ZEIT ONLINE: Herr Schall, 2009 haben Sie in Ihrem Wahlkreis Hildburghausen Morddrohungen von Neonazis bekommen, weil Sie auf Wahlplakaten Ihrer Partei, der CDU , zu sehen waren. Haben Sie darüber nachgedacht, Hildburghausen zu verlassen?

Zeca Schall: Darüber habe ich nachgedacht, aber die Neonazis sagten damals, es sei egal, wo ich in Deutschland hinziehe, sie würden mich sowieso finden. Also habe ich mich entschieden, hier zu bleiben –  und dafür zu kämpfen, dass es so etwas in Deutschland nie wieder geben wird.

ZEIT ONLINE: Auch vor 2009 sind Sie von Rechtsradikalen attackiert worden.

Schall: Das stimmt, zweimal. Vor ungefähr 15 Jahren war ich in der Disco. Auf dem Heimweg gab es Handgreiflichkeiten mit zwei Rechten. Damals sind mir meine Freunde zu Hilfe gekommen und die Nazis sind weggelaufen. Ein paar Tage später hat die Polizei herausgefunden, wer die Angreifer waren.

Beim zweiten Mal wurde ich nicht selbst attackiert, sondern ich war abends auf einer Veranstaltung von einem Freund. Plötzlich kamen Bekannte hereingelaufen und riefen, draußen werde ein dunkelhäutiger Mann von Neonazis angegriffen. Ich bin dann raus und dazwischen gegangen, habe die Polizei angerufen. Die Polizisten waren innerhalb von zwei oder drei Minuten da. Einen der Täter konnte ich festhalten, die anderen sind geflohen.

ZEIT ONLINE: Werden Sie heute noch bedroht?

Schall: Das hat aufgehört. Es hat sicher damit zu tun, dass wir Unterstützung aus ganz Deutschland erhalten haben. In vielen Orten wurde Anzeige gegen diejenigen erstattet, die diffamierende NPD-Plakate aufgehängt hatten, auf denen ich 2009 auch zu sehen war. Die Beteiligten wurden bestraft. Seitdem ist erst einmal Ruhe.

ZEIT ONLINE: 2010 gab es aber eine größere Demonstration von Neonazis in Hildburghausen. Muss man in Ihrer Heimatstadt um sein Leben fürchten, wenn man nicht deutsch aussieht?

Schall: Nein, muss man nicht. Ja, es gab 2010 eine Demonstration von Rechten auf dem Marktplatz, aber die Bürger haben sich gegen die Demonstration gewehrt. Mittlerweile leben in Hildburghausen mehrere dunkelhäutige Menschen.