Leserin Simone Himmel ist Erzieherin und erlebt, wie die Bildungsdebatte Eltern verunsichert. Dabei ist es ganz einfach, Kinder richtig zu fördern, sagt sie.
Der Pisa-Schock sitzt! Ich arbeite als Erzieherin in einer Kinderkrippe. Was die Bildungsdebatten bewirken, bekomme ich direkt von denen mit, bei denen die Verunsicherung am größten ist – von den Eltern. Denn seit einigen Jahren gibt es einen massiven Umbruch in den Institutionen für Kinderbetreuung. Und auf politischer Ebene wird sehr emotional über die Qualität der Betreuung diskutiert.
Was zu Beginn nur Schulen betraf und zu Umstrukturierungen führte, erreicht jetzt die Kindergärten. In vielen Bundesländern sind in kurzer Zeit lehrplanähnliche Wegweiser für Vorschulkinder entstanden, die Erzieher haben einen darauf abgestimmten, breitgefächerten Fortbildungs- und Qualifizierungskatalog bekommen.
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Sogar in der Krippe ist Pisa inzwischen angekommen. Spätestens hier wird es grotesk. So stellt man mir und meinen Kollegen oft die Frage, ob wir bilingual erziehen oder welche sonstigen regelmäßigen Lernangebote wir durchführen. In Elterngesprächen mehren sich Fragen, wo mögliche Defizite beim Kind liegen und wie man diese am besten ausmerzt: Was kann das Kind noch nicht und warum? Wie problematisch ist das? Mein Kind spielt nur, aber es muss doch lernen!
Dahinter steht die Sorge: Wie wird mein Kind zu einem guten Schüler, der später das Abitur und ein Studium schafft?
Eltern und Erzieher verlieren ihr Gespür
Mit dem Druck der Eltern wächst auch der Druck auf mich: Die Politik suggeriert, Kinder würden durch professionelle Betreuung besser gefördert. Eltern und Erzieher lassen sich dadurch verunsichern und verlieren das Gespür für das Kind, für seine Bedürfnisse und seine Individualität.
Ich habe teilweise Mühe, den Eltern den gesellschaftlichen Druck wieder zu nehmen. Ich versuche ihnen zu erklären, warum ich mit dem derzeitigen Mainstream nicht mitschwimme. In der Krippe, bei den Unter-Dreijährigen, habe ich diese Freiheit glücklicherweise noch.
Ein Kind unter drei Jahren fördert man am besten, indem man auf seine eigenen Instinkte hört. Man muss dem Kind das geben, was es an Grundbedürfnissen hat: verlässliche Bezugspersonen und liebevolle Betreuung, Nähe und Geborgenheit, Vertrauen und Sicherheit.
Auf dieser Basis wächst innere Neugierde und die Freude am selbständigen Entdecken der Umwelt. Der Lerneffekt, um den alle so heftig ringen, entsteht ganz von alleine.





Bedenken Sie den Verwaltungsaufwand und die Kosten!
Da ist es viel einfacher, fertig ausgebildete kleine Klone vom Staat zu fordern.
Sie haben völlig recht, dass der Druck zu dokumentieren, zu testen und einzukategorisieren, die Erzieher sehr unter Stress setzt.
Auch das ist ein Trend der letzten Jahre und natürlich kam dieser "von oben".
Der Gedanke dahinter - nämlich den Fokus wirklich auf das einzelne Kind zu richten - ist gut!
Dies nahm aber Ausmaße an, dass eine wahre "Beobachtungshysterie" ausgelöst wurde.
Und der massive Aufwand dazu steht meines Erachtens in keinem Verhältnis mehr zum wirklichen Ziel.
Ich gebe Ihnen recht, dass die Zeit oft von der Zeit *mit* dem Kind abgeht. "Verfügungszeit" ist ein weiteres Stichwort, was unter bei Gesprächen unter Erziehern - sei es auf Fortbildungen oder Gesprächen - fast immer ein lautes Seufzen verursacht.
Die Aufgaben, die quasi "nebenbei" erledigt werden sollen, haben *massiv* zugenommen in den letzten Jahren.
Abschliessendes Statement von mir:
Ich bin froh, dass es offenbar mehr Erzieher und Eltern gibt, die diese Entwicklungen zumindest kritisch hinterfragen und würde mir für die Zukunft wünschen, dass dies offener kommuniziert wird.
Kinder, egal welchen Alters, dürfen keine bildungsideologischen Testobjekte sein!
(Die Autorin)
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