauschen wollen. Trotzdem kann ich von Problemen berichten, die Schönheit mit sich bringt.

Meine Erfahrungen haben gezeigt: Ist man weiblich, groß und gutaussehend, sind die Chancen gering, einen geeigneten Partner zu finden. Männer reagieren ängstlich und offenbaren Minderwertigkeitskomplexe. Häufig nehmen sie deshalb gar nicht erst Kontakt auf. Und falls doch, dann neigen sie sehr zur Selbstdarstellung und wollen sich besonders hervortun.

So versuchen sie ihre vermeintliche Unterlegenheit zu kompensieren. Das lässt ihre Sympathiewerte bei mir meistens soweit sinken, dass ich alleine nach Hause gehe. Ich suche keinen Macho, sondern einen liebevollen und vielleicht sogar romantischen Mann. Auf jeden Fall will ich einen Mann, der authentisch ist.

Auf der Suche nach neuen Freundschaften ist die Ausgangslage nicht einfacher. Die ersten Blicke sind meist eindeutig: Ich werde genau gemustert, dann setzt die Eifersucht ein. Die meisten Menschen denken, ich sei beneidenswert. Sie würden auch gerne so aussehen wie ich. Potenzielle neue Freunde entwickeln häufig ein starkes Konkurrenzdenken und eine ablehnende Haltung mir gegenüber. Sie werfen mir vernichtende Blicke zu oder machen schnippische Bemerkungen – keine gute Grundlage für neue Freundschaften.

Lange Zeit ging ich besonders nett und verständnisvoll auf andere Frauen zu. Ich versuchte, mein Äußeres mit einem überdurchschnittlich netten Charakter wettzumachen. Natürlich bin ich sonst auch nett, aber eine schöne Frau muss einfach doppelt so nett sein. Ich finde es anstrengend, immer erst Vorurteile abbauen zu müssen.

Um nicht unnötig Neid hervorzurufen, achtete ich außerdem auf mein Äußeres. Anders als die meisten Frauen gab ich aber nicht mein Bestes, um möglichst gut auszusehen. Im Gegenteil: Ich habe eine Zeit lang schöne Kleidung vermieden und auf Make-up verzichtet, von High Heels einmal ganz abgesehen.

Doch all das war kein Zustand, den ich auf Dauer durchhalten konnte und wollte. Ich möchte mich nicht ewig verstecken. Ich möchte authentisch sein dürfen, so wie ich es auch von anderen erwarte. Deshalb trage ich jetzt ab und an High Heels und benutze Mascara, wenn ich mich danach fühle. Und wenn ich unterwegs bin, lächle ich auch nicht mehr allen freundlich zu, sondern schenke mein Lächeln nur noch bestimmten Menschen.

Anderen Frauen versuche ich nicht mehr betont freundlich zu begegnen, indem ich ihnen besonders nette Komplimente mache. Ich hoffe auf Freundschaften, die sich auf eine andere Art und Weise entwickeln. Bei Männern muss ich wohl verstärkt die Initiative ergreifen und durch einfühlsames Herantasten versuchen, ihnen ihr Unbehagen zu nehmen. Hoffentlich habe ich damit Erfolg.