Burschentag : Dem Dachverband der Burschenschaften droht der Zerfall
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Tagung in Eisenacher Halle offen

 

Gegen Ende des Burschenschaftstreffens kulminierte der Konflikt in einer erregten Diskussion über eine mögliche Auflösung des Dachverbandes. Wie es mit der Deutschen Burschenschaft weitergeht, soll nun ein außerordentlicher Burschentag diskutieren, möglicherweise noch in diesem Jahr. "Dort wird es um die Zukunft unseres Verbandes gehen", sagte ein Sprecher. Ein entsprechender Vorschlag hatte die Mehrheit des Plenums gefunden.

Ob die Burschen wieder in der stadteigenen Aßmann-Halle in Eisenach tagen, ist offen. SPD-Oberbürgermeister Matthias Doht gestattete das Treffen am Fuße der Wartburg wohlwollend mit Verweis auf die 1817 begründete Tradition. Seine eigene Parteiführung hatte 2006 beschlossen, dass Angehörige des ultrakonservativen Flügels der Burschenschaft nicht zugleich in der SPD Mitglied sein dürfen , doch Doht stört das offenbar wenig. Ebensowenig wie die Tatsache, dass immer mehr Burschenschaften in den Verfassungsschutzberichten der Länder erwähnt sind.

Katja Wolf von der Linkspartei , ab Juli Dohts Amtsnachfolgerin, kündigte an, die Vergabe der städtischen Halle an die Burschenschaft "kritisch zu prüfen". Dass sich die Uniformträger wieder dort versammeln, sei "kein Automatismus".

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Kommentare

97 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Rechts ins Aus!

So wenig bedeutend heutzutage die Rolle der Burschenschaften
in unserer Gesellschaft sein mag(etwa im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren), so geht doch von ihnen wohl immer noch eine gewisse Signalwirkung aus.

Und deshalb glaube ich, das es zu begrüßen ist, dass rechtsgerichtete Auswüchse als solche markiert, gegeißelt und nach Kräften isoliert gehören.

Die Bedeutung von Burschenschaften wird unterschätzt,

da ihre Mitglieder zwar nicht zahlreich sind, aber häufig an Schlüsselpositionen sitzen.

Die Altherren sitzen auf Richterstühlen, in renommierten Anwaltskanzleien und auf Professorenstellen und üben dadurch Einfluss aus.

Außerdem sorgen sie dafür, daß wichtige Positionen wieder mit "nachwachsenden" Burschenschaftlern besetzt werden.
Die Netzwerkelei ist ja ein wesentliches Merkmal von Burschenschaften und studentischen Verbindungen.

Nahezu komplett ausgeschlossen sind wie im Artikel thematisiert große Teile der Studentenschaft: Ausländer, Deutsche mit MiHi und sowieso Frauen.
Und das soll offensichtlich auch so bleiben.

k.

@ 67 Wir liegen nicht weit auseinander ...

... galaube ich, jedenfalls was die Charakterisierung der Burschenschaften und deren Tendenzen und Ressentiments angeht.
Allerdings meine ich (zugegebenermaßen mehr von Hoffen als von Wissen getragen), dass sich die von Ihnen skizzierte "Netztwerkerei" doch im wahrsten Sinne auf dem absterbenden Ast befindet: Schließlich hat sich in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft auch sehr viel Gegenläufiges entwickelt, und die Netzwerkproblematik wird zunehmend einer biologischen Lösung entgegengeführt.

Nichts Neues

Wer wissen will, wes "Geistes" Kind diese Burschenschaftler sind, braucht sich nur Kurt Tucholskys Artikel in der damaligen "Weltbühne" und den Heinrich-Mann-Roman "Der Untertan" anzusehen. Das, was dort steht, gilt meiner Meinung nach alles in allem heute noch - zumindest, was die rückständige Gesinnung angeht. Zum Glück haben sie heute aber ungleich weniger gesellschaftlichen und politischen Einfluss - und können deshalb kaum noch bleibenden Schaden anrichten.
Davon abgesehen: Ich habe noch nie verstanden, wieso manche Leute der Meinung sind, sie fänden nur Freunde, wenn sie lächerliche Uniformen anziehen und auf Kommando im Akkord saufen....und wer fechten will, sollte einfach den entsprechenden Vereinen beitreten.

so ein solch pausc

- nicht alle burschenschaften sind rechts
- der klassische vorzug der burschenschaft liegt nicht im fechten und freunde finden
- ich verstehe nicht wieso ein solch pauschalisierender beitrag eine redaktionsempfehlung bekommt
- wennsie gerne alberne kostümchen tragen, lass ihnen doch den spaß
- viele burschenschaften frönen als "sängereschaft" auch der sangeskunst. waum mollen andere dann nicht fechten, das ist ein sehr schöner sport

beschämend für die Onlineredaktion!

Ich empfinde eine ausgewogene Berichterstattung sehr wünschenswert. Auch der Artikel hierzu gibt gut aufbereitete Informationen. Bes. an der ZEIT gefällt mir die häufige Gegenüberstellung von gegensätzlichen Meinungen.

Dies jedoch gelingt der Online Redaktion immer während nicht! In diesem Kommentarbereich werden wiederum Meinungen als Redaktionsempfehlung markiert, die weit weg von der Realität liegen und ein falsches und unsachliches Bild auf Tatsachen werfen. Im Zweifelsfall empfehle ich beteiligten Redakteuren die Arbeit für die Zeitung "Neues Deutschland". Obwohl ich selber nun kein Mitglied einer Burschenschaft bin, muss ich hier einiges anbringen:

Weder das Tragen von "Uniformen", "im Akkord (zu) saufen", noch eine "rückständige Gesinnung" sind in Burschenschaften der Fall. Zum einen gibt es Nichtschlagende Verbindungen, zum anderen gehören auch Sängerschaften zu dem hier kritisierten Bereich. Darüber hinaus ist Uniformierung keineswegs in allen Burschenschaften Pflicht. Einigen Lesern - und Redakteuren - der Zeit hätte ich durchaus mehr Feingespür zugetraut.

Ein kleiner Vergleich: die hier kritisierten Eigenschaften würden sicher genauso - oder sogar noch viel besser? - auf einen Bundeskongress der Jungen Liberalen zutreffen: viele, vor allem junge Männer, in einheitlich Beigen Hosen, blau-weiß gestreiften Hemden und dunkelblauen Jacketts mit einheitlichem Seitenscheitel und mit durchaus trinkfreudiger Laune. Klar, was ich mit verallgemeinerndem Klischee meine?

Verfassungsschutz, aufgewacht!!

Die "Machtergreifung light" der Rechtsradikalen in den ohnehin rechten Burschenschaften ist ein hervorragendes Signal an den Verfassungsschutz: einfach alle beobachten, man trifft keine Verfassungsfreunde mehr!

Bleiben werden nur noch vorgestrige Monarchisten, handverlesene Nazis und durchgeknallte politische Brandstifter. Das hat mit Traditionspflege nichts mehr zu tun, das ist ein Sammelbecken von Leuten, die eine Gefahr für den Frieden in einem Rechtsstaat darstellen.