BBC-SkandalEin unglaubwürdiger und überforderter BBC-Chef tritt ab

George Entwistle ist gegangen, zwei News-Chefs folgten: Die BBC leistet sich im Skandal um den pädophilen Jimmy Savile weitere böse Fehler. von Matthias Thibaut

BBC-Chef George Entwistle ist nach nur 54 Tagen zurückgetreten.

BBC-Chef George Entwistle ist nach nur 54 Tagen zurückgetreten.  |  © Olivia Harris/Reuters

Nach weniger als zwei Monaten im Amt sagte BBC-Chef George Entwistle am Samstagabend: "Es war eine Ehre." Und trat zurück . Der oberste Verantwortliche für die Integrität des BBC-Journalismus war Opfer des Orkans geworden, den der Skandal um die 40 Jahre lang kaschierte Pädophilie des TV-Starmoderators Jimmy Savile aufpeitschte. Vergangene Woche erreichte der Sturm mit journalistischem Pfusch im angesehenen BBC-Spätmagazin "Newsnight" einen Höhepunkt : mit falschen Anschuldigungen, Verleumdungen und einer Hexenjagd per Twitter auf den unschuldigen, ehemaligen Tory-Politiker Alistair McAlpine, der in "Newsnight" als vermeintlicher Täter in Sachen Kindesmissbrauch ins Spiel gebracht wurde.  Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Stephen Mitchell zogen daraus die Konsequenzen und traten am Montag ebenfalls zurück.

Das letzte Stück Glaubwürdigkeit verlor Entwistle in einem Interview, das er am Samstagmorgen einem seiner eigenen Journalisten in der Frühsendung von Radio 4 gab . Statt Vertrauen zu schaffen, machte Entwistle den Eindruck eines Mannes, der an der Spitze des größten öffentlich-rechtlichen Senders der Welt mit einem Drei-Milliarden-Pfund-Haushalt am falschen Platz ist. Entwistle gab zu, dass er die Kontroverse um den McAlpine-Film verschlafen hatte.

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Als der Generaldirektor kurz nach seiner Amtsübernahme wegen der Savile-Affäre vom Unterhausmedienausschuss vernommen wurde, gab man ihm den Spottnamen "Un-neugieriger George", weil er sich für die Affäre kaum interessiert hatte.

Falsch Beschuldigter verklagt die BBC

"Ein Mann, der seine Organisation nicht im Griff hatte", so der Vorsitzende des parlamentarischen Medienausschusses, John Whittingdale, zu Entwistles Rücktritt. "Newsnight" hatte den Namen des Tory-Politikers Lord Alistair McAlpine zwar nicht genannt, dieser wurde aber per Twitter identifiziert und Objekt einer Welle von Anschuldigungen. Der BBC-Film hatte "den Tory-Politiker" als aktives Mitglied eines Pädophilenrings beschrieben, der in den siebziger Jahren in Nordwales aktiv war. Eine richterliche Untersuchung 15 Jahre später habe alles, vor allem die Beteiligung des Torys, vertuscht. Im Unterhaus wurde die Stimmung von einem Labour-Abgeordneten aufgepeitscht, der von einem "Pädophilenring mit Verbindung zu Nummer 10 Downing Street" sprach. Die Regierung musste neue Ermittlungen anordnen.

Dann brach das Kartenhaus zusammen. Der Guardian hatte herausgefunden , dass die Sache eine alte Kamelle und Lord McAlpine Opfer einer Personenverwechslung war. Die Hauptquelle des Filmes, Missbrauchsopfer Steve Messham, entschuldigte sich . Die BBC hatte ihrem Kronzeugen nicht einmal durch ein Foto des Bezichtigten auf den Zahn gefühlt. Auch bei McAlpine nachzufragen hielt man nicht für nötig. McAlpine sagt, er habe keine Wahl, als die BBC zu verklagen.

Leserkommentare
  1. wie die Bereinigung beim BBC, Hut ab.

    Ich erinnere mich persönlich an viele journalistische Meisterleistungen im Radio und TV .

  2. Ich wollte eigentlich nur kurz anmerken, daß am Ende des ersten Absatzes ein t vor raten fehlt.

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    Redaktion

    Oh Schreck, das haben wir soeben korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis

  3. Redaktion

    Oh Schreck, das haben wir soeben korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis

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    ... "Der konservative Parlamentsabgeordnete Philip Davies forderte des Rundfunkrats-Chefs." ist auch nicht ganz vollständig, oder?

    • luyken
    • 12. November 2012 14:56 Uhr

    "Vor zwei Monaten kam die BBC unter Beschuss, weil sie ein "Newsnight"-Exposé des pädophilen Moderators Jimmy Savile auf Eis legte."

    Sollte das nicht heißen: Des der Pädophilie beschuldigten Moderators...

    Sonst gerät man schnell auf die MacAlpine-Schiene der BBC!

    2 Leserempfehlungen
  4. ... "Der konservative Parlamentsabgeordnete Philip Davies forderte des Rundfunkrats-Chefs." ist auch nicht ganz vollständig, oder?

    Antwort auf "raten -> traten"
  5. haben die den Anstand das Mindeste zu tun und zurueckzutreten.

    So lief das auch einmal hier bei uns. Das Haus brennt, der Chef uebernimmt die Verantwortung und tritt zurueck. Schon einmal davon gehoert Herr Friedrichs? Oder muessen seine Staatssekretaere erst einmal einen 12-jaehrigen Jungen falsch anfassen, damit Herr Friedrichs sich fuer die Taten seiner Angestellten und die Arbeit seines Ministeriums verantwortlich fuehlt?

    Hut ab vor diesem Mindestmass and "british correctness".

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  • Schlagworte Chris Patten | BBC | Rupert Murdoch | Orkan | Twitter
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