Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit hat die Diskussion in Deutschland über die Rostocker Ruderin Nadja Drygalla kritisiert. "Ich finde, die Frau kann eine Beziehung haben, mit wem sie will, wenn sie selbst – und dafür gibt es ja keine Hinweise – nicht mit rechten oder faschistoiden Sprüchen an die Öffentlichkeit gegangen ist", sagte er der ZEIT .

Die Ruderin hatte vergangene Woche das Olympia-Team verlassen – freiwillig, wie der Chef der Mannschaft, Michael Vesper , sagte. Zuvor war bekannt geworden, dass die 23-jährige Drygalla mit einem Rostocker Rechtsextremen liiert ist. Sie selbst distanzierte sich kurz darauf in einem Interview öffentlich von nationalistischem Gedankengut. Ihr Freund, bisher bekannt als NPD-Direktkandidat und Angehöriger einer rechten Kameradschaft, beteuerte wenig später , aus der Partei ausgetreten zu sein und "keinen großartigen Kontakt" mehr zu Nationalisten zu haben.

Cohn-Bendit warnte angesichts des Falles vor falschen Vermutungen. Er sei zwar dafür, "dass sich Sportler auch politisch artikulieren". Aber es dürfe nicht zu Gesinnungsschnüffelei kommen. "Ich kenne die Gesinnung der Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft nicht. Erst wenn die Sportler sie artikulieren, kann und muss ich mich damit auseinandersetzen."

Fehler auch beim Teamchef

Bei Drygalla habe man "die falsche Gesinnung einfach vermutet und ihr das dann vorgeworfen. Jetzt ist sie weg und damit auch das Problem."

Fehler sieht Cohn-Bendit bei Vesper, der auch Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes ist und in Nordrhein-Westfalen Grünen-Politiker war. Drygalla hatte als Ergebnis eines Gespräches mit Vesper das olympische Dorf verlassen. Dann sagte Vesper, er habe keinerlei Anzeichen für rechtsradikale Ansichten feststellen können.

"Bigott und skandalös"

"Das ist nicht nur bigott, das ist skandalös", sagte Cohn-Bendit dazu und ergänzte: "Man versucht sich auf Kosten einer Sportlerin, der man gar nichts vorwerfen kann, eine moralisch reine Weste zu geben."

Er fände es angemessener, der deutsche Sport würde sich mit seiner eigenen Vergangenheit beschäftigen. "Faschistische Traditionen hat es in der deutschen Leichtathletik wie im Deutschen Turnerbund gegeben. Da vermisse ich bis heute die Auseinandersetzung der Sportverbände."