RechtsextremismusBurschenschafter streiten vor Gericht

Der Streit in den deutschen Burschenschaften setzt sich vor Gericht fort: Neonazi-Gegnern geht es um die Zukunft, einem Spitzenfunktionär um seinen Ruf.

Nun also vor Gericht. Dort wird Christian Becker nun seinen Kampf weiterführen müssen. Lange schon ist der Hamburger Burschenschaftler rechten Umtrieben in deutschen Verbindungen auf der Spur. Auf der Suche nach Beweisen sichtete er Pressearchive und Verbandsperiodika, mit Gleichgesinnten gründete er die Initiative "Burschenschafter gegen Neonazis", die das Blog Quovadis Buxe betreibt. Hunderte Burschenschafter unterzeichneten im Frühjahr einen Offenen Brief gegen Rechtsextremismus. Als Mitglied der Bonner Burschenschaft Raczeks beantragte Becker den Ausschluss von Verbindungsbrüdern – wegen "Beteiligung oder Förderung von rechtsextremistischen Aktivitäten".

Mit einem davon wird sich Becker am 4. Juli im Gerichtssaal auseinandersetzen müssen: Norbert Weidner, Chefredakteur der Verbandszeitschrift Burschenschaftliche Blätter. Wie aus ZEIT ONLINE vorliegenden Unterlagen hervorgeht, wehrt sich Weidner gegen die Darstellung von "Burschenschafter gegen Neonazis", er sei "höchstwahrscheinlich einer der Köpfe der rechtsextremistischen Bewegung, die aus Burschenschaften, NPD und Kameradschaften besteht". Weiterhin streitet er ab, er strebe "die Gründung einer rechtsextremen Studentenpartei nach Vorbild des österreichischen RFS an".

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Bisher unbestritten ist, dass Weidner über die rechtsextreme Wiking-Jugend zur Freiheitlichen Deutschen Arbeiter-Partei (FAP) kam, programmatisch nah an der NSDAP. Er brachte es zum Vorstand der "Hilfsorganisation für nationale Gefangene und deren Angehörige", die wie die FAP mittlerweile verboten ist. Ende 2011 bezeichnete er in der Mitgliederzeitschrift seiner Burschenschaft die Hinrichtung Dietrich Bonhoeffers als "juristisch gerechtfertigt". Der Theologe und Widerstandskämpfer sei "zweifelsfrei ein Landesverräter" gewesen.

In dem monumentalen Säulenbau in der Bonner Wilhelmstraße werden erstmals zwei Mitglieder derselben Burschenschaft öffentlich gegeneinander streiten – auch Weidner gehört zu den Raczeks. Der Prozess setzt einen Konflikt fort, der schon zum Deutschen Burschentag Ende Mai in Eisenach eskalierte: Auf dem Verbandstreffen beantragten liberale Burschenschafter die Abwahl Weidners als Chefredakteur, scheiterten aber an der knappen Mehrheit seiner Unterstützer. Schockiert zogen die Unterlegenen ihre Vorstandskandidaten zurück. Weidner-Kritiker verließen entnervt das Verbandstreffen, das vorzeitig endete. Hält die begonnene Fluchtbewegung an, dürfte der Dachverband in den kommenden Monaten auf einen stark nationalistisch ausgerichteten Kern schrumpfen.

Becker aber kämpft für eine Burschenschaft, wie er sie aus Studienzeiten kennt: "pluralistisch, demokratieversessen und frei von rechtsextremistischem Einfluss", sagt er. Sein Rechtsbeistand Ali Özkan will anhand von "Fakten und Indizien" nachweisen, dass "Weidner mit der rechtsextremistischen Szene verflochten ist."

Es geht um viel: Weidners Anwalt Björn Clemens – selbst Burschenschafter – hat die Androhung von bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld gegen Becker beantragt, sollte der seine Darstellungen nicht unterlassen – "ersatzweise Ordnungshaft". Weidner selbst weist die Darstellungen der Neonazi-Gegner weit von sich: Der Rechtsextremismus-Vorwurf sei "vollkommen unsinnig", sagt er und verweist darauf, dass er sich öffentlich von der Szene distanziert habe: "Ich habe damit 1995 gebrochen. Bei meinen rechtsextremen Mitstreitern von früher gelte ich doch sogar als bürgerlicher Verräter."

Auch den Vorwurf, er strebe eine rechtsextremistische Partei an, lässt er nicht gelten. Seine Gegner führen einen Artikel von 2008 im Verbandsblatt der Deutschen Burschenschaft an. Weidner schrieb dort als Pressereferent über eine mögliche "neue und bundesweite hochschulpolitische Vertretung wertkonservativer Positionen". Ein erfolgreiches Projekt "des Rings freiheitlicher Studenten unserer österreichischen Verbandsbrüder könnte hier als Vorbild dienen", schließt der Bericht.

Weidner entgegnet, es habe damals unter Burschenschaftern die Diskussion gegeben, "ob sie sich dem Studentenbund RCDS anschließen oder eine eigene Gruppe gründen". Er habe in dem Artikel "den Stand der aktuellen Diskussion wiedergegeben und ihn nicht einmal persönlich gewertet", sagt er und konstatiert: "Von einer Partei ist dort nicht die Rede."

Die Initiative Burschenschafter gegen Neonazis hofft auf maximale öffentliche Wirkung des Gerichtsverfahrens. Becker sieht Symbolkraft auch darin, dass er mit dem Hamburger Juristen Ali Özkan einen türkischstämmigen Anwalt verpflichtete. Den Argumenten der Gegenseite sieht er gelassen entgegen: "Weidner und seine Leute gehen ein hohes Risiko mit diesem Verfahren ein", sagt er. Selbst wenn Becker unterliegen sollte, hätte er zumindest auf ein Problem in der Burschenschaft aufmerksam gemacht.

 
Leserkommentare
  1. denn die Burschenschaftler haben durch die Vernetzung mit den "Altherren" handfeste berufliche Vorteile.
    Dazu kommt: Die Altherren sitzen häufig auf Schlüsselpositionen in Justiz, höherer Verwaltung und auf Professorenstellen, wirken daher gesellschaftlich wie Multiplikatoren und sind damit überproportional einflußreich.

    Insofern ist der Widerstand gegen rechtsradikale Strömungen innerhalb der Burschenschaften notwendig und unterstützenswert.

    k.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf
    • toeb
    • 28.06.2012 um 1:09 Uhr

    Während sich meine Kommolitonen im Asta mittlerweile selbst erlaubt haben Alkohol auf Studentenparlamentssitzungen zu verzehren, sowie Abstimmungen weil 'ne party ist zu schwänzen und somit das Parlament (neuestens mit nichtmal 19 % der Studentenstimmen legitimiert :/ ) beschlussunfähig zu machen, bin ich in Meiner Burschenschaft auf einer Mitgliederversammlung und diskutiere im besten Interesse für meine Verbindung, meinen Bund und mein Land(auf das man als Burschenschafter exakt genauso viel Einfluss hat wie jeder andere Mitbürger) ohne eine Fahne und mit Überzeugung.

    Wer behauptet Burschenschaften wären Seilschaften, dem ist wohl das Leistungsprinzip nie zu Ohren gekommen. Ich kann zu jedem Alten Herren gehen und nach Werkstudentenstellen sowie Praktika fragen.... Daraufhin wird sich der Alte Herr gehörig überlegen und sehr viel genauer nachfragen was ich denn kann als bei jedem anderen Bewerber... Man kann sagen die Kommunikation ist vereinfacht, ausgewählt zu werden ist schwerer. Von daher --- Seilschaft ist eine lächerliche Argumentation in der heutigen Zeit (früher war wohl alles anders).

    Während ich ein guten Teil meiner Zeit für die Gemeinschaft meiner Burschenschaft sowie Weiterbildung in Fachfernen Themen widme sind einige Kommolitonen schon weiter in Ihrem Studium. Wenn diese dann frei Argumentieren müssen oder mal über Tagespolitik reden sollen ist es grausam was dabei herum kommt.
    (Kleine Gegenrede gegen die vor. Kommentare) Und: Weidner =Idiot!)

    5 Leserempfehlungen
  2. 3. ......

    Recht so das endlich was gegen die rechtsextremen Strömungen unternommen wird.
    Es passt nicht zu der Geschichte der Burschenschaften sich in derartige Schweinereien einspannen zu lassen.

  3. Viele Beiträge bei der "Zeit" strafen Burschenschafter ( ohne l !) als Demokratiefeinde ab. Auch die Artikel tendieren in diese unzulässige Pauschalisierung.
    Man konfrontiert diesen Personenkreis mit einem Buch (der Untertan) welches auf die heutige Zeit nicht mehr zutrifft, im Grunde also ewig gestrig ist...

    Versuche den Menschen klarzumachen das eine Demokratie auch unbequeme Meinungen zu lassen muss, scheitern schnell mit polemischen Phrasen und/oder der Nazikeule.

    Auf der anderen Seite ließt man hier den Artikel, dass die Menschen in Deutschland häufig nicht wissen wodurch sich eine Demokratie auszeichnet. Sie können jetzt schon keine Unterschiede bei den Menschenrechten in der NS Zeit, DDR und der BRD feststellen.

    Sollte uns diese Anklage an das Bildungssystem nicht Anlass geben unsere Einstellung zu unserer Demokratie zu überdenken?

    Die Freiheit unserer Meinungsäußerung wird schon heute stark beeinflusst. Ich mache mir große Sorgen dass wir Personen mit Meinungen abseits des Mainstreams öffentlich ächten. In einer Demokratie sollten wir über diese Meinungen diskutieren, auch wenn das unbequem erscheint.

    Ein Schritt in diese Richtung ist zumindest getan. Die Antifa kann heute ganz offen den Kommunismsus als "sexy" proklamieren, trotz der vielen Menschen die unter der Stasi gelitten haben...

    2 Leserempfehlungen
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    Ich gebe Ihnen völlig Recht.
    Und dass die Einstellung zur Demokratie und Meinungsfreiheit heute durch die Medien die gleiche wie weiland zu Metternicht's Zeiten sind, wissen wir spätestens seit der breiten medialenZustimmung zum Staatstreich (ESM-Vertrag) und dem fortwährend geführten "Kampf gegen Rechts".

    Ich erinnere an ein altes Studentenlied "wer die Wahrheit kennt und sagt sie nicht, der bleibt fürwahr ein knecht'scher Wicht".
    Und leider schweigen viel zu viele, obwohl sie die Wahrheit kennen. Der "Kampf gegen die Burschenschaften" ist ein Teil zur Disziplinierung der Menschen in diesem Land. Erschreckend!

    Ich gebe Ihnen völlig Recht.
    Und dass die Einstellung zur Demokratie und Meinungsfreiheit heute durch die Medien die gleiche wie weiland zu Metternicht's Zeiten sind, wissen wir spätestens seit der breiten medialenZustimmung zum Staatstreich (ESM-Vertrag) und dem fortwährend geführten "Kampf gegen Rechts".

    Ich erinnere an ein altes Studentenlied "wer die Wahrheit kennt und sagt sie nicht, der bleibt fürwahr ein knecht'scher Wicht".
    Und leider schweigen viel zu viele, obwohl sie die Wahrheit kennen. Der "Kampf gegen die Burschenschaften" ist ein Teil zur Disziplinierung der Menschen in diesem Land. Erschreckend!

    • LaoLu
    • 28.06.2012 um 5:23 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
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    • LaoLu
    • 29.06.2012 um 1:53 Uhr

    eines anderen Teilnehmers von der Redaktion als nicht konstruktiv genug angesehen wird:

    Ich halte Burschenschaften für ein Relikt aus vergangenen Zeiten.
    Und dazu bedarf es nicht des Zusatzes "schlagend".

    Die Vereinsmeierei mit streng festgelegten Ritualen, die Hierachiegläubigkeit, der tief verwurzelte Nationalismus haben mich bereits während meines Studiums abgestoßen.

    Wohl wissend, daß gute Guanxi zu "Alten Herren" das nachfolgdende Berufsleben mit Sicherheit einfacher machen...

    Und daß in der feuchtwarmen, bierdustgeschwängerten Atmosphäre dieser Verbindungen rechtslastiges Gedankengut sehr schön gedeit, ist ja nun so neu auch nicht.

    Und komme mir jetzt bitte niemand mit dem Verbot der Burschenschaften im tausendjährigen Reich...

    • LaoLu
    • 29.06.2012 um 1:53 Uhr

    eines anderen Teilnehmers von der Redaktion als nicht konstruktiv genug angesehen wird:

    Ich halte Burschenschaften für ein Relikt aus vergangenen Zeiten.
    Und dazu bedarf es nicht des Zusatzes "schlagend".

    Die Vereinsmeierei mit streng festgelegten Ritualen, die Hierachiegläubigkeit, der tief verwurzelte Nationalismus haben mich bereits während meines Studiums abgestoßen.

    Wohl wissend, daß gute Guanxi zu "Alten Herren" das nachfolgdende Berufsleben mit Sicherheit einfacher machen...

    Und daß in der feuchtwarmen, bierdustgeschwängerten Atmosphäre dieser Verbindungen rechtslastiges Gedankengut sehr schön gedeit, ist ja nun so neu auch nicht.

    Und komme mir jetzt bitte niemand mit dem Verbot der Burschenschaften im tausendjährigen Reich...

  4. Die tun doch niemanden etwas, fordern von niemanden etwas ein und wollen nur für sich ihren Kostümkarneval abhalten?

    ISt das wirklich Freiheit und Toleranz wenn man alle Menschen mit Druck und Denunzierung dazu zwingt, so zu werden wie Asta-Langzeitstudenten?
    Ich denke wir sind eine Demokratie, die zudem irgendwie ganz bunt zu sein hat und ein Farbkleckt sind nunmal auch Burschenschafter, die ebenso ein Recht auf Eigenbestimmung haben. Es gibt Gesetze gegen Gewaltdelikte und damit hat es sich. [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ag

    5 Leserempfehlungen
  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen und formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

  6. Ich gebe Ihnen völlig Recht.
    Und dass die Einstellung zur Demokratie und Meinungsfreiheit heute durch die Medien die gleiche wie weiland zu Metternicht's Zeiten sind, wissen wir spätestens seit der breiten medialenZustimmung zum Staatstreich (ESM-Vertrag) und dem fortwährend geführten "Kampf gegen Rechts".

    Ich erinnere an ein altes Studentenlied "wer die Wahrheit kennt und sagt sie nicht, der bleibt fürwahr ein knecht'scher Wicht".
    Und leider schweigen viel zu viele, obwohl sie die Wahrheit kennen. Der "Kampf gegen die Burschenschaften" ist ein Teil zur Disziplinierung der Menschen in diesem Land. Erschreckend!

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    ein altes Volkslied, das auf Walther von der Vogelweide zurückreicht, scheint in diesem Lande wieder immer mehr an Bedeutung zu erhalten.
    "diu bant mac nieman vinden,
    diu mîne gedanke binden.
    man vâhet wîp unde man,
    gedanke niemen gevâhen kan"

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

    ein altes Volkslied, das auf Walther von der Vogelweide zurückreicht, scheint in diesem Lande wieder immer mehr an Bedeutung zu erhalten.
    "diu bant mac nieman vinden,
    diu mîne gedanke binden.
    man vâhet wîp unde man,
    gedanke niemen gevâhen kan"

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

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