Doch derart extremistische Äußerungen schrammen an der Grenze von Meinungsfreiheit und Volksverhetzung. Dabei hatte Weidner nach seinem Beinahe-Rauswurf im Frühjahr in Eisenach um eine zweite Chance gebeten. Er wollte die Spaltung der Burschenschaft stoppen. Auch persönlich hatte er sich – unter anderem im Gespräch mit ZEIT ONLINE – von seiner rechtsextremistischen Vergangenheit distanziert.

Ob er nun eine dritte Chance erhält, ist offen: Weidner habe das Ansehen der Burschenschaft nicht nur durch den umstrittenen Artikel, sondern auch durch einen Auftritt vor dem Bonner Amtsgericht weiter beschädigt, sagt Michael Schmidt, Sprecher der im Frühjahr gegründeten Reform-Initiative Burschenschaftliche Zukunft. Weidner hatte nämlich in dem Verfahren gegen einen liberalen Verbandsbruder sein Gesicht im Gerichtssaal mit einer Druckausgabe der geschichtsrevisionistischen Wochenzeitung Der Schlesier abgeschirmt, statt sich der Öffentlichkeit zu stellen. Bei dem Termin war er als Kläger aufgetreten, weil ihn sein Kontrahent als "höchstwahrscheinlich einer der Köpfe der rechtsextremistischen Bewegung, die aus Burschenschaften, NPD und Kameradschaften besteht" bezeichnet hatte. Weidner verlor, er darf weiterhin so genannt werden.

Dem ultrakonservativen Flügel der Burschenschaften hat Weidner jedoch einen Gefallen getan. Der Historiker Vogt stößt dort mit seinen rechtsextremistischen Thesen auf Resonanz: Weil politischer Medienpluralismus nicht existiere, "ist es unser Ziel, den Ausbau von Alternativmedien (den medialen "David") zu fördern, sagte ein junger Konservativer aus NRW zu ZEIT ONLINE.

Rückkehr des Arier-Antrages von 2011

Der Konflikt zwischen Revisionisten und Reformern wird das Dachverbandstreffen in Stuttgart dominieren. In vielen der 35 "sonstigen Anträge" fordern liberale Mitgliedsbünde den Ausschluss von verfassungsfeindlich oder rechtsextremistisch aufgefallenen Burschenschaften, etwa der Münchner Danubia . Die Münchner Franco Bavaria , der auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer angehört, will Weidners Burschenschaft Raczeks rauswerfen.

Denn ausgerechnet eine Initiative der Bonner Raczeks von 2011 ist in Stuttgart erneut Thema: Diesmal fordern die   Redaria-Allemannia Rostock und die Marburger Burschenschaft Rheinfranken , die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft von der deutsche Abstammung abhängig zu machen.

Am weitesten geht ein Antrag der Stuttgarter Vereinigung Hilaritas : Sie stellt die Auflösung des Verbandes Deutsche Burschenschaft zur Abstimmung, um eine "Vertiefung der Gräben" durch interne Debatten zu beenden und ein neues Miteinander zu ermöglichen. Das Verbandsvermögen solle dem Bund der Vertriebenen und dem Denkmalerhaltungsverband Eisenach zugute kommen – dort steht das 1902 eingeweihte Burschenschaftsdenkmal.