LateinamerikaPakt mit dem Teufel in El Salvador

Die Kirche El Salvadors hat einen Waffenstillstand mit den brutalen Jugendgangs vermittelt. Die Mordrate sinkt. Ein Modell für andere Länder Lateinamerikas? von 

Mitglieder der Gang "Barrio 18" im Gefängnis von Quezaltepeque, 25 Kilometer westlich von El Salvadors Hauptstadt San Salvador

Mitglieder der Gang "Barrio 18" im Gefängnis von Quezaltepeque, 25 Kilometer westlich von El Salvadors Hauptstadt San Salvador  |  © Jose Cabezas/AFP/Getty Images

Jung, tätowiert und gewalttätig: El Salvadors berüchtigte Jugendgangs sind verantwortlich für brutale Morde, Erpressungen, Zwangsprostitution, Drogen- und Menschenhandel. Die Mara-Banden, deren Mitglieder sich die Namen der einzelnen Gruppierungen "M", "MS" oder die "13" als Erkennungsmerkmal in die Haut tätowieren, gelten als das personifizierte Böse. Von El Salvador breiteten sich ihre Gewaltorgien über ganz Mittelamerika aus, bis in die Latino-Ghettos der US-Millionenmetropolen wirken die Jugendgangs.

Die Gewalt findet ihren Niederschlag in der Statistik. El Salvador gilt wegen seiner Rate von 62 Morden auf 100.000 Einwohner als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Laut UN-Angaben werden täglich zwölf Menschen umgebracht. Allein in El Salvador soll es nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen mehr als 100.000 Mitglieder der vielschichtigen Mara-Gangs geben.

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Die Ursachen für die Gewalt sind die gleichen wie in Mexiko , Brasilien oder Venezuela : Eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit, fehlende Bildungseinrichtungen in den Armenvierteln und eine damit verbundene Ausweg- und Perspektivlosigkeit treiben die Kinder und Jugendlichen in die Arme der kriminellen Banden, die das schnelle Geld versprechen. Bislang reagierte die Politik darauf immer auf die gleiche Weise.

Symbolische Versöhnung im Gottesdienst

In Mexiko liefern sich Armee und Polizei einen blutigen Krieg mit der Drogenmafia. Das Ergebnis sind immer mehr Tote, Woche für Woche finden Schreckensmeldungen über enthauptete Menschen oder in Säure aufgelöste Opfer den Weg in die Schlagzeilen. In Brasilien säubern Sicherheitskräfte im Vorfeld der WM und Olympischen Spiele die Favelas von Rio de Janeiro, doch auch dort lässt sich die Gewalt damit nicht eindämmen, sondern nur ausquartieren.

In Venezuela werden regierungstreue Bürgermilizen gar mit Waffen ausgerüstet, um "die Revolution" von Präsident Hugo Chavez zu verteidigen. Das Ergebnis: Caracas ist zur Mordhauptstadt Nummer eins in Südamerika aufgestiegen. Und in Kolumbien verfolgt der Staat im Drogenkrieg seit Jahren die gleiche Strategie: Auch dort ist das Ergebnis enttäuschend. Zwar ging die Kriminalität in den großen Städten zurück, dafür steigt die Zahl der Opfer auf dem Land. Obendrein ist die Armee in schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt.

Das kleine mittelamerikanische Land El Salvador versucht nun einen anderen Weg. Das Experiment begann vor ein paar Wochen im Hochsicherheitsgefängnis von Zacatecoluca mit der Unterzeichnung eines inoffiziellen Waffenstillstandes. Wenig später reichten sich Erzbischof Luigi Pezzuto, Apostolischer Nuntius in El Salvador, und Dionisio Umanzor, Chef der berüchtigten Mara-Bande "MS 13", während eines Gottesdienstes die Hände. Die symbolische Geste bildete den Auftakt zu einem Versuch, die Gewalt nicht mehr nur mit Polizei und Armee sondern mit Gesprächen und Vertrauen zu bekämpfen. "Im Namen meiner Organisation bitte ich die Gesellschaft um Entschuldigung und um die Chance, uns zu bessern", bat Gangchef Umanzor. "Ich möchte, dass sie verstehen, dass wir das für das Volk machen, denn es ist das Volk, das leidet.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/kvk

  2. Dann kann auf die gewählte Regierung ganz verzichtet werden. Ist vermutlich auch billiger, denn Parlamentarier kriegen immer diese schrecklich hohen Dieten.

  3. Die Ursachen der Gewalt sind sicher vielschichtig. Was in den Analysen bzgl. solcher Läner fast immer vergessen wird ist, dass sie auch führend in der Misshandlung von Kindern sind:

    Schläge mit einem Gegenstand wie Gürtel, Stock oder Kabel erlebten in El Salvador einer repräsentativen aktuellen Studie (http://www.scielosp.org/p...) zu Folge: 41,8 % der Frauen und 61,9 % der Männer!
    Körperliche Züchtigungen wurden in der Studie bzgl. diesem Land nicht erfasst, die genannte Zahlen beziehen sich nur auf schwere Gewalterfahrungen!

    Wer wundert sich in Anbetracht dieser Zahlen ernsthaft, dass El Salvador auch auf der gesellschaftlichen Bühne führend bzgl. des Gewaltaufkommen ist? Das Land braucht ein umfassendes Kinderschutzprogramm, um zur Ruhe zu kommen.

    Eine Leserempfehlung
    • TDU
    • 17. Mai 2012 10:08 Uhr

    Das ist eine der Aufgaben einer Kirche neben der Entwiclung des Glaubens, die sich dem Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft verpflichtet hat.

    Die Bauchschmerzen der deutschen Gläubigen einschliesslich der Laientheater sind zwar auch berechtigt. Aber im Hinblick auf diese Zustände sollte das auch Anlass zur Selbstkritik sein und keinen Tunnelblick zu entwicklen.

  4. Sehr geehrter Herr Käufer:

    >Von El Salvador breiteten sich ihre Gewaltorgien über ganz Mittelamerika aus, bis in die Latino-Ghettos der US-Millionenmetropolen wirken die Jugendgangs.<

    Wenn man sich mit einer komplexen Materie nicht gut auskennt, ist Wikipedia eigentlich immer ein ganz guter Startpunkt:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Mara_Salvatrucha

    Erster Absatz:

    >Mara Salvatrucha (commonly abbreviated as MS, Mara, and MS-13) is a transnational criminal gang that originated in Los Angeles and has spread to other parts of the United States, Canada, Mexico, and Central America.<

    Fazit: Die Gangs sind ein US-Produkt, in Mittelamerika tauchten diese erst nach der Abschiebung ihrer Mitglieder aus den USA auf. "Gewaltorgien" gab es sowohl in den US-Ghettos als auch in Zentralamerika lange vorher.

    Dass sie diese Nachricht für wichtig genug halten um darüber einen Artikel zu schreiben möge zu ihrer Ehrenrettung gewichtet werden. MfG

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    • TDU
    • 17. Mai 2012 12:01 Uhr

    Eigentlich sind die Spanier udn Portugiesen schuld. Aber bitte. Nur was nützt das, wenn einer zerschlagen am Boden liegt. Noch ist es gut, dass einem Unfallopfer geholfen wird, auch wenn er zu schnell gefahren ist.

    Aber ich denke, man kann eher mit den Schandtaten der katholischen Kirche umgehen als mit den Wohltaten. Wärens Evangelische, wären alle vermutlich voll des Lobes und alle würden fragen, warum nicht die Katholische Kirche.

    Es hat einfach 0 Sinn irgend etwas Andres über die katholische Kirche zu schreiben als Kondome, Kindesmissbrauch und Kreuzzüge.

  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

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    Entfernt. Bitte senden Sie Ihre Anmerkungen zu vorangegangenen Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/ag

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte senden Sie Ihre Anmerkungen zu vorangegangenen Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke. Die Redaktion/ag

    Antwort auf ".zu funes''"
    • TDU
    • 17. Mai 2012 12:01 Uhr

    Eigentlich sind die Spanier udn Portugiesen schuld. Aber bitte. Nur was nützt das, wenn einer zerschlagen am Boden liegt. Noch ist es gut, dass einem Unfallopfer geholfen wird, auch wenn er zu schnell gefahren ist.

    Aber ich denke, man kann eher mit den Schandtaten der katholischen Kirche umgehen als mit den Wohltaten. Wärens Evangelische, wären alle vermutlich voll des Lobes und alle würden fragen, warum nicht die Katholische Kirche.

    Es hat einfach 0 Sinn irgend etwas Andres über die katholische Kirche zu schreiben als Kondome, Kindesmissbrauch und Kreuzzüge.

    Antwort auf "For Your Information"

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