Leserartikel

MagersuchtDünn, immer dünner

Die Studentin Anna ist magersüchtig. Mit ihrem Einverständnis beschreibt Leserin Kristine Hebenstreit, wie es zur Krankheit ihrer Kommilitonin kam.

Anna* hat Hunger. Ständig und überall. Während der Vorlesung, auf dem Weg zur Arbeit, mit Freunden im Kino. Ihr Body-Mass-Index beträgt 16. Nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation bedeutet dieser Wert "stark untergewichtig". Doch Anna will es so. Sie will dünn sein.

Anna, das Mädchen aus dem Dorf, hatte eine behütete Kindheit: stabile Familienverhältnisse, gute Schulnoten, ein großer Freundeskreis. Sie war schon immer hübsch, das bekam sie oft genug zu hören. Ihre Freundinnen bewunderten ihr langes Haar und ihre stahlblauen Augen, ihre Sommersprossen und ihre vollen Lippen. Doch so richtig ist sie nie mit sich und ihrem Körper zufrieden gewesen.

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Es fing im ersten Semester an, als Anna zehn Kilo abnahm. Der Stress, das ständige Unterwegssein und das Mensaessen machten sich bemerkbar. Aber ihr, die immer in Gedanken ist, fiel der Gewichtsverlust nicht auf. Erst als sie von Freunden und Verwandten zu hören bekam, wie toll ihr Körper mit ein paar Kilos weniger aussehe, fand sie Gefallen am neuen Körpergefühl. Komplimente wie "Steht dir super!" verschlang Anna gierig und nahm sie als Ansporn, unter keinen Umständen auch nur ein Gramm zuzunehmen. Damals wog sie 52 Kilo.

Mit dem Dünnsein veränderte sich Annas Charakter. Dinge, die sie in der Schule verurteilt hatte, fand sie auf einmal reizvoll. All ihre Prinzipien, hinter denen sie einst gestanden hatte, waren futsch. Plötzlich interessierten sie nur noch Partys, teure Klamotten und ihre Figur. Oft ging sie gar nicht in die Vorlesungen, sondern verbrachte stattdessen ihre Tage in Modeboutiquen und Schmuckläden. Mit vollen Einkaufstüten in den Händen glaubte Anna glücklich zu sein – aber sie war es nicht.

Immer häufiger ließ sie Mahlzeiten ausfallen. Als sie eines Tages im Winter sogar das Trinken vergaß, hatte sie ihren ersten Kreislaufzusammenbruch. Es war mitten in der Straßenbahn, als ihr plötzlich schwarz vor Augen wurde und sie ihn Ohnmacht fiel. Anna wog nur noch 45 Kilo. Ihr Speiseplan bestand aus körnigem Frischkäse, Espresso und Salat. Beim Abendessen aß sie nur das Gemüse. Ihre Eltern schwiegen. Es sei der Stress, das ginge vorüber. Doch das Dünnsein war längst zur Sucht geworden. Anna fing an zu hungern.

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Ein Freund wollte sie damals überzeugen, dass sie viel zu dünn sei. "Schau doch mal, da gucken schon die Knochen raus", sagte er. Doch für Anna waren diese Worte ein Kompliment. Die vielen Blicke, die sie am Badesee oder in der Fußgängerzone auf sich zog, waren ihre Motivation. Sie wusste, was die anderen dachten. Doch niemand wusste, was Anna dachte: "Ja, ich bin dünn. Und ihr seid alle dick und neidisch!" Die Magersucht war ihre Rache an der Welt. Obwohl es nichts gab, für das sie sich je hätte rächen müssen.

Anna weiß nicht, ob sie jemals wieder normal essen kann. Sie hasst das Wort Lebensmittel. "Es suggeriert, dass man Nahrung braucht, um überhaupt leben zu können. Aber das stimmt nicht. Der Gedanke an Essen macht mich krank." Wenn sie von Leuten hört, "wer einmal magersüchtig ist, der ist es immer", dann bekommt sie verdammt große Angst. Kann sie überhaupt ein eigenes, selbstbestimmtes Leben führen?

Mit 16, findet Anna, sei sie das erwachsenste, klügste und tollste Mädchen der Welt gewesen. "Ich habe das Leben geliebt. Jetzt drehe ich durch, wenn die Waage nur ein bisschen zu viel anzeigt. Ich bin ein psychisches Wrack." Dann schweifen ihre Gedanken ab. Vermutlich denkt sie an Lasagne, das Lieblingsgericht ihrer Kindheit. An ihre Laufschuhe, die zu Hause auf sie warten. Daran, dass sie morgen unbedingt wieder abnehmen muss. Morgen. Wird Anna die Krankheit jemals besiegen?

*Name von der Redaktion geändert

 
Leserkommentare
    • saja
    • 01.08.2012 um 13:38 Uhr

    Ein sehr schöner Artikel! Ich hoffe für Ihre Kommilitonin, dass sie die Krankheit irgendwann überwinden kann und selbstbewusst sein kann, ohne sich vorher auf die Waage gestellt zu haben. Sehr deutlich wird auch die Hilflosigkeit und das Unverständnis ("Obwohl es nichts gab, für das sie sich je hätte rächen müssen.") des Umfelds. Letztlich kann nur Anna den Graben, den sie mit ihrer Erkrankung zwischen sich und die Welt gesetzt hat, wieder schließen, in dem sie sich entschließt, gegen die Krankheit anzukämpfen. Dass Anna so ehrlich über sich spricht und auch negative Konsequenzen ihrer Krankheit beginnt wahrzunehmen („Jetzt drehe ich durch, wenn die Waage nur ein bisschen zu viel anzeigt.“) kann ein guter Anfang sein. Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute!

    4 Leserempfehlungen
  1. Das heisst Menschen mit Anorexia nervosa (AN) sind nicht von vornherein irgendwie geistig oder körperlich "gestört" - AN ist keine per se psychiatrische Krankheit! Es sind weder biologische noch psychische Störungen, die AN auslösen und vor allem aufrecht erhalten. Die Pathogenese von AN hat viel eher mit einer normalen biologischen Eigenschaft der hypothalamic-pituitary-adrenal axis (HPA Achse) zu tun - diese sendet im Hungerzustand über die CRF-ACTH-Cortisol Achse Glückhormone (vor allem Dopamin im NAC) aus. Diese "Belohnung" im Hungerzustand hat evolutionäre Bedeutung weil sie - entgegen der adversen Effekte des Hungerzustandes (z.B. Kraftlosigkeit) - zur Futtersuche motiviert. Im Falle der AN kam es jedoch zu einer Konditionierung aufbauend auf dem HPA Belohnssystem, was zum weiteren Hungern zwingt. D.h. AN Patienten können nicht aufhören zu hungern, weil sie von der Dopaminauschüttung "abhängig" geworden sind. Psychische Probleme, wie Depression oder verzerrte Wahrnehmung sind dann eher sekundäre Effekte (siehe zum Beispiel das Minnesota Starvation Experiment, 1944). Natürlich braucht es einen "Auslöser", der zum initialen Hungern führt und den Teufelskreis so in Gang setzt: dies können in der Tat psychische Probleme sein (z.B. geringes Selbstwertgefühl), ebenso körperliche Probleme (durch Krankheit verursachte Kachexie), soziale Faktoren wie modische Imperative spielen in diese Sache ebenfalls mit rein wie purer Zufall.

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    • saja
    • 01.08.2012 um 15:24 Uhr

    und folgerichtig auch im DSM-IV (http://de.wikipedia.org/w...) verzeichnet. Natürlich verselbstständigt sich eine Anorexie durch die von Ihnen beschrieben Prozesse irgendwann, aber so ist es doch bei allen chronifizierten psychischen Störungen.

    Übrigens: Im von Ihnen zitierten Minnesota Starvation Experiment hat sich das Essverhalten der Probanden einige Monate nach Beendigung des Experiments wieder normalisiert, denn sie haben sich im Gegensatz zu Anorektikern nicht für das Hungern entschieden, sondern sie wurden dafür bezahlt. Insofern zeigt das Experiment zwar sehr gut die Folgen von Hungern (auch bei psychisch gesunden Menschen), ist aber kein Argument um zu widerlegen, dass es sich bei Anorexie um eine psychiatrische Erkrankung handelt. Die werden nämlich von keinem Versuchsleiter am Essen gehindert, sondern sie tun es nicht, weil sie eine Höllenangst vor der Gewichtszunahme haben.

    Sehr interessant. Das war mir so nicht klar. Macht aber Sinn.

    Nachgefragt:

    War die Dopamin Versorgung bereits vorher gestört, so dass ein kompensatorischer Mechanismus aufgebaut wurde?

    Wie ist der Vergleich zu Adipositas, wenn dort auch das Belohungssystem die entscheidende Rolle spielt?

    Beste Grüsse

    Vertigo

    Danke für Ihren sehr interessanten Beitrag über die biochemischen Zusammenhänge unserer körperlichen Befindlichkeiten im Zusammenspiel.

    Erklärt sich dadurch das Phänomen, dass lt. einer vielbemühten Studie der LONDON SCHOOL OF ECONOMICS angeblich die glücklichsten Menschen der Welt in Bangladesh leben?

    Nicht selten dienen derartige Befunde sogar als Moralkeule in dem Sinne: Wir reichen, übersättigten deutschen Miesepeter sollten uns von diesen "glücklichen" (?) Hungerleidern mal eine Scheibe abschneiden! (iron.Anm.:ausgerechnet von diesen Ärmsten...)

    Anders gefragt:

    Bestehen generell biochemische (hormonelle) Zusammenhänge zwischen Glück/Zufriedenheits-Befindlichkeit und Ernährungsmangel/ chron. Hungerzustände,
    oder ist die von Ihnen beschriebene Dopaminauschüttung ein innersekretorischer Reflex, der speziell bei der AN auftritt?

    • saja
    • 01.08.2012 um 15:24 Uhr

    und folgerichtig auch im DSM-IV (http://de.wikipedia.org/w...) verzeichnet. Natürlich verselbstständigt sich eine Anorexie durch die von Ihnen beschrieben Prozesse irgendwann, aber so ist es doch bei allen chronifizierten psychischen Störungen.

    Übrigens: Im von Ihnen zitierten Minnesota Starvation Experiment hat sich das Essverhalten der Probanden einige Monate nach Beendigung des Experiments wieder normalisiert, denn sie haben sich im Gegensatz zu Anorektikern nicht für das Hungern entschieden, sondern sie wurden dafür bezahlt. Insofern zeigt das Experiment zwar sehr gut die Folgen von Hungern (auch bei psychisch gesunden Menschen), ist aber kein Argument um zu widerlegen, dass es sich bei Anorexie um eine psychiatrische Erkrankung handelt. Die werden nämlich von keinem Versuchsleiter am Essen gehindert, sondern sie tun es nicht, weil sie eine Höllenangst vor der Gewichtszunahme haben.

    Sehr interessant. Das war mir so nicht klar. Macht aber Sinn.

    Nachgefragt:

    War die Dopamin Versorgung bereits vorher gestört, so dass ein kompensatorischer Mechanismus aufgebaut wurde?

    Wie ist der Vergleich zu Adipositas, wenn dort auch das Belohungssystem die entscheidende Rolle spielt?

    Beste Grüsse

    Vertigo

    Danke für Ihren sehr interessanten Beitrag über die biochemischen Zusammenhänge unserer körperlichen Befindlichkeiten im Zusammenspiel.

    Erklärt sich dadurch das Phänomen, dass lt. einer vielbemühten Studie der LONDON SCHOOL OF ECONOMICS angeblich die glücklichsten Menschen der Welt in Bangladesh leben?

    Nicht selten dienen derartige Befunde sogar als Moralkeule in dem Sinne: Wir reichen, übersättigten deutschen Miesepeter sollten uns von diesen "glücklichen" (?) Hungerleidern mal eine Scheibe abschneiden! (iron.Anm.:ausgerechnet von diesen Ärmsten...)

    Anders gefragt:

    Bestehen generell biochemische (hormonelle) Zusammenhänge zwischen Glück/Zufriedenheits-Befindlichkeit und Ernährungsmangel/ chron. Hungerzustände,
    oder ist die von Ihnen beschriebene Dopaminauschüttung ein innersekretorischer Reflex, der speziell bei der AN auftritt?

  2. Zum Beispiel geraten sehr oft Leistungssportler in die AN, weil sie durch o.g. Mechanismen von der kurzzeitig durch Hungern ausgelösten Dopaminauschüttung subjektiv profitieren (auch wenn ihr Hungerzustand objektiv langfristig nur negative sportliche Effekte hat).
    Im Falle der AN wird sehr oft unnötigerweise rumpsychologisiert und dem folgend auch rumpsychopharmakologisiert. Auch wenn psychische Faktoren das initiale Hungern gefördert haben könnten, spielen sie bei ausgebildeter AN keine Rolle mehr. Patienten mit AN Hungern nicht um sich an irgendjemandem zu rächen. Sie hungern, weil es durch Konditionierung qua dopaminergen Systems ein biologischer Imperativ geworden ist. Wenn die eventuell vorliegenden psychischen Probleme beseitigt werden, wird dadurch die AN noch lange nicht „geheilt“.

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    • porph
    • 01.08.2012 um 15:18 Uhr

    Ihre Erklärung klingt interessant und auch wenn ich von der speziellen Physiologie dieser Zusammenhänge keine Ahnung habe, klingt das erstmal alles schlüssig. Die Schlussfolgerung, dass psychische Probleme im Verlauf der Krankheit nicht unbedingt eine weitere Rolle spielen müssen, finde ich aber fragwürdig. Da muss man sich nur Sätze anschauen, wie diesen hier (Zitat aus dem Artikel): "Sie hasst das Wort Lebensmittel. 'Es suggeriert, dass man Nahrung braucht, um überhaupt leben zu können. Aber das stimmt nicht.'"

    Wer so etwas sagt, hat eindeutig den Bezug zur Realität verloren und so etwas lässt sich schwerlich mit einer rein hormonellen Feedbackschleife erklären. Ich sehe da eine manifeste psychische Störung, wenn nicht primär, dann evtl. sekundär als Folge der körperlichen Sucht.

    • porph
    • 01.08.2012 um 15:18 Uhr

    Ihre Erklärung klingt interessant und auch wenn ich von der speziellen Physiologie dieser Zusammenhänge keine Ahnung habe, klingt das erstmal alles schlüssig. Die Schlussfolgerung, dass psychische Probleme im Verlauf der Krankheit nicht unbedingt eine weitere Rolle spielen müssen, finde ich aber fragwürdig. Da muss man sich nur Sätze anschauen, wie diesen hier (Zitat aus dem Artikel): "Sie hasst das Wort Lebensmittel. 'Es suggeriert, dass man Nahrung braucht, um überhaupt leben zu können. Aber das stimmt nicht.'"

    Wer so etwas sagt, hat eindeutig den Bezug zur Realität verloren und so etwas lässt sich schwerlich mit einer rein hormonellen Feedbackschleife erklären. Ich sehe da eine manifeste psychische Störung, wenn nicht primär, dann evtl. sekundär als Folge der körperlichen Sucht.

  3. ... und der zentrale, wesentliche Satz geht unbeantwortet unter:

    "Die Magersucht war ihre Rache an der Welt. Obwohl es nichts gab, für das sie sich je hätte rächen müssen."

    Garantiert gibt es da etwas -- und das wird der Schlüssel zu der Sucht Annas sein. Jede Wette, die Eltern haben (möglicherweise unbewusst) irgendeinen Mist gebaut; oder eine generationenalte, eigene Schuld aka "Verstrickung" auf Anna weitergeleitet.

    In der Hoffnung, dass sich dies auflösen lassen wird,

    Grüße vom Adminator

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    Ich fürchte sie liegen da etwas daneben, die Eltern als Ursache heranzuziehen. Ich sehe da viel mehr ein gesellschaftliches Problem - einer Gesellschaft die manche Süchte duldet, unterstützt oder sogar fördert. Mager ist nunmal cool und fette Menschen sind halt fett, dumm und haben sich nicht unter Kontrolle.

    Ähnlich wie im Beruf: Cool ist, wer sich totarbeitet. Die Erfolglosen sind halt zu dumm, undiszipliniert, ungebildet usw.

    Gegen eine solche gesellschaftliche Übermacht können Eltern selten etwas ausrichten.

    Daher sind wir Alle gefragt, diesem Wahn ein Ende zu bereiten! Leben nach Bilderbuch sollte endlich out sein.

    Manches (Ablehnung, Bewunderung) bilden sich "Betroffene" auch nur so übersteigert ein, dass es für sie real wird und sonst keiner was davon weiß.

    Ich fürchte sie liegen da etwas daneben, die Eltern als Ursache heranzuziehen. Ich sehe da viel mehr ein gesellschaftliches Problem - einer Gesellschaft die manche Süchte duldet, unterstützt oder sogar fördert. Mager ist nunmal cool und fette Menschen sind halt fett, dumm und haben sich nicht unter Kontrolle.

    Ähnlich wie im Beruf: Cool ist, wer sich totarbeitet. Die Erfolglosen sind halt zu dumm, undiszipliniert, ungebildet usw.

    Gegen eine solche gesellschaftliche Übermacht können Eltern selten etwas ausrichten.

    Daher sind wir Alle gefragt, diesem Wahn ein Ende zu bereiten! Leben nach Bilderbuch sollte endlich out sein.

    Manches (Ablehnung, Bewunderung) bilden sich "Betroffene" auch nur so übersteigert ein, dass es für sie real wird und sonst keiner was davon weiß.

  4. Vor 2 Jahren ist die Tochter unserer Nachbarn mit 21 Jahren an ihrer Magersucht gestorben. Verhungert!

    Es ist mir völlig Wurscht, ob nun AN eine biologische Krankheit oder eine psychologische Störung oder eine Sucht ist - Menschen sterben daran, wie an Heroin und Crack.

    Leider erkennt unsere Gesellschaft dies aber viel zu selten und AN entwickelt sich langsam zum weiblichen Pendant des Workaholics - die Betroffenen bringen sich mit allgemeiner Anerkennung selber um.

    Die Betroffenen werden ob ihrer Figur oder des beruflichen Erfolges bewundert und anerkannt. Und wenn sie dann tot sind wundern sich alle, wie es so weit kommen konnte.

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    ... es wird doch heute kaum eine extrem dünne Frau als 'sexy' wahrgenommen. Selbst im Modesektor hat sich da schon sehr viel getan und außerdem gibt es viele Gegenteilige Kampagnen. Damit kann man es nicht entschuldigen; ich denke es war eher Wegschauen, als Anerkennung.

    ... es wird doch heute kaum eine extrem dünne Frau als 'sexy' wahrgenommen. Selbst im Modesektor hat sich da schon sehr viel getan und außerdem gibt es viele Gegenteilige Kampagnen. Damit kann man es nicht entschuldigen; ich denke es war eher Wegschauen, als Anerkennung.

  5. gehören magersüchtige Menschen in psychologische Behandlung. Sehr oft liegt ein verdrängter Konflikt mit einer zu stark behütenden und kontrollierenden Mutter vor, die ihre Tochter zum Perfektionismus treibt und Schwächen (wie diese Krankheit) nicht erkennen will. Ob das bei Anna auch so ist, muss sie selbst mit dem Psychologen herausfinden. Eine behütete (überbehütete?) Kindheit, die guten Schulnoten und die Eltern, die die Krankheit nicht wahrhaben wollen, sprechen zumindest nicht dagegen.

    Viel Erfolg in der Arbeit an Dir selbst und gegen Deine Krankheit!

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  6. Ich fürchte sie liegen da etwas daneben, die Eltern als Ursache heranzuziehen. Ich sehe da viel mehr ein gesellschaftliches Problem - einer Gesellschaft die manche Süchte duldet, unterstützt oder sogar fördert. Mager ist nunmal cool und fette Menschen sind halt fett, dumm und haben sich nicht unter Kontrolle.

    Ähnlich wie im Beruf: Cool ist, wer sich totarbeitet. Die Erfolglosen sind halt zu dumm, undiszipliniert, ungebildet usw.

    Gegen eine solche gesellschaftliche Übermacht können Eltern selten etwas ausrichten.

    Daher sind wir Alle gefragt, diesem Wahn ein Ende zu bereiten! Leben nach Bilderbuch sollte endlich out sein.

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    Antwort auf "Leider zu kurz..."
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    v.a. zur Mutter ist sehr oft problematisch. Das ist keine Spekulation sondern Erfahrung aus der Arbeit mit Magersucht-Patientinnen.

    Natürlich ist das nicht immer der Fall, deswegen ist es im Einzelfall doch wieder Spekulation.

    Die "Ideale" der Gesellschaft sind natürlich auch nicht ideal, aber wenn es an denen liegen würde, wären wir wohl (fast) alle magersüchtig, deswegen würde ich eher diesen Gedanken als Spekulation abtun.

    und deswegen speist sich ihr Selbstwertgefühl in viel höherem Maße als bei Jungs und Männern aus Äußerlichkeiten.

    Dafür ist natürlich der Jugendlichkeits- und Schlankheitswahn innerhalb der Gesellschaft mitverantwortlich.

    Welches junge Mädchen weiß denn überhaupt, daß die Fotos ihrer Stars komplett retouchiert sind, damit kein Fältchen und kein Speckröllchen zu erkennen ist?

    Wenn Teenie-Mädchen mit solchen role models zugeschüttet werden, können sie gar kein unbelastetes Verhältnis zu ihrem Körper aufbauen, obwohl das Ideal ja nie erreichbar ist.

    Die mediale Dauerpräsenz von perfekten Frauenkörpern suggeriert eine falsche Wertigkeit von Aussehen und Figur.

    k.

    v.a. zur Mutter ist sehr oft problematisch. Das ist keine Spekulation sondern Erfahrung aus der Arbeit mit Magersucht-Patientinnen.

    Natürlich ist das nicht immer der Fall, deswegen ist es im Einzelfall doch wieder Spekulation.

    Die "Ideale" der Gesellschaft sind natürlich auch nicht ideal, aber wenn es an denen liegen würde, wären wir wohl (fast) alle magersüchtig, deswegen würde ich eher diesen Gedanken als Spekulation abtun.

    und deswegen speist sich ihr Selbstwertgefühl in viel höherem Maße als bei Jungs und Männern aus Äußerlichkeiten.

    Dafür ist natürlich der Jugendlichkeits- und Schlankheitswahn innerhalb der Gesellschaft mitverantwortlich.

    Welches junge Mädchen weiß denn überhaupt, daß die Fotos ihrer Stars komplett retouchiert sind, damit kein Fältchen und kein Speckröllchen zu erkennen ist?

    Wenn Teenie-Mädchen mit solchen role models zugeschüttet werden, können sie gar kein unbelastetes Verhältnis zu ihrem Körper aufbauen, obwohl das Ideal ja nie erreichbar ist.

    Die mediale Dauerpräsenz von perfekten Frauenkörpern suggeriert eine falsche Wertigkeit von Aussehen und Figur.

    k.

  7. v.a. zur Mutter ist sehr oft problematisch. Das ist keine Spekulation sondern Erfahrung aus der Arbeit mit Magersucht-Patientinnen.

    Natürlich ist das nicht immer der Fall, deswegen ist es im Einzelfall doch wieder Spekulation.

    Die "Ideale" der Gesellschaft sind natürlich auch nicht ideal, aber wenn es an denen liegen würde, wären wir wohl (fast) alle magersüchtig, deswegen würde ich eher diesen Gedanken als Spekulation abtun.

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    Die Beziehung junger Mädchen zu den Eltern ist nahezu immer problematisch - die Frage ist, ob die Beziehung generell problematischer ist, als bei einer Kontrollgruppe. Und dafür gibt es keinerlei Evidenz. Dass die Familie, vor allem die Mutter, Schuld an der AN Erkrankung ihrer Tochter hat, ist ein altes Voruteil, das bisher noch nicht irgendwie belegt werden konnte.

    Aufgrund einer Vielzahl epidemiologischer Studien gilt es allerdings als gesichert, dass AN Risikogruppen aufgrund ihres Geschlechts, Alters, ihrer Profession oder ihrer sozialen Herkunft einem subjektiv und objektiv größerem Druck ausgesetzt sind den jeweiligen Schönheitsidealen zu entsprechen. Und dieser Druck wirkt sich direkt auf die Gefahr aus AN zu entwickeln.

    Die Beziehung junger Mädchen zu den Eltern ist nahezu immer problematisch - die Frage ist, ob die Beziehung generell problematischer ist, als bei einer Kontrollgruppe. Und dafür gibt es keinerlei Evidenz. Dass die Familie, vor allem die Mutter, Schuld an der AN Erkrankung ihrer Tochter hat, ist ein altes Voruteil, das bisher noch nicht irgendwie belegt werden konnte.

    Aufgrund einer Vielzahl epidemiologischer Studien gilt es allerdings als gesichert, dass AN Risikogruppen aufgrund ihres Geschlechts, Alters, ihrer Profession oder ihrer sozialen Herkunft einem subjektiv und objektiv größerem Druck ausgesetzt sind den jeweiligen Schönheitsidealen zu entsprechen. Und dieser Druck wirkt sich direkt auf die Gefahr aus AN zu entwickeln.

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