Die Lebenserwartung in Deutschland ist gestiegen. Ein neugeborener Junge kann heute damit rechnen, durchschnittlich 77 Jahre und neun Monate alt zu werden, teilte das Statistische Bundesamt mit . Neugeborene Mädchen werden im Schnitt 82 Jahre und neun Monate alt. Damit leben neugeborene Jungen durchschnittlich drei Monate und Mädchen zwei Monate länger als Kinder, die ein Jahr früher zur Welt kamen.

Grundlage für das Rechenmodell sind die sogenannten aktuellen Sterbetafeln, die auf den Daten der Sterbefälle und der Durchschnittsbevölkerung der letzten drei Jahre basieren. Gegliedert nach Alter und Geschlecht wird daraus die sogenannte Sterbewahrscheinlichkeit errechnet.

Auch für ältere Menschen ist die Lebenserwartung weiter gestiegen. Laut Statistik wird die Hälfte aller Männer mindestens 80 Jahre alt werden, jede zweite Frau sogar ihren 85. Geburtstag erleben. Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Männer, die heute 65 Jahre alt sind, können demnach auf durchschnittlich weitere 17 Lebensjahre und sechs Monate hoffen, bei 65-jährigen Frauen sind es sogar zusätzliche 20 Jahre und acht Monate. Im Vergleich zur vorherigen Sterbetafel ist damit die Lebenserwartung bei den 65-jährigen Frauen um zwei Monate und bei den Männern um einen Monat gestiegen.

Alle fünf Jahre ein Jahr mehr

Dass damit die Lebenserwartung der heute 65-Jährigen statistisch gesehen über der Lebenserwartung der Neugeborenen liegt, hat laut Bundesamt damit zu tun, dass die Kinder eine Reihe von Risiken noch vor sich haben. Dazu zählen unter anderem Verkehrsunfälle von Führerscheinneulingen oder Arbeitsunfälle.

Bereits seit etwa 170 Jahren werden die Menschen in den Industrieländern immer älter. "Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre steigt die Lebenserwartung in Deutschland bei Männern alle fünf Jahre um ein Jahr, bei Frauen ist es etwas weniger", sagt Rembrandt Scholz vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Ein Ende der Entwicklung sei nicht in Sicht . "Wir gehen zwar davon aus, dass es eine Grenze gibt, aber bislang sehen wir sie nicht."

Arme sterben früher

Welchen Einfluss die Lebensumstände haben, zeigt eine Studie , die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ( DIW ) und das Robert Koch-Institut (RKI) vor wenigen Tagen veröffentlicht haben. Reiche haben demnach eine deutlich höhere Lebenserwartung als Arme. Die jährliche Befragung von 11.000 Haushalten seit 1984 ergab, dass Frauen aus armen Haushalten dreieinhalb Jahre früher sterben als wohlhabende Frauen. Männer aus Haushalten mit wenig Geld leben durchschnittlich fünf Jahre kürzer als ihre bessergestellten Geschlechtsgenossen.

"Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Einkommen", sagte Martin Kroh vom DIW. Zwei Gründe könnten dafür verantwortlich sein: dass sich Arme Gesundheitsförderung und -versorgung nicht leisten können oder dass sie einen ungesünderen Lebenswandel haben. "Vermutlich ist die Wahrheit eine Mischung aus beidem."

Bei armen Männern scheint eine geringere Bildung und höhere körperliche Belastung im Beruf die Lebenszeit zu verkürzen, bei Frauen die psychische Belastung durch Geldnot und weniger soziale Kontakte.