Leserartikel

Junge ElternKeine Zeit zum Kinderkriegen

Leserin A. Hüttner ist Mitte zwanzig und die einzige Mutter in ihrem Freundeskreis. Andere Paare würden ewig auf den perfekten Zeitpunkt warten – den es gar nicht gibt. von Aneli Hüttner

Ich bin Mitte zwanzig und die einzige im Freundeskreis, die ein Baby hat. Vormittags studiere ich, den Rest des Tages kümmere ich mich um Windeln wechseln, Stillen und Spielen. Mein Freund hat Elternzeit, zwei Tage in der Woche geht er in die Berufsschule. Eigentlich perfekt.

Nur leider fühlen sich unsere Freunde ihrerseits für ein Baby nicht bereit. Sie müssen noch reisen, die Welt sehen, sagen sie. Das macht mich neidisch, denn lange Rucksackreisen kommen für uns nicht infrage. Aber dann leben unsere Freunde ihre Selbstfindung doch anders aus. Sie betrinken sich, suchen in immer denselben Clubs den perfekten Partner, gehen ihren Affären nach. Die Aufmerksamkeit, die noch übrig bleibt, schenken sie ihren Computern, Smartphones und Spielekonsolen. Dann ist nur noch wenig Energie übrig, um die billige Fitnessstudioflatrate zu nutzen.

Anzeige

Wir haben unsere Zeit am Computer gekürzt und verausgaben uns nur selten auf der Tanzfläche. Dafür bleibt am Ende etwas, das mein Kind dringend braucht: Zeit. Ein Luxus, den wir im Studium und in der Ausbildung haben – mit ein wenig Disziplin, Organisationstalent und gutem Willen.

Andere Freunde suchen noch den perfekten Partner. Eine Beziehung nach der anderen scheitert. Der Sex stimmt nicht, er liest keine Bücher, ihre Haare verstopfen die Dusche. Am Ende war es doch nicht die Partnerschaft für den Rest des Lebens. Haben mein Freund und ich die Partnerschaft fürs Leben? Ich glaube, darüber haben wir nie geredet. Es stimmt einfach gerade.

Warum Leserartikel?

Text- und Bildbeiträge unserer Leser bereichern unsere Inhalte um zusätzliche Sichtweisen, Erfahrungsberichte und Meinungen. Sie sind von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, weil sie es selbst erlebt haben oder unmittelbar betroffen sind. Oder weil sie sich in einem bestimmten Thema sehr gut auskennen. Erzählen Sie unseren Lesern die Geschichten, die wir nicht erzählen können. Und zeigen Sie ihnen die Fotos und Videos, die sie sehen sollten. Zur Artikeleingabe

Leserartikel schreiben

Grundsätzlich ist jedes Thema für einen Leserartikel geeignet, solange Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung und einem persönlichen Blickwinkel darüber berichten und keine Rechte Dritter verletzen. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie Hinweise für das Verfassen Ihres Artikels für ZEIT ONLINE. Bitte senden Sie uns Ihren Artikel bzw. Links zu Fotos und Videos über unser Leserartikel-Formular.

Der ZEIT-ONLINE-Wald

© BeneA / photocase.com

Als Dankeschön schenken wir Ihnen für jeden veröffentlichten Leserartikel einen Baum. Seit 2011 haben wir in Zusammenarbeit mit iplantatree.org knapp 1.500 Bäume gepflanzt und geben diese nach und nach an unsere Leserartikelautoren ab. So wächst in Berlin Friedrichshagen ein ZEIT ONLINE-Wald heran, genährt von unseren schreibenden Lesern. Aktuell rangiert das "Team ZEIT ONLINE" auf Platz 19 der aktivsten Baumpflanzer des Projektes. Dafür danken wir Ihnen.

Auch die, die nach der perfekten Karriere streben, haben keinen Platz für ein Kind. Später vielleicht. Erst das Studium beenden und ein Jahr arbeiten. Wenn es gut geht, auch zwei oder drei. Und so weiter. Für Kinder ist später Zeit. Ich dagegen hoffe auf Zeit für meine Karriere in ein paar Jahren.

Es wäre schön, wenn Kinderkriegen mit Anfang oder Mitte zwanzig etwas Normales wäre und Paare nicht immer nach dem perfekten Zeitpunkt suchen würden. Wir hätten Freunde in unserem Alter, mit denen wir um die Häuser ziehen könnten – nachmittags, nicht erst nachts. Jetzt gehen wir meist alleine los. Manchmal fahren wir mit der Straßenbahn in den Prenzlauer Berg und beobachten die Elternrudel, die uns eine Generation voraus sind. Auch unsere Freunde werden einmal einem solchen Rudel angehören, vielleicht in zehn Jahren. Wir haben dann sicher wieder andere Sorgen. Sorgen, die niemand versteht. Ü-30-Partys oder so.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ...perfekt...?

    Wie langweilig !

  2. die typischen positionen in dieser thematik sind meist extreme: auf der einen seite die kinderlosen, diese egoisten, mit ihrem karriere- und selbstverwirklichungsdrang, auf der anderen seite diejenigen, für die das mantra des kinder-bekommens und eltern-seins alles dominiert.
    was ist mit den menschen, die keine karriere im sinn haben und dennoch aus persönlichen und subjektiven gründen keine kinder bekommen wollen? was denkt der durchschnittliche zeit-online-kommentator über diese gruppe? würde mich interessieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bezeichne mich jetzt mal als typischen ZON-Kommentator...

    Grundsätzlich respektiere ich jedes Lebensmodell.
    Allerdings muss der/die der/die Entscheidungen trifft auch bereit sein die Konsequenzen zu tragen.
    Letztlich geht es aber um Respekt!

    Und gerade dieser wird kinderlosen Menschen erheblich öfter von Eltern entgegegebracht als umgekehrt.
    Sie glauben gar nicht wieviel Ahnung Kinderlose von Kindererziehung haben wollen, wenn beispielsweise Kinder in der Warteschlange an der Kasse anfangen zu quengeln.

    Und ein Blick in die Medien reicht und sie werden erkennen, dass Kinder heutzutage nur als Hemmschuh für die Verfügbarkeit der Arbeitskraft angesehen werden.

    Nicholas Rockefeller sagte dazu folgendes: "Der Feminismus ist unsere Erfindung aus zwei Gründen. Vorher zahlte nur die Hälfte der Bevölkerung Steuern, jetzt fast alle weil die Frauen arbeiten gehen. Ausserdem wurde damit die Familie zerstört und wir haben dadurch die Macht über die Kinder erhalten. Sie sind unter unserer Kontrolle mit unseren Medien und bekommen unserer Botschaft eingetrichtert,stehen nicht mehr unter dem Einfluss der intakten Familie. In dem wir die Frauen gegen die Männer aufhetzen und die Partnerschaft und die Gemeinschaft der Familie zerstören, haben wir eine kaputte Gesellschaft aus Egoisten geschaffen, die arbeiten (für die angebliche Karriere),konsumieren (Mode,Schönheit,Marken),dadurch unsere Sklaven sind und es dann auch noch gut finden."

  3. etwa als einer vom Dorf der Metrople aussetzen, anderen regionalem Mentalitäten, einer anderen Kulturauffassung... da brechen dann auch Freundschaften weg, weil die nicht mehr passen, die Basis zu schwach wird, man jetzt auf einer anderen Basis lebt...
    Eien EHE und Kinder geht nur sehr füh und bescheiden, wenn ich eine feste gemeinsame philosophisch- ethische Basis habe, z.B. das Christentum, das trotz aller innerer Veränderungen in der Ausbildung alles TRÄGT.
    Ansonsten kann ich erst heiraten und eine Familie gründen, wenn ich zu einem gewissen inneren Abschluß gekommen bin: mich dazu reif fühle - es geht also nicht nur um das nötige Geld dazu.

    Antwort auf "Blödsinn"
    • Pyr
    • 02. Dezember 2012 11:03 Uhr

    ...sondern einfach um "(jetzt noch) keine Lust"? Das ist doch völlig in Ordnung. Wenn man noch etwas anderes erleben will, was ist daran falsch? Die Autorin spricht so, als wäre es wichtiger Kinder zu kriegen als z.B. die Welt zu sehen oder Videospiele zu spielen. Solcherlei Missionierung missfällt mir. Etwas mehr Respekt vor den Entscheidungen anderer!

    Selbstredend ist es schwieriger einem Kind eine Perspektive zu bieten, wenn man selbst nicht finanziell abgesichert ist. Oder ganz klar gesagt: man liegt dann anderen auf der Tasche. Wer noch studiert, sollte sich daher auch auf das Studium konzentrieren dürfen ohne Kinder haben zu müssen. Sicherlich gibt es keinen perfekten Zeitpunkt für Kinder - aber es gibt sehr wohl denkbar ungünstige Zeitpunkte! Wie wenn der Sex mit dem Partner schlecht ist oder man aus anderen Gründen nicht das Gefühl hat, mit dem anderen Menschen 20 Jahre auskommen zu können. Oder wenn gerade die eigenen Noten scheiße sind und man droht rausgeprüft zu werden aus dem Studium. Oder wenn gerade in der eigenen Familie eine Notsituation ausbricht, z.B. weil bei den eigenen Eltern Krebs diagnostiziert wird.

    Mir missfällt, dass hier eine Normalität herbeigewünscht wird, denn aus Normalität entspringt schnell Normativität und es ist verdammt nochmal sehr gut, dass man sich als Studierender heutzutage NICHT rechtfertigen muss, warum man denn noch keine Kinder hat.

  4. Irgendjemanden vorzuschreiben, wann die beste Zeit für ihn ist, Kinder zu bekommen, aber ich finde der Artikel klingt ausgesprochen vernünftig. Den Perfekten Zeitpunkt gibt es ohnehin nicht. Kinder bekommen bedeutet immer, dass das Organisationstalent auf die Probe gestellt wird, und ob man sich in Camping Rücksacktripps selbst finden muß? Selbst mit Kindern geht das, entweder nimmt einer der Eltern halt mal eine Auszeit für so etwas, oder man macht es wie ich und wartet bis die Kinder 7-8 Sind und macht dann mit ihnen Kanutouren durch die Pampa. Aber ich vermute es ist dieser Gesellschaftlich von der Werbewelt und den Medien so hochgepriesene Hedonismus, diese Egoismus ich und meine Selbstverwirklichung zuerst, welche Menschen davon abhält in den zwanziger schon Kinder zu bekommen. Und letztendlich ist es auch der Grund, weswegen die inwzischen soviele Kinder mit getrennten Elternhäusern zu Scheidungswaisen werden. Als wäre es als alleinerziehende Mutter soviel einfacher sich selbst zu verwirklichen, anstatt mit einem Partner an der Seite, dem das Kind wenigsten annähernd so wichtig ist wie einem selber.

    Kurz gesagt: Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für das Kind es gibt nur die pertfekte Bereitschaft zum kind, und die kann mit 20, 30 oder 40 sein. Perfekt ist keines von diesen Altern.

    • malox
    • 02. Dezember 2012 11:04 Uhr

    ...zeigt sich nicht in einer frühen Elternschaft, die einem eine plötzliche "Verantwortung" gewissermassen aufdrängt, selbst wenn man sich bewusst dafür entschieden hat, sondern kann eben auch eine bewusste Entscheidung sein, erst später seinem Kinderwunsch nachzugehen - nach erfolgter Ausbildung und Studium und mit dem passenden Partner.

    Schade, wenn hier eigene Lebensentwürfe anderen übergestülpt werden sollen.

    Man hat sich selbst dafür entschieden - mit allen Konsequenzen. Dies bedeutet eben auch, dass man nicht mehr mit den anderen um die Häuser ziehen zu können.
    Höre ich da etwa Neid heraus?

    In unserer heutigen Gesellschaft sind - glücklicherweise - sehr viele Lebensmodelle denkbar. Und der eigene Lebensentwurf passt nicht wie ein "Überwurf" auf andere.
    Wenn das "Kinderkriegen" mit Anfang 20 eine bewusste Entscheidung war, mag das für einen selbst passen, aber nicht zwingend für andere.
    Diesen Verantwortungslosigkeit zu unterstellen, ist sehr gewagt und zeugt nicht von einem eigenen Blick über den Tellerrand.

    Vielleicht sehen Sie das in 10 Jahren anders. So klingt mir der ganze Artikel zu herablassend.

    Ich bin jedenfalls sehr froh, dass mich mit dem Partner, den ich mit 23 hatte, nichts mehr verbindet - erst recht keine Kinder.
    Ich war zu jung, zu naiv, zu unreif.
    Das wusste ich allerdings erst Jahre später...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Haben Sie heute Kinder mit Ihrem Partner?

  5. volle Zustimmung, abgesehen von den Verallgemeinerungen die sich aber an der Stelle kaum vermeiden lassen.

    D.h. ich würde niemanden verurteilen der eben keine Kinder hat oder später, das Leben ist schlicht zu komplex.

    Beispiel Kinder während des Studiums - finde ich toll, aber: Studiere ich in der selben Stadt aus der ich komme, habe ich vielleicht auch ein persönliches Umfeld dass mich unterstützen kann.

    Lasse ich das alles hinter mir, wird die Sache schnell so kritisch dass man mal eben sein und das Leben seiner Kidner massiv negativ beeinflusst hat weil man schlicht nicht in der Lage ist, alles allein zu bewältigen.

    Und wenn dann noch die Beziehung zerbricht, kann man sich eben ggf. von seinen gesamten Lebensträumen verabschieden.

    • fancy82
    • 02. Dezember 2012 11:08 Uhr

    ...dass das Kinderkriegen nicht die Entscheidung einer Einzelperson ist und dazu mindestens zwei Menschen gehören?

    Ich selbst wollte auch schon mit Mitte 20 Kinder haben, meiner Ansicht nach hätte sich schon ein Weg gefunden, das Kind mit wenig Geld, dafür aber viel Liebe und Zuwendung großzuziehen.

    Aber wenn man nun mal mit Partnern zusammen ist, die dies zu diesem Zeitpunkt nicht wollen, dann kann mna nichts machen. Jemandem einfach ein Kind unterzujubeln in dem man die Pille heimlich weglässt, ist ja nun schließlich auch unterste Schublade und ziemlich verantwortungslos dem Kind gegenüber.

    Ich wollte auch nie als Mitdreißigerin erst Kinder kriegen, und nun sieht alles danach aus, als würde, wenn überhaupt, dies erst Mitte 30 geschehen.

    Ich möchte mich aber deshalb auch nicht schuldig fühlen müssen, dass es eventuell in meinem Leben mit den Kindern nicht klappen wird, denn es liegt nun mal nicht nur an mir!
    Ein wenig Entspannung bei dem Thema würde schon gut tun.

    Man kann auch ein erfülltes Leben ohne Kinder haben, ohne sich von anderen sagen lassen zu müssen, dass mir was fehlen würde. Manchmal geht das Leben einfach eigene Wege. es gibt Dinge, auf die hat man nur wenig Einfluss. Und Dinge auf Krampf zu wollen ist bei keinem Thema gut.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wollte eben einen Kommentar schreiben, habe aber das meiste in Ihren Sätzen schon gefunden. Mir ist es nicht wichtig, dass ich meinem Kind eine Riesenvilla und immer das neuste iPhone etc. bieten kann. Was ich mir für mein Kind wünsche, ist eine festes Umfeld, Mama & Papa, die in der Lage sind, dem Kind genug Liebe und Zuversicht für seinen Weg in die Welt mitgeben zu können. Weder habe ich bisher einen Partner gefunden, mit dem ich mir ernsthaft eine Familiengründung vorstellen kann, noch habe ich nach einige Brüchen in meinem Leben das Gefühl, auch nur annähernd genug Zuversicht für mich selbst zu haben. Verantwortung bedeutet für mich auch, Kinder unter bestimmten Umständen eben NICHT in die Welt zu setzen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Alter | Ausbildung | Baby | Berg | Beziehung | Buch
Service