BerichtKrankenkassen bescheinigen Pflegebranche Fortschritte

Die Qualität der Altenpflege hat sich seit einem alarmierenden Bericht von 2007 verbessert. Doch die Kassen warnen vor Euphorie und beklagen einen zu langsamen Wandel.

Bewohner eines Pflegeheimes in der Nähe von München

Bewohner eines Pflegeheimes in der Nähe von München

Die teils skandalösen Zustände in der Altenpflege in Deutschland haben sich laut einem Bericht der Krankenkassen deutlich verbessert: Pflegedienste und -heime arbeiten demnach heute besser als noch vor fünf Jahren, als ein Report gravierende Mängel im Umgang mit den Patienten offen legte. "Vor allem bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung sowie im Umgang mit Menschen mit Demenz gab es Fortschritte", teilte der Medizinische Dienst der Krankenkassen mit.

Die Ernährung war demnach bei 95 Prozent der untersuchten Pflegeheimbewohner angemessen. Der Anteil der ausreichend ernährten Patienten hat sich im Vergleich mit dem vergangenen Bericht von 2007 auf 80 Prozent erhöht.

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Bei anderen Pflegeproblemen offenbarten sich jedoch noch Schwächen, etwa beim Vermeiden von Druckgeschwüren. Bei etwa 40 Prozent der Patienten mit Dekubitus-Risiko fehlte die erforderliche Prophylaxe wie etwa Lagerungswechsel oder geeignete Hilfsmittel vollständig oder teilweise. Im Vergleich zum Bericht von 2007 habe sich da nichts verbessert, heißt es.

"Die gute Nachricht ist, dass sich die Qualität der Pflege positiv weiterentwickelt hat", sagte Gernot Kiefer, Vorstand des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen. Die Pflegebedürftigen würden heute besser versorgt als noch vor einigen Jahren. "Es gibt aber nach wie vor viel zu tun. Die Tatsache, dass es insgesamt besser geworden ist, heißt nicht, dass es überall gut ist", sagte Kiefer.

Die Krankenkassen prüfen die Pflegeeinrichtungen seit 2008 regelmäßig. Der Trend zur Verbesserung sei auch durch die Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes gekommen, sagte dessen Geschäftsführer Peter Pick. Trotzdem könne man nicht zufrieden sein, weil sich bei einigen Kriterien zu wenig bewegt habe. Die Einrichtungen seien gefordert, "ihr qualitätsgeleitetes Arbeiten auszubauen".

Hospiz-Stiftung fordert Aufklärung

Der Dienst hat in seinem Bericht die Qualitätsprüfungen von Juli 2009 und dem Dezember 2010 zusammengefasst. Insgesamt wertete er 8.101 Besuche in Pflegeheimen und 7.782 in ambulanten Pflegediensten aus. Somit begutachteten die Experten etwa 62.000 Pflegeheimbewohner sowie etwa 45.000 Patienten, die von ambulanten Pflegediensten betreut wurden. Die Fachleute prüften die Pflegemaßnahmen und befragten die Patienten nach ihrer Versorgungssituation.

Die Deutsche Hospiz Stiftung hatte von den Krankenkassen vor Veröffentlichung des Berichtes verlangt, sämtliche Missstände aufzudecken. Der Vorstand der Patientenschutzorganisation ging davon aus, dass es nach wie vor gravierende Mängel in diesem Bereich gibt und hatte beklagt, 42 Prozent der Menschen in Pflegeheimen lebten unter freiheitsentziehenden Maßnahmen. Der Medizinische Dienst widersprach der Stiftung, dies betreffe nur 20 Prozent der Patienten. Bei jedem zehnten fehle jedoch die dafür erforderliche Genehmigung. Das müssten die Einrichtungen verbessern.  

Ein vorhergehender Bericht  über die Qualität der Pflege war 2007 erschienen und hatte eine Debatte über den Umgang mit Pflegebedürftigen ausgelöst. Denn laut dem damaligen Report mangelte es etwa jedem dritten Betroffenen an Nahrung und Flüssigkeit. Bei jedem zehnten Heimbewohner und bei 5,7 Prozent der Pflegebedürftigen daheim stellten die Prüfer akut unzureichende Pflege fest.

Pflege-TÜVals Kontrollsystem

Der Bericht der Krankenkasse ist eines von zwei Systemen, das die Pflegequalität sichern soll. Neben dem Bericht bewerten der TÜV und der Pflegeverband bpa die Güte von Einrichtungen – im sogenannten Pflege-TÜV, durch den die Heime und Pflegedienste Noten erhalten.

Demenz: Hilfe für Kranke und Angehörige

Mit generellen Fragen, aber auch persönlichen Anliegen kann man sich an die Deutsche Alzheimer Gesellschaft wenden. Hier findet man auch Links zu Alzheimer-Gesellschaften, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Adressen von "Gedächtnissprechstunden", Internetseiten mit Verzeichnissen von Pflegediensten, Betreuungsgruppen, Heimen und dergleichen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet einen "Wegweiser" an, der auch zu sog. Demenz-Wohngemeinschaften führt. Eine Adressdatenbank offeriert 4500 Angebote bei Demenz und Alzheimer.

Mit neuen Konzepten und aktuellen Diskussionen (zum Beispiel mit Betroffenen, die noch mitreden können und wollen) beschäftigt sich Demenz Support Stuttgart.

Einrichtungen und Pflege

Um sich allgemein über Pflegeeinrichtungen in Deutschland zu orientieren, kann man den Pflegenavigator der AOK benutzen. Hier werden Heime im Umkreis eines Postleitzahlbereiches kurz vorgestellt. Man findet die entsprechenden Links und eine Bewertung laut Medizinischem Dienst der Krankenversicherung (MDK). Darüber hinaus gibt es in fast 400 deutschen Städten sogenannte Pflegestützpunkte, die Betroffene und deren Angehörige "unabhängig und neutral beraten" wollen.

Das Haus im Park in Bremerhaven hat eine Sorge nicht: genügend Bewohner zu finden. Derzeit gibt es 29 Anmeldungen. Die Wartezeit beträgt rund drei bis fünf Monate. Familien, die auf einen Platz warten, werden betreut und "seelisch aufgefangen". Dem Haus im Park vergleichbare Einrichtungen haben sich im Deutschen Qualitätsbündnis Demenz (DQD) zusammengetan.

Zu den relativ neuen Konzepten einer Pflege von Menschen mit Demenz gehören die Pflegeoasen für die letzte Lebensphase; wichtiges Merkmal ist ein zentraler, gemeinsam zu nutzender Raum, die Oase. Hier sollen Gemeinschaft und Geborgenheit im Vordergrund stehen. Die Pflegeoasen werden bisher nicht bundesweit, sondern von einzelnen Institutionen, zum Teil innerhalb eines traditionellen Pflegeheims, angeboten. Die Philosophisch-Theologische Hochschule in Vallendar hat eine Studie dazu erstellt.

Dieses Prüfsystem hatte der Staat eingeführt, um den vor Jahren festgestellten Missständen zu begegnen. Wenn Heimbewohner im Bett mit Bändern fixiert oder mit Gittern dort gehalten werden, müsse dies auch in die Notengebung des Pflege-TÜV eingehen, forderte der Vorstand der Hospiz-Stiftung, Eugen Brysch.

Debatte im Parlament

Um die Pflege zu verbessern, hatte die Bundesregierung Ende März einen Gesetzentwurf zur Neuausrichtung der Pflege verabschiedet. Ausschlaggebend für den Entwurf war, dass Menschen immer älter werden und Altersdemenz häufiger auftritt. Derzeit sind 2,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, in wenigen Jahren werden es laut Schätzungen etwa vier Millionen sein.

Am Donnerstag wird die Pflegereform der Koalition erstmals im Bundestag debattiert. Union und FDP wollen höhere Leistungen für rund 500.000 Demenzkranke auf den Weg bringen.

Zahl der Demenzkranken steigt

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sprach sich dafür aus, den Zuzug ausländischer Pflegekräfte zu erleichtern. Angesichts der steigenden Zahl alter und verwirrter Menschen werde Deutschland die Nachfrage nach gut ausgebildeten Pflegern kaum decken können, sagte er. "Wir werden auch in der Pflege Zuwanderung von qualifizierten Kräften aus dem Ausland brauchen."

Bahr verwies auf die zum 1. April umgesetzte Gesetzesänderung, durch die die die Grenze für das Mindesteinkommen von Einwanderern von 66.000 Euro im Jahr auf nun knapp 45.000 Euro sank. Für ausländische Ärzte gilt eine noch niedrigere Gehaltsschwelle. "Diesen Mut sollten wir jetzt auch bei den Pflegekräften aufbringen."

Im Hinblick auf den steigenden Altersdurchschnitt der Deutschen verlangte der Deutsche Ethikrat mehr Geld und mehr Freiräume für die heute etwa 1,2 Millionen Demenzkranken. Einer Stellungnahme der Regierungsberater zufolge wird die Zahl der Betroffenen bis 2050 auf mehr als zwei Millionen Menschen wachsen.

 
Leserkommentare
  1. Das Skandalöse ist ja, dass diese Mißstände seit Jahrzehnten bestehen! Und immer wieder neue Reports, aber offensichtlich keine Bewegung, etwas zu ändern. Auch alte Menschen haben eben keine einflussreiche Lobby, nicht wahr?

    Eigentlich müsste jeder Kommentar hierzu ein Aufschrei sein und keine Rechtfertigung, kein Verständnis, kein Beiseiteschieben dieses Problems! Menschen, die nicht genug zu trinken und zu essen bekommen - das lässt sich nicht rechtfertigen! Christygoe's Kommentar mit dem Verweis auf die Notwendigkeit des Festschnallens kann ich sogar zähneknirschend vielleicht noch hinnehmen (aber nur zähneknirschend, da ich über Wochen als fünfjähriges Kind in einer Kinderklinik nach einer Gehirnerschütterung mit drei Gurten festgeschnallt war, was damals - 70er Jahre - auch irgendwie gerechtfertigt wurde, für mich aber der Horror war).

    Es ist beschämend für ein Land wie Deutschland und es wird beschämend bleiben, da alte Menschen eben nichts wert sind, da es eine Klassengesellschaft gibt: für die Reichen gut ausgestattete Pflegeheime, für den Rest sehr unterschiedliche Standards.

    Und da die Pflege nichts wert ist. Es zeigt "sehr schön" das (leistungsorientierte) Wertesystem in Deutschland.

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    "Es ist beschämend für ein Land wie Deutschland und es wird beschämend bleiben, da alte Menschen eben nichts wert sind,"

    Pflegestufe 2 kostet 3700 Euro pro Monat.
    Das ist viel Holz.
    Und global betrachtet, ein gewaltiger Luxus.

    "Es ist beschämend für ein Land wie Deutschland und es wird beschämend bleiben, da alte Menschen eben nichts wert sind,"

    Pflegestufe 2 kostet 3700 Euro pro Monat.
    Das ist viel Holz.
    Und global betrachtet, ein gewaltiger Luxus.

  2. Das städtische Pflegeheim in welchem meine Großtante gefplegt wurde, kostete bei Pflegestufe 2 ca. 3700 Euro pro Monat. Alles war in Ordnung und die Pflegekräfte machten alle einen guten und nie gestressten Eindruck. Insgesamt stelle ich mir die Frage warum mit dem vielen Geld (da ja stets vollbelegt) insgesamt oft nicht ausgekommen wird. 250 Gäste mal 3600 mal 12 = knapp 11.00000 Euro Einnahmen im Jahr. Das sollte doch auch immer für gute Pflege reichen...

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    • joG
    • 24.04.2012 um 11:37 Uhr

    ...Das ist Mal eine Ansage!

    "Wichtige" Menschen dürfen Gesetze brechen? Ich bin nicht einmal bei Ihnen, wenn ich bestimmen darf, wer "wichtig" ist.

    Und zu den Spekulanten wäre zu sagen, dass man durchaus nachweisen kann, dass die Tätigkeit, die Sie als "Spekulation" bezeichnen, die Wirtschaft effizienter im Allgemeinen macht. Um aber den Nachweis zu führen, muss man mit jemandem zu tun haben, der nicht nur denkt, er wäre wirtschaftlich literat. Sie reden hier über eine gesellschaftliche Technologie. Da muss man die Mathe kennen, sonst outet man sich rasch.

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    Hier ein Beispiel für neoliberale Mathe eins und eins ist meins!!!!!

    Hier ein Beispiel für neoliberale Mathe eins und eins ist meins!!!!!

  3. 20. unsinn

    Euthanasie ist unfreiwillig und deshalb Mord.

    Es geht um bewusstes und freiwilliges Ableben.

    Das eine hat mit dem anderen rein gar NICHTS zu tun.

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    Die Verwendung des Wortes Euthanasie einerseits für Sterbehilfe und andererseits für die Morde im Zuge der nationalsozialistischen Rassenlehre ist immer wieder unsäglich. Ich plädiere dafür es im Zuge der Sterbehilfe nicht zu nennen.

    "Euthanasie" wird in vielen Ländern (Benelux) die freiwillige und selbstbestimmte Sterbehilfe genannt.

    Dass der Begriff von den Nazis missbraucht wurde, heißt nicht, dass er seine Bedeutung verloren hat auch wenn das in Deutschland manchmal so erscheint.

    Die Verwendung des Wortes Euthanasie einerseits für Sterbehilfe und andererseits für die Morde im Zuge der nationalsozialistischen Rassenlehre ist immer wieder unsäglich. Ich plädiere dafür es im Zuge der Sterbehilfe nicht zu nennen.

    "Euthanasie" wird in vielen Ländern (Benelux) die freiwillige und selbstbestimmte Sterbehilfe genannt.

    Dass der Begriff von den Nazis missbraucht wurde, heißt nicht, dass er seine Bedeutung verloren hat auch wenn das in Deutschland manchmal so erscheint.

    • SuR_LK
    • 24.04.2012 um 11:48 Uhr

    entmenschlicht sich, ob in der Alten- Krankenpflege, auf Behörden oder generell im öffentlichen Raum wie Bus/Bahn.
    Ich meide diese degenerierte Gesellschaft wo es geht.

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  4. Vielen Dank für Ihren Beitrag!
    Ich stelle ebenfalls fest, wie verschroben unsere Wahrnehmung zunehmend wird, indem die Dokumentation vor der eigentlichen Handlung steht, was der Betreuung eine sehr absurde Note verleiht.

    Bettgitter hochziehen ist bereichts eine freiheitsenziehende Maßnahme, die entweder richterlich angeordnet sein muss oder aber nur in Absprache mit dem Patienten/Bewohner getätigt werden darf - was macht man aber bei einer dementen Person? Man möchte sie schützen, dass sie nicht aus dem Bett fällt - was wenn sie über die Gitter steigt? Wie mobil oder nicht mobil jemand letzendlich ist, ist meistens schwer abzuschätzen...

    Das Thema ist ausgesprochen komplex, aber ich plädiere für ein wenig mehr Vertrauen, weniger Dokumentation und für eine Pflege, die sich mehr um den Menschen als um die Formulare und Dokumentationen bemühen kann (oftmals ist der Wille da, aber Unterbesetzung und Zeitdruck sind an der Tagesordnung).

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  5. Das hier stimmt zwar auch:
    "In der Fachwelt bestehe Einigkeit, dass sich die Zahl solcher Eingriffe durch gezielte pflegerische Interventionen deutlich verringern lasse."

    Lässt sich aber nur mit viel mehr Personal und damit Geld umsetzen. Es muss eine Debatte darüber entstehen, wie viel die Gesellschaft bereit ist auszugeben und letztlich muss sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft daran messen wie viel das dann sein sollte. Ein Blick auf die Straße und auch durch mein eigenes Zimmer zeigt mir das bei dieser Luxusgüterdichte da noch immens viel Geld da ist, das anderen zustehen sollte.

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  6. Der Wille zur Erlangung der Wahrheit über Defizite in der Pflege ist journalistisch falsch angepackt. Bei den Illners, Maischbergers, Plasbergs, etc. sitzen regelmäßig Pseudo-Insider. Weder SPD-Mann Vogel, der im Augustinum lebt, noch das Augustinum (hat keine Pflegestationen) selbst können die Pflege und ihre Probleme repräsentieren. Herr Vogel ist privilegiert und dazu nicht pflegebedürftig. Er sitzt aber oft in einer solchen Pflegerunde ohne das eine wirkliche Relativierung erfolgt.
    Herr di Lorenzo sollte gerade hier mal investigativ bohren, Pflege verfolgen und dran bleiben!
    Ich wünschte mir es wäre erkennbar, dass alles getan wurde, um in den Besitz der Pflegewahrheit zu kommen. Alles ändern lässt sich nicht, aber wer nicht unterSUCHT, kann nicht finden, kann sich keine Meinung bilden, kann nichts ändern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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  • Schlagworte FDP | Daniel Bahr | Bundestag | Demenz | Vorstand | Zuwanderung
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