Kinder und Computer : Spielen? Nur, wenn es fördert

Eine sinnliche Erfahrung ist ein Buch auch nicht. Tanja Dückers fragt sich, warum für Eltern und Pädagogen ausgerechnet Computerspiele zur Inkarnation des Bösen geworden sind.
Ein Kind spielt mit einer tragbaren Spielkonsole.

Unbestritten: Kinder brauchen viele sinnliche Erfahrungen, sollten sich in der Natur aufhalten, herumtoben. Es kann weder körperlich noch seelisch gesund sein, wenn sie ihre gesamte Freizeit mit Computerspielen oder Kindersendungen im Fernsehen zubringen. Aber das gilt für jede Übertreibung. Auch zu viel lesen und zu viel Sport können schaden. Schließlich sollte auch niemand länger als 30 Minuten in der Badewanne liegen, sonst wellt sich die Haut.

Warum sind also ausgerechnet Computerspiele für viele die Inkarnation des Bösen auf Erden geworden? Das "gute Buch" setzt eine mindestens genauso hohe Abstraktionsfähigkeit voraus wie ein Computerspiel und ist auch keine besonders sinnliche Erfahrung, sofern man nicht beim Rascheln der Seiten in Ekstase gerät. Menschheitsgeschichtlich betrachtet existiert es erst seit einem Wimpernschlag. 99,9 Prozent aller jemals geborenen Kinder haben nie ein Buch in den Händen gehalten.

Vergessen wird in der aufgeregten Debatte auch, dass die Langspielplatte, die Hörspielkassette und das Radio vor nicht allzu langer Zeit selbst "neue Medien" waren. Und schließlich: Viele der Computerspiele für Kinder sind sogar pädagogisch ausgetüftelt: Kleine Kinder lernen Tier- und Pflanzennamen auf dem Bildschirm oder lernen Farben und Formen, indem sie Bauklötze einander zuweisen. Für alle Altersstufen ist "etwas Gutes" dabei.

Förderlich oder wertlos?

Trotzdem herrscht eine seltsame Übereinstimmung darin, dass man Kinder und Jugendliche von neuen Medien möglichst fernhalten sollte – manche Eltern und Pädagogen appellieren an die Vernunft der Kleinen, andere für Grenzen und Strafen.

Die Ursache ist Angst und Verunsicherung. Eltern und einige führende Pädagogen verdammen, was ihnen nicht vertraut ist. Denn sie müssen sich mit einem gewissen Autoritätsverlust abfinden, da die Sprösslinge ihnen schon als Grundschüler im praktischen Umgang mit den neuen Medien überlegen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass es noch nie eine so große Altersspanne zwischen Eltern und Kindern gegeben hat wie jetzt. Die Mehrzahl der heute meinungsführenden Pädagogen gehört sogar der Großelterngeneration an.

Aber da ist noch etwas anderes, das den Erwachsenen Angst macht. Sie haben seit einiger Zeit die fixe Vorstellung, dass Kinder und Jugendliche stets etwas "Gutes" und "Sinnvolles" machen müssen – auch wenn sie selbst gerne "sinnlos" in der Bar herumhängen. Während früher bestimmte Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen aus moralischen Gründen abgelehnt wurden (von mangelndem Gehorsam gegenüber Respektspersonen bis hin zum Onanieren), müssen Eltern heute deren Leistungswillen beweisen . Früher wurde zwischen "anständig" oder "unanständig" unterschieden, heute wird über "förderlich" oder "wertlos" geurteilt.

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Kommentare

70 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Hervorragend

Endlich ein Artikel, der digitale Medien wie Computerspiele und Co. nicht über einen Kamm schert und verteufelt.
"Eltern und einige führende Pädagogen verdammen, was ihnen nicht vertraut ist", was wohl den Nagel auf den Kopf trifft. Eine Auseinandersetzung findet überhaupt nicht statt, denn könnte es doch passieren, dass die hier erwähnte leistungsorientierte Klientel auf einmal selbst Spaß und Vergnügen mit Computerspielen verbindet.
Beispiel hierfür bietet auch die Biene Maja, welche ja bei ihrem Serienstart in den 70er Jahren starken Anfeindungen ausgesetzt war, weil die kleine niedliche Biene und ihr Freund Willi bloß über den Fernsehbildschirm summten, um Kinder zu unterhalten.
Und vor kurzem veröffentlichte der Autor Manfred Spitzer sein Buch "Digitale Demenz", wobei er versucht zu erklären, auf welche Art und Weise Kinder durch Computerprogramme und Internet zunehmend verdummen und keine Problemlösekompetenz entwickeln. In Ansätzen macht Herr Spitzer in seiner Argumentation nichts falsch, doch im Detail finden sich peinliche Fehler. Da werden z.B. Computerspiele erwähnt, die nicht existieren, jedes Computerspiel ist ein "Ballerspiel", nach positiven Aspekten wird gar nicht erst gesucht.
Dieses Buch unterstützt zunächst die Argumentation des Artikels und meiner Schlussfolgerung mit dem Hinweis auf die mangelnde Auseinandersetzung mit digitalen Medien und macht gleichzeitig deutlich, dass wir noch weit von der Akzeptanz dieser (Sub-)Kultur entfernt sind.

Ich denke

in diesem Artikel geht es nicht um Computerspiele für Jugendliche und Erwachsene, sondern um Erfahrungen von Kindern mit den neuen Medien. Der Artikel geht nur von einer subjektiven Meinung aus und nicht von den Tatsachen. Ein Kind lernt durch das Handeln. Es konstruiert sich die Welt in dem es neue Dinge erlebt und selber erschafft. Dabei erlebt das Kind durch das praktische agieren mit der Umwelt, d.h. Bauklötzen, Kinderzimmer, Wald und der kindlicher erdachten Spielwelt bzw. der Sozialen Interaktion mit anderen Kinder entstehen Konflikte und Probleme die es zu Lösen gilt. Das Spiel ist ein Dynamischer Prozess. Es verändert sich ständig und jeder der Kinder hat wird hier bestätigen, dass es im freien Spiel sehr schwer ist, als Erwachsener mit zu kommen geschweige denn mit zu denken, ohne das Kind in seiner Art von außen zu beeinflussen. Anhand dieser ständig ablaufenden Konflikt- und Problemlösungsprozesse findet im Spiel die soziale, kognitive und moralische (etc) Entwicklung der ersten ca. sechs Jahre statt. Wenn man so will 'programmiert' sich das Kind selbst. Die Erwachsenen: Erzieher, Lehrer und Eltern geben nur den Rahmen vor. Der Rest passiert allein.
Vom Standpunkt des Artikels könnte man jetzt behaupten, dass Computerspiele doch gar nicht so schlecht sind. Mein Kind kann Erfahrungen machen und lernt so schon früh mit neuen Medien umzugehn. Ganz zu schweigen von feinmotorischen Fähigkeiten und den Möglichkeiten abstrakt zu denken.

Doch fehlt

es den Computerspielen an entscheidenden Dingen. Sie sind im Gegensatz zu dem was unser Hirn leisten kann sehr lapidar und nur eingeschränkt dazu fähig sich weiter zu entwickeln. Das neue Medium hat Grenzen und beschränkt Kinder die sich in diesem Alter öfter mit dem Computer als mit ihrer Umwelt beschäftigen stark ein. Ein Computerspiel ist ein fertig programmiertes Produkt. Ergo ist es nicht entwicklungsfähig, so intuitiv und weitgreifend es auch programmiert ist.
Das Kind braucht, aber Spielformen, die sich ständig verändern und an die sich oder die das Kind durchgehend anpassen muss. Das Erlebnis, die körperlichen, geistigen, sozialen und emotionalen Erfahrungen kann ein programmiertes Spiel nicht leisten. Das Kind kann noch so viele Bausteine im PC zu einem Turm stapeln, die Erfahrung wie Schwer ein Baustein ist, dass ich auch mal mit anderen Kindern reden muss um neue Steine zu bekommen, dass das Kind destruktiv und kreativ sein kann oder dass es kein schönes Gefühl ist, wenn mir jemand den Turm umkippt. Es aber noch schöner ist, wenn derjenige mit mir danach den Turm wieder aufbaut. "Aber mein Kind hat doch Spaß daran!", könnte man hier sagen. Das ist Richtig. Jeder Mensch empfindet Wohlbefinden auf Grund der Wiederholung bekannter Fähigkeiten. Da es zu einer positiven Rückkopplung kommt. Man bestärkt sich selbst in seiner Handlung, aber es kommt nicht zu einer Entwicklung. Das Kind stimuliert sich selbst, aber kognitiv ist irgendwann Schluss.

Ich möchte

Computerspiele nicht verteufeln und es gibt sicherlich gute Lernspiele oder ähnliches, aber in diesem Alter ist es wichtiger die Welt zu entdecken, als den Computer oder die Welt über diesen. Kinder entwickeln sich seit Menschenleben existiert auf diese Weise, daher können auch führende Pädagogen im großelterlichen Alter, trotz Unkenntnis über die Welt der neuen Medien sagen, dass es nicht unbedingt das Beste für ihr Kind ist. Die Rechnung des Artikels kann demnach erst dann auf gehen, wenn man neue Medien entwickelt sind die Spielkameraden komplett ersetzen und davon sind wir noch weit entfernt.

Unterschied zwischen Büchern und PC-Spiele

Anders als meine Brüder haben mich PC-Spiel nie wirklich interessiert, Ich las viel lieber meine Bücher. Und Ich sah schon als Kind wie seltsam sich meine beiden Brüder nach stundenlangen Spieln am PC verhielten. Sie waren aggressiver und wussten nach dem Spielen stundenlang nichts mehr mit sich anzufangen. Sie haben recht, wenn sie schreiben das die Menge/Zeit mit den Medien eine Rolle spielt. Jedoch viel es mir immer leichter mein Buch wegzulegen, als meinen Brüdern Ihr Spiel zu beenden (so mitten im Level).
Zudem besteht ein riesiger Unterschied ob mein Gehirn aus gelesen Buchstaben Bilder herstellt, oder ob mir viele, viele Bilder vorgesetzt werden. Gerade Kinder sind sehr schnell eine Sinnesüberflutung ausgesetzt, die Bilder sind beim Fernseher und PC-Spielen zu bunt, die Szenen zu schnell (Es ist nachgewiesen das Fernsehen die Kleinkinder signifikant verdummen lässt wegen der Sinnesüberreizung).

Unterschied zwischen Männern und Frauen

Ich gehe mal aufgrund ihres Usernamens davon aus das sie eine Frau sind.
Dass Frauen grundsätzlich weniger mit Computerspielen zu tun haben wollen ist für mich keine neue Erkenntnis. Und dass ihre Brüder agressiver sind und ihnen seltsam vorkommen sollte nun auch niemanden verwundern. Es sind nunmal Jungs die nicht mit Barbies spielen, sondern sich als kleine Kinder lieber die Köpfe einschlagen. Das gehört schließlich dazu. Grenzen auszutesten.
Wobei wir wieder beim Problem sind.
Eigene Empfindungen verteufeln etwas "fremdes".

Es werden zur Zeit zahlreiche Studien durchgeführt, wie agressiv Onlinespiele machen, was sie fördern, was sie nicht fördern. Es geht hier allerdings um einen anderen Blickpunkt. Es geht denke ich nicht um "Erwachsenenspiele" sondern vielmehr darum, ob es nicht doch im vergleich zum Buch sinnvollere Computerspiele gibt und ob es nicht die Entscheidung des Kindes sein kann was dann von den Eltern angeboten/akzeptiert wird.

Sie haben mein Kommentar falsch aufgefasst

Ich sprach nicht von den Unterschied zwischen Jungs und Mädchen (Jungs aggressiver als Mädchen) sondern von den Unterschied vom Verhalten meiner Brüder ohne stundenlangen PC spielen und nach stundenlangen Spielen. Und auch Ich kann mich in diesen aggresiven/gelangweilten Zustand versetzen. Habe Ich vor paar Wochen geschafft. Mir war am Wochenende langweilig weshalb Ich den gesamten Nachmittag/Abend verbrachte mir Serien im Internet anzusehen. Am Ende war Ich völlig fertig, mein Gehirn nur noch im Standby Zustand. Und dies passierte mir als Erwachsener Mensch. Wie geht es Kindern nach einem solchen Bildschirmmarathon, deren Gehirne noch viel empfindlicher auf Sinnesüberreizung reagieren?

Ich pflichte Ihnen bei!

Die Frage ist doch nicht, ob Kinder (welche Altersgruppen konkret bitteschön?)überhaupt neue Medien (welche...Kindles, Laptops, Spielkonsolen, Handys) nutzen sollten oder nicht. Um die sinnvollen Formen der Nutzung werden sie eh nicht herum kommen.

Fest steht, dass ich meinem Sohn garantiert keine Spielskonsole kaufen und auch sonst ein strenges Regime in dieser Richtung führen werde. Nein, wir sind nicht technikfeindlich, mein Mann arbeitet seit über 20 Jahren in der IT - und gerade deswegen sieht er es nicht gerne, wenn ich meinen Sohn auch nur auf dem Schoß habe, wenn ich gerade am Rechner sitze.

Die Frage ist, wozu, wie lange täglich und in welchem Alter Kinder vor dem Bildschirm hocken. Hier hat sich die Zeit schonmal mit dem Thema beschäftigt:

http://www.zeit.de/online...

Also ich muss sagen, wenn das Durchschnittszahlen sind, sind sie schockierend!

Ihr Gegenredner erwähnte, auch Badewanne und Sport sind im Übermaß schädlich. Ich möchte das Kind oder den Jugendlichen sehen, der pro Tag sechs Stunden auf dem Bolzplatz verbringt!

Ich selbst habe in meiner Studienzeit nächtelang gespielt, wobei "Die Siedler" sicherlich weniger aggressivitätsfördernd als einschlägige Onlinespiele sein dürften.

Mit Sicherheit sind derlei Spiele so programmiert, dass sie suchtfördernd sind, das muss man auch mal sehen.

Davon abgesehen ist der Mensch nicht für langes Sitzen gemacht, Haltungsschäden sind bei Kindern vorprogrammiert.

Hallo leirgulen

Ich verstehe ihren gesammten Beitrag nicht.

Heute, als Mutter, wollen sie ihrem Kind das Spielen mit dem Computer nicht erlauben und regen sich über die Bildschirmzeit von 15 Jahre alten Jungen auf, während sie früher während ihres Studiums selbst nächtelang durchgespielt haben. Was ihnen selbst früher so viel Spass bereitet hat, diesen Spass gönnen sie ihrem Kind nicht?

Onlinespiele haben Suchtpotenzial, das mag sein und deswegen werden sie Verteufelt. Nebenbei bemerkt hat ein gutes Buch auch Suchtpotenzial. Das wird aber nicht verteufelt, das wird empfohlen. Aggressivitätsfördernd bei Onlinespielen ist seltener das Spiel selbst. Der menschliche Mitspieler fördert die Aggressivität weit mehr. Das passiert fast immr dann, wenn sich der Mitspieler, gewollt oder nicht gewollt, in das eigene Spiel einmischt.

"Die Siedler", ich spiele es gerade, hat sich als Spielziel den Völkermord gesetzt. Es gibt auch Episoden ohne Völkermord, aber das komplette Ausrotten der Gegner ist meist nötig, um das nächste Level freigeschaltet zu bekommen. Auch wenn die kleinen Figürchen, Holz schleppend oder Schwertchen schwingend, noch so süß anzuschauen sind, Völkermord bleibt Völkermord.

In einem gebe ich ihnen Recht. Eine Console würde ich meinem Kind auch nicht kaufen. Ich halte für das Spielen einen Computer sinnvoller. Damit kann Kind ausschließlch spielen, Kind muss es aber nicht.

In meiner Jugend habe ich sechs Stunden am Stück und länger Fussball gespielt.

heute nicht viel anders

sagen Sie das meiner Mutter (mit mir 4 Söhne). Sie hat versucht uns nicht geschlechtsspezifisch zu erziehen. Ergebnis waren Puppen mit abgetrennten Gliedmaßen.
Natürlich sind auch Jungs manchmal sensibel und Mädchen manchmal aggressiv. Es sollte jedoch ebenso unumstritten sein, dass Jungs einfach hormonell bedingt sich häufiger "messen" wollen und zeigen wollen, dass sie der stärkere sind. Und natürlich ist mir klar dass das nicht auf alle zutrifft und es Überschneidungen gibt. Der Unterschied zwischen heute und vor 200 Jahren sollte lediglich sein, dass man es akzeptiert wenn es anders ist und nicht das man leugnet das es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Geschmackssache?

"Jedoch viel es mir immer leichter mein Buch wegzulegen, als meinen Brüdern Ihr Spiel zu beenden (so mitten im Level)."

Als Berufspendler bin ich oft genug versucht (und gebe dem manchmal auch nach), noch schnell einen Abschnitt im Buch zuende zu lesen, nachdem ich aus dem Bus ausgestiegen bin. Bei (manchen) Computerspielen geht mir das ganz genauso.

"Zudem besteht ein riesiger Unterschied ob mein Gehirn aus gelesen Buchstaben Bilder herstellt, oder ob mir viele, viele Bilder vorgesetzt werden. Gerade Kinder sind sehr schnell eine Sinnesüberflutung ausgesetzt, die Bilder sind beim Fernseher und PC-Spielen zu bunt, die Szenen zu schnell (Es ist nachgewiesen das Fernsehen die Kleinkinder signifikant verdummen lässt wegen der Sinnesüberreizung)."

Das kommt sehr auf die Art des Spiels an. Ich kenne (und spiele, wie übrigens auch mein 8-jähriger Neffe) eine Reihe von Spielen, bei denen sich lange Zeit optisch ziemlich wenig tut (so ähnlich wie bei Brettspielen, wo sich die Figuren auch nur bewegen, wenn man sie aktiv dazu bringt). Was hier kritisiert wird, ist in erster Linie die Pauschalisierung.

Wenn man selbst Nächte durchgespielt hat...

weiß man irgendwann, dass das Nonsens ist, weil man hinterher antriebslos, müde und aggressiv ist. Warum sollte ich mein Kind durch sowas quasi schuluntauglich machen?

Man entwickelt weder manuelle Fertigkeiten, noch neue (nicht virtuelle) soziale Kontakte, verbesserte Fitness oder sonstwas.

Aus diesem Grunde bin ich der Meinung, dass Kinder unter einer gewissen Altersgrenze nicht an Rechner gehören, danach erst unter Aufsicht. Eigene Rechner noch später. Wüßte nicht, was ein 6jähriges Kind im Internet verloren hat!

Meine Eltern haben mir als Kind ne Art Stundenplan für das TV gegeben, nur soundsoviel Stunden pro Tag und das war auch richtig so! Wer vor dem TV/PC/Konsole hängt, ist körperlich inaktiv. Ich wette, der Hauptgrund für die wachsende Adiposität von Kindern ist genau da zu suchen.

Was Sport angeht habe ich ebenfalls meine Erfahrungen, als Kind von 8-12 Jahren Leistungsgruppe Langlauf (DDR), Jahre später fast schon exzessiv Rennrad (um 20h pro Woche). Irgendwann meinten Familie und Freunde, man könne mich mit einem Teelicht röntgen und ob ich nicht sportsüchtig wäre. Denn auch das gibt es... Also Vorsicht mit 6h täglich Fußball ;->

Es geht ja um die Regelmäßigkeit - oder haben Sie 5x die Woche 6h gebolzt?!? Außerdem hatten Sie da neben frischer Luft auch Spaß mit Freunden!

Nachteilig zu wirken beginnt Alles, wenn man aggressiv bei "Entzug" wird und/oder soziale Kontakte zu meiden beginnt. Beides stellt man oft fest, wenn Kindern ihr "Gerät" entzogen wird.

Nachtrag

Ja, "Mitspieler" provozieren Aggressivität durch Einmischen ins Spiel.

Welche Art Mitspieler meine Sie aber? Den, der hinter Einem steht und meckert oder den, der Einen just in der Sekunde am Bildschirm erschießt?!

Ich finde nichts ehrenrühriges dabei, einem Teenager (oder jünger) durch Stören oder Stecker raus auf die Existenz einer realen Welt aufmerksam zu machen, wenn er bereits seit Stunden nur körperlich anwesend ist. Früher fand ich es auch doof, wenn die Eltern das TV einfach ausschalteten. Falsch war das aber nicht.

Komischerweise - aber das ist eigentlich ein anderes Thema - sind m.E. die sozialsten, kontaktfreudigsten, am wenigsten aufgeregten Leute meistens die, die in einer Großfamilie aufgewachsen sind und wohl deswegen (laufend stört irgendwer) nur wenig Möglichkeiten hatten, sich tagtäglich stundenlang zu verkriechen.

Es ist gut, wenn sich Kinder/Jugendliche ausdauernd mit etwas beschäftigen, was Ihnen Spaß macht. Für mich ist das gleichbedeutend mit "Spiel". Ich würde meinem Sohn nie Fußball spielen verbieten, nur weil ich das Spiel doof finde und er stattdessen Rudern oder Judo lernen soll.

Bei "Lernspielen" gilt das selbe. Baumarten lernt mein Kurzer draußen im Wald und nicht am Rechner. Zu den Bauklötzchenspielen aus dem Artikel: die begreift man am besten, wenn man sie "begreift"! Sowas nennt man Haptik.

Mangelnde Erfahrung

Sie nutzen die im Artikel kritisierte Nützlichkeits-Argumentation: "Man entwickelt weder manuelle Fertigkeiten, noch neue (nicht virtuelle) soziale Kontakte, verbesserte Fitness oder sonstwas." Sind Sie gegen Sport, weil man dabei keine geistigen Fertigkeiten entwickelt? Gegen Lesen, weil man dabei keine Kontakte knüpft? Gegen Brettspiele weil sie die Fitness nicht verbessern?
Davon abgesehen erkennt man hier, wie bei den meisten Überzeugten Videospielgegnern, auch bei Ihnen die unzureichende Erfahrung mit diesem Medium aufgrund fehlender Beschäftigung damit. In Ihrem Fall wohl, weil Sie es für nicht Ihrem Geschmack entsprechend befunden haben.
Hier mal meine Erfahrung mit PC-Spielen:
Einige meiner Freunde und ich haben einen nennenswerten Teil unserer Englischkenntisse durch das Spielen auf Englisch erlangt, wir haben vor ca 7 Jahren ein paar Leute unseres Alters vom anderen Ende des Landes in einem Onlinespiel kennengelernt mit denen wir uns nachwievor einmal im Jahr bei wechselseitigen Wochenendbesuchen treffen und fast täglich über Skype telefonieren und gemeinsam verschiedenste Games spielen, wir haben uns Wissen in bestimmten Bereichen von Naturwissenschaft und Technik angeeignet, weil Spiele unser Interesse daran geweckt haben und wir haben im Laufe der Jahre durch die eigenständige/gemeinsame Beseitigung von Problemen im Zusammenhang mit Spielen immer umfangreichere Hard- und Softwarekenntnisse erlangt. Und das Wichtigste: wir hatten dabei jedemenge Spaß.

Kinder schalten auch mal ab!

Ich glaube nicht das es zutrifft zu sagen Frauen seien weniger aggressiv als Männer, Aggressionen werden einfach anders gelebt. Auch nicht das Computerspiele Aggressionen fördern.
Das Suchtpotenzial der Kinder am Pc ist nicht zu unterschätzen und da hängt auch mal der Haussegen schief. Dennoch ist es einfach mal ein Medium unserer Zeit und die Kinder können sich im gesunden Umfeld auch gut regulieren. Ausmachen wenns nervt, merken das Skateboard, Fussi und Buch auch noch da sind...Dem Ganzen mit Angst zu begegnen und ihm den schwarzen Peter zuzuschieben ist da nicht angebracht. Da gehört mehr dazu

Bissel spät, aber trotzdem:

Jede Art von Spiel fördert eine bestimmte Form von Fitness, wenn man diesen Begriff mal weit fasst.

Wenn mein Kind nur Bücher lesend daheim in seinem Zimmer verbringen würde, hätte ich damit auch ein Problem.

Im Übrigen ist Sport auch für geisitige Tätigkeiten sinnvoll, u.a. wegen der verbesserten (Hirn)Durchblutung.

Es geht hauptsächlich um das Suchtpotential, welches bei Mensch-Ärgere-Dich-Nicht wohl kaum vorhanden ist, bei so ziemlich allen Spielen in den neuen Medien aber bekannterweise absichtlich "einprogammiert" wurde.

Ja, ich kenne auch Typen, die früher nächtelang diese LAN-Spiele gespielt haben. Als notorisch Sportbesessener in jedweder Hinsicht fiel mir vor allem ihre ungesunde Gesichtsfarbe, ihr übermäßiges Gewicht und irgendwie nervöses Wesen auf.

Englishkenntnisse kann man auf vielfältige Art und Weise erwerben...ist auch ohne Gamin möglich. Naturwiss. Kenntnisse ohne "Zertifikate" nützen Einem eigentlich nicht viel, obwohl ich mich hobbyhalber auch irgendwie für Astrophysik interessiere.

Naja und zu den Hard- und Softwarekenntnissen...also Sie meinen wahrscheinlich "spielspezifische Kenntnisse" oder kennen Sie sich jetzt durchs Gamen mit Servervirtualisierung, VMWare, Linux, Unix...äh und sonem Zeugs aus (fällt mir so spontan ein...das Feld ist ziemlich weit, nicht wahr)?

Antwort auf Ihre Frage

"Warum sind also ausgerechnet Computerspiele für viele die Inkarnation des Bösen auf Erden geworden?"

Weil die Medien sie dazu gemacht haben! Sobald irgendwo einer amok läuft, werden sofort Videospiele dafür verantwortlich gemacht. Spiele werden vertäufelt und schlecht gemacht bis von der Wahrheit nichts mehr übrig ist.
http://www.youtube.com/wa...

Ist ja auch leichter irgendwelchen Spielen die Schuld zu geben als auf die Missstände der Schulen aufmerksam zu machen.

Also liebes ZO, Frage beantwortet?