Die Dritte Generation Ost macht schon seit einiger Zeit von sich reden. Anfang August ist nun das Buch Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen erschienen. Darin schildern 30 Autorinnen und Autoren, was es bedeutet, zwischen 1975 und 1985 in Ostdeutschland geboren zu sein.

Ich bin dieser dritten Generation zunächst skeptisch begegnet. Noch eine Generation, die auf der Suche nach der eigenen Identität ist, war mein erster Gedanke. Aber mit jeder Begegnung wuchs ihnen gegenüber mein Interesse und meine Sympathie. Weil sie nicht nur über sich selbst nachdenken. Weil sie den Dialog mit meiner Generation, der Zweiten Generation Ost, suchen. Weil sie etwas in und für Ostdeutschland bewegen wollen. Sie können sich in aller Unbefangenheit engagieren, das unterscheidet sie von meiner Generation.

Ganz und gar ein Kind der DDR

Ich bin Jahrgang 1958, aufgewachsen in Berlin-Karlshorst, Abitur in Leipzig, Studium und Berufstätigkeit in Potsdam. Meine Eltern, beide 1934 geboren, sind Menschen der Ersten Generation Ost, der sogenannten Aufbaugeneration. Ich war ganz und gar ein Kind der DDR: Pionier, FDJ-Sekretärin, zehn Jahre SED-Mitglied, kritische Sozialistin nach meiner Selbsteinschätzung. Ich wollte eine andere DDR: gerecht, modern und weltoffen sollte sie sein. Ich liebte dieses Land mit seiner Kunst und Literatur, über die wir nächtelang stritten, mit seinen kleinen Erfolgen, seinen vielen Fehlern und Rückschlägen. Eine Bürgerrechtlerin war ich nicht.

Im Dezember 1989 gab ich mein Parteibuch zurück, weil ich zu denen gehörte, die eine Selbstauflösung der SED und einen radikalen Neubeginn wollten. Im Sommer 1990 wurde mein Kind geboren, für das ich allein verantwortlich war. Ich wechselte – wie so viele andere auch – in der ersten Hälfte der neunziger Jahre den Beruf, später die Wohnung und noch später den Wohnort. Und fast nebenbei wechselte ich das Land.