UtopienMehr Macht den Jungen

Wie sieht die Gesellschaft aus, wenn die wenigen jungen Menschen von heute das Sagen haben? Der Publizist Wolfgang Gründinger betrachtet die Welt im Jahr 2050. von  und

"Ich bin 24 Jahre alt und gehöre damit zu einer Generation, die Sie in Ihrer Politik zu oft übersehen." So begann Wolfgang Gründinger seinen offenen Brief an Angela Merkel . 2009 war das, zu Zeiten der Großen Koalition. Seither gilt Gründinger als Sprecher der Jugend. Der Politikwissenschaftler und Autor des Buches  Aufstand der Jungen beklagt die Generationen-Ungerechtigkeit in Deutschland: Politik wird für die Alten und Etablierten gemacht, an der Jugend vorbei und oft auf ihre Kosten. Nicht nur die Rentenkassen betrifft das, nein, auch das gesamte auf Schulden aufgebaute Wirtschaftssystem.

Gründinger hofft, dass es zu einem neuen Generationenvertrag kommt, zu einem gerechten Ausgleich zwischen Jung und Alt. Wie eine solche Welt aussehen würde, beschreibt er in unserem Interview.

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Gründingers Vision ist eine Utopie. Ob und wie sie in die Realität umgesetzt werden wird, wissen wir nicht. Doch darum geht es in dieser Serie nicht. Hier wollen wir uns der Utopie an sich widmen. In loser Folge lässt  ZEIT ONLINE Wissenschaftler, Aktivisten, Unternehmer zu Wort kommen, die nicht nur eine Utopie formulieren, sondern eine Zukunft beschreiben, in der diese Utopie Realität geworden ist.

Utopien: Eine Video-Serie

Wie könnte, wie sollte unsere Gesellschaft in 40 Jahren aussehen, wenn die Utopien einer besseren Welt Wirklichkeit würden? Wissenschaftler, Unternehmer, Denker schildern ihre Utopie für die nächste Generation in einer Video-Serie.

Weitere Folgen

Harald Welzer: Eine Welt ohne Wachstum

Gesche Joost: Die Kommunikation nach der E-Mail

Götz Werner: Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

Wolfgang Gründinger: Mehr Einfluss für die junge Generation

Greta Taubert: Alles wird geteilt

Jean Ziegler: Der Aufstand des Gewissens

Hannah Fry: Mathe macht das Leben besser

Welche Utopien soll ZEIT ONLINE in dieser Serie Wirklichkeit werden lassen? Schreiben Sie uns Ihre Vorschläge als Leserkommentar. Ihre Utopie sollte nicht zu vage sein, sondern sich auf einen konkreten Gesellschaftsbereich beziehen.

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Leserkommentare
  1. Jeder "Junge" kostet die "Alten" bis zum Ende der Ausbildung inklusive subsummierter Allgemein- und Zinskosten ca. 500 000€. Danach nehmen sie Niedriglohn-Jobs an, oder verwirklichen sich schlimmstenfalls irgendwo im öffentlichen Dienst ohne jemals Wertschöpfung zu erzeugen.
    Die heutigen Jungen werden Summen im Fantastillarden-Bereich erben und jammern immer noch. Fahrt msl ein paar Tage durch Deutschland. Das haben die Alten geschaffen und werden es den Jungen hinzterlassen.

    Dagegen wollen die Jungen aufstehen ? Haha !! Verbringt mal ein paar Tage in der Dritten Welt; vielleicht wacht ihr dann auf.

  2. Gegen Erfahrung (zu oft scheint mir dies nur eine verbrämte Variation zu sein von "ich bin automatisch schlauer, weil ich länger da war") an sich ist nichts einzuwenden, aber das Problem, wenn nur 35+ Menschen in Entscheidungen maßgeblich eingebunden werden ist nunmal, dass man dann nur "hoffen" kann, dass auch die Interessen der Jüngeren beachtet werden. Welche Garantie haben Sie, dass Ihre Interessen wahrgenommen werden, wenn Sie nicht mit am Tisch sitzen? Keine. Das hat nichts damit zu tun, dass die "Alten" böse wären. Und wenn Sie jetzt einwenden, dass die "alten" das "Jungsein" auch schon erlebt haben, daher die relevante "Erfahrung" hätten und sich deshalb in deren Lage hineinversetzen könne, so entgegne ich mit schallendem Gelächter. Ich kenne genug 40 und 50+ Menschen die sich im Internet kaum zurechtfinden, deren Ausbildung und Studium dermaßen lange her ist, dass sich inzwischen die Art und der Inhalt des Studiums extrem verändert haben, ganz zu schweigen von Problemen wie unbezahlte Praktika und prekäre Arbeitsverhältnisse für Akademiker, die erst in den letzten 20 Jahren Einzug gehalten haben und die die jetzige Politikerkaste nicht erlebt hat. Ich sage es nochmal: Erfahrung muss relevant sein, um Bedeutung zu haben.

  3. werden sie, nachdem einige Listen abgearbeitet sind, in Deutschland einen Rat von Mittelständlern, Familienunternehmen etc. einsetzen.
    Das Ganze wird "Soziale Marktwirtschaft" genannt werden. Wahlen außerhalb des Rates bleiben verboten.

    Eine Leserempfehlung
    • gooder
    • 27. November 2012 20:46 Uhr

    Wenn dem so ist, könnte man ja fast meinen daß in Deutschland eine Politik für Minderheiten gemacht wird und das wären ja ganz neue Töne.

  4. Dann werden sie feststellen, daß ein allein auf jugendliches Alter begründetes Selbstbewußtsein nicht ausreicht, um ein erfolgreiches Privat- und Berufsleben zu gestalten. Dann haben sie vielleicht eine Ahnung davon, was unter einem "Lebenswerk" zu verstehen ist und wie lang ein 45-jähriges Arbeitsleben sein wird. Wo doch Viele bereits in den ersten 5 Jahren ihres Arbeitslebens Anzeichen einer Überforderung verspüren.
    Aber vielleicht sind sie dann auch klug und weise geworden. Vielleicht haben sie dann die Einsicht erhalten, dass gesellschaftliches und berufliches Miteinander von Jung und Alt einen hohen Wert hat und was im Leben wirklich wichtig ist.
    Ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dann werden sie feststellen, daß ein allein auf "Erfahrung" begründetes Selbstbewußtsein nicht ausreicht, um ein erfolgreiches Privat- und Berufsleben in einer sich ständig ändernden Welt zu gestalten. Dann haben sie vielleicht eine Ahnung davon, was unter einer "Zukunftsperspektive" zu verstehen ist und wie lang ein 45-jähriges Arbeitsleben sein wird, vor allem wenn man es verspätet und schlecht bezahlt beginnt. Wo doch viele Firmen einem schon mit 30 sagen man wäre zu alt und hätte nicht die genügende "Erfahrung".
    Aber vielleicht sind sie dann auch einsichtig und mitfühlend geworden. Vielleicht haben sie dann die Einsicht erhalten, dass gesellschaftliches und berufliches Miteinander von Jung und Alt einen hohen Wert hat und was im Leben wirklich wichtig ist.
    Ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen.

    • rjmaris
    • 27. November 2012 21:25 Uhr

    Damit meine ich nicht nachhaltig, sondern eine Lebensweise die insgesamt lebensstandard-erhaltend ist. Bisher ist es immer noch so, dass der materielle Wohlstand steigt. Und wenn ich materieller Wohlstand als mathematische Integral der genutzten Kaufkraft (über die Jahre) für ebendieser materiellen Wohlstand definiere, bedeutet das, dass Erhaltung einer einmal erreichten Lebensstandard mit einem gleichzeitigen Rückgang der verfügbaren Kaufkraft einhergeht. Und damit wird auch die benötigte Arbeitszeit synchron mit dieser deutlich geringeren Kaufkraft verringert (anders geht es nicht - das wäre Akkumulation von Geld). Wenn man folgerichtig alle Wachstumsmechanismen einstellt, hat man sozusagen eine Art Vorkriegskaufkraft, bei gleichzeitig nicht damit zu vergleichender Wohlstand! Also dalli, würde ich sagen.

    Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Jungen zuwenig Arbeit haben. Ein Grund, anzunehmen, dass Sättigungseffekte eintreten. Warum dann nicht radikal umsteuern? Postwachstum und Arbeit umverteilen und reduzieren. Man muss die Vorzüge ganz überzeugend an den Mann (und Frau) bringen! Mehr Freizeit, Freiheit und Lebensqualität. Und eine bessere Umwelt. Herbert Gruhl soll kein Recht bekommen, wo er 1992 im Spiegel schrieb: "Das Dilemma ist unauflösbar: Sollten sich die Menschen weit und breit zum materiellen Verzicht bekehren, dann würde sich die Beschäftigungslosigkeit sofort vervielfachen. Und jede Regierung, die solches einleitete, würde schnell hinweggefegt werden."

  5. Wir übertragen alle politische Macht den vorhandenen Minderheiten

  6. Natürlich gibt es dieses Generationenproblem. Allerdings verstellt die Diskussion um den Generationenkonflikt die intelligente und kreative Auseinandersetzung mit den wahren Zukunftsproblemen. Wir erleben, dass die Organisations- und Erklärungsmuster, mit denen die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft versuchen die globalisierte Welt zu gestalten, bereits in der Gegenwart an ihre Grenzen stoßen.
    Wer einsieht, dass die Welt mit großer Dynamik eine progressive und kaum steuerbare Entwicklung nehmen wird, der darf nicht automatisch voraussetzen, dass die nationalen oder gar partikularen Lösungsmuster - gleichgültig, welcher Konflikt uns gerade umtreibt - wirklich weiterbringen.
    Die Jungen dürfen erwarten, dass Politik nicht auf die immer hinterherhinkende Fortschreibung gestriger Politikmuster und den Beifall der Betroffenen orientiert bleibt sondern endlich begonnen wird, die Zukunft zu gestalten.
    Ideologien helfen dabei übrigens überhaupt nicht!

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  • Serie Utopien
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | Autor | Brief | Buch | Generation
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