Haus der Religionen : Elefanten-Gott trifft Lamm
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"Mein Weg ist der beste"

Serifi kennt das Christentum gut. Sie stammt aus dem Kosovo und ist in der Schweiz aufgewachsen. Lange war ihr Religion nicht so wichtig. Doch seit sie geheiratet und Kinder geboren hat, trägt sie Kopftuch. "Ich bin Muslima und denke natürlich, dass mein Weg der beste ist. Es wäre ja auch komisch, wenn nicht." Trotzdem ist sie Mitglied im Integrationsrat einer evangelisch-reformierten Gemeinde.

Wie aber steht sie zum Elefanten-Gott? "Ich habe echt Mühe mit Menschen, die an mehrere Götter glauben", sagt Serifi. "Sei es der Hinduismus oder der Buddhismus. Das ist für mich verrückt, wie sie das leben. Das ist wirklich das pure Gegenteil zum Islam oder zum Christentum." Mit einem Mal sind sich zwei Religionen nahe, die sich angeblich so sehr widersprechen, dass man in der Schweiz sogar glaubte, Minarette verbieten zu müssen, und in Deutschland Kopftücher .

Doch dann steht da dieser Taufstein, jahrhundertealte Steinmetzkunst, und mittendrauf ein Lamm. Es ist das zentrale Symbol für den Opfertod von Jesus und der Kern des christlichen Glaubens. Nur wo ist da der Unterschied zum Elefanten? Beides sind Symbole, mit deren Hilfe sich die Gläubigen eine Facette des Göttlichen vorstellen. Hindu-Priester Saskumar wird später sagen: "Auch die Muslime sagen, sie brauchen kein Symbol. Aber warum beten sie dann Richtung Mekka?"

Im Schlafzimmer

Über so eine Frage lässt sich nicht konstruktiv streiten. Deshalb stellt sie Saskumar Serifi auch nicht. Denn es ist sinnlos, einzelne Ausprägungen der Religionen gegeneinander aufzurechnen. Das wissen alle Kursteilnehmer.

Auch Marco Röss. Er ist ganz in der Nähe von Amsoldingen aufgewachsen, streng katholisch. Zu streng. Dann verschlug ihn das Leben nach Japan . Eigentlich hatte er nur eine Sportbogen-Gruppe gesucht. Im buddhistischen Kloster nebenan durfte er aber nur mittrainieren, wenn er auch an der Meditation teilnahm. Heute ist er Zen-Buddhist.

Dass sie sich im Kurs nicht in dieser Art angreifen, erklärt er so: "Wenn man jemandem sagt: 'Was Du glaubst, das gibt’s ja gar nicht', dann stellt man dessen Lebenskonzept und sein ganzes bisheriges Leben infrage. Es ist ein Angriff auf die Fundamente seiner Persönlichkeit. Deshalb ist es gut, wenn man vorsichtig damit umgeht." Der reformierte Pastor, der den Kurs durch die Kirche in Amsoldingen führte, hatte den richtigen Vergleich: Sich einer anderen Religion zu nähern sei, als betrete man ein fremdes Schlafzimmer. Da setze man seine Schritte auch sanft und es müsse viel Vertrauen wachsen, bevor man es wage, die Stimme zu erheben.

Die Gesellschaft will Antworten

Leise sein ermöglicht aber noch kein friedliches Zusammenleben, das ist Leutwyler bewusst. Nur im kritischen Dialog wachse das Verständnis füreinander. Deshalb dürfe der Kurs nicht beim Beobachten stehen bleiben: "Am Ende ist unser Ziel schon, klar auszusprechen, was wir für kritikwürdig halten – auf die Gefahr hin, dass es zu Konflikten kommt."

Im Haus der Religionen werden sie nicht umhin kommen, Streit zu führen. Das fordert ihnen schon die säkulare Gesellschaft ab, die sie umgibt. Denn wer seine Kultur und Religion in einem großen Haus sichtbar leben will, dem werden auch Stellungnahmen zu Themen abverlangt, die die ganze Gesellschaft beschäftigen. Viele davon berühren das religiöse Grundverständnis: Wie geht man mit homosexuellen Beziehungen um? Kann man Sterbehilfe akzeptieren, wenn man an die ewige Wiedergeburt glaubt, die bewusste Auflösung des Geistes anstrebt oder die Auferstehung erwartet? Ist die Beschneidung religiöse Pflicht oder kulturelle Tradition?

Noch tragen sie im Haus der Religionen den Streit über solche Fragen nicht offen aus. "In einer Welt, in der Religion oft als Privatsache verstanden wird, müssen wir alle erst lernen, zu unseren kulturellen und religiösen Werten zu stehen und Verantwortung zu übernehmen für die eigenen Denkweisen", sagt Leutwyler. Das fasst gut zusammen, wie es vielerorts um den Streit der Religionen steht.

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Kommentare

233 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

Blaaa

Also ich bin selbst auch Atheist und wenn ich dort vorbeigehen würde, dann würde mich sicherlich niemand rausschmeißen, sondern ich dürfte mich mit am Dialog beteiligen. Es soll durch dieses Haus ja genau vermieden werden, dass jeder mit der Streitaxt seinen eigenen Glauben als einzig Wahren herausstellt und dabei über Leichen geht. Militanter Atheismus hat dann dort natürlich genauso keinen Platz wie fundamentales Christentum und co. Miteinander statt gegeneinander, bei den Kommentaren hier scheint das niemand so recht verstanden zu haben. Schade.

Da ist es wieder

das Argument der Argumente, welches schlicht und ergreifend falsch ist, denn Wissenschaft existierte schon immer, in allen Kulturen, in allen Religionen und wieder sei verwiesen auf den Islam und die Astronomen, Christen und die Medizin und Geographie. Die Geschichtswissenschaft wäre ohne kirchliche Chroniken schwer denkbar. Die geistigen Zentren im Mittelalter waren vor allem im religiösen Orient zu finden.
Dieses Argument ist eigentlich kein Argument, sondern eine These und diese kann man leicht widerlegen.
"In der islamischen Welt bildete für die Mathematik die Hauptstadt Bagdad das Zentrum der Wissenschaft. Die muslimischen Mathematiker übernahmen die indische Positionsarithmetik und den Sinus und entwickelten die griechische und indische Trigonometrie weiter, ergänzten die griechische Geometrie und übersetzten und kommentierten die mathematischen Werke der Griechen. Die bedeutendste mathematische Leistung der Muslime ist die Begründung der heutigen Algebra." http://de.wikipedia.org/w...

Was bitte ist "militanter" Atheismus?

Die Behauptung, es gäbe einen "militanten" Atheismus, der genauso verwerflich sei wie religiöser Fundamentalismus, ist ein rhetorischer Kunstgriff, der häufig Verwendung findet. Die Absicht ist klar: Wenn man Religionskritik auf eine Stufe stellt mit dem Einsatz von Sprengstoffgürteln, Ehrenmorden, Enthauptungen, Berufsverboten und sozialen Ausgrenzungen, dann dämonisiert man die Religionskritik. Wer als Atheist darauf hereinfällt, der wird dann keine Kritik mehr äussern.

Rhetorische Kunstgriffe findet man immer dort, wo es an guten Argumenten (für sich selbst sprechende Beweise) fehlt. Das hat Tradition und zieht sich wie ein roter Faden durch die europäische Geschichte. Vor allem die mittelalterlichen Scholastiker waren Grossmeister abstrakter Ableitungen, die sie als logische Schlüsse verkauften, tatsächlich aber nur auf spekulativen Behauptungen beruhten.

Raum für Ungläubige?

Gute Idee:)

An Daniel312 ("Der Unterschied das sie keinen Gott haben macht ihre "Radikalität" nicht besser."): wieso ist man radikal, wenn man keinen Gott hat?

Karlos111 hat Recht, wenn er sagt, dass der "Glaube" der Atheisten die Wissenschaft ist, mit dem wichtigen Unterschied, dass Wissenschaft (im Gegensatz zu fast allen Religionen) nicht dogmatisch ist, sondern immer ihre Denkrichtung ändern MUSS, falls nötig. Deshalb kommen die Wissenschaftler auf der ganzen Welt auch (meistens ;-) gut miteinander aus, im Gegensatz zu den Gläubigen, die sich regelmässig gegenseitig die Schädel einschlagen.

Was der Artikel anpreist, ein "Haus der Religionen" hat die Wissenschaft an jeder Uni und auf jedem Meeting, nämlich einen Ort des Dialogs. Die Religionen werden das vermutlich nie erreichen, weil immer nur ein kleiner Teil der Gläubigen so tolerant sind, sich auf andere Religionen einzulassen. Jeder Wissenschaftler MUSS sich laufend mit neuen Ideen und Kritik auseinandersetzen, auch wenn das mitunter schwer fällt.

Und ja: auch Wissenschaft gibt Sinn und Halt, auch da kann sie mit den Religionen locker mithalten :)

Mfg,
Ein (atheistischer) Forscher, verheiratet mit einer Hindufrau :)

Urknall

Dass der Mensch etwas nicht weiß, ist 1. Ansporn dazu, es herauszufinden, kann 2. die Einsicht sein, dass man etwas nie herausfinden kann, ist deshalb 3. ein Hinweis auf die Begrenztheit des Menschen, aber 4. niemals ein Hinweis auf "Gott". Zumindest nicht den Gott der Bibel. Denn Gott ist nicht die Leerstelle, die die Unvollkommenheit des Menschen lässt. Zwei Atheisten haben Definitionen von Gott gegeben, die meinem Verständnis schon näher kommen: Gott ist "der selbstverständliche Rahmen des gewöhnlichen Alltags" (B. Latour). Und L. Wittgenstein: „Wie sich alles verhält, ist Gott. Gott ist, wie sich alles verhält“ und „Den Sinn des Lebens, d.i. den Sinn der Welt, können wir Gott nennen.“ Und negativ, von einem Pastor: "Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht." (D. Bonhoeffer)

Weltanschauungen

Hieße es Haus der Weltanschauungen statt Haus der Religionen, würde sich diese Frage nicht stellen.
Es dürfte auch klar sein, daß Atheisten genau so ein Interesse daran haben, sich mit Anhängern anderer Ideen und Philosophien auseinanderzusetzen wie diese untereinander.
Und wiederum die Theisten mit den Atheisten.
Unterm Strich geht es doch um Verständnis und Toleranz - wieso sollte man da ausgerechnet die Atheisten ausschließen?
Mal beiseite gelassen, daß Theisten und Atheisten sich im Vergleich zu Polytheisten nur um einen Gott von einander unterscheiden ;) - die Theisten sind doch gerade dort in deren Weltbild viel mehr herausgefordert, das Konzept "Gar kein Gott" nachzuvollziehen, anstatt nur Unterschiede im Detail verstehen zu wollen!
Ich meine, da würde es erst spannend werden...

Atheismus im Haus der Religionen

Bin ganz Ihrer Meinung. Dafür müssten sich die Atheisten aber erst einmal als eine Weltanschauung neben anderen anderen verstehen. Und sich organisieren. Ich lese aber die organisierten Atheisten so, dass sie einen Alleinvertretungsanspruch auf die Anschauung der Welt beanspruchen. Religiöse Haltungen werden verachtet, findet man lächerlich, kindisch, unreif. Mit solchen Menschen kann man natürlich schlecht reden.
Nicht die Religionen verabschieden sich damit aus dem Dialog, sondern die Atheisten.

@144:

Karlos111 hat Recht, wenn er sagt, dass der "Glaube" der Atheisten die Wissenschaft ist

Da schätzt er aber den Glauben völlig falsch ein. Bei Religionen geht nur nebensächlich um eine Beschreibung der Welt, aber primär um eine Bewertung der Welt und Beschreibungen dessen was sein sollte. Wissenschaft allein kann aber weder bewerten, noch kann Aussagen darüber treffen was sein sollte, sie ist darauf beschränkt zu beschreiben was ist, ansonsten wäre sie keine Wissenschaft mehr, denn bewertende Aussagen oder Aussagen zum Soll sind nicht falsifizierbar.

Und ja: auch Wissenschaft gibt Sinn und Halt, auch da kann sie mit den Religionen locker mithalten :)

Nein. Sie können eine Weltanschauung haben, zur der auch die Wissenschaft dazugehört und diese Weltanschauung kann ihnen dann Sinn und Halt geben. Die Wissenschaft alleine kann dies gerade nicht. Die Haltung Wissenschaft könnte so etwas, trägt mehr zur Erosion des Wissenschaftsbegriffs bei als die deutlich offensichtlicheren Versuche Weltanschauung als Wissenschaft auszugeben der Kreationisten.

@199:

Nur wo sind die missionarischen Abriefmarkensammler, die bei jedem Bericht über das Briefmarken sammeln meinen darauf hinweisen zu müssen, was für ein bescheuertes Hobby sie Briefmarken sammeln finden?

Wo sind Bestseller wie der "Briefmarken-Wahn"?

Der Duden beispielsweise schreibt:
"Atheismus - Weltanschauung, die die Existenz [eines] Gottes verneint bzw. bezweifelt" und trifft damit gut die umgangssprachliche Nutzung dieser Begriffs. Der Ureinwohner oder das kleine Kind welches noch nie etwas von Gott gehört hat und auch nicht selber auf die Idee gekommen wird umgangssprachlich eher nicht als Atheist bezeichnet. Atheist ist wer Gottesvorstellungen kennt und diese bewusst ablehnt.

Was nützt dir dein Glaube

Die könnten zugucken, wie die Gläubigen unterschiedlicher Couleur ihren Glauben und ihre Lehre in die Tat umsetzen. Und staunen

Vielleicht könnte ihnen dort auch ein Gläubiger seine heiligen Schriften erklären und interpretieren. Die Bergpredigt z.B. ("Was tust du Besonderes, wenn du die liebst, die dich lieben?"- Schön!). Könnte spannend sein.

Womöglich könnten Gläubige wahrnehmen, dass es unter den Ungläubigen solche gibt, die sich so verhalten, dass man meinen könnte, sie handelten nach der christlichen Lehre.

Aber wollen Gläubige Ungläubigen überhaupt? Wenn sie sich nicht missionieren lassen (wollen)?

Gottesbilder sind keine Götter

@Karlos111 "Gott schuf nicht die Gehirne, sondern die Gehirne schufen Gott."

nö, das ist Blödsinn.

Die Gehirne erzeugten vielleicht Gottesbilder. Aber zu behaupten, dass ein Gottesbild das gleiche ist wie ein Gott, ist ähnlich blöd wie die Behauptung, dass ein Bild von einem Baum ein Baum ist.

Da müsste man schon ein Hardcore-Konstruktivist sein, um bei solchen Verwechslungen keine Magenschmerzen zu bekommen.

Aber: Konstruktivismus ist out, es lebe der Rekonstruktivismus!

@240:

Aber wollen Gläubige Ungläubigen überhaupt? Wenn sie sich nicht missionieren lassen (wollen)?

Das dürfte darauf ankommen, wo die Ungläubigen die Missionierung sehen. Wenn schon das Erklären der eigenen Position durch die Gläubigen von den Ungläubigen als unerwünschter Missionsversuch gewertet wird, dann wird eine Diskussion kaum möglich sein, denn dann sind die Ungläubigen ja offenbar nur an einer argumentativen Einbahnstraße interessiert, in denen sie ihre Position den Gläubigen erklären wollen, umgekehrt keinerlei Interesse an einem besseren Verständnis der Position der Gläubigen haben.

Man kann keinem dafür böse sein, wenn er kein Interesse daran hat einem solchen selbstverliebten Monolog zu lauschen. Ein Dialog kann nur klappen mit Personen, die an anderen Positionen interessiert sind, damit sind jegliche Fundamentalisten aus der Debatte raus, nicht nur religiöse sondern auch säkulare,antireligiöse Fundamentalisten.

Missionierung

"Erklären der eigenen Position" hat für mich nichts mit Missionieren zu tun. Damit wir nicht aneinander vorbeireden.
Ich stimme dieser Definition von Missionieren zu:

"Eine missionierende Religion (lat.: missio: ‚(Aus-)Sendung‘, übertragen ‚Auftrag‘) ist eine Religion, die ihre Botschaft aktiv verbreitet. Sie glaubt sich berufen, Nichtgläubige und Andersgläubige zu überzeugen und sie in die betreffende Religion aufzunehmen. Diese Berufung basiert regelmäßig auf dem Anspruch der alleinigen Vertretung einer behaupteten universalen Wahrheit."

Die Fragen an Sie sind:

1. Ist die Religion, an die Sie glauben, eine missionierende Religion?

2. Wenn ja, wovon wollen Sie Nichtgläubige oder Andersgläubige überzeugen?

3. Stimmen Sie der Behauptung zu, dass Vertreter der drei monotheistischen Religionen jeweils für ihre Religion einen universellen Wahrheitsanspruch haben und davon ausgehen, dass die anderen einer Irrlehre anhängen?

4. In welchen Punkten stellen Sie (Ihre) Religion/religiöse Inhalte/Dogmen in Frage?

@250 Teil 1

Ich stimme dieser Definition von Missionieren zu: (...)

Ich würde ihr grundsätzlich zustimmen, finde sie aber zu eng. Denn ich bin durchaus der Meinung, das auch nicht-religiöse Weltanschauungen oftmals missionieren. Der letzte Satz ist auch problematisch für eine Definition, denn er ist ja optional.

"Erklären der eigenen Position" hat für mich nichts mit Missionieren zu tun.

Ich denke im Rahmen von Diskussionen über Weltanschauungen kann man das "Erklären der eigenen Position" durchaus auch als schwache Form der Mission werten, denn natürlich hoffen die Beteiligten einer Diskussion in der Regel darauf, dass neben einem eigenen Dazulernen, auch das die genaue Darstellung und das Ausräumen von Missverständnissen über die eigene Position dazu führt, dass zumindest partielle Zustimmung der andere Diskussionsteilnehmer zur eigenen Position auch dort entsteht woher keine vorhanden war. Also geht es in Diskussionen auch darum andere zu überzeugen.

@250 Teil 2

Nun zu ihren Fragen, wobei mir nicht so ganz klar ist, wie die Darstellung meiner persönlichen Einstellung dieser allgemeinen Diskussion rund um Gläubige und Ungläubige weiterhelfen soll:
1. Das Christentum gilt als solche, aber in der Praxis findet in der EKD anders als in Freikirchen kaum Mission statt. Die eigene Religion wird meist maximal an die eigenen Kinder weitergegeben, also eher so wie in nicht-missionierenden Religionen.

2. Falls Sie es noch nicht sind: Davon das Naturwissenschaft nicht Religion und Philosophie ersetzen kann. Und Religion auch Philosophie und Naturwissenschaft nicht ersetzen kann. Und davon sich mit dem Christentum und den dort vertretenen Positionen im Detail zu beschäftigen und nicht über das ganze Christentum zu urteilen, auf Basis der Positionen von Evangelikalen oder Pius-Bruderschaft. Es gibt eben auch Leute wie Bonhoeffer.

3. Natürlich gibt es solche Vertreter, aber es sind eben nicht alle so. Vertreter des Christentums ist für mich jeder Christ.
Ich persönlich gehe davon aus, mich selbst zu irren, gehe aber auch davon aus das auch andere Leute sich ebenfalls irren und ich gehe davon aus auch andere universelle Wahrheiten erkennen können.

4. Grundsätzlich überall, nur sehe ich gleichzeitig, das sie fast alle unfalsifizierbar sind. Es besteht also nicht die Möglichkeit das Menschen Beobachtungen machen, die eine Aufgabe der Positionen erfordern. Überzeugen könnten mich dort also nur sehr gute philosophische oder theologische Argumente.

Religiöse Menschen streiten ungern.

Das mag sein. Wer streitet, dem kann es passieren, dass er seinen Standpunkt überdenken muss. Dann kann der Glaube vorbei sein, und der Glaubende sieht seine eigene Nacktheit.

Dafür beharren religiöse Menschen gern auf ihrem Standpunkt. Kein Millimeter wird davon abgewichen. Siehe Beschneidung oder die Vormachtstellung des Papstes.

Und nicht Gläubige

überdenken permanent ihre Meinungen? Werfen Sie einen Blick in dieses Forum und die Streitkultur. Wenn 5% der Foristen tatsächlich ihre Meinung ändern, dann würde mich das schon wirklich stark überraschen.
Gesellschaftlich haben wir quasi keine richtige Streit-, bzw. Argumentationskultur, denn im großen und ganzen prallen immer nur Argumente aufeinander, zwischen denen vielleicht unentschlossene wählen, aber nicht die Streitenden.
Am Ende und das ist nunmal die Natur des Menschen, ob gläubig oder nicht, geht es den meisten nur darum, ihre Meinung durchzusetzen. So im übrigen auch Atheisten, welche teilweise neben der Starrköpfigkeit gelegentlich auch ein gewisses Maß an Arroganz an den Tag in der Diskussion legen, weil sie sich für Intelligenter halten, da sie den religiösen "Schwindel" durchschauen.

Mich würde hier

tatsächlich mal ein "Säkularitätsindex" interessieren.

Man nehme eine große Stichprobe aus Anhängern verschiedener Religionen und stelle ihnen Fragen, die darauf abzielen, wie ernst es diese mit ihrem nominellen Glauben meinen, welche Rolle dessen alte Dogmen in ihrem Leben spielen, wie sie den Wahrheitsgehalt gegenüber den anderen Religionen einschätzen, wieviel Achtung sie für diese übrig haben und ob nicht hier und da das politische System zu Gunsten der eigenen Religion geändert werden müsse. Eine Art erweiterte Gretchenfrage.

Und dann passe man die Innenpolitik entsprechend an.

Hinsichtlich der Papstdebatte: in meiner Gymnasialklasse waren etwa die Hälfte katholisch getauft. Ich hab starke Zweifel, dass von ihnen überhaupt 1/4 weiß, wann die letzte Diskussion zur Unfehlbarkeit des Papstes stattgefunden hat, bzw welche Meinung sie dazu haben.

@3 Religiösität "versus" Spiritualität

Re-ligion, von Lateinisch re-ligare, bedeutet ja im Grunde genommen

Rück-bindung. Da es nur einen Gott gibt, an den man sich rückbinden kann und unterschiedliche Wege (= Glaubensbekenntnisse oder auch Konfessionen), die zu ihm hinführen,

sollte hier eigentlich eher von einem Haus der Konfessionen gesprochen werden.

Sich ultimativ an Gott rückzubinden und ganz eins mit ihm zu werden, wie das VOR dem "Sünden"fall oder auch der Absonderung der jeweiligen Einzelseele aus diesem ultimativen Einssein mit Gott, der Fall war,

kann nur, wer all sein EGO verliert. Das aber kann ein Mensch nicht alleine schaffen.

Alles was einen gottverwirklichten Mensch (wie es z.B. der karmafreie Jesus war) von Gott unterscheidet, ist eben sein Karma, das er noch am Stecken hat.

Ist aber der Schüler bereit, trifft er den Meister. Jenen, der ihn auf dem schwierigen Weg führt, der es bedeutet, sein Ego, an das sich seine Seele über viele Inkarnationen gewöhnt hat, wieder loszuwerden, indem man es aufgibt.

Jesus war solch ein Meister. Erkenntlich am Ausspruch:

"Niemand kommt zum Vater, denn durch mich".

Vieles hätte ich euch noch zu sagen, aber ihr könntet es jetzt noch nicht tragen ...

weißt darauf hin, dass Jesus definitiv nicht in seiner letzten Inkarnation unterwegs war, sondern wieder kommen würde.

Ein Haus der Konfessionen. Eine schöne Idee, in Zeiten wo es weltweit Kriege zwischen solchen gibt.

Nacktheit im Spiegel des Betrachters

"Das mag sein. Wer streitet, dem kann es passieren, dass er seinen Standpunkt überdenken muss. Dann kann der Glaube vorbei sein, und der Glaubende sieht seine eigene Nacktheit."

Es geht nicht um Religion oder keine Religion. Es geht um Streitbarkeit und Friedliebe.

Man muss nicht ein religiöser Mensch sein um freidliebend zu sein. Man kann auf unterschiedlichen Ebenen streiten. Der sachlichen und der emotionalen.

Wenn man ein Gegenüber hat, dass intensiv in die eigene Persönlichkeit z.B. durch primitive Bevormundung eingreift, und dieses Gegenüber jede Form von sachlicher Auseinandersetzung (Streit!) abwürgt, soll man dann auf die emotionale Ebene gehen?

Auf keinen Fall!

Jede emotionale Auseinandersetzung hat IMMER eine emotionale Komponente als letzendlichen Grund. Wird der Streit bis zum bitteren Ende durchgefochten, dann wird dieser Grund freigelegt obwohl die Ursache ursprünglich eine sachliche war und ursprünglich einen sachlichen letztendlichen Grund hatte.

Wer hier die Nacktheit eines anderen Menschen zu beobachten glaubt, beobachtet letztendlich die Begrenztheit seines eigenen Intellektes.

Türen öffnen, nicht mal das geht

Ich hatte viel mit orthodoxen Christen zu Tun und auch mit Evangelikalen und Katholiken, und habe nach rund 20 Jahren des Diskutierens und Streitens (die Kultur gibt es – und wie) lernen müssen, dass diese Leute einander niemals akzeptieren werden. Und einen Atheisten akzeptieren sie schon gar ganz und gar nicht. Gegen Außen gibt man sich in natürlich immer offen, aber wenn es ans Eingemachte geht, dann bewegt sich rein gar nichts mehr.
Es ist nicht verwunderlich, dass das so ist. Allein schon in der Sepulchre (Kirche die den Golgatha Felsen und das Grab Jesu enthält in Jerusalem) wo 6 christliche Denominationen ihr Zentrum haben, streite man um jedes noch so unwichtige Detail. So konnten sich die Christen nicht einigen welche Gruppe denn am Morgen diese Kirche öffnen solle und wer sie am Abend schliessen dürfe. Nach einem Entscheid des Sultans öffnet und schliesst nun eine Muslimische Familie die Türen…

Des Kaisers neue Kleider

"Es geht nicht um Religion oder keine Religion. Es geht um Streitbarkeit und Friedliebe."

Es ging mir nicht um Streitbarkeit und die Liebe für Frieden, es ging mir um die Aussage, dass religöse Menschen ungern Streiten. Ungern Streiten ist für mich etwas anderes, als die Liebe zum Frieden. Wer Streitet steht nicht unbedingt für Krieg und wer nicht streitet muss auch nicht friedlich sein.

Es wird so sein das durch meine Aussage der Nacktheit und dem Erkennen dieser Nacktheit religiöse Gefühle verletzt wurden, immerhin habe ich zu meinem Kommentar viele Antworten bekommen. Ich habe diese Aussage nicht getätigt, um gläubige Menschen mit Absicht emotional zu verletzen. Die Begrenztheit meines eigenen Intellektes hat mich diese Aussage schreiben lassen.

Das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" diente mir als Vorlage für mein Kommentar. Der Kaiser und seine Höflinge hatten sich nicht getraut, sich mit den betrügerischen Schneidern auseinander zu setzten. Das war die Vermeidung von Streit. Die Aussage eines Kindes war nötig, um die Betrüger (die Schneider) zu entlarven. Und die Aussage dieses Kindes war nötig, um dem Kaiser die Augen für seine Nacktheit zu öffnen. Hätte der Kaiser mit den Schneidern zu streiten gewagt und gestritten, dann wäre er nicht nackt vor sein Volk getreten. Er hat den Streit aber vermieden.

Es mag sein, dass ich jetzt wieder emotional geschrieben habe. Daran ist natürlich wieder meine Begrenztheit schuld.

Für ihren Kommentar danke ich.

Meine These ist,

das dies eine Eigenheit der Menschen an sich sind und die Religion nichts damit zu tun hat. Ich vergleiche Religionen gerne mit politischen Strömungen. Ein Anhänger der Linkspartei und der CSU könnten 1Jahr lang dauerdiskutieren und am Ende würde kein Konsens gefunden werden. Es liegt einfach in der Natur des Menschen und viele Atheisten akzeptieren Religion genausowenig.
Dogmatismus gab es auch in der Wissenschaft, der Philosophie etc. und darum ist Religion eine weitere Spielart.

Sorry, eigentlich waren nicht Sie der Adressat

Leider habe ich nur wenig Zeit um meine Antworten genau zu formulieren, da jeder aktuelle Kommentar von mir von einen fremden Rechner abgeht.

Daher war mein vorangegangener Kommentar nicht besonders passgenau, sondern eher auf die Schnelle hingeschludert für meine Begriffe.

Ich wollte Sie nicht persönlich angreifen, auch wenn so gewirkt haben kann.

Ich bin wirklich froh, wenn ich wieder gut formulierte Texte von zu Hause aus geben kann.

Ehrlich gesagt

empfinde ich keinen Mangel an dem, was Herr Polke-Majewski fordert. Ich bewege mich gerne auf einem sozialen Netzwerk, in dem Menschen aus sehr vielen Ländern etwas über die Kultur ihres Landes posten können - sei es ein Bild oder einen Text.

Jetzt stelle ich fest, dass sehr viel religiöses gepostet wird. Wenn es sich einfach um ein Juchee handelt, wie toll der jeweilige Religionsstifter ist (ist ja eigentlich immer nur einer), antworte ich darauf nicht. Leben und leben lassen und so. Wenn jetzt jemand hingegen schreibt, seine Religion sei das Beste für alle Menschen des Planeten, nervt mich das - und ich stelle Fragen (Was ihn so sicher macht, wo die Dinosaurierknochen herkommen, ob Gott einen so großen Stein schaffen kann, dass er ihn nicht hochheben kann, etc). Was daraufhin einsetzt, ist, dass sich die betreffenden in kürzester Zeit von Menschen zu Papageien verwandeln. Anstatt nachzudenken, wird einfach immer wiederholt: "Aber in der Heiligen Schrift steht...".

Ich glaube, gelernt zu haben, dass jemand, der Religion ernstnimmt, unfähig ist, konstruktiv mit glaubensfremden darüber zu streiten -
und ob es da nicht am besten ist, die Sphären soweit zu trennen, dass jemand, der sich auf einer Mission des Alltags im öffentlichen Raum befindet, von ihnen möglichst nicht belästigt wird. In dem Zusammenang finde stimme ich diesem Spruch hier zu.

Boah, Schenkelklopfer!

Dass ich Atheist bin, wird mir im Anschluss von vielen zunächst gerne unterstellt. Dass ich an Gott glaube, aber einfach der Bedarf an Autoritäten zwischen ihm und mir sehr gering ist und an den detailierten Regeln, die mir Leute in seinem Namen zukommen lassen wollen, scheint nicht so leicht vorstellbar zu sein. Sei's drum - ich kann damit leben und den Leuten gegebenenfalls erklären, was es mit Agnostikern so auf sich hat.