Bei der Integrationspolitik in Deutschland gibt es nach Ansicht von Experten erhebliche Defizite in der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Eine "bessere Koordination, Kooperation und Vernetzung" sei "dringend erforderlich", urteilt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgutachten 2012 . Es gebe zahlreiche sich überschneidende und sogar konkurrierende Zuständigkeiten, die "eine effektive Bündelung integrationspolitischer Maßnahmen erschweren", heißt es in dem Gutachten.

Die Autoren werfen der Politik Versäumnisse bei der Integration vor: "An der Schnittstelle von Föderalismus und Integrationspolitik fehlt ein Masterplan", kritisierte der scheidende SVR-Vorsitzende Klaus Bade. Die verschiedenen Akteure verfolgten je nach politischer Ausrichtung unterschiedliche Agenden. Deren fehlende Koordination ziehe einen "Wildwuchs integrationspolitischer Einzelmaßnahmen" nach sich. Etliche Konzepte seien zwar erfolgreich, doch daneben gebe es zu viel "konzeptloses Durchwursteln".

In den Kommunen finde "pragmatische Integrationspolitik" statt, urteilen die Verfasser. Sie loben vor allem die vorschulische Bildung, Bildung überhaupt, die Stadtentwicklung und den Wohnungsbau. "Bei der Erfüllung integrationspolitischer Aufgaben werden die Kommunen jedoch bislang oft allein gelassen", heißt es in dem Gutachten weiter. Mehr Unterstützung und bessere Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen "könnte in vielen Bereichen zu Synergie-Effekten führen".

Trotz Polemik keine Spaltung

Nichtdeutsche und Einwanderer fügen sich aus Sicht der Experten aber zunehmend besser in die Gesellschaft ein. Das erstmals 2009 gemessene "verhalten positive Integrationsklima" in Deutschland hat sich demnach "im Alltag der Einwanderungsgesellschaft mehrheitlich verfestigt". Nach dem sogenannten Integrationsbarometer, für das mehr als 9.200 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund befragt wurden, hat trotz der "teils polemisch geführten Integrationsdebatte" bislang keine Spaltung der Einwanderungsgesellschaft stattgefunden. Das eigene Verantwortungsgefühl für das Gelingen von Integration stieg der Befragung nach in der Gesellschaft von 17 Prozent auf 84 Prozent.

Allerdings sind sich die Befragten einig, dass die öffentliche Debatte über Integration eine "negative Schlagseite" habe. Mehr als 50 Prozent der Befragten beklagten demnach, dass "eher" oder "viel" zu negativ über Integration debattiert werde. Dasselbe gelte für das Thema Islam.

Der Sachverständigenrat geht auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung zurück. Ihr gehören acht weitere Stiftungen an: Die Bertelsmann Stiftung , die Freudenberg Stiftung, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Körber-Stiftung, die Vodafone Stiftung und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius .