Streitkultur : Streitet euch!
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 Ohne Streit gibt es keinen Fortschritt

Wenn wir uns aber dazu durchringen, eine Meinung zu vertreten, können wir oft nicht erkennen, wer Verbündeter und wer Gegner ist. Der schöne Spruch von Rosa Luxemburg , man möge als eigene Freiheit immer die des Andersdenkenden erkennen, wird zum Problem, wenn wirklich jeder andere immer wieder anders denkt: Karrieremänner, die für die Frauenquote werben; Einwanderungsbefürworter, die die europäische Einigung fürchten; Vegetarier, die Auslandseinsätze der Bundeswehr verteidigen; Fußballfans, die Opern lieben; Kuscheleltern, die auf beinharte Lehrer stehen.

Die Fronten sind verwischt, der vermeintlich Gleichgesinnte an meiner Seite kann mir schon Augenblicke später in den Rücken fallen. Weil wir das nicht riskieren wollen, lassen wir das Streiten lieber sein und akzeptieren unvereinbare Meinungen als mögliche Wahrheiten.

Karsten Polke-Majewski

Karsten Polke-Majewski ist Leiter Investigativ/Daten von ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Doch wenn wir nicht mehr streiten, gefährden wir die Grundlagen unseres Zusammenlebens. Denn ohne Streit, sagte Ralf Dahrendorf , gibt es keinen Fortschritt. Nur wenn wir unsere Argumente aneinander schärfen, können sich Freiheit und Demokratie  weiterentwickeln.

Warum streiten?

Was also braucht ein guter Streit? Kritische Geister, die die Verhältnisse, in denen wir leben, nicht als fertig akzeptieren. Darüber hinaus eine Idee, die weiter reicht als der persönliche Nutzen des Streiters. Respekt für den Gegner und den Mut, starke Gefühle auszusprechen. Auch Spott und Polemik, weil sie uns dazu herausfordern, unsere Rede zu präzisieren.

Solcherart Streit deckt Fehler und Unvollkommenheiten auf. Zugleich zeigt er den Streitenden, was richtig bleibt, welche Möglichkeiten sich eröffnen und welche Ziele es sich anzustreben lohnt. Er festigt Beziehungen und schafft Identität.

Nicht immer aber löst sich Streit in Verständnis auf. Manchmal müssen Streiter auch anerkennen, dass ihre Ideale nicht zu versöhnen sind. Trotzdem kann dieser Streit produktiv sein, wenn die Streiter lernen, die Haltung des anderen zu akzeptieren, selbst wenn sie sie falsch finden. Das wäre dann echte Toleranz.

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Kommentare

168 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

@book.wormser und @BeuteBadener

Falls Sie mit "unliebsame Beiträge" jene Kommentare meinen, die gegen unsere Netiquette verstoßen, dann haben Sie Recht. Die kürzt oder entfernt unser Moderationsteam, damit die Diskussion (gerne auch mal der Streit) konstruktiv verläuft und niemand beleidigt wird. Ansonsten sind kontroverse Meinungen und ein breites Meinungsspektrum bei uns immer willkommen.

Mit Satire und Polemik ist das in den Kommentaren übrigens immer so eine Sache: Solange die Satire klar herauszulesen ist und die Polemik niemanden verletzt etc. ist alles gut. Manchmal gehen Satire und Polemik aber schief. Falls Sie meinen, dass das Moderationsteam zu unrecht eingegriffen hat, schicken Sie uns bitte eine E-Mail an community@zeit.de.

So, und nun zurück zum eigentlichen Thema dieser Debatte: Müssen wir wieder mehr streiten?

Grüße aus der Redaktion
Sebastian Horn

Für mehr Polemik

>>Schöner Beitrag. Nur bitte an die eigene Nase fassen. Ich kenne kaum ein Online-Medium, auf dem mehr unliebsame Beiträge gelöscht werden wie auf ZON. Wobei zur Streit-"Kultur" auch mal eine Satire oder geistreiche Polemik gehört, liebe Redaktion.<<

Was daran liegt, daß es in journalistischen Kreisen wohl heute nicht mehr üblich ist, Polemik zu benutzen. Scharfe Kommentare oder gar brutale Wortwahl? Fehlanzeige, man könnte ja jemanden beleidigen oder in seinen ach-so-zarten Gefühlswelten verletzen. Wär ich Chefredakteur, wären mir die 28 jährlichen Klagen von irgendwelchen beleidigten Leberwürsten aus dem öffentlichen Leben gerade recht, Hauptsache, es rauscht im digitalen Blätterwald! Auch auf die Gefahr hin, daß hier und da mal einem das Ohr abfällt.
Manche Dinge sind nicht dazu gedacht, mit dem Samthandschuh des vorauseilenden Gehorsams gefiltert wzu werden. Was aber gerade in Online-Medien ständig geschieht.

Üblicherweise dient Polemik stilistisch dazu, die Gegenseite (es gibt immer eine Gegenseite) zu einer Antwort zu provozieren. Möglicherweise eine Antwort, die gebrüllt wird und in der eben diese Gegenseite einem wieder wunderschöne Ansatzpunkte bietet, um ihren Standpunkt gnadenlos zu schlachten - blutig, gemein und brutal, aber literarisch. Wenn man schon streitet, muß es auch donnern!
Und wenn Sprache eine Waffe ist (http://www.zeit.de/2012/2...) wär es schön, wenn Journalisten sich daran auch mal wieder erinnern. Einer muß halt auch mal abdrücken ;-)

Satire

Sebastian Horn: "Mit Satire und Polemik ist das in den Kommentaren übrigens immer so eine Sache: Solange die Satire herauszulesen ist und die Polemik niemanden verletzt etc. ist alles gut."
Sie haben Recht (ich bleib mal bei der Satire), mit satirischen Kommentaren ist das so eine Sache. Nutze diese Darstellungsform selbst ganz gerne, weil sie hier und da einfach besser passt, um eine Sache auf den Punkt zu bringen. Nur das "Herauslesen" ist ja Sache z.B. des Zensors. Nur, wenn dieser die Satire nicht versteht, was dann? Und in einem Beipackzettel die Satire als solches kenntlich zu machen und zu erklären, kann man widerum auch nicht, denn dann ist es keine Satire mehr.

Man darf wohl auch zu recht von der Moderation erwarten,

dass sie politisch Farbe bekennt.

Immer wieder wird -offener oder verklausulierter- rechter Hetze gefühlte zehnmal mehr Zustimmung zuteil, als die Stimmen erhalten, die sich unmissverständlich (und unter Spott und Hähme der versammelten Rassisten und Fremdenfeinde) auf die Seite von Verfolgten und zu Unrecht Angegriffenen stellen. Es ist einfach so, dass die rechte Hetze als vermeintliche Meinungsäußerung unbehelligt bleibt und die wenigen Gegenstimmen wohl als nicht gern gesehene Störung des Forum-Friedens empfunden werden -

auf den ich persönlich im Interesse von Bürgerpflichten und Zivilcourage gerne pfeife.

Hallo book.wormser

Ich kenne kaum ein Online-Medium, auf dem mehr unliebsame Beiträge gelöscht werden wie auf ZON.

Auf die "Gefahr" hin als Anbiederer verlacht zu werden:
Mir geht es genau umgekehrt.

Wäre es nicht interessant, gleichten wir mal unsere Erfahrungen ab; unter Auflösung der Begrifflichkeit "kenne kaum ein" ?

Ich kenne keine kommentarfreundlichere Platform, was nicht bedeutet, dass nicht auch "Fehleingriffe" wahrzunehmen sind.
Menschlich, oder?

Sehe ich anders

Ich finde die Polemik, die hier gelöscht wird in den seltensten Fällen geistreich. Und erstaunlich ist auch: Ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass jemand, der in seinem Kommentar gegen die Nettiquette verstoßen hat, das hinterher einräumt. Fehler machen offenbar immer nur die anderen - und dann auch noch mit böser Absicht. Zu einem Streit gehört immer auch, dass man die Möglichkeit akzeptiert, der andere habe Recht. Diese Einsicht scheint aber in unserer Gesellschaft - und gerade im Internet (weniger hier, mehr bei Twitter und co. - rarer zu werden.

Sorry Herr Horn,...

...aber wenn ich Satire erst als Satire kennzeichnen muss, ist es keine Satire mehr, sondern eine Peinlichkeit!

Mehr Streit?
Aber bitte nicht öffentlich, richten Sie Kritik an...

Nee nee, so funktioniert das aber nicht.

Ich schreibe hier unter meinem mittlerweile 5. Account, und nach dem dritten Versuch habe ich es aufgegeben, die bekannte Mailadresse anzuschreiben.
Warum? Die Worthülsen, die ich als Antwort bekam hatten Merkelsches Format!

Kein einziges Mal habe ich eine Begründung gehört, warum mein Account gesperrt wurde.

Dann macht man sich halt selbst Gedanken, was man "falsch" gemacht hat...

Darf ich mich hier öffentlich mit Ihnen darüber streiten...???

Noch nicht erlebt?

@ napf90: "Und erstaunlich ist auch: Ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass jemand, der in seinem Kommentar gegen die Nettiquette verstoßen hat, das hinterher einräumt."

Ist auch wahrscheinlich schwierig zu erleben, weil die Einräumung oder Entschuldigung ebenfalls gelöscht wird, z.B. mit diesem Hinweis: "Entfernt. Der Kommentarbereich ist der Diskussion des konkreten Artikelthemas vorbehalten. Anmerkungen zur Moderation richten Sie gerne ..."

Der Sarrazin...

(an den mußte ich beim Lesen dieses Artikels denken) ...der schreibt genau so, wie Sie es sich hier herbeiwünschen!

Streitkultur nach britischem Format - polemisch, nicht zimperlich und anschaulich. (Man erinnere sich, was Deutsche sich in der britischen Presse der 80er und 90er Jahre gefallen lassen mußten!)

Aber was habt Ihr, liebe ZO, Sarrazin genau dafür geschnitten!

Richtig - Ihr habt nicht wortgewaltig gegenargumentiert, zurückpolemisiert, sondern versucht, ihn zur Igittigitt-Unperson zu diskreditieren, zu schneiden, wie einen Aussätzigen auszugrenzen, wegzuwischen, abzutun. Ihr seid nicht auf das eingegangen, was er schreibt, sondern habt irgendwelche niederen Absichten unterstellt, um sich dann über genau die Absichten zu empören, die man gerade selbst unterstellt hat!

Da hätte ich mir etwas ehrlichere Streitkultur gewünscht.

Ich teile diese Ansicht nicht, ...

... im Vergleich zu Foren anderer bekannter Zeitungen gefällt mir die Moderation hier recht gut. Und den Eindruck, dass besonders viel gelöscht wird, habe ich auch nicht. Kompletter geistiger Dünnpf*ff, Esoterisches und persönliche Angriffe, so etwas wird oft gestrichen, und ich begrüße das, im Sinne einer konstruktiven Diskussion.

Und wie so oft, ist es nicht schwarz oder weiss: Bei politisch kontroversen Themen, wie z.B. dem Syrienkrieg, nehme ich eine größere Toleranz der Moderation den Meinungen gegenüber wahr, die auf der Linie eines redaktionellen Beitrags liegen. Auch wenn diese Meinungen haarsträubend unsachlich sind.

Sie machen es sich hier zu einfach, Herr Horn!

Mit dem Hinweis auf Ihre Netiquette können Sie zwar jede Löschung/Kürzung rechtfertigen,
doch ich kann Ihnen versichern, daß ich in den letzten vier Jahren hier auf ZON schon viele - inhatlich nicht zu beanstandene - Kommentare habe verschwinden sehen; ebenso
auch recht brilliant Diskutaten.
Dies lag offensichtlich an einer Diskrepanz zwischen den soziopolitischen Sichtweisen von Kommentator und Moderator.
Namen braucht man da nicht zu nennen.
keine Frage, esist das gute Recht jeder Zeitung Veröffentlichungen nach eigenem Gusto zu moderieren.
Aber behaupten Sie bitte nicht, dies geschehe immer anhand sachlicher Kriterien.
In dem Zusammenhang:http://medienwoche.ch/201...

Nachtrag:

Der Verantwortliche Redakteur der Sezession wurde übrigens von der Bundeswehr aufgrund von "rechtsextremistischen Bestrebungen" von einer Wehrübung ausgeschlossen. Sezessionsredakteur Wolfgang Dvorak-Stocker ist u. a. Herausgeber der Zeitschrift Neue Ordnung, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingeschätzt wird. Insofern hat die Zeit jedes Recht, Postings mit Verlinkungen zu im Kern rechtsextremen Publikationen zu löschen.

Das ist nicht ganz richtig

Sehr geehrte MaryPoppinsky, Sie erwähnen einen Redakteur der (Papier)Zeitschrift Sezession, den man nicht kennen muß. Ich kenne ihn nicht.
Der Casus, den ich zitierte (in Beitrag 124 zur Frage der Diskussionsbreite in der Streitkultur von ZEIT-Online) war ein publizistischer Beitrag von Martin Lichtmesz, dem ich übrigens nicht das Wapperl "rechtsextrem" anhängen würde.
In Fragen der Meinungsfreiheit scheinen Sie keine so liberale Haltung einzunehmen wie ich. Ich verweise Sie auf das Wort der Kommunistin "Rosa Luxemburg": Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden".
Wir sollten weder Kommunisten, wie das jahrzehntelang gemacht wurde, ausgrenzen, noch Meinungsträger, die unserer vorherrschenden linksliberalen Meinung nicht entsprechen. Entscheidend ist, ob sie etwas zu sagen haben, was eine Diskussion belebt und erweitert.
Der Beitrag von M. Lichtmesz, den der Forist zitierte, hatte Substantielles zu den Unruhen in London beizutragen: so etwas läßt sich nicht abtun, indem man Mißliebiges als "rechtsextrem" stigmatisiert.
Ich empfehle Ihnen einen Auszug aus Noam Chomsky "Media Control", einen radikalliberalen Autor, der sich für radikale Meinungsfreiheit einsetzt. Außerdem ist Das Argument John Stuart Mills zu bedenken, der meinte, es setze Unfehlbarkeit voraus, eine andere Meinung von vornherein zu ächten. (J.St.Mill: Über die Freiheit. 1859)

Bei dem Onlineportal handelt es sich

um den Internetableger derselben Zeitschrift, deren Verantwortlicher Redakteur Götz Kubitschek ist, über den ich schrieb, dessen Institut für Staatspolitik Sommerakademien NPD-Beteiligung abhält. Überdies ist es Zweierlei, ob man für Netzsperren plädiert, was ich nicht tue, oder ob man für die Entfernung von Links auf rechtsradikale Online-Portale ist. Da durch Verlinkung immer die Klickraten einer Site gesteigert werden und durch bloße Link-Setzung unterschwellig für Online-Portale Werbung gemacht wird, gibt es Grenzen. Zeit online hat sozusagen ein 'Hausrecht' im Bezug auf sein Webangebot, was bedeuten kann, dass eine Verlinkung auf Neonazi-Communityseiten, NPD- und andere Homepages etc. pp. ausgeschlossen wird. Die Freiheit ist eben auch die Freiheit der im Bezug auf schrankenlose Verlinkung Andersdenkenden. Oder wie würden Sie es finden, wenn man auf Pädophilenwebsites - sagen wir mal ohne strafrechtlich relevante Inhalte, sondern nur mit Textbeiträgen - verlinken würde? Das Internet ist frei, aber Contenanbieter wie die Zeit haben auch die Freiheit auf ihren eigenen Seiten Kommentarregeln zu setzen, Verlinkungen zu löschen etc. Demgegenüber sind Kommentarschreiber wie Sie und ich Gäste.

Zu Chomsky nur dies: Er ist sicher ein bedeutender Linguist und Intellektueller, aber mithin driften einige seiner Auffassungen ins Verschwörungstheoretische ab.

P.S.: Mills 'Argument' ist blödsinnig, wenn es um menschenverachtende Standpunkte geht. ...

@book.wormser

Ich muss an dieser Stelle mal sagen, dass auch meine Beiträge häufig gekürzt oder gelöscht wurden. Mittlerweile ärgert mich das nicht, weil ich darin keinen persönlichen Angriff mehr sehe.

Aber vor allem auch aufgrund der Tatsache, dass ich mir die Kommentare auf welt.de durchgelesen habe. Da muss ich zugeben - ein bisschen mutige Moderation tut einem Online-Format ganz gut.

Auf die Dauer lernt man dazu, welche Art von Moderation einem Streit hilfreich ist und welche eine gewisse Einseitigkeit und Meinung-"Verunöffentlichung" provoziert.

Vor der Tatsache, dass Demokratie von Streit lebt und ohne Streit untergeht, kommt noch die Tatsache, dass man mit Menschen reden muss. Nichts ist schlimmer und - mal ganz nüchtern-neurophysiologisch gesprochen - für das Gehirn schädlicher, als in einem Gespräch abgeblockt und ignoriert zu werden. Menschen, mit denen man nicht mehr redet wie mit Erwachsenen, sterben am Gehirn, am Herzen, auch an der Seele.

- Und diesen drei Dingen lebt alle Demokratie ebenso, wie ich doch meine.

Ich kann nur empfehlen

Sehr geehrte MaryPoppinsky, entgegen Ihrer martialischen Rhetorik kann ich den Leserinnen und Lesern nur empfehlen, das von Ihnen inkriminierte Onlineportal, das ich offensichtlich nicht nennen darf, sich mal anzusehen, ob sie es für "rechtsradikal" halten.
Aber: ich darf die Plattform nicht nennen, Sie verkünden das Verdammungsurteil über die Plattform.
Wie Reinhard Müller in der FAZ zu Recht schrieb: "Doch generell ist die Stigmatisierung als "rechts" hierzulande ein vernichtendes Urteil; sie stellt den denkbar wirksamsten Pranger dar - viele setzen dieses Wort mit Rechtsextremismus und neuerdings auch mit Rechtsterrorismus gleich. " http://www.faz.net/aktuel...
Aber das ist falsch, denn es gibt genauso undemokratische Linksextreme wie undemokratische Rechtsextreme, und es gibt Demokraten, die linksorientiert sind und Demokraten, die rechtsorientiert sind. Also bitte keine Vermischung.
Inhalte sind meines Erachtens entscheidend, nicht ein stigmatisierendes Wapperl drauf kleben.
Ich würde ja die Plattform gerne nennen, aber mein Beitrag 124 wurde gelöscht.
Streitkultur ?
Was meinen Sie, Herr Polke-Majewski ?

Keinen Schwachsinn vorwerfen

Sehr geehrte MaryPoppinsky, Sie sollten dem großen John Stuart Mill keinen SChwachsinn vorwerfen. Ich vermute, Sie haben seine SChrift nciht gelesen. Vor Jahren habe ich sie mit Studenten durchgenommen, und ich denke, es ist gelungen, seine Argumentation dabei herauszuarbeiten.
Wenn Sie bedenken, wieviele Wendungen allein die politischen Kräfte in den letzten 40 Jahren genommen haben, wenn Sie lesen, daß F. Schirrmacher letztes Jahr schrieb, die Linke habe vielleicht recht, dann überlegen Sie doch mal, ob Sie ex cathedra bestimmen können, was heute legitim ist zu denken oder nicht. Das tun Sie nämlich mit Ihrem Votum, indem Sie die Andersdenkenden in die rechtsradikale Ecke stellen.
Da war John Stuart Mill schon weiter, der erkannte, daß es Meinungen gab, wie z.B. die des Kommunisten Karl Marx, die man nicht unbedingt von vornherein verdammen sollte, weil man eben wegen der Unzulänglichkeit der menschlichen Vernunft nicht sicher wissen konnte, ob nicht doch an den un-konventionellen Theorien von K. Marx was dran ist.
Wenn Sie noch bedenken, wie jeder vor 25 Jahren noch ausgelacht wurde, wenn er sich auf Marx berief, dann sollten Sie mal auch in die andere Richtung denken: Liberalität ist keine Einbahnstraße.

Mein zweiter Literaturtipp für K. Polke-Majewski

Sehr geehrter xpeten, Sie schreiben: " Sarrazin streitet nicht,

er hetzt. Das ist ein wesentlicher Unterschied."
Sie haben zweimal Th. Sarrazin einen Hetzer genannt, und ebenso MaryPoppinsky.
Meine radikalliberale Position ist: ich würde nie etwas kürzen oder löschen.
Aber: Bei dem Artikel zu den Asylantragstellern am Brandenburger Tor hieß es: "Vermeiden Sie Meinungen, die als fremdenfeindlich GEDEUTET werden können."
Zu diesem zweierlei Maß hat John Stuart Mill schon Vernünftiges geschrieben:
"Hinsichtlich dessen, was gewöhnlich mit "hemmungsloser Diskussion" gemeint wird, nämlich Invektiven, Sarkasmus, persönliche Argumente und dergleichen, würde die Anprangerung dieser Waffen mehr Sympathie verdienen, wenn nur je vorgeschlagen würde, sie beiden Seiten gleichermaßen zu verbieten. Aber man wünscht nur, ihre Anwendung gegen die vorherrschende Meinung zu unterbinden: gegen die nichtvorherrschende dürfen sie nicht nur ohne allgemeine Mißbilligung gebraucht werden, sondern bringen dem, der sich ihrer bedient, wahrscheinlich das Lob ehrenhaften Eifers und gerechter Entrüstung ein."
J.St. Mill: Über die Freiheit. Frankfurt 1969, S. 65f
Daher mein zweiter Literaturtip.
Sehr geehrte Herr K.Polke-Majewski, bitte lesen Sie:
John Stuart Mill: Über die Freiheit. Frankfurt 1969 (Reclam 978-3-15-018536-0 ).

Um Ihre ebenso knappe wie unbegründete Äußerung

"Meine radikalliberale Position ist: ich würde nie etwas kürzen oder löschen." mal zur Kenntlichkeit zu bringen, will ich dies mal 'übersetzen'. Das heißt dann nämlich faktisch: 'Ich befürworte ausdrücklich, dass NPD- und Neonaziseiten, Seiten von Holocaustleugnern, Sites, auf denen die Pädophilie oder der Völkermord gepriesen wird, auf Zeit online nach Belieben verlinkt werden können!' Warum Sie meine Frage nach dem 'Hausrecht' unbeantwortet gelassen, kann ich mir denken. Für Radikalliberale oder Anarcholibertäre ist ja die sog. Self-Ownership auch auf Privateigentum ausgedehnt, was dann natürlich eigentlich auch für die Eigentümer der Domain zeit.de gelten müsste.
Was nun kriminalistische Ermittlungen mit dem Thema zu tun haben sollen, bleibt schleierhaft.

P.S.: Mit dem Vorwurf, ich würde gewissermaßen 'Tribunalisieren', zeigen Sie zwar Sinn für Eristik, aber nicht für Argumentation. Gleiches gilt für Ihre anderen Abschweifungen.

Gegenargumente

- zumal stichhaltige - habe ich aus Ihrem Ausweichen jetzt beim besten Willen nicht herauslesen können. Und da wir grade beim Thema sind: Ich bin nicht der Auffassung von Polke-Majewski, dass man sich für den Gegner interessieren sollte, sondern allenfalls für die Qualität seiner Argumente, die mir auf Ihrer Seite so wenig gegeben scheint, dass Sie mir eine "hermetische , sich selbst immunisierende [was immer das sein soll] Argumentationsweise" vorwerfen müssen. Dass alles gesagt werden darf, finde ich o.k., nur eben nicht überall. Dass alles erlaubt ist, ist anarchistischer Bullsh*t.

Gratwanderung

Harmoniesucht kann sich bis zum Zusammenbruch steigern, andauernde Streitlust genauso. Das Paradoxe ist, dass das Streitbedürfnis oft auf Nebenkriegsschauplätzen ausgelebt wird, während man bei den echten Problemen gern auf einem sicheren Standpunkt verharrt.
Gegen ungeliebte Bahnhofsprojekte wird fleißig demonstriert, aber nicht gegen die galoppierende Staatsverschuldung oder katastrophale Arbeitsbedingungen. Darüber redet man lieber hinter vorgehaltener Hand, aus Angst vor Konsequenzen.
In Sachen Arbeitsbedingungen, zum Beispiel, würde es sicher auch viel helfen, wenn mehr Leute gelegentlich eine kleine, sachliche Auseinandersetzung riskieren würden, wenn es wirklich zu weit geht. Das hilft am Ende allen.

Zu Gratwanderung

Sehr geehrte(r) strixaluco,

Wir arbeiten daran, Ihre Gedanken in dieser Themenwoche auszuführen. Wir werden uns jedenfalls in mehreren Artikeln mit Fragen beschäftigen wie: Kann und sollte man mit seinem Chef streiten? Warum setzen so viele Unternehmen auf eine merkwürdig künstliche Wohlfühl-Atmosphäre? Warum wird im Bundestag im Vergleich zu früher heute so leise gestritten? Und auch: Was bringen eigentlich Wutbürger-Proteste?

Freundliche Grüße
Karsten Polke-Majewski

Es wundert mich nicht, dass die Streitereien...

..und Diskussionen in unserer Gesellschaft abgenommen haben. Nachdem wir jahrelang nach amerikanischen Vorbild mit Blendung, mehr Schein als Sein und Entertainment (zur Verblödung) zu Duckmäusern erzogen worden sind, kann man nicht plötzlich feststellen, dass unsere Bevölkerung nicht mehr fähig ist über Themen zu diskutieren.

Sowohl in meinem Bekannten- als auch Verwandtenkreis gibt es kaum noch Leute, mit denen ich über gewisse Themen anständig diskutieren kann. Entweder wird der Diskussion aus dem Weg gegangen oder ich werde sofort als schlecht gelaunt tituliert oder die Leute haben keine Ahnung und plappern alles nach oder gehen auf die Beziehungsebene über.
Schrecklich, dabei diskutiere ich sehr gerne. Aber wer hat schon noch Lust und die Fähigkeiten dafür?!

@Gephard

Über Politik, Wirtschaft, Physik und Literatur möchte ich diskutieren. Aber in meinem Bekannten- und Familienkreis lesen viele überhaupt nichts.-Weder Bücher noch die Zeit.
Ich schaue mir gerne die Talkshows von G. Jauch, A. Will und Maischberger an, aber finde selten jemanden, der das auch guckt und mit mir darüber diskutiert. Gerade die Themen Betreuungsgeld, Arbeitsmarkt, Immobilienblase, BGE, Wohlstand vs. Armut, Eurokrise, Bildungssystem, Kinderbetreuung, Verhalten zwischen Männern und Frauen etc. Also da gibt es sehr viele Sachen über die ich diskutieren und andere Ansichten dazu hören möchte. Aber wenn sich die Leute nicht damit beschäftigen, können sie nicht viel dazu sagen oder haben keine Argumente. Und so machen Diskussionen leider keinen Spass.