Kündigung : Katholische Kirche zahlt lesbischer Erzieherin Abfindung

Einer lesbischen Erzieherin war gekündigt worden, weil ihre Sexualität gegen die Grundsätze der Katholischen Kirche verstieß. Nun bekommt die Frau eine Abfindung.

Die Katholische Kirche hat im Streit um die Kündigung einer lesbischen Erzieherin einen Vergleich mit der Frau geschlossen. Die ehemalige Mitarbeiterin der Kirche akzeptierte die Kündigung gegen Zahlung einer Abfindung, teilte das Arbeitsgericht Neu-Ulm mit. Damit wurde ein für Dienstag angesetzter Verhandlungstermin vor dem Arbeitsgericht abgesagt.

Der Leiterin eines kirchlichen Kindergartens im Bistum Augsburg war während einer Abwesenheitsphase gekündigt worden. Begründung war, dass sie mit ihrer gleichgeschlechtlichen Beziehung gegen die Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre verstößt. Im Juni hatte das Verwaltungsgericht Augsburg entschieden, dass die katholische Kirche dies nicht dürfe.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) warf der Katholischen Kirche nach Bekanntwerden der Einigung vor, dass sie die öffentliche Diskussion über die Kündigungspraxis gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern scheue. Für die Erzieherin sei das Ergebnis aber ein voller Erfolg. Weil sie 14 Jahre lang bei der Katholischen Kirche beschäftigt gewesen sei, falle die Abfindung sehr hoch aus.
 

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Kommentare

140 Kommentare Seite 1 von 9
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Die Aktion dürfte die Kirche wieder...

...ein paar Tausend Mitglieder kosten, die diesen Anachronismus nicht länger mitmachen wollen. Nur zu! Ich hatte mich auch lange vor dem Austritt gewunden, bis der Kindesmissbrauch-Skandal mir vor zwei Jahren keine andere Wahl mehr gelassen hat.
Ich fühle mich seitdem deutlich besser.

Bigotter Verein

@norbertZ, #21: Ganz ihrer Meinung!

Ich trenne selber strikt zwischen Glaube, Religion, Kirche.

So halte ich insbesondere die r-k Kirche für einen bigotten verlogenen Machterhaltungsapparat, teils für andere Despoten, teils zum Selbstzweck. Und dann noch ein Mensch als Vertreter Gottes(!) - grenzt das nicht bereits an Häresie? Ich kann Luther da voll & ganz verstehen...

Ich bin mir sicher, dass die alle am jüngsten Tag ein riesen Problem bekommen, unser Heiland würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er dort noch läge...

Lange Zeit mehr, als Sie offensichtlich denken

Die erste Antwort auf Ihren Post (von norbertZ) nimmt schon das meiste vorweg, was auch ich ich denke.
Auch wenn ich mich persönlich heute mit dem Glauben selbst schwertue, bin ich mir zu 100% sicher, dass der Jesus, der in der in der Bibel beschrieben wird, niemals eine solche Kirche gewollt hätte.
Er wollte Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit statt Pharisäertum.
Die Kirche betreibt Ausgrenzung (siehe Artikel oder auch das Fernhalten von Frauen vom Priesteramt), verhält sich in vielerlei Hinsicht unmenschlich (siehe Verhütungsverbot und dessen Folgen vor allem in armen Ländern) und deckt nicht selten sogar überführte Kinderschänder, indem sie sie einfach in andere Gemeinden versetzt. Dabei hat Jesus doch die Kinder höher geschätzt als alles andere, wenn ich mich nicht täusche.

Lesben

Ne, ich würde gleich wieder eintreten, nachdem ich nach meiner Scheidung, die ich nicht zu vertreten habe,
ausgetreten bin.
Ich bin katholisch verheiratet, aber nicht wieder verheiratet.

Mich bedrückt dies.

Niemand kann von mir verlangen, dass ich meine Kinder
in einen katholischen Kindergarten gebe und dort der Lebenstil
einer Lesbe vermittelt wird.
Was ist mit dem Vater, war der einverstanden. Was soll dann sein Kind von ihm denken.Oder ist er mißbraucht worden, als Samenspender.
Ne, solche Verhältniise würde ich mein Kind nicht ausgesetzt sehen wollen.

Lebensstile

Was denken Sie denn, wie eine lesbische Kindergärtnerin ihren Lebensstil "an die Kinder vermittelt"?

Erstens interessiert das die Kinder gar nicht, zweitens erkennen sie darin (günstigenfalls) nichts Verwerfliches oder Abartiges und drittens ist das im Kindergarten ohnehin kein Thema.

Heterosexuelle Erzieher(innen) erzählen dort normalerweise auch nichts von ihrem Privatleben oder ihren sexuellen Praktiken, nicht wahr?

Schlechter Zusammenschnitt aus Agentur-Meldungen

und dazu auch noch falsch. Ist das die neue Qualität von ZO? Oder ein weiterer Fall von Katholiken-Bashing, was seit Jahren offensichtlich unter gleichgeschaltenen Medien Mode ist.
Die "Abwesenheitsphase" war Elternzeit. Warum benennen sie das nicht?
Die kath. Kirche durfte sie in dieser Zeit nicht kündigen, also tat sie es zum Ende. Da die Frau mit ihrer Lebensführung gegen die derzeit geltenden kirchlichen Arbeitsverträge verstieß, zeigt die katholische Kirche hier Barmherzigkeit; die Frau soll sich über diese Abfindung freuen.
Kein Wort finde ich hier, dass neulich in Hannover auf dem Dialogforum, Bischöfe für eine Änderung dieser Arbeitsverträge eintraten.

Änderung der Arbeitsverträge in der Kath. Kirche

"Kein Wort finde ich hier, dass neulich in Hannover auf dem Dialogforum, Bischöfe für eine Änderung dieser Arbeitsverträge eintraten."

Sie meinen, die Kirche beabsichtigt, teilweise ins 21. Jh. vorzustoßen?^^

Wenn es jetzt nicht so blasphemisch klingen würde, würde ich sagen: Dann geschähen ja noch Zeichen und Wunder...

Wann akzeptiert die katholische Kirche das Grundgesetz?

Ich kann Ihnen nicht folgen.
Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben ein eigenen Dienstrecht, das nach ihrer Selbstaussage besser ist als das allgemein gültige Arbeitsrecht.
Ich kann hier kein besseres Recht erkennen.
Niemand darf in Deutschland auf Grund seiner Religion, etc. und sexuellen Neigung benachteiligt werden.
Wann akzeptiert die katholische Kirche das Grundgesetzt?
Es wäre Zeit.

Und wenn sie es selbst nicht tun...

Sie fragen:
"Wann akzeptiert die katholische Kirche das Grundgesetz?"

Alternativ könnten sich auch politische Mehrheiten finden, Rechtsgrundsätze einfach durchzusetzen. Andere Vereine werden ja auch nicht gefragt, ob sie sich an das Grundgesetz halten wollen.

In diesem Zusammenhang ist jedoch wichtig zu wissen, dass es tatsächlich gesetzliche Ausnahmen vom normalen Arbeitsrecht für Religiöse Körperschaften gibt. Es ist also weniger so, dass die katholische Kirche das Recht bricht, als dass ihr in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts ein maßgeschneidertes Recht zugestanden wurde und sich seit dem keine Mehrheit gefunden hat, das wieder in Ordnung zu bringen.

@79 Katholische Kirche verfassungswirdrig?

Das Grundgesetz regelt in den Anfangsartikel Grundrechte, die nicht eingeschränkt werden dürfen, in keiner Organisation, aus keinem - noch so plausiblen - Grund.

Somit ist das Kirchenrecht - unbeschadet von Sonderregelungen, die ich gerne akzeptiere - mit den Grundrechten zu vereinbaren.
Alles andere wäre - nach meiner Meinung - verfassungswidrig.

Ich beziehe mich hier auf Artikel 3 und die Kündigung einer Frau auf Grund ihrer Sexualität.

Art 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat
und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt
werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Keine ehrliche Diskussion

In Zeiten des Erzieher-Mangels? Das ist doch reine Posse. Diese Frau steht nicht auf der Straße, sie bekommt an jede Ecke einen neuen Job. Sie kannte die Bedingungen der Kirche und hat absichtlich ein riesen Trara gemacht.

Ich verweise Sie an eine kürzlich gemachte Studie aus der hervorgeht, dass sich eine Mehreit der Deutschen tatsächlich eine Bevorzugung der christlichen Kirchen wünscht.
Als Atheist sind Sie eine Minderheit!

Das Grundgesetz gilt nicht für die kath. Kirche?

Bedaure. Ich bin kein Atheist - im Gegenteil: aktives Mitglieder der Kirche.

Ich verstehe Ihre Argumentation folgendermaßen: Eine Institution darf ruhig gegen die Grundrechte verstoßen, für die betroffen Person ist ja gesorgt.

Nein, jede Institution in Deutschland hat das Grundgesetz zu achten. Keine Institution darf außerhalb der Verfassung stehen.
Es gibt keinen "rechtfreien Raum", nirgends.

@133:

Nein, jede Institution in Deutschland hat das Grundgesetz zu achten. Keine Institution darf außerhalb der Verfassung stehen.
Es gibt keinen "rechtfreien Raum", nirgends.

Nein. Das Grundgesetz sind Rechte der Bürger gegenüber dem Staat. Und es stellt ein Wertesystem für den Gesetzgeber dar, der keine Gesetze machen darf, die diesem Wertesystem widersprechen. Es ist aber keine Rechte, die zwischen den Bürger und nicht-staatlichen Institutionen gelten. Mithilfe der Gleichberechtigung von Mann und Frau aus dem GG können Sie daher bspw. nicht den Playboy dazu zwingen auch nackte Männer abzudrucken.

Nun,...

... ich würde sagen, das ist ein Verein, wie Sie es nennen, der sich, wie jeder Verein, seine Regeln und Satzungen gegeben hat. Ich werde die Aufregung, die jedes Mal um solche Vorgänge entsteht, nie begreifen können. Das ist nunmal die Katholische Kirche. Und gleichgeschlechtliche Beziehungen gehen gegen deren Überzeugungen. Also ist es doch nicht weiter verwunderlich, wenn sie keine Mitarbeiter in ihren Reihen haben will, die gegen ihre Überzeugungen leben und handeln.

Teilweises Verständniss

ich kann die Klage der Verbände gut verstehen, bin jedoch auch gleichzeitig überrascht, warum homosexuelle Personen sich überhaupt in einer katholischen Institution bewerben. Ich möchte mich zumindest mit meinem Arbeitgeber und meiner Tätigkeit dort identifizieren.

Warum sie bei einem katholischen Kindergarten gearbeitet hat?

Die Dame wird sich bei diesem Kindergarten beworben haben, weil sie in diesem Beruf arbeiten wollte und es in manchen Regionen fast keine anderen als kirchliche Kindergärten gibt.

Übrigens gibt es auch bekennend homosexuelle Katholiken. Verstehe ich persönlich auch nicht, ist aber so.

Nebenbei bemerkt: Kirchliche Kindergärten werden zu weniger als 10 Prozent aus kirchlichen Mitteln finanziert.

@84 :

Weder Pfarrer, noch Kirchengebäude werden zum Großteil von der Kirche finanziert.
Sorry, aber das ist schlichter Unfug. Fast alle Pfarrer und fast alle Kirchengebäude werden aus Kirchensteuermitteln bezahlt. Es gibt ein paar Ausnahmen wie Gefängnispfarrer, Pfarrer bei der Bundeswehr, aber der Großteil der Pfarrer und Kirchengebäude wird durch Kirchensteuern und nicht vom Staat finanziert.

Lesen sie genauer

Dies habe ich nicht geschrieben. Ich finde es nur merkwürdig, wenn man 12 Jahre als homosexueller für eine Firma arbeitet, die dies nicht mag, deswegen dies auch 12 Jahre lang verheimlicht und sich nicht in diesen 12 Jahren wo anders bewirbt.
Ich fände es komisch täglich für einen Arbeitgeber zu arbeiten bei dem ich weiß, dass ich eigentlich unerwünscht bin. Falls die Dame sich 12 Jahre erfolglos bei anderen beworben hätte wäre dies natürlich ein anderes Thema.

p.s. gehört nicht zum Thema: Aber ja, ich wundere mich, wie man ein homosexueller Katholik sein kann - aber dies tut nichts zur Sache.

@106:

Das war mal das erste, was ich auf die schnelle dazu bei Google gefunden habe.

Diese Zahlen geistern immer wieder durch solche Diskussionen, nur taugen sie für eine seriöse Diskussion leider praktisch nichts. Die Zahlen stammt von einem Lobbyisten einer antireligiösen Organisationen und sind in etwa so seriös wie die Zahlen, die durch Lobbyisten der Rechteinhaber vermeldet werden, wenn es um die Höhe der Schäden durch Raubkopierer geht. Sie sind voll von absurd hohen Schätzungen und zweifelhaften Zuweisungen. Ähnlich wie bei den Schätzung der Rechteindustrie ist keine rechtliche Änderung oder keine Verhaltensänderung der Bürger denkbar, die diese Summe tatsächlich im Staatshaushalt frei werden lässt. Wenn etwa die Bürger die ihre Kinder auf christliche Kindergärten schicken, alle entscheiden würden ihre Kinder auf staatliche Kindergärten zu schicken würde dies teurer für den Staat. Der Staat subventioniert Kindergärten eben auch nicht um die Kirche zu unterstützen, sondern weil er den Eltern der Kinder ermöglichen möchte, einem Beruf nachzugehen.

Wer finanziert eigentlich...

solch einen "christlichen" Kindergarten?

im Bundesdurchschnitt: Kommune/Land: 75 %, Eltern 15 %, Kirche 10 %

Und die 10 % speisen sich aus Kirchensteuermitteln. Die könnte man ja als ersten Schritt durch eine Aussetzung der, nicht durch Kirchensteuermittel gedeckten, Bischofsgehälter teilfinanzieren. Damit die atheistischen, muslimischen, etc. Steuerzahler unter den 75 % auch was von ihrem Geld haben.

Was gibs da nicht zu verstehen?

Die Kirche und ihre Religion ist wandelbar wie jede Ideolie und Philosophie. Oder dürfen die Frauen in Katholischen Kirchen nicht sprechen, wie es die Bibel verlangt? Es gibt hunderte oder mehr Dinge, die einfach ignoriert werden, wegdefiniert werden, uminterpretiert werden, vom Papst und den seinen. Daher ist der katholische Glaube (und eigentlich jeder andere auch) willkürlich und formbar. Es ist daher nicht verwunderlich, dass homosexuelle Katholiken für Offenheit und Toleranz eintreten und Homoesualität als normale art zu Lieben durchsetzen wollen.S ie haben dabei meinen "segen".

Eben nicht

Warum sollte man? Genau diese Kindergärten sind sehr gefragt und Eltern pilgern gerade in diese Kindergärten, da diese katholische/evangelisch ausgerichtet sind.
Außerdem nehmen konfessionelle Kindergärten ganz regulär natürlich auch atheistische und muslimische Kinder auf.

Vor allem muslimische Eltern wünschen sich sogar eher einen christlich, denn einen nicht-konfessionellen Kindergarten. Atheisten haben kein hohes Ansehen in der muslimischen Community.

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