GroßbritannienWie die Angst Murdochs Medienmacht beförderte
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Angst vor Murdochs Medienmacht

Blair hatte vor dem Leveson-Ausschuss vor zwei Wochen die Behauptung vor allem linker Kritiker als "absurd" zurückgewiesen, er habe einen geheimen Parkt mit Murdoch geschlossen. Zu Recht, denn seine Labour-Regierung fällte gleich mehrere Entscheidungen gegen die erklärten Interessen Murdochs und verfolgte zudem eine grundsätzlich pro-europäische Politik, die dem Medienunternehmer nicht passte. Doch Tony Blair sagte, was Cameron ähnlich formulierte: Das Minimalziel sei damals gewesen, zu verhindern, dass "die Blätter Murdochs uns zerreißen"; das "optimale Ergebnis, die Unterstützung von Medienimperien und Zeitungen zu gewinnen".

Im Übrigen waren sich frühere wie amtierende Regierungschefs in einem Punkt einig: Die beharrlichsten Lobbyisten seien die der öffentlich-rechtlichen BBC gewesen. Ansonsten aber offenbarte sich vor dem Leveson-Ausschuss, wie stets das gleiche Spiel gespielt wurde.

Meinung ersetzt Analyse

Parteien, Politiker und Regierungen wünschen sich eine wohlwollende Berichterstattung. Was schwer zu erreichen ist. Zeitungen haben sich, wie Guardian -Chefredakteur Alan Rusbridger feststellte, mehr und mehr in " viewspapers " verwandelt. Der Kommentar, die Heerschar meinungsfreudiger Kolumnisten, ist einflussreicher denn je. Sensationelles hat die gründliche und faire Analyse zurückgedrängt. Fetzige Meinungen zählen. Das Fernsehen, das rund um die Uhr sendet, giert nach Sensationen, das Internet verlangt stetig neuen Stoff. Doch Politik funktioniert anders, langsamer, oft langweilig aus der Sicht mancher Journalisten. Vor allem besitzt die Politik keinen direkten Draht zum Wähler. Sie ist auf den Transmissionsriemen der vielköpfigen Medienhydra angewiesen.

Doch bei diesem manchmal verzweifelt anmutendem Bemühen um eine freundliche Berichterstattung sind die britischen Politiker in eine allzu große Nähe zur Medienmacht gedriftet. Das ist ein Ergebnis der Leveson-Kommission, zu dem man allerdings auch ohne die langwierige Untersuchung hätte gelangen können. Es wird sich erst noch erweisen, ob die Politik die Gunst der Stunde nutzen und Rache an der übermächtigen Medienindustrie üben wird.
 

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Leserkommentare
  1. das die Medien versuchen werden Ihre Ansicht der Dinge, als die Wahre zu verkaufen. Dabei ist eine schlechte Nachricht "immer" zu bevorzugen. Vor allem gilt das auch für die Berichterstattung, diese Medaille hat immer zwei Seiten. Egal was der Journalist schreibt, ob es stimmt oder nicht, es läuft immer nach dem Motto, da ist bestimmt irgendwas Wahres dran! Da kann derjenige der in die Mühlen der Presse gerät, tun und lassen was er will, vor allem Politiker, sie werden beschädigt aus der Sache hervorgehen. Oder man streichelt sie so, wie dies zur Zeit mit Mutti geschieht. Hier kann man beim besten Willen nicht von kritischem Journalismus die Rede sein! Hier wird man den Eindruck nicht los, das da Dinge hinter stecken, die der Mann auf der Straße nicht wissen soll und darf. Beispiel, die fast ausschließlich lobende Presse der Hartz IV - Gesetze. Obwohl man längst einsehen muß, daß da nur in eine Richtung gedacht wurde, in der die Haben und nicht genug bekommen können! Das wir uns da auf ganz dünnem Eis bewegen, haben nur wenige und dies auch nur am Rand erwähnt. Unter freier und kritischer Presse verstehe ich was anderes! Wem dieser Schuh passt, ziehe sich ihn an. Natürlich Niemand!!!

  2. viele medienunternhemen, die vormals via fundierter berichterstattung dem gemeinwohl verpflichtet waren, sind heute teil von aktiengesellschaften, deren ziel es ist via kostengünsiter, seichter infotainment profite zu maximieren. auf der strecke blieben die kostenintensive recherche, redaktionsstatute zu gunsten hoher, qualitativer ansprüche und die innere medienfreiheit, unabhängig vom inserat und der externen PR. wenn dann noch so ein haifisch wie murdoch via gefälligkeitsjournalismus und illegalen methoden "goverment capturing" betreibt, um seine egoistischen zeile zu erreichen, dann ist feuer in der hütte ausgebrochen.

  3. Redakteure der Zeitung mit den großen Buchstaben:
    Wer mit uns im Fahrstuhl nach oben fährt,
    fährt mit uns auch wieder runter.

    Die Presse ist die einzige Macht , die keine demokratische Legitimation hat/braucht.

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