Satire und Religion : Ein Mönch, ein Wunder, ein Nudelauflauf

Ein Spaßvogel hat in Griechenland eine bizarre Wundergeschichte in die Welt gesetzt und einen Mönch zur Nudel gemacht. Gläubige sind entsetzt, der Staatsanwalt ermittelt.
Ein griechisch-orthodoxe Kirche in Athen © Yiorgos Karahalis YK/dbp/Reuters

Alles beginnt mit einem vermeintlichen Motorradunfall im Norden Griechenlands . "Höchstwahrscheinlich stand der Fahrer unter Drogeneinfluss", heißt es in einem Artikel, der auf einem fingierten Religionsblog im Sommer veröffentlicht wurde. Zwar habe sich der Fahrer auf Entzug befunden, aber "der Dämon des Heroins wollte nicht aus seinem Körper weichen".

Der Jugendliche sei mit schweren Schädelverletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden und ins Koma gefallen. Bald hätten die Ärzte jede Hoffnung auf Heilung aufgegeben und ihn den "Händen Gottes überlassen".

Die Mutter des Jungen aber, so steht es weiter in dem Blog, habe nicht aufgeben wollen. Sie habe den verstorbenen Mönch Paisios um Hilfe gebeten, und dazu Erde von dessen Grab unter das Kopfkissen ihres verunglückten Sohnes gelegt. Der Geistliche wird von strenggläubigen – aber auch abergläubischen – Orthodoxen für seine Wunder verehrt.

Rechtsradikale schalteten sich ein

Und siehe da, am nächsten morgen sei der verunglückte Junge wieder "ganz gesund" gewesen. "Die Ärzte konnten sich das nicht erklären." Die Nachricht von dem vermeintlich jüngsten Wunder des Mönches Paisios verbreitete sich rasant auf religiösen Websites und in orthodoxen Blogs, aber auch in mehr oder minder seriösen Zeitungen des Landes. Bald aber sollte sich zeigen: Alles war nur ein riesiger Schwindel.

Bei Facebook tauchte einige Zeit später ein Profil mit dem Namen des Mönches in leicht abgewandelter Form auf: Aus Paisios wurde Pastitsios, ein beliebter Nudelauflauf, den griechische Restaurants auch in Deutschland gerne servieren. Hinter dem Facebook-Profil verbarg sich ein junger Mann von der griechischen Insel Euböa, der offenbarte: Die Wundergeschichte ist ausgedacht, mit dem Nudelmönch habe er entlarven wollen, wie abergläubisch die griechische Gesellschaft ist.

Doch den Spaß fanden gerade die Gläubigen gar nicht witzig. Die Kommentarspalte der Nudelmönch-Seite bei Facebook füllte sich mit Beschimpfungen, die Sache sprach sich auch im national-religiösen Milieu schnell herum.

Vor wenigen Tagen dann brachte ein Abgeordneter der rechtsradikalen Partei Goldene Morgenröte die Wunder-Affäre vor das griechische Parlament. "Der Nutzer beschimpft, verspottet und versucht die Heiligkeit der griechischen Orthodoxie zu demütigen", sagte der Abgeordnete. Er forderte den Innenminister auf, zu handeln – und der handelte.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Er war nur Märchenerzähler!

Wenn die griech. Kirche keine Strafverfolgung fordert, dann wohl aus dem Grund, dass sie sich nicht selbst lächerlich machen will.

Es stand nur eine ausgedachte Geschichte im Netz wie ein Roman.

Aber manche gläubige Menschen haben diese Geschichte gern verbreitet. Erst dadurch wurde sie bekannt, wie der Artikel berichtet. Diese Menschen fühlen sich berechtigt mißbraucht und der Lächerlichkeit preisgegeben, weshalb sie einen Sündenbock suchen.

Nicht der Autor, sondern die Gläubigen sind die Schuldigen für die internationale Aufmerksamkeit.

Die Justiz kann aber keine Sündenböcke verurteilen!
Ich habe eine schöne Geschichte gelesen, die Europa nicht umwälzen wird! Mehr ist hier nicht erzählt worden.

Inzwischen muß man sich aber fragen, ob unser GG

den Gegebenheiten angepaßt und umformuliert werden muß: Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und seinen Institutionen...

Das ist keine Satire, dass religiöse Institutionen die Freiheit der Religion über die Menschenrechte - Kinderrechte sind Menschenrecht - stellen können und den Gläubigen das Menschenrecht auf den persönlichen Glauben in freier Selbstbestimmung u. Verantwortung verweigern. Gehorsam u. Pflicht als oberste Gebote oder Sanktionen.

Oder muß man das so verstehen, dass die nationale u. staatliche Einheit nur gewahrt werden kann, wenn Religionen in Einheit die Menschenrechte negieren dürfen?

Qualitätssicherung?

[Um dem Verdachte vorzubeugen, hat die römisch-katholische Kirche ein strenges und stricktes Qualitätsicherungsprozedere rund um Wunder und Heilige implementiert.]

Wenn man Menschen selig oder heilig spricht, braucht man sicherlich einen Nachweis. Aber wenn man es erst 100 oder mehrere hundert Jahre nach dessen Tod vollzieht, dann gibt es keine Möglichkeit des Gegenbeweises, weil nur die Akten der RKK existieren.

Heilige sollten doch schon zu Lebzeiten erkannt werden! Oder nie!

Qualitätssicherung bedeutet doch, dass gerade die Ggegenargumente berücksichtigt werden. Dazu muss man den Akteur befragen können!

Alles was danach erfolgt ist nur noch Interpretation!

Sehr gerne

Die Menschen glauben aus dem selben Grund an Gott wie sie an Ihre Freunde, Frau, Vater, Mutter uns. glauben.
Wenn Sie sich eine Antwort gegeben haben, wieso Sie an sie glauben, dann werden Sie auch eine Antwort auf die gestellte Frage bekommen.

Zum "vierblättrigen Kleeblatt":
der Hauptunterschied zwischen Glaube und Aberglaube ist die Tatsache, dass mit den Praktiken des Aberglaubens der "Gläubiger" einen Einfluss auf die "höhere Macht" nehmen will und diese für sich in Dienst nehmen will. Die allgemeine Definition des "Glaubens" hingegen ist eine Beschreibung einer persönlichen Beziehung.

an meine Freunde und Familie

brauche ich nicht zu glauben, die sind - beweisbar - vorhanden. Ich kann mit ihnen sprechen, sie antworten mir, ich kann sie berühren etc.

Also ihre Analogie stimmt nicht so ganz. Dieses "für sich in Dienst nehmen" erlebe ich sehr oft bei Christen, die dafür beten, dass sie eine Prüfung bestehen etc.

Die Definition als persönliche Beziehung ist eine sehr spezielle, christliche und keineswegs "die allgemeine".

Glaube und Aberglaube - 2 Seiten einer Medallie

„Die Menschen glauben aus dem selben Grund an Gott wie sie an Ihre Freunde, Frau, Vater, Mutter uns. glauben.“

Es gibt hierbei allerdings einen großen Unterschied, bei den Freunden, Frau, Vater, Mutter handelt es sich um reale Personen, deren Existenz sichergestellt ist, bei Gott kann das niemand behaupten.

„der Hauptunterschied zwischen Glaube und Aberglaube ist die Tatsache, dass mit den Praktiken des Aberglaubens der "Gläubiger" einen Einfluss auf die "höhere Macht" nehmen will und diese für sich in Dienst nehmen will.

Das kann meines Erachtens nicht der Unterschied sein, dass versuchen auch sehr viele religiöse Zeremonien, z.B. im Buddhismus, das Laufen um die Stupa mit dem Läuten der Glocken oder konkrete Wunschgebete an Schutzheilige im Katholizismus oder das Darbringen von Opfergaben im Hinduismus. Ich könnte jetzt noch beliebig viele Riten aller möglichen Religionen aufzählen. Bis jetzt konnten Sie den Unterschied zwischen Glauben und Aberglauben nicht deutlich machen.

Zu simpel

Was für ein abwegiges, simples Bild von Gläubigen viele zu haben scheinen.

Klar, alle Gläubigen richten Ihr Leben und ihre Handlungen stets nach göttlichen Gesetzen aus...nicht! Glaube ist sehr viel mehr als die Befolgung von irgendwelchen Regeln. Ich als gläubiger Mensch frage mich doch nicht bei jeder Entscheidung, ob das nun Gott gefällt oder ob mich das in die Hölle bringt. Darum geht es beim Glauben aber auch gar nicht vorrangig.

Dagegen ist es gerade der Aberglaube, der sehr an Regeln hängt - z.B. die Vorstellung, die Zahl Dreizehn bringe Unglück, oder der Anblick einer schwarzen Katze, die von links den Weg kreuzt. Tue dies, dann geschieht jenes - das entspricht zumindest im Christentum in der Regel gerade nicht der vorherrschenden Lehrmeinung der theologisch Gebildeten. Zugegebenermaßen vermischen Aberglaube und Lehre sich im Alltag der Gläubigen (insbesondere bei der katholischen Kirche und in den Ostkirchen, möchte ich als Protestant stichelen hinzufügen...)häufig, sie einfach gleichzusetzen, ist aber vulgäre, billige Kritik.

Generell krankt die ganze religionskritische Debatte an der weitverbreiteten Unwissenheit vieler Kritiker über den Gegenstand ihrer Kritik. Da werden Argumente aus der Mottenkiste geholt, die schon seit dem 18. Jahrhundert überholt sind.

Sie haben insofern Recht, ...

... dass tatsächlich viele Kritiker wenig Ahnung haben. Dazu zwei Dinge:

1. Es gibt aber auch viele Kritiker, die (wie ich) religiös erzogen wurden und sich lange intensiv mit Religion befasst haben / daran interessiert waren.

2. Man muss sich mit Religion nicht perfekt auskennen, um sie abzulehnen. Ich muss nicht wissen, wie sich der Gläubige sein Phantasiewesen genau ausmalt, um daran zu zweifeln, dass es eine reale Existenz hat.

Ließe sich beheben

"Generell krankt die ganze religionskritische Debatte an der weitverbreiteten Unwissenheit vieler Kritiker über den Gegenstand ihrer Kritik. Da werden Argumente aus der Mottenkiste geholt, die schon seit dem 18. Jahrhundert überholt sind."

Das mag daran liegen, dass sich die großen religiösen Verbände und auch die meisten Gläubigen nicht klar davon abgrenzen.

In christlichen Kirchen werden auch hierzulande bei praktisch jeder Messe Tatsachenbehauptungen verbreitet, insbesondere über die historische Existenz von Personen, die bestimmte Dinge gesagt und getan haben sollen.

Religion, die sich als "Gruppe von Leuten, die bestimmte gemeinsame Bräuche pflegen und bestimmte Moralvorstellungen vertreten, die beispielhaft anhand überlieferter Geschichten erklärt werden" darstellt, ist selten das Ziel von Kritik.

Tatsächlich lauten aber auch heute noch oft vertretene religiöse Thesen in etwa: "Das Universum wurde von etwas erschaffen, das sich sinnvollerweise als Person beschreiben lässt und ein besonderes Interesse und eine konkrete Meinung zu Lebensentscheidungen und -umständen von Menschen hat." und "Nach Ende der Hirnaktivität existiert menschliches Bewustsein fort, ist insbesondere weiter zu Erinnerung und Gefühlen fähig, ohne dass es eines stofflichen Trägers bedarf".

Ich kann nicht erkennen, in wie fern die Beleglage für diese beiden Thesen besser sein soll als für die Auswirkung von Kleeblättern oder der Zahl 13 auf persönliches Glück.

zu gleichen teilen

"Generell krankt die ganze religionskritische Debatte an der weitverbreiteten Unwissenheit vieler Kritiker über den Gegenstand ihrer Kritik."

das scheint mir - mit verlaub - mumpitz zu sein. selbstverständlich weiß ein religionskritiker nichts über den gegenstand seiner kritik. wie soll er auch, wenn er nicht glaubt, sondern zu wissen sucht. genau wie die kritiker haben auch die gläubigen lediglich eine annahme/glauben über den gegenstand/das objekt.
und deshalb "krankt die ganze religionskritische Debatte" zu gleichen teilen auch der unwissenheit der gläubigen.

mithin: ein diskurs zwischen beiden seiten wird immer schwierig bleiben, da die beiden seiten jeweils von voraussetzungen ausgehen, über deren wahrheit keine aussage getroffen werden kann.

Da stimme ich Ihnen zu!

Jedoch ergibt doch die Entstehungsgeschichte des christilichen Glaubens zu Zeiten Jesu ein meiner Meinung nach recht klares Bild ab. Widersprüche, Abkupferung und Hochstilisierung sind da noch die kleineren Übel. Dazu kommen selektive Rosinenpickerei, Machtansprüche/-erhaltung und dergleichen.

Bei den Dimensionen unseres Universums wird es sicherlich immer eine höhere Macht geben. Wie sie sich darstellt wäre aber eine ganz andere Diskussion.

Was wäre

mit dem Glauben an eine strahlende Zukunft? Sei es die Zukunft der Welt oder die persönliche Zukunft, in der man glücklich und zufrieden ist (- von guten Freunden umgeben ist, einen liebevollen Partner und einen interessanten Job hat und das Leben genießt). Es gibt keinerlei Anlass, das zu glauben, und dennoch tun es viele Menschen. Man sagt dann, sie sind Optimisten.

Ist das nicht in irgendeiner Form die gleiche Art von Glauben? Man glaubt's halt, weil man's gerne hätte...

Sie haben natürlich Recht,

wenn Sie sagen, dass man sich nicht mit Religion auskennen muss um sie abzulehnen. Erstaunlich ist jedoch, dass es sehr viele Menschen gibt, die nicht an Religionen glauben, aber ein sehr breitgefächertes Wissen darüber besitzen.
In den USA gab es eine Umfrage in der die Atheisten ein größeres Wissen über Religionen hatten als Religiöse über ihre eigene Religion. In der Umfrage wurde der Schluss gezogen, dass merh Wissen über Religionen, Menschen zu Atheisten macht. Wahrscheinlich führt allgemein mehr Bildung zu weniger Religion.

Freunde und Familie

Ob sie glauben oder nicht, den Gläubigen ist auch Gott so evident wie Ihnen ihre Freunde und Familie. Sie brauchen dafür keine Beweise - die können sie auch nicht liefern, ebenso wie Sie mir keine Beweise liefern können, dass ihre Freunde und Familie nicht nur eine Einbildung sind. Übrigens der philosophischer Beweis dass es eine Welt außerhalb meiner selbst gibt lässt noch immer auf sich warten - ist auch für das normale Leben nicht notwendig, sie wird immer nur für Gott verlangt.

Übrigens, ich hoffe nicht, dass Sie damit ernst gemeint haben, Sie glauben nicht an Ihre Freunde oder Familie. Denn ohne dem Glauben an seine Nächsten würde man sehr schnell auf der Psychiatrie landen.

In der deutschen Sprache haben nun mal die Ausdrücke "ich glaube an" und "ich glaube, dass" sehr verschiedene Bedeutungen.
- "ich glaube an" bezeichnet ein tiefes Vertrauen gegenüber einer Person (Freund, Frau), das aus einer profunden Kenntnis dieser Person stammt.
- "Ich glaube, dass" wiederum ein fehlendes Wissen, das durch eine subjektive Einstellung wettgemacht wird.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass im christlichen Glaubensbekenntnis kein einziges Mal das Wort "dass" vorkommt. Diese Gläubige glauben nicht, dass es Gott gibt - das ist für sie evident - sondern sie "glauben an Gott", was ihre persönliche Einstellung zu einer Person beschreibt.

oh nein,

nicht wegen der 'demokratischen Gesinnung'
erlässt dieser KirchenVater diesem Jungen
dummen Spunt die Strafverfolgung...

es ist allein wegen 'Gesetz der christlichen
Nachsicht für Dummheit und Intoleranz'...;

wer das Christliche Verständnis von Jesus
verinnerlicht hat, der braucht überhaupt
kein Gesetzesbuch anzugucken, und auch
kein Grundgesetz..., das Christentum ist
allein das

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