Hamburg, du wirst mir fehlen. Deine noch unberührten Stadtteile, deine unzähligen alten Bäume, die Elbe, die Alster, das Flair der Metropole und der frische Wind, der durch die Gassen weht und den Geruch der Nordsee trägt.

Ich werde mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter Hamburg verlassen. Ja, ich will mein Leben entschleunigen. Dabei bin ich stolz, gebildet und liebe Kultur, kurz: Ich gehöre eigentlich in eine Metropole.

Doch Hamburg ist mir einfach zu teuer geworden. Allein ein Blick in die Immobilienanzeigen zeigt: Hier gehörst du einfach nicht zu.

In der Schanze, in St. Georg, in Ottensen, bald auch in Wilhelmsburg – die großen Investoren kratzen selbst in den entlegensten Hinterhöfen den letzten Hauch von Geschichte, Tradition und Charme von den Wänden. Sie lassen einst bunt-bröckelnde Fassaden weiß erleuchten, pflanzen Discounter-, Franchise- und Einzelhandelsketten wie kitschige Kunstpflanzen in die Stadtteile.

Hamburg hat Gentrifizierung, die Stadt ist krank. Die Viren des Profits jagen selbst Normalverdiener fort. Die zukünftigen Bewohner sind Touristen, das alte Geld und kinderlose Doppelverdiener. Hinzu kommen Yuppies in Designerklamotten. Menschen, die Ruhe in ihren Behausungen haben wollen, schließlich bezahlen sie viel Geld dafür.

In manchen Stadtteilen hört man schon keine lachenden und kreischenden Kinder mehr. Eigentlich war Hamburg immer eine kinderliebe Stadt. Das hat sich geändert. Eltern müssen Unmengen an Geld für einen Kitaplatz und für ihre Miete aufbringen.

Ich wäre wirklich gern geblieben, fühle mich aber in Hamburg wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Vielleicht möchten wir ein zweites Kind. In Hamburg müssten wir dafür entweder übermäßig betucht sein oder zumindest beide gut verdienen. Natürlich könnten wir an den Stadtrand ziehen. Aber auch da ist es teuer, und wer lebt schon gerne so weit draußen?

Hamburg boomt wie kaum eine andere Stadt. Und ich werde fortgehen.