Die drei Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot sind von einem Moskauer Gericht wegen "religiös motivierten Rowdytums" schuldig gesprochen und zu jeweils zwei Jahren Haft verurteilt worden. Richterin Marina Syrowa begründete das Strafmaß mit Rowdytum aus religiösem Hass. Die drei Frauen hätten "keine Reue gezeigt", die "öffentliche Ordnung verletzt" und die "Gefühle der Gläubigen beleidigt", sagte Syrowa. Die Untersuchungshaft von knapp sechs Monaten werde angerechnet.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft beantragt, die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Die Anwälte von Pussy Riot kündigten bereits an, das Urteil anfechten zu wollen.

Die drei Frauen hatten im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale mit einem sogenannten Punk-Gebet gegen den damaligen Regierungschef und jetzigen Präsidenten Wladimir Putin protestiert. Die in einem Glaskäfig sitzenden Angeklagten quittierten den Schuldspruch mit einem Grinsen.

Unmittelbar vor dem Urteil hatten die Angeklagten einem Gnadengesuch an Putin eine klare Absage erteilt. "Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten", schrieb die Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa (22) der regierungskritischen Zeitung Nowaja Gaseta. Sie glaube nicht an ein unabhängiges Urteil. "Das ist eine Illusion", schrieb Tolokonnikowa.

Mehrere Hundert Anhänger der Feministinnen versammelten sich vor dem Gericht in Moskau, um ihre Unterstützung zu zeigen. Verteidiger Mark Fejgin rief dazu auf, bei der Solidaritätsaktion auf Masken, Fahnen und Transparente zu verzichten. Sonst drohe eine Festnahme wegen Teilnahme an einer illegalen Kundgebung. Die Moskauer Polizei sperrte das Gerichtsgebäude ab und nahm mehrere Menschen fest.

"Wir sind glücklich, dass wir unabsichtlich das Epizentrum eines großen politischen Geschehens geworden sind, das so viele verschiedene Gruppen einbezieht", sagte Tolokonnikowa vor der Urteilsverkündung. Eine Flucht ins Exil hatte sie wie ihre Mitangeklagten Jekaterina Samuzewitsch (30) und Maria Aljochina (24) abgelehnt.

Amnesty International nannte das Urteil einen harten Schlag gegen die Meinungsfreiheit. "Das Urteil ist nicht nur der Versuch, die drei jungen Frauen zum Schweigen zu bringen", sagte Amnesty-Expertin Friederike Behr. "Es soll auch eine Warnung an alle anderen sein, die es wagen, Präsident Wladimir Putin und seine Regierung zu kritisieren."

Mehrheit der Russen hält Verfahren für fair

Weltweit liefen vor der Urteilsverkündung Solidaritätsaktionen, darunter auch in Berlin . In Moskau und Bulgarien stülpten Anhänger der jungen Frauen Denkmälern bunte Sturmhauben über, das Markenzeichen von Pussy Riot. In Moskau wurde ein Aktivist festgenommen, ihm drohen bis zu 15 Tage Arrest. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew fällte eine Aktivistin der feministischen Gruppe Femen ein großes Holzkreuz mit einer Motorsäge. Ultranationalisten und strenggläubige orthodoxe Christen wollten hingegen für eine Verurteilung demonstrieren.

Die Mehrheit der Russen glaubt einer aktuellen Umfrage des Lewada-Zentrums zufolge, dass das Verfahren fair und unabhängig verlaufen sei. Nur eine Minderheit halte Putin oder Patriarch Kyrill für die Initiatoren der Anklage, berichtete die Zeitung Kommersant .