StreitkulturStreitet euch!

Wir müssen dringend wieder streiten. Denn ohne Konflikte gehen unsere Beziehungen kaputt, unsere Identität – und am Ende unsere Demokratie.

Streiten ist erlaubt - auch laut und heftig

Streiten ist erlaubt - auch laut und heftig

Anschreien geht immer. Möglichst so laut, dass der Gegner nach Luft schnappt. Kinder können das in Perfektion, viele Talkshow-Politiker ebenfalls und mancher Chef. Dann abhauen, wer’s theatralisch mag mit Türenknallen. Schließlich haben wir Angst vor dem Streiten. Als richtig gilt, Streit zu vermeiden. Und so merken wir gar nicht, wie gerade eine unserer wichtigsten Kulturtechniken flöten geht.

Endlich richtig streiten - die Themenwoche

Wir müssen dringend wieder streiten – auch laut und heftig. Denn ohne solche Konflikte gehen gehen unsere Beziehungen kaputt, unsere Identität – und am Ende unsere Demokratie. ZEIT ONLINE will in einer Themenwoche zeigen, wie man sich konstruktiv und erfolgreich auseinandersetzen kann: in der Partnerschaft und der Familie, am Arbeitsplatz und in der Schule, unter Bürgern und im Bundestag, sogar im Internet und in der Religion.

Die Folgen der Serie

Streitkultur: Streitet euch! Ein Essay

Sexualität: Streiten öffnet das Herz und andere Teile der Anatomie

Familie: Wenn Eltern "Ich will" sagen

Schule: Ohne Streit kein Unterricht

Internet: Ist das Netz ein Streitbeschleuniger? Eine Leserdebatte

Arbeit: Lass uns streiten, Chef

Unternehmen: Die Wohlfühl-Lüge

Politik: Geistige Terroristen sind ausgestorben

Wutbürger: Wir lassen Euch nie mehr in Ruhe

Religion: Elefanten-Gott trifft Lamm

Was für ein Quatsch, wird nicht ständig gestritten? Laut geht es fast immer zu. Doch das beweist lediglich, dass uns die Rüpel noch nicht ausgegangen sind. Auf echten Streit lässt sich dagegen kaum mehr jemand ein. Und das schadet unseren Beziehungen; zum Partner, zum Nachbarn, zum Kollegen. Am Ende leidet sogar die Demokratie.

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Denn wer nicht streitet, will nichts vom Leben. Und wer ständig Toleranz und Sachlichkeit fordert, ist in Wahrheit bloß zu faul zum Denken und vergisst, dass Toleranz oft erst aus Streit entstehen kann. Deshalb wird es Zeit, Schluss zu machen mit dem ausgleichenden Selbstbetrug. Streiten ist erlaubt. Fasst Mut und tut es endlich wieder!

Um es gleich klarzustellen, alles Folgende ist kein echter Streit: bloßes Moralisieren, weil es unzugänglich ist für andere Argumente; zynisches Daherreden oder der bloße Austausch von Beleidigungen, weil sich beides respektlos über das Gegenüber erhebt; auch die Lust daran, den anderen zu entmenschlichen; schließlich inhaltsleerer Kampf um Sieg oder Niederlage, im schlimmsten Fall mit dem Ziel, den Gegner zu vernichten.

Streiten ist schwierig geworden

Gute Streiter interessieren sich für ihre Gegner und nehmen sie ernst. Sie wollen ihre Wünsche und Weltverbesserungsideen in der Auseinandersetzung entfalten, Sinn suchen und stiften, Zukunft gestalten.

Das ist nicht einfach. Schließlich leben wir in der freiesten Gesellschaft, die Deutschland jemals kannte. Alles ist erlaubt, alles darf gesagt werden. In einer Welt, in der es keine großen Verbote und Tabus mehr gibt, scheint nichts mehr übrig zu sein, über das man sich noch auseinandersetzen müsste.

Zweitens steckt uns noch das vergangene Jahrhundert der Propaganda in den Knochen: Jede Überzeugung, mit dem kleinsten Anschein von Selbstherrlichkeit vorgetragen, ist uns verdächtig. Jedes mit dem feinsten Hauch polemischer Verve versehene Argument desavouiert sich selbst.

Zum Dritten hat die Freiheit eine dunkle Kehrseite: Der Einzelne ist auf sich selbst zurückgeworfen, er muss das eigene Schicksal selbstbestimmt meistern. Jede Position, die wir in einem Streit vertreten, müssen wir aus uns selbst heraus begründen. Das trauen wir uns oft nicht – und ducken uns lieber weg.

Leserkommentare
  1. Sehr geehrter Eintrag,
    wieso ist das denn ein Widerspruch ?
    Wir haben es hier mit einer außer-ordentlichen Situation zu tun, wie sie ab und zu bei ZEIT-Online vorkommt.
    Als neulich bei dem Artikel über den Protest von Asylantragstellern am Brandenburgertor "Humanist" aufgefordert wurde, Äußerungen zu unterlassen:
    "Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Äußerungen, die als fremdenfeindlich wahrgenommen werden können. Danke, die Redaktion", (http://www.zeit.de/politi...)
    da schrieb Karolachristiane: "• karolachristiane
    • 30.10.2012 um 13:10 Uhr
    121. Für Ihre Polemik
    müssen Sie sich nicht entschuldigen, @Humanist - einige andere hier wegen ihrer schlichten Blauäugigkeit schon eher.
    Die ZEIT-Redakteurin Mariam Lau schreibt in der ZEIT vom 25.10.in ihrem Leitartikel zum Thema "Asylbewerber" u.a. das hier:
    "Aber die Bereitschaft, den politisch
    Verfolgten großzügig Asyl zu gewähren, hängt
    auch davon ab, ob wir Missbrauch verhindern
    und ob diejenigen, die hier bereits Hilfe gefunden haben, unsere Aufnahmebereitschaft zu
    schätzen wissen.
    Deshalb ist nichts ärgerlicher als der Tonfall
    bei den jüngsten Protesten gegen die Residenzpflicht, die es Asylbewerbern und Flüchtlingen verbietet, eine bestimmte Region zu verlassen." http://www.zeit.de/2012/4...
    M.Lau war der Schutzschirm, die Zensur trotzdem die Realität.

    3 Leserempfehlungen
    • P229
    • 19.11.2012 um 23:13 Uhr

    Mit dem Hinweis auf Ihre Netiquette können Sie zwar jede Löschung/Kürzung rechtfertigen,
    doch ich kann Ihnen versichern, daß ich in den letzten vier Jahren hier auf ZON schon viele - inhatlich nicht zu beanstandene - Kommentare habe verschwinden sehen; ebenso
    auch recht brilliant Diskutaten.
    Dies lag offensichtlich an einer Diskrepanz zwischen den soziopolitischen Sichtweisen von Kommentator und Moderator.
    Namen braucht man da nicht zu nennen.
    keine Frage, esist das gute Recht jeder Zeitung Veröffentlichungen nach eigenem Gusto zu moderieren.
    Aber behaupten Sie bitte nicht, dies geschehe immer anhand sachlicher Kriterien.
    In dem Zusammenhang:http://medienwoche.ch/2012/10/29/mein-schatz-hats-gruen-so-gern/

    3 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

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  2. Habe ich bereits getan. Wer mir jetzt ein paar Kekse mit Zündschnur schicken will, für den hab ich´s noch genauer:

    Thomas Lehmann
    Judengasse 28
    67547 Worms

    Ich finde aber, dass man niemanden dazu nötigen sollte, sich mit Klarnamen oder gar Adresse zu outen. Eigentlich vertrete ich sogar das Gegenteil: Die Anonymität ermutigt viele dazu, ihre Meinung offen zu sagen, die sich sonst nicht trauen. Wofür es auch viele gute Gründe geben kann (z.B. berufliche). Diese Meinungen sind mir wichtig, egal aus welcher Richtung sie kommen.

    Was das Profil angeht: Wäre auch schön, wenn einige Leute mehr von ihren persönlichen Interessen und Hobbies preisgeben würden (Musik, Literaturtips, etc.).

    3 Leserempfehlungen
  3. 124. [...]

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    3 Leserempfehlungen
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    hätte der Kommentator selbst wissen können.

    Der Verantwortliche Redakteur der Sezession wurde übrigens von der Bundeswehr aufgrund von "rechtsextremistischen Bestrebungen" von einer Wehrübung ausgeschlossen. Sezessionsredakteur Wolfgang Dvorak-Stocker ist u. a. Herausgeber der Zeitschrift Neue Ordnung, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingeschätzt wird. Insofern hat die Zeit jedes Recht, Postings mit Verlinkungen zu im Kern rechtsextremen Publikationen zu löschen.

    hätte der Kommentator selbst wissen können.

    Der Verantwortliche Redakteur der Sezession wurde übrigens von der Bundeswehr aufgrund von "rechtsextremistischen Bestrebungen" von einer Wehrübung ausgeschlossen. Sezessionsredakteur Wolfgang Dvorak-Stocker ist u. a. Herausgeber der Zeitschrift Neue Ordnung, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingeschätzt wird. Insofern hat die Zeit jedes Recht, Postings mit Verlinkungen zu im Kern rechtsextremen Publikationen zu löschen.

  4. hätte der Kommentator selbst wissen können.

    Antwort auf "[...]"
    • AndreD
    • 20.11.2012 um 3:11 Uhr

    ein Lied von der pausierenden Band "Wir sind Helden".
    http://rutube.ru/video/97...

    Antwort auf "Ich streite nicht"
  5. 127. Nachtrag:

    Der Verantwortliche Redakteur der Sezession wurde übrigens von der Bundeswehr aufgrund von "rechtsextremistischen Bestrebungen" von einer Wehrübung ausgeschlossen. Sezessionsredakteur Wolfgang Dvorak-Stocker ist u. a. Herausgeber der Zeitschrift Neue Ordnung, die vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingeschätzt wird. Insofern hat die Zeit jedes Recht, Postings mit Verlinkungen zu im Kern rechtsextremen Publikationen zu löschen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"
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    Sehr geehrte MaryPoppinsky, Sie erwähnen einen Redakteur der (Papier)Zeitschrift Sezession, den man nicht kennen muß. Ich kenne ihn nicht.
    Der Casus, den ich zitierte (in Beitrag 124 zur Frage der Diskussionsbreite in der Streitkultur von ZEIT-Online) war ein publizistischer Beitrag von Martin Lichtmesz, dem ich übrigens nicht das Wapperl "rechtsextrem" anhängen würde.
    In Fragen der Meinungsfreiheit scheinen Sie keine so liberale Haltung einzunehmen wie ich. Ich verweise Sie auf das Wort der Kommunistin "Rosa Luxemburg": Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden".
    Wir sollten weder Kommunisten, wie das jahrzehntelang gemacht wurde, ausgrenzen, noch Meinungsträger, die unserer vorherrschenden linksliberalen Meinung nicht entsprechen. Entscheidend ist, ob sie etwas zu sagen haben, was eine Diskussion belebt und erweitert.
    Der Beitrag von M. Lichtmesz, den der Forist zitierte, hatte Substantielles zu den Unruhen in London beizutragen: so etwas läßt sich nicht abtun, indem man Mißliebiges als "rechtsextrem" stigmatisiert.
    Ich empfehle Ihnen einen Auszug aus Noam Chomsky "Media Control", einen radikalliberalen Autor, der sich für radikale Meinungsfreiheit einsetzt. Außerdem ist Das Argument John Stuart Mills zu bedenken, der meinte, es setze Unfehlbarkeit voraus, eine andere Meinung von vornherein zu ächten. (J.St.Mill: Über die Freiheit. 1859)

    Sehr geehrte MaryPoppinsky, Sie erwähnen einen Redakteur der (Papier)Zeitschrift Sezession, den man nicht kennen muß. Ich kenne ihn nicht.
    Der Casus, den ich zitierte (in Beitrag 124 zur Frage der Diskussionsbreite in der Streitkultur von ZEIT-Online) war ein publizistischer Beitrag von Martin Lichtmesz, dem ich übrigens nicht das Wapperl "rechtsextrem" anhängen würde.
    In Fragen der Meinungsfreiheit scheinen Sie keine so liberale Haltung einzunehmen wie ich. Ich verweise Sie auf das Wort der Kommunistin "Rosa Luxemburg": Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden".
    Wir sollten weder Kommunisten, wie das jahrzehntelang gemacht wurde, ausgrenzen, noch Meinungsträger, die unserer vorherrschenden linksliberalen Meinung nicht entsprechen. Entscheidend ist, ob sie etwas zu sagen haben, was eine Diskussion belebt und erweitert.
    Der Beitrag von M. Lichtmesz, den der Forist zitierte, hatte Substantielles zu den Unruhen in London beizutragen: so etwas läßt sich nicht abtun, indem man Mißliebiges als "rechtsextrem" stigmatisiert.
    Ich empfehle Ihnen einen Auszug aus Noam Chomsky "Media Control", einen radikalliberalen Autor, der sich für radikale Meinungsfreiheit einsetzt. Außerdem ist Das Argument John Stuart Mills zu bedenken, der meinte, es setze Unfehlbarkeit voraus, eine andere Meinung von vornherein zu ächten. (J.St.Mill: Über die Freiheit. 1859)

  6. 128. [...]

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