Konzert in Russland : Madonna droht Strafe wegen Einsatz für Homosexuelle

Bei ihrem Konzert in St. Petersburg forderte die Sängerin ein Recht auf Gleichheit für Schwule und Lesben. Darin sieht ein russischer Abgeordneter einen Gesetzesverstoß.

US-Musikerin Madonna droht nach ihrem Konzert in St. Petersburg eine Geldstrafe, weil sie ungeachtet eines Verbotes öffentlich zur Toleranz für Homosexuelle aufgerufen hat. "Wir haben Zeugen, es gibt Videoaufnahmen", sagte der Stadtabgeordnete Witali Milonow der Agentur Ria Nowosti. Er warf der Sängerin vor, bei dem Auftritt gegen das Verbot der Schwulen-Propaganda verstoßen zu haben. Darauf steht in St. Petersburg im Fall eines Urteils eine Geldbuße.

"Wir werden nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft mit dem Spülwasser aus der höllischen Küche des Imperiums des Bösen gefüttert wird", hatte der Politiker vor dem Konzert in seinem Internetblog gewarnt. Unter den Zuschauern seien auch Kinder gewesen.

Nach dem Konzert, bei dem Madonna unter anderem eine Regenbogenfahne mit der Aufschrift " No Fear " ("Keine Furcht") zeigte, werde nun Anzeige erstattet, sagte Milonow. "Entweder Madonna selbst oder die Organisatoren müssen als Gesetzesbrecher verurteilt werden", forderte der Abgeordnete.

"Die Menschen werden immer intoleranter"

"Wir alle verdienen Liebe", hatte Madonna vor 25.000 Menschen in der Konzertarena gesagt. Homosexuelle hätten wie jeder Mensch auf der Welt das Recht auf Gleichheit und Liebe. Konzertaufnahmen zeigten, wie sie auch auf dem nackten Rücken die Aufschrift " No Fear " trug.

"Ich reise viel herum in der Welt und habe erlebt, dass die Menschen immer intoleranter werden. Aber wir können das ändern. Wir haben die Kraft", sagte die 53-Jährige vor der jubelnden Menge.

Die Sängerin hatte als Zeichen ihrer Solidarität mit den in Russland ausgegrenzten Schwulen und Lesben rosafarbene Armbänder verteilen lassen. Madonna rief ihre Anhänger auf, zum Protest gegen Intoleranz die Hände mit den Armbändern zu heben. Zuvor hatte die Sängerin bei einem Konzert in Moskau der regimekritischen Punkband Pussy Riot ihre Unterstützung zugesichert

Vor dem Konzert hatten auf der Straße zahlreiche russisch-orthodoxe Christen mit schwulenfeindlichen Losungen gegen Madonnas Auftritt protestiert. In St. Petersburg gilt seit Kurzem ein international umstrittenes Gesetz, das sogenannte Homosexuellen-Propaganda verbietet.

Ähnliche Gesetze gibt es in mehreren russischen Städten. Sie verhindern nach Meinung von Experten auch die Aufklärung über Aids. Homosexualität selbst ist in Russland seit Anfang der 1990er kein Straftatbestand mehr.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Auch wenn wir staatliche Repression gegen ...

... Homosexualität seit einigen Jahrzehnten überwunden haben (gleichgestellt ist es erst seit 1994 in Deutschland!), sollte man sich an die geltenden Rechte eines Landes halten; ganz gleich, wie abstrus oder ungerechtfertigt sie sind. Besonders Madonna kennt die Gesetzeslage ganz gut, und was sie macht ist gezielte Provokation. So wie bei den Pussy Riots sollte man eventuell eine Verurteilung in Erwägung ziehen. Ein Staat verliert nur sein Gesicht und auch seine Autorität wenn er geltende Gesetze nicht einzufordern weiß. Ich finde das Verhalten von Madonna sehr kindisch und überhaupt nicht produktiv, da dadurch nur mehr Abneigung - sowohl in der Politik, als auch im einfachen Volk - ggü. Homosexuellen entsteht, besonders dann, wenn die Botschaft von einem überalterten und provokanten Altstar kommt.

Es ist nicht so, dass Madonna hier gegen ein...

...uraltes, russisches Gesetz protestiert, sondern gegen eines, welches brandneu ist und über welches sich auch Amnesty International empörte.
http://www.fr-online.de/p...

Die Gesetze eines Landes muss man respektieren. Aber willkürliche Machtausnutzung eines Autokraten nicht. Schwule suchen sich ihre Neigung nicht aus, genauso wenig wie man es sich aussucht, in welchem Land man gebohren wird und welche Hautfarbe man hat. Solche Gesetze sind nicht schützenswert...

Wesentliche Punkte übersehen

Ihren Rechtspositivismus in allen Ehren, aber Ihren "rechtsphilosophischen" Ausführungen zufolge scheint Ihnen entgangen zu sein, dass Russland die Europäische Konvention der Menschenrechte (sogar inklusive 14. Zusatzprotokoll) ratifiziert hat, die den Menschen in Russland, unter anderem, die Meinungs- und politische Freiheit gewährt, auch wenn Russland eben diese Freiheiten gerne entziehen möchte. Ähnliches gilt natürlich für den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dürfte nicht eine einzige Verurteilung aufgrund der betreffenden St. Petersburger Vorschrift Bestand haben.

Darüber hinaus rate ich Ihnen dringend, sich einmal mit den Erfahrungen Gustav Radbruchs zu beschäftigen, der Ihre Auffassung vertreten hatte und dies nach dem Dritten Reich recht schnell wieder relativierte. Daraus entstanden ist die sog. Radbruchsche Formel; ich bin einer ihrer Anhänger.

Dass sich Menschen auch weiterhin für die Durchsetzung kodifizierten Unrechts einsetzen, will mir persönlich einfach nicht in den Kopf.

Beste Grüße

Meinungsfreiheit? Dann bitte auch ...

... bei uns!

Ein Blick in das Gesetzbuch enttarnt: vorne und hinten ist die Meinungsfreiheit durch Paragraphen eingeschränkt - und das ist auch gut so! Niemand darf heute das Dritte Reich verherrlichen, oder den Holocaust leugnen. Vollkommen richtig. Meiner Meinung nach sollte man die Meinungsfreiheit dort einschränken, wo sie die Freiheit anderer, sich wohl zu fühlen, verletzt.

Ein Beispiel: wenn sich jemand abfällig über mein Auto äußert, so fühle ich mich dabei nicht wohl. Daher sollte es hier rechtliche Möglichkeiten geben, dem Einhalt zu gebieten. Erst in einer freiheitlichen, harmonischen Gesellschaft, ist das Leben lebenswert.

Die Meinungsfreiheit

Ihr erster Absatz: Da bin ich völlig d'accord. Deswegen wird die Meinungsfreiheit in keinem Rechtsregime schrankenlos gewährt (auch wenn sie in den USA beispielsweise sehr weit geht). Wobei die Holocaustleugnung eigentlich nichts mit Meinungsfreiheit zu tun hat, aber ich möchte hier nicht auf die (nur selten problematische) Abgrenzung von Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung eingehen.

Ihr zweiter Absatz: Was Ihr Wunsch, dass sich möglichst niemand negativ über Ihr Kraftfahrzeug äußern soll mit der hier diskutierten Problematik der Unterdrückung jeglicher Unterstützung für Homosexuelle in Russland zu hat, erschließt sich mir leider auch bei genauerem Hinsehen nicht. Im Übrigen auch nicht der Zusammenhang zwischen Ihrem ersten und zweiten Absatz.

Beste Grüße

Die Freiheit "sich wohl zu fühlen"

Nun verstehe ich, wo die Inkonsistenz Ihres Beitrages herkommt. Der von Ihnen behauptete Blick in das Gesetzbuch (welches denn?) dürfte ergeben haben, dass das "sich Wohlfühlen" anderer Menschen keine Schranke der Meinungsfreiheit ist. Ich lese in Art. 4 Abs. 2 des Grundgesetzes:

"Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre."

"Allgemeine Gesetze" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Gesetz nicht eine einzelne bestimmte Meinung verbieten darf.

Nun mag es Menschen geben, die in einer negativen Äußerung über ihr Auto eine Verletzung ihrer persönlichen Ehre sehen; mir persönlich ist eine solche Auffassung immer etwas befremdlich. Daher ein sehr hinkender Vergleich, wenn man bedenkt wofür sich Madonna eingesetzt hat.

Und nun wäre es noch ganz ...

... großartig, wenn Sie uns als großer, ernsthafter Mensch erklären, wer denn "die Russen" sind. Zählen Sie auch jene, die in Deutschland leben und das Vorgehen der Oberen in St. Petersburg gut finden, zu "den Russen"? Oder sind die "nicht zurückgeblieben", weil sie zufällig nicht in "Russland" leben?

Ist St. Petersburg gleich Russland? Und was ist mit den Bürgern in St. Petersburg, die eine Politik gegen Homosexuelle ablehnen? Sind das auch "zurückgebliebene Russen"?

Und wie ist Ihre wirkliche Meinung zur Unterdrückung von Minderheiten? Zur Ausgrenzung von Menschen, die anders sind als andere Menschen?