In aller Stille und höchster Eile hat das Bundesjustizministerium jetzt einen Vorschlag gemacht, wie die Beschneidung von Jungen in Deutschland künftig geregelt werden soll. Die wichtigste Entscheidung fiel offenbar gleich zu Beginn der Beratungen.

Das Ritual, das Juden ebenso heilig ist wie Muslimen, wird auch künftig nicht im Strafrecht geregelt – etwa mit einer Formulierung, wie man sie von der Abtreibung her kennt: "illegal, aber straffrei". Damit ist vermieden, was viele Juden und Muslime befürchtet hatten: nicht ein Recht zu bekommen, sondern eine Gnade.

Stattdessen ist die Beschneidung jetzt Teil des Sorgerechts. Die Eltern entscheiden. In den ersten sechs Monaten nach der Geburt darf die Beschneidung auch von jemandem vorgenommen werden, der kein Arzt, "aber vergleichbar befähigt" ist.

Entgegensetzung von Kindeswohl und Elternrecht nicht akzeptiert

Damit ist es den Juden weiterhin möglich, die Mohalim aus ihren Gemeinden einzusetzen . Sie müssen auch nicht, wie das zwischenzeitlich in Berlin geregelt worden war, dem Staat gegenüber den Nachweis erbringen, dass sie aus religiösen Gründen handeln – es gibt keine "lex judaica", wie das verschiedentlich befürchtet worden war. Vor allem hat das Justizministerium die Entgegensetzung von Kindeswohl und Elternrecht nicht akzeptiert, wie sie zum Teil von den Gegnern der Beschneidung ins Feld geführt worden war.

Die Regelung war notwendig geworden, weil im Frühsommer ein Kölner Landgericht entschieden hatte, die Beschneidung als Körperverletzung zu werten. Daraufhin hatten Ärzte und Krankenhäuser sich aus Angst vor Strafe geweigert, die Operation durchzuführen – was speziell für jüdische Eltern ein Problem war, weil sie ihre Kinder nach der Tora bis zum 8. Tag beschneiden lassen müssen. Wochenlang hatte es in Talkshows, in Internetforen, im Bundestag und auf den Straßen erregte Debatten gegeben. Sie werden auch jetzt nicht aufhören.

So vernünftig und lebensklug die Regelung sein mag – sie wird nicht befrieden können, was da zum Ausbruch gekommen ist . Die Gegner der Beschneidung, die kürzlich sogar Menschenketten organisiert hatten, haben in diesem Entwurf nur sehr wenig bekommen.

Zwar wird die Aufklärung der Eltern verlangt, die Einhaltung der ärztlichen Regeln der Kunst, darunter auch eine wirkungsvolle Schmerzbehandlung. Aber ansonsten hält sich der Staat aus der religiösen Erziehung heraus. Das kann all denen, die im Namen des Kindeswohls oder der Aufklärung einen Keil zwischen Eltern und Söhne treiben wollten, nicht gefallen.