Leserartikel

KindesmissbrauchDas Erbe meines Vaters

Als Kind wurde Leserin Rosemarie Müller missbraucht. Noch Jahrzehnte später leidet sie unter Angstzuständen, Arbeitsunfähigkeit und dem Unglauben der Behörden.

Mein Vater war Chef einer Behörde, hatte Ansehen, Macht und Geld. Seine Rente betrug 3.750 Euro. Ich habe eine Erwerbsunfähigkeitsrente, die gerade mal ein Zehntel dessen ausmacht. Menschen verachten mich, weil ich es nicht geschafft habe. Weil ich Angst habe, ständig. 

Die hat er mir vermacht, mein lieber Vater. Indem er mich missbraucht hat. Angst vor Gewalt und Folter. Angst, ewig gequält zu werden und dass es niemals Erbarmen für mich gibt.

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Als ich studierte, dachte ich, jetzt fängt das richtige Leben an. Vergessen, dass ich eine Zeit obdachlos war, während ich für das Abi lernte. Dass ich jeden Tag in einer Kneipe meine Hausaufgaben erledigte und dann fremde Menschen fragte, ob ich bei ihnen übernachten könne. Damals dachte ich noch: Jetzt wird alles gut. Ich werde einen super Job und eine große Wohnung haben und einen netten Mann und eine Heimat.

Weil mein Vater Karriere machte, zogen wir ständig um. Ich hatte damals keine Heimat und habe heute noch immer keine. Dabei könnte es eine neue Heimat für mich geben – in einem Land, das ich mir erobert habe.

Aber ich darf diese neue Heimat nicht besitzen. Weil ich zu arm bin, um mich selbst finanzieren zu können. Solche wie mich wollen sie nicht haben. Auch wenn man theoretisch das Recht hat, überall in der EU zu wohnen, gilt es nicht für mich.

Ich habe all die Fähigkeiten, die mein Vater auch hatte. Führungsqualität, Klarheit, Struktur, Wissen – eben alles, was es brauchte. Ihn haben die Leute geachtet, vielleicht sogar verehrt.

Als ich 40 war, musste ich feststellen, dass ich den Missbrauch, den ich als Kind erlebt hatte, doch nicht so gut verdrängen konnte, wie ich das gedacht hatte. Ich war Journalistin und sollte über die Wormser Prozesse informieren. Ich musste dem Chef sagen, dass ich das nicht kann. Weil ich Worte wie "Missbrauch" nicht lesen kann. Weil ich sie ausblende, wenn sie in der Zeitung stehen. Und weil ich darüber hinweg singe, wenn ich sie im Radio oder TV hören muss.

Also musste ich eine Therapie machen. Der Mist musste "aufgeräumt" werden. War ja meine Schuld. Immer meine Schuld. Alles.

Und dann musste ich verstehen, dass das nicht "aufzuräumen" geht. Dass die Todesangst bleibt, dass die Gewaltangst bleibt, dass die Angst, grausam gefoltert zu werden ohne Gnade, dass das alles bleibt! Und ich deshalb nicht arbeiten kann, weil alles nur noch mit Gewalt assoziiert ist und dich allein schon das Geräusch eines Stempels dekompensieren lassen kann. Alles ist falsch zusammengesetzt in mir.

Seit über acht Jahren läuft mein Antrag auf Opferentschädigung. Sechs Jahre lang hat mir ein Sachbearbeiter die Möglichkeit verweigert, selbst zu den Vorfällen auszusagen. Weil ich ja zu krank sei. Man könne nicht feststellen, ob ich die Wahrheit sage oder nur fantasiere. 

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Es brauchte erst einen Beschluss des Landessozialgerichts, bis mir endlich das Recht zugestanden wurde, selbst auszusagen. Doch dann sandte mich der Richter zu einem Gutachter, der nicht qualifiziert war. Mehrere Stunden habe ich von den Vorfällen berichtet. Mühsamste Seelenarbeit. Das Gutachten sprach für mich. Es wurde dann entwertet von dem Richter, da es nicht den gängigen Standards entsprach. Jetzt folgt als nächstes eine "Glaubhaftigkeitsbegutachtung nach Aktenlage" – wieder wird jemand, der nie mit mir gesprochen hat, darüber urteilen, ob ich die Wahrheit sage oder nicht.

Mein Vater liegt auf einem schönen Friedhof begraben. Sein Grab ist sehr würdevoll. Hier liegt ein braver Bürger, ein bedeutender Mann. Er hat all seinen Kindern das Leben zur Hölle gemacht. Und er durfte das. Ungestraft.

Dieser Artikel wurde unter einem Pseudonym veröffentlicht.

 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie Ihre Kommentare respektvoll. Danke, die Redaktion/ds

    2 Leserempfehlungen
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    ... und man sollte es anerkennen. Nur aufgrund einer subjektiven Einschätzung ihr jegliche finanzielle Hilfe zu verweigern, sehe ich als menschenverachtend an. Natürlich ist es schwer nachzuweisen, ob ein Missbrauch stattgefunden hat oder nicht; aber es wird kaum jemand so viel Energie und Mühe und auch Leid in eine Sache stecken, die nie stattgefunden hat. Ich finde Ihre Position sehr hart, und überhaupt nicht konstruktiv im Umgang mit Missbrauchsopfern. Lieber wird einmal eine finanzielle Stütze zu viel ausgezahlt, als es einem tatsächlichen Opfer zu verwehren. Der Missbrauch ist lebensbestimmend für die Menschen die ihn erlitten haben. Was glauben Sie wie hart es ist, wenn ein Missbrauchsopfer die Wahrheit sagt, wenn es doch nichts erfindet und einem niemand glaubt. Nicht einmal hier in der Kommentarspalte. Ich würde den Glauben an die Menschen verlieren. Zu recht.

    Anmerkung: Der Beitrag, auf den sich Ihr Kommentar bezieht, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/ds

    Genau diese Einstellung, das heruntermachen eines Opfers mit Hinweisen auf Gutachten, auf Logik, vermeintliche Tatsachen und auch noch diese ... relativierende Herausstellung der gesellschaftlichen Stellung des Vaters, die ja nicht grundlos sein konnte, beleidigt das Opfer erneut. Begreifen Sie das nicht? Die Hilflosigkeit, die absolute Unglaubwürdigkeit, die die Opfer selbst von sich annehmen, und solche Einstellung wie Sie sie vertreten, verhindern das dem Mißbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen mit Macht entgegengetreten werden kann.

    Haben Sie den von den Mißbrauchsopfern an der Odenwaldschule gelesen? Oder von den eingekerkerten Frauen in Österreich? All denen ergeht es auf ähnliche Weise schlecht, wie der Autorin des Beitrags. Ich finde es ärgerlich, was Sie schreiben, und auch, das ausgerechnet so ein Beitrag ausgerechnet an erster Stelle steht.

    Anmerkung: Der Beitrag, auf den sich Ihr Kommentar bezieht, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/ds

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/se

    ... und man sollte es anerkennen. Nur aufgrund einer subjektiven Einschätzung ihr jegliche finanzielle Hilfe zu verweigern, sehe ich als menschenverachtend an. Natürlich ist es schwer nachzuweisen, ob ein Missbrauch stattgefunden hat oder nicht; aber es wird kaum jemand so viel Energie und Mühe und auch Leid in eine Sache stecken, die nie stattgefunden hat. Ich finde Ihre Position sehr hart, und überhaupt nicht konstruktiv im Umgang mit Missbrauchsopfern. Lieber wird einmal eine finanzielle Stütze zu viel ausgezahlt, als es einem tatsächlichen Opfer zu verwehren. Der Missbrauch ist lebensbestimmend für die Menschen die ihn erlitten haben. Was glauben Sie wie hart es ist, wenn ein Missbrauchsopfer die Wahrheit sagt, wenn es doch nichts erfindet und einem niemand glaubt. Nicht einmal hier in der Kommentarspalte. Ich würde den Glauben an die Menschen verlieren. Zu recht.

    Anmerkung: Der Beitrag, auf den sich Ihr Kommentar bezieht, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/ds

    Genau diese Einstellung, das heruntermachen eines Opfers mit Hinweisen auf Gutachten, auf Logik, vermeintliche Tatsachen und auch noch diese ... relativierende Herausstellung der gesellschaftlichen Stellung des Vaters, die ja nicht grundlos sein konnte, beleidigt das Opfer erneut. Begreifen Sie das nicht? Die Hilflosigkeit, die absolute Unglaubwürdigkeit, die die Opfer selbst von sich annehmen, und solche Einstellung wie Sie sie vertreten, verhindern das dem Mißbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen mit Macht entgegengetreten werden kann.

    Haben Sie den von den Mißbrauchsopfern an der Odenwaldschule gelesen? Oder von den eingekerkerten Frauen in Österreich? All denen ergeht es auf ähnliche Weise schlecht, wie der Autorin des Beitrags. Ich finde es ärgerlich, was Sie schreiben, und auch, das ausgerechnet so ein Beitrag ausgerechnet an erster Stelle steht.

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    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/se

  2. ... und die Wut über so einen nach außen angepaßtes, innerlich verkommenes und verödetes Subjekt - den eigentlichen Begriff darf ich nicht hier hinschreiben, sonst wir der Beitrag als anstössig gelöscht - der mit seinen Kindern auf das schändlichste umging und, wie die Autorin berichtet, mit seiner sauberen Fassade alle Welt täuschen konnte, wie sich alle Welt von so einem täuschen lies. Ich wünschte, für die Vergewaltigung der eigenen Kinder würde eigens ein zehnter Höllenkreis eingerichtet, in der die Strafe einzig darin besteht, all die Gefühle der mißbrauchten Mädchen und Buben auf ewig empfinden zu müssen.

    Doch das sind alles nur hilflose Wünsche. Aber es ist zu hoffen, dass so mutige Berichte viel mehr an die Öffentlichkeit kommen. Es verdient den höchsten Respekt, wer seine Qualen so offen bekennt. Würden Viele diesen außerordentlichen Mut aufbringen, würden in der Folge auch Sozialgerichte zu anderen Bewertungen kommen müssen. Eine Arbeitsunfähigkeitsrente in der angesprochenen Höhe ist eine Schande und wird zurecht vom Opfer als Demütigung empfunden.

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  3. Genau diese Einstellung, das heruntermachen eines Opfers mit Hinweisen auf Gutachten, auf Logik, vermeintliche Tatsachen und auch noch diese ... relativierende Herausstellung der gesellschaftlichen Stellung des Vaters, die ja nicht grundlos sein konnte, beleidigt das Opfer erneut. Begreifen Sie das nicht? Die Hilflosigkeit, die absolute Unglaubwürdigkeit, die die Opfer selbst von sich annehmen, und solche Einstellung wie Sie sie vertreten, verhindern das dem Mißbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen mit Macht entgegengetreten werden kann.

    Haben Sie den von den Mißbrauchsopfern an der Odenwaldschule gelesen? Oder von den eingekerkerten Frauen in Österreich? All denen ergeht es auf ähnliche Weise schlecht, wie der Autorin des Beitrags. Ich finde es ärgerlich, was Sie schreiben, und auch, das ausgerechnet so ein Beitrag ausgerechnet an erster Stelle steht.

    Anmerkung: Der Beitrag, auf den sich Ihr Kommentar bezieht, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/ds

    14 Leserempfehlungen
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  4. als die Wormser Prozesse begannen und die Autorin 40 Jahre als war, wissen, ob ihr diese Dinge als Kind geschehen sind?

    Niemand war dabei, es gab keinen Prozess, ihr Vater starb unbehelligt, denn anders ist dieser letzte Satz kaum zu interpretieren.

    Wie also soll dabei eine Anerkennung laufen? Und was ist mit den anderen, im Artikel erwähnten Kindern, stimmen sie ein, sagen sie ebenfalls aus und unterstützen die Entschädigungsforderung der Autorin?

    Ich halte das für sehr schwierig. Das Thema Missbrauch in Familien isz schon an sich kein einfaches. Wenn man sich denn an die Klärung von Ereignissen macht, zu denen noch Menschen aussagen können, die beteiligt waren oder als Zeugen auftreten können, mag es gehen.

    Aber selbst dann ist es nicht leicht, wie ein Gericht gerade in diesen Wochen zeigte, als ein Vater nach sieben Jahren Gefängnis wohl frei kommt, weil die Aussage des Opfers nicht wahrheitsgemäß waren, sie psychische Probleme hatte und hat und dies nun heraus kam.

    Da würde ich nicht den Behörden oder am Ende gar der EU die Schuld zuschieben sondern dem Problem, dass es keinen Nachweis geben kann für etwas, worüber einer aussagt und die anderen tot sind oder schweigen.

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    wie eindeutig die Sachlage für Sie immer bei vermeintlichen Falschaussagen ist, jedoch die Beweisbarkeit bei Mißbrauch und Vergewaltigung von Ihnen für schwierig bis unmöglich gehalten wird.
    Wie lassen sich denn dann plötzlich die Falschaussagen so eindeutig identifizieren und nachweisen?

    wie eindeutig die Sachlage für Sie immer bei vermeintlichen Falschaussagen ist, jedoch die Beweisbarkeit bei Mißbrauch und Vergewaltigung von Ihnen für schwierig bis unmöglich gehalten wird.
    Wie lassen sich denn dann plötzlich die Falschaussagen so eindeutig identifizieren und nachweisen?

  5. Aber wenn die Folgen der Untat nun einmal da sind, warum wird nicht zumindest aus der Hinterlassenschaft des erfolgreichen Vaters, dessen Erbe die Tochter wohl ausgeschlagen hat, für diese gesorgt?

    2 Leserempfehlungen
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    dürfte es schwer sein. Man mag es glauben oder nicht, gesichert ist es nicht und gerichtsfest auch nicht, wie der angedeutete Verlauf des Verfahrens um einen Anteil aus dem Entschädigungsfond zeigt.

    Für mich bleibt die Frage: welche Kriterien braucht es, um jemandem die Aussage "Ich wurde missbraucht" zu glauben?

    Jemand schrieb hier, dass das Leid der Autorin echt sei. Woher weiß man das? Und wenn man es nicht weiß, wie kann man Zahlungen aus einem Fond für missbrauchte Menschen leisten?

    Ich finde diese Fragen wichtig und auch nicht von der Hand zu weisen.

    dürfte es schwer sein. Man mag es glauben oder nicht, gesichert ist es nicht und gerichtsfest auch nicht, wie der angedeutete Verlauf des Verfahrens um einen Anteil aus dem Entschädigungsfond zeigt.

    Für mich bleibt die Frage: welche Kriterien braucht es, um jemandem die Aussage "Ich wurde missbraucht" zu glauben?

    Jemand schrieb hier, dass das Leid der Autorin echt sei. Woher weiß man das? Und wenn man es nicht weiß, wie kann man Zahlungen aus einem Fond für missbrauchte Menschen leisten?

    Ich finde diese Fragen wichtig und auch nicht von der Hand zu weisen.

  6. dürfte es schwer sein. Man mag es glauben oder nicht, gesichert ist es nicht und gerichtsfest auch nicht, wie der angedeutete Verlauf des Verfahrens um einen Anteil aus dem Entschädigungsfond zeigt.

    Für mich bleibt die Frage: welche Kriterien braucht es, um jemandem die Aussage "Ich wurde missbraucht" zu glauben?

    Jemand schrieb hier, dass das Leid der Autorin echt sei. Woher weiß man das? Und wenn man es nicht weiß, wie kann man Zahlungen aus einem Fond für missbrauchte Menschen leisten?

    Ich finde diese Fragen wichtig und auch nicht von der Hand zu weisen.

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    "amtlichen Taten" - vom Vater beglaubigt und von der Behörde abgestempelt?

    • xpeten
    • 13.06.2012 um 16:29 Uhr

    schon sehr früh aus der Gesellschaft aussortiert werden.

    Auch hier wieder ist Bildung, Verantwortungsgefühl und Civilcourage gefragt. Selbstständige Frauen werden es weniger oft akzeptieren, dass ihre Männer ihre Töchter oder Söhne vergewaltigen,

    dazu kommt falsch verstandene Solidarität mit Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Nachbarn auf Kosten der ihr Leben lang traumatisierten Kinder.

    Hinsehen. Einmischen.

    Natürlich geht es um Glaubhaftigkeit. Die ist nicht zuletzt wichtig, um echte Opfer zu schützen.

    Was mir an Ihrem Kommentar aber nicht gefällt, ist, dass Sie mit Hinweis auf das Glaubwürdigkeitsproblem indirekt diesen entwürdigenden Umgang gutheißen!

    8 Jahre Prozess sind eine Zumutung! Sie sind für ein Opfer zynischer Horror und eine Potenzierung des ohnehin schon erduldeten Leids, sie sind selbst für ein spielendes Opfer unnötig leidend, sie sind aber auch - da sind wir wieder bei dem Punkt - für andere Opfer Horrorvorbild und Anlass, erlebte Taten zu verschweigen. Wer tut sich das an? So züchtet die Justiz, die Gesellschaft heran, dass Täter ungeschoren davon kommen.

    Es gibt keinen sinnvollen Grund, einen solchen Prozess derart in die Länge zu ziehen.

    Es darf nicht Aufgabe eines Sachbearbeiters (!) sein, zu entscheiden, ob ein Opfer aussagefähig ist - und das ungeprüft 6 Jahre lang! Es darf weder in einem Entschädigungsprozess noch bei Strafgericht vorkommen, dass ein Richter einen Gutachter benennt - und später an der Form etwas auszusetzen hat. Dann soll er seinen Job vorher richtig machen und einen fähigen Gutachter benennen! Zumal ein Gutachter, wenn er wirklich inkompetent ist, bei einem traumatisierten Opfer ernsten Schaden anrichten kann!

    Ein solcher Fehler sollte Anlass sein, das nächste Mal bei der Auswahl des Gutachters sorgfältiger zu sein. Den eigenen Fehler aber so zu drehen, dass nach Aktenlage zu Ungunsten des Opfers entschieden wird, ist inkompetent.

    Ich bin erstaunt darüber, wie Sie und einige andere Autoren es zustande bringen, den Artikel zu zerpflücken. Die Frage, ob ein Artikel echt oder fingiert ist, können Sie auf alle Artikel anwenden, die täglich publiziert werden.

    Überraschend ist aber, dass das bei Artikeln passiert, wo ein Mensch seine persönliche Leidensgeschichte offenbart und verarbeitet. Dass sich hier sich jemand öffentlich entblößt und damit die Grundpfeiler der Normalität in Frage stellt, beweist große Stärke und Mut. Das ist kein Spaziergang, und ich könnte mir kaum vorstellen, warum und zu welchem Zweck jemand so etwas vortäuschen sollte. Aus dem Artikel kann ich diesen Weg der Beklemmung und des Schadens nachempfinden. Daher ist er für mich authentisch.

    Meine Vermutung ist, dass Sie (und ein großer Teil der Gesellschaft) sich nicht mit unbequemen Wahrheiten über solch krasse Ungerechtigkeiten auseinandersetzen wollen und sie relativieren, damit das eigene Weltbild nicht zusammenbricht.

    MfG, atencion

    PS: Sie brauchen mir nicht zu antworten. Aber denken Sie mal darüber nach.

    "amtlichen Taten" - vom Vater beglaubigt und von der Behörde abgestempelt?

    • xpeten
    • 13.06.2012 um 16:29 Uhr

    schon sehr früh aus der Gesellschaft aussortiert werden.

    Auch hier wieder ist Bildung, Verantwortungsgefühl und Civilcourage gefragt. Selbstständige Frauen werden es weniger oft akzeptieren, dass ihre Männer ihre Töchter oder Söhne vergewaltigen,

    dazu kommt falsch verstandene Solidarität mit Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Nachbarn auf Kosten der ihr Leben lang traumatisierten Kinder.

    Hinsehen. Einmischen.

    Natürlich geht es um Glaubhaftigkeit. Die ist nicht zuletzt wichtig, um echte Opfer zu schützen.

    Was mir an Ihrem Kommentar aber nicht gefällt, ist, dass Sie mit Hinweis auf das Glaubwürdigkeitsproblem indirekt diesen entwürdigenden Umgang gutheißen!

    8 Jahre Prozess sind eine Zumutung! Sie sind für ein Opfer zynischer Horror und eine Potenzierung des ohnehin schon erduldeten Leids, sie sind selbst für ein spielendes Opfer unnötig leidend, sie sind aber auch - da sind wir wieder bei dem Punkt - für andere Opfer Horrorvorbild und Anlass, erlebte Taten zu verschweigen. Wer tut sich das an? So züchtet die Justiz, die Gesellschaft heran, dass Täter ungeschoren davon kommen.

    Es gibt keinen sinnvollen Grund, einen solchen Prozess derart in die Länge zu ziehen.

    Es darf nicht Aufgabe eines Sachbearbeiters (!) sein, zu entscheiden, ob ein Opfer aussagefähig ist - und das ungeprüft 6 Jahre lang! Es darf weder in einem Entschädigungsprozess noch bei Strafgericht vorkommen, dass ein Richter einen Gutachter benennt - und später an der Form etwas auszusetzen hat. Dann soll er seinen Job vorher richtig machen und einen fähigen Gutachter benennen! Zumal ein Gutachter, wenn er wirklich inkompetent ist, bei einem traumatisierten Opfer ernsten Schaden anrichten kann!

    Ein solcher Fehler sollte Anlass sein, das nächste Mal bei der Auswahl des Gutachters sorgfältiger zu sein. Den eigenen Fehler aber so zu drehen, dass nach Aktenlage zu Ungunsten des Opfers entschieden wird, ist inkompetent.

    Ich bin erstaunt darüber, wie Sie und einige andere Autoren es zustande bringen, den Artikel zu zerpflücken. Die Frage, ob ein Artikel echt oder fingiert ist, können Sie auf alle Artikel anwenden, die täglich publiziert werden.

    Überraschend ist aber, dass das bei Artikeln passiert, wo ein Mensch seine persönliche Leidensgeschichte offenbart und verarbeitet. Dass sich hier sich jemand öffentlich entblößt und damit die Grundpfeiler der Normalität in Frage stellt, beweist große Stärke und Mut. Das ist kein Spaziergang, und ich könnte mir kaum vorstellen, warum und zu welchem Zweck jemand so etwas vortäuschen sollte. Aus dem Artikel kann ich diesen Weg der Beklemmung und des Schadens nachempfinden. Daher ist er für mich authentisch.

    Meine Vermutung ist, dass Sie (und ein großer Teil der Gesellschaft) sich nicht mit unbequemen Wahrheiten über solch krasse Ungerechtigkeiten auseinandersetzen wollen und sie relativieren, damit das eigene Weltbild nicht zusammenbricht.

    MfG, atencion

    PS: Sie brauchen mir nicht zu antworten. Aber denken Sie mal darüber nach.

  7. Gerade solche Einstellungen wie von christygoe und gustav.wendlandt vertreten, machen es den Mißbrauchern leicht und den Opfern schwer. Wenn ich Frau Müller wäre, hätte ich mich jetzt schon gefragt, ob es wirklich gut wahr, hier zu schreiben, was sonst kaum jemand seinen Vertrautesten sagen würde.

    Immer müssen so ein paar Skeptiker dagegenhalten, um eine Position in das Spiel zu bringen, die ohnehin ja schon von Behörden und Gerichten betrieben wird, die Mehrheitsfähig ist. Was ist damit getan, nachzuplappern, was an Einwänden ohnehin schon in der Welt ist?

    Nein, eine derartige Offenheit wie von Frau Müller weist eindeutig auf Tatsachen hin, da gilt kein Zweifel.

    Es war richtig, hier zu schreiben, Frau Müller. Ich hoffe, das jetzt ein paar einsichtigere, mitfühlendere Kommentare kommen.

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    Dass jedem Mensch, der eine Aussage macht, ohne Nachweis diese geglaubt wird und Zahlungen geleistet werden?

    Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das vermintes Gelände ist. Allerdings auch dass Aussagen nicht unbedingt richtig sein müssen und wie sich in Prozessen gezeigt hat, die Erinnerung nicht unbedingt stimmig sein müssen.

    Nicht dass ich ein Problem damit hätte, einen verstorbenen, mir unbekannten Mann einer Tat bezichtigt zu sehen. Ich sehe diesen Artikel als exemplarisch und als solcher zeigt er die Schwierigkeiten, die eine solche Tat, die kaum einen Nachweis in die eine wie die andere Richtung ermöglicht, mit sich bringt.

    Wenn sie glauben, was sie lesen, ist das bestimmt nett gemeint. Gerichte und Behörden dürfen so etwas nie tun, da es immer mehr als einen Beteiligten gibt, selbst wenn die andere Seite verstorben ist.

    Dass jedem Mensch, der eine Aussage macht, ohne Nachweis diese geglaubt wird und Zahlungen geleistet werden?

    Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das vermintes Gelände ist. Allerdings auch dass Aussagen nicht unbedingt richtig sein müssen und wie sich in Prozessen gezeigt hat, die Erinnerung nicht unbedingt stimmig sein müssen.

    Nicht dass ich ein Problem damit hätte, einen verstorbenen, mir unbekannten Mann einer Tat bezichtigt zu sehen. Ich sehe diesen Artikel als exemplarisch und als solcher zeigt er die Schwierigkeiten, die eine solche Tat, die kaum einen Nachweis in die eine wie die andere Richtung ermöglicht, mit sich bringt.

    Wenn sie glauben, was sie lesen, ist das bestimmt nett gemeint. Gerichte und Behörden dürfen so etwas nie tun, da es immer mehr als einen Beteiligten gibt, selbst wenn die andere Seite verstorben ist.

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  • Schlagworte Europäische Union | Recht | Behörde | Chef | Euro | Folter
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