MigrationsbarometerExperten beklagen Regel-Chaos bei der Integration

Experten haben den Föderalismus als Hemmnis für Integration ausgemacht. Statt eines "Wildwuchses an Einzelmaßnahmen" fordern sie einen gut koordinierten Masterplan. von afp

Männer-Cafè in Berlin-Kreuzberg

Männer-Cafè in Berlin-Kreuzberg  |  © Sean Gallup/Getty Images

Bei der Integrationspolitik in Deutschland gibt es nach Ansicht von Experten erhebliche Defizite in der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Eine "bessere Koordination, Kooperation und Vernetzung" sei "dringend erforderlich", urteilt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgutachten 2012 . Es gebe zahlreiche sich überschneidende und sogar konkurrierende Zuständigkeiten, die "eine effektive Bündelung integrationspolitischer Maßnahmen erschweren", heißt es in dem Gutachten.

Die Autoren werfen der Politik Versäumnisse bei der Integration vor: "An der Schnittstelle von Föderalismus und Integrationspolitik fehlt ein Masterplan", kritisierte der scheidende SVR-Vorsitzende Klaus Bade. Die verschiedenen Akteure verfolgten je nach politischer Ausrichtung unterschiedliche Agenden. Deren fehlende Koordination ziehe einen "Wildwuchs integrationspolitischer Einzelmaßnahmen" nach sich. Etliche Konzepte seien zwar erfolgreich, doch daneben gebe es zu viel "konzeptloses Durchwursteln".

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In den Kommunen finde "pragmatische Integrationspolitik" statt, urteilen die Verfasser. Sie loben vor allem die vorschulische Bildung, Bildung überhaupt, die Stadtentwicklung und den Wohnungsbau. "Bei der Erfüllung integrationspolitischer Aufgaben werden die Kommunen jedoch bislang oft allein gelassen", heißt es in dem Gutachten weiter. Mehr Unterstützung und bessere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen "könnte in vielen Bereichen zu Synergie-Effekten führen".

Trotz Polemik keine Spaltung

Nichtdeutsche und Einwanderer fügen sich aus Sicht der Experten aber zunehmend besser in die Gesellschaft ein. Das erstmals 2009 gemessene "verhalten positive Integrationsklima" in Deutschland hat sich demnach "im Alltag der Einwanderungsgesellschaft mehrheitlich verfestigt". Nach dem sogenannten Integrationsbarometer, für das mehr als 9.200 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund befragt wurden, hat trotz der "teils polemisch geführten Integrationsdebatte" bislang keine Spaltung der Einwanderungsgesellschaft stattgefunden. Das eigene Verantwortungsgefühl für das Gelingen von Integration stieg der Befragung nach in der Gesellschaft von 17 Prozent auf 84 Prozent.

Allerdings sind sich die Befragten einig, dass die öffentliche Debatte über Integration eine "negative Schlagseite" habe. Mehr als 50 Prozent der Befragten beklagten demnach, dass "eher" oder "viel" zu negativ über Integration debattiert werde. Dasselbe gelte für das Thema Islam.

Der Sachverständigenrat geht auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung zurück. Ihr gehören acht weitere Stiftungen an: Die Bertelsmann Stiftung , die Freudenberg Stiftung, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Körber-Stiftung, die Vodafone Stiftung und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius .

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Leserkommentare
  1. in die Gesellschaft ein.
    Bildunterschrift: Männer-Cafè in Berlin-Kreuzberg
    Na siehste. Geht doch.

    9 Leserempfehlungen
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    • xajija
    • 08. Mai 2012 12:08 Uhr

    Integration gelingt am einfachsten wenn man alle Integrationsbemühungen stoppt und das Geld komplett streicht. Dann müssen die Menschen sich selbst integrieren und Deutsch lernen um einen Job zu bekommen und ein gutes Leben zu führen. Andernfalls kann man sich immer verstecken und sagen der deutsche Staat hat mich nicht genug integriert.

    Also einfach das ganze Geld stoppen und die menschen vor die Realität stellen, dann spurten die schon. Im Übrigen: Ich bin selbst aus Russland hierher gekommen und bin glücklich hier. meine Mutter hat mir gleich klar gemacht, du hast hier viele Möglichkeiten um die zu nutzen werden wir jetzt fleißig Deutsch lernen und pauken. Punkt. Ich war in keinem Integrationskurs meine Eltern auch nicht.

    • lagara
    • 08. Mai 2012 13:19 Uhr

    Ich bin nicht deutsch. Ich kann auf Deutsch scheiben, lesen und sprechen. Sogar auf einem relativ hohen Niveau. Ich habe einen guten Job, verdiene überdurchschnittlich und habe alle Sprachkurse aus meiner Tasche bezahlt. Ich fühle mich trotzdem nicht teil dieser Gesellschaft und habe keine deutsche Freunde, weil es sich nicht ergeben hat oder weil wir einfach nichts gemeinsames haben. Wo ist das Problem? Ist das illegal?

  2. Was sind denn das schon wieder für Experten!

    Der Umstand, daß Integration nicht nur von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gut gelingt, sondern sogar von Kommune zu Kommune und zwar unabhängig von deren Größe, weist doch auf das genaue Gegenteil hin: Das Subsidiaritätsprinzip generiert die besten Erfolge. Jene die es schlechter machen können von denen, die es besser machen, lernen. Es braucht keine Zentralbehörde, die alles einheitlich steuert.

    In den Papierkorb mit diesem Quatsch und zwar schnell!

    3 Leserempfehlungen
  3. "Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR)"

    wieviel beziehen den diese Experten? Fahren die auch mit Mercedes, BMW und Audi von Termin zu Termin oder Moschee zu Moschee??

    Man kann auf Australien, Kanada, Singapur und die USA teilweise wirklich neidisch sein.

    9 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 08. Mai 2012 11:27 Uhr

    "In den Kommunen finde "pragmatische Integrationspolitik" statt, urteilen die Verfasser. Sie loben vor allem die vorschulische Bildung, Bildung überhaupt, die Stadtentwicklung und den Wohnungsbau. "Bei der Erfüllung integrationspolitischer Aufgaben werden die Kommunen jedoch bislang oft allein gelassen", heißt es in dem Gutachten weiter. Mehr Unterstützung und bessere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen "könnte in vielen Bereichen zu Synergie-Effekten führen" zit..

    Richtig.

    "Das eigene Verantwortungsgefühl für das Gelingen von Integration stieg der Befragung nach in der Gesellschaft von 17 Prozent auf 84 Prozent". zit.

    Gut auch wenn die 84% geringer wäre.

    "Mehr als 50 Prozent der Befragten beklagten demnach, dass "eher" oder "viel" zu negativ über Integration debattiert werde. Dasselbe gelte für das Thema Islam." zit.

    Das wird sich geben, wenn die Profiteure der Unstimmigkeiten und die Alarmisten, auch durch eilfertige Skandalsierung mancher Vorfälle durch die Medien, nicht zu viel Bedeutung erlangen.

    Insgesamt entspricht das meinem Erleben und ich denke auch dem weiot überwiegenden Teil in der Bevölkerung insgesamt , sieht man von sozialen Brennpunkten, die es auch sonst geben würde mal ab. Bleibt das so haben weder radikale Salafisten oder andere noch Rechtsradikale oder sowas wie Pro NRW eine Chance auf Unfrieden.

    2 Leserempfehlungen
  4. Ist dieses nun jemand, der oft integriert wurde oder besonders viel davon versteht, wie dieses vorzunehmen ist ?
    Der pragmatische Ansatz der Kommunen wird akzeptiert, da ist aber nicht genug Theorie dahinter und das ist dann konzeptloses Durchwursteln( das kann man Pragmatismus nennen ).
    Mich würde interessieren, was eine Einwanderungsgesellschaft gemein hat.
    Sprechen Phillipinos, Russen und Afghanen miteinander ?
    Es scheint sehr kompliziert zu sein, hier eine aussagekräftige Studie zu finden, denn die Aussage, dass 84 % eine Selbstverantwortung ( statt 17 % vorher ) zur Integration übernehmen ist schon merkwürdig, wollten die früher garnicht ?
    Die Studie widerspricht dabei der neulich vom Innenministerium aufgegebenen Studie, wo festgestellt wurde, dass unter den moslemischen Jugendlichen die Ablehnung unserer Gesellschaftsordung zugenommnen hat.
    Die Integrationsproblematik ist doch wohl sehr Gruppenspeziell.

    5 Leserempfehlungen
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    Es ist einfach nur Bullshit von "Integration" zu sprechen.

    De facto haben wir eine Menge ungebildeter Menschen ob deutsch, muslimisch oder was auch immer.
    De facto haben wir 40% der Menschen in D. die das beständige System ablehnen (die Nichtwählerfraktion).
    De facto gibt es kein Problem mit "Integration", sondern ein Problem, Menschen eine vernünftige Ausbildung zu ermöglichen bzw. auch bei der Immigration ein gutes Selektionsverfahren zu etablieren.

    Ganz einfach: Ein System wie in Kanada etablieren mit "Punkten" für Ausbildung etc. und danach selektieren. Die Menschen müssen die Sprache selbst lernen, wer ab einem bestimmten Alter kein adäquates Niveau deutscher Sprache vorweisen kann fliegt raus.

    Zweitens: Eine vollkommene Verbannung religiöse Symbole (auch christlicher!) aus der Öffentlichkeit. Religion wird Privatsache, alle werden gleich behandelt und wer sich damit nicht abfinden kann fliegt raus.

    Das Problem ist nur, dass man ja so oft erzählt, dass man die Menschen ja bräuchte - wer braucht bitte solche Menschen die die oben genannten Kriterien nicht erfüllen?

    Die einzige Ausnahme der Regeln sollten politische Flüchtlinge darstellen, aber auch nur, solange auch sie sich den oben genannten Kriterien anpassen.

    Übrigens wird das teilweise in anderen Ländern schon praktiziert - übrigens mit sehr viel Erfolg.

    • Moika
    • 08. Mai 2012 11:33 Uhr

    Und das wird nach 30, 40 Jahren mit Problemen bei der Integration schon bemerkt? Was sind denn das für Experten?

    6 Leserempfehlungen
  5. Integration ist kein Verwaltungsakt für den es lediglich klare Regelungen braucht. Genau an solchen Regelungen scheitert Integration.

    Die Umstände sind so regional so vielfältig, dass es auch die Konzepte und Maßnahmen sein müssen.

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    • mahkay
    • 08. Mai 2012 11:43 Uhr

    Müssen sich alle Menschen sich gleich anziehen, verhalten, das gleiche hören usw.?
    Die meinsten Migranten können die deutsche Sprache, zahlen Ihre Steuern und leben friedlich.
    Was will eigentlich der Staat?

    Assimilation? Aufgabe der eigenen Kultur?
    Was ist die deutsche Kultur?
    Schwäbisch, bayrisch, fränkisch ...?
    Kneipe, Schützenverein, Kirche?

    Der Bericht ist einfach ein Quatsch.

    Vielmehr sollte man sich um die Meschen kümmern, die sozial im Abseits stehen. Und da sind viele Ausländer genauso Verlierer, wie auch viele deutsche, die z.B. in Halle in Plattenwohnhäusern Ihr Leben dahin vegatieren, weil die Politik Sie im Stich gelassen hat.

    Ursache allen Übels sind die oberen 5% der Gesellschaft (bewusstes System, von Politik gesteuert), die Ihr Vermögen in den letzten 10 Jahren stark vermehrt haben. In der gleichen Zeit hat sich die Zahl der Menschen im Armut erhöht, plus die Zahl der niedrig Löhner und präkeren Arbeitverhältnisse.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Integration | Gerd Bucerius | Bertelsmann Stiftung | Bildung | Föderalismus | Islam
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