Korruption : Danke für die Geschenke, Frau Pharmareferentin
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Erste Präsente schon im Studium

Man lernt als Arzt sehr früh, dass es in Ordnung ist, sich bestechen zu lassen, sagt Schwinzer. Schon im Studium bekam er sein erstes Präsent: Ein etwa 100 Euro teures Fachbuch, gesponsert vom Pharmakonzern Hoffmann-La Roche. Später wollten ihm Referenten Reisen nach Mallorca und Geräte für seine Praxis schenken. Vor drei Jahren bot ihm ein Konzern Provisionszahlungen dafür an, dass er ein bestimmtes Medikament verschreibt. Er solle einfach nur einen Beratervertrag für mehrere Zehntausend Euro jährlich unterschreiben. Seine Beratungsleistung hätte einzig darin bestanden, dem Pharmakonzern seine Kontonummer zuzuschieben.

Bestechung im Gesundheitswesen erhöht nicht nur die Ausgaben der Krankenkassen drastisch, sondern schadet auch der Gesundheit von Patienten. Besonders gefährlich findet Schwinzer die Methoden der Konzerne, wenn sie sogenannte Pseudoinnovationen auf den Markt bringen: "Bei diesen Medikamenten wird ein Molekül geändert und die Nebenwirkungen kennen wir nicht." Solche Präparate würden dank der fleißigen Werbung durch Pharmavertreter erst massenhaft verschrieben und im schlimmsten Fall bald darauf wegen gravierender Nebenwirkungen vom Markt genommen. Mit dem Schmerzmittel "Vioxx" ist genau das geschehen.

Auch bezahlte Studien durch die Pharmaindustrie, sogenannte Anwendungsstudien, sehen sowohl die Mezis als auch die kassenärztliche Bundesvereinigung kritisch . Dabei erhalten Ärzte Geld dafür, dass sie Patienten ein neues, bereits zugelassenes Medikament verschreiben und dessen Wirkung untersuchen. Diese Studien sind laut Schwinzer oft reine Marketingmaßnahmen, um den Medikamentenabsatz zu steigern. Der Patient nimmt das Arzneimittel ein, die Krankenkasse zahlt, aber niemand kontrolliert die Studien.

Vertreter der großen Pharmakonzerne haben als Reaktion auf das BGH-Urteil verkündet, künftig transparenter zu arbeiten . Schwinzer glaubt jedoch nicht daran, dass die Unternehmen freiwillig ihre korrupten Methoden stoppen: "Im Endeffekt ist das meiste nur Show. Die Firmen haben sich nicht geändert, sie sind nur geschickter geworden."

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

durch die Beobachtungen

des Sumpfes im politischen Raum hat sich als Ergebniss doch nun ergeben das wir eine Luschenbande da aufgestellt haben die nichts für uns macht.

Sollten wir im medizinischen Bereich weiter ätzen von oben auf das Personal sind wir dann bald auch froh über deren miese Qualität.

Nennen sie doch eine Berufsgruppe die wirklich, aber auch wirklich ohne Vorteilsnahme auskommt und auch keine extremen Verwicklungen hat.

Ohne Bestechung entlässt Thysen und

Denkfehler

In einer echten Marktwirtschaft haben Produkte schlechte Chancen, wenn sie sich nur durch Bestechung gegen die Konkurrenz durchsetzen können, denn das kostet auch.

In den meisten Fällen passiert die Korruption an den Schnittstellen zwischen (Sozial-)Staat und Wirtschaft, und die Mehrkosten für den Reibach mit den schlechteren und/oder überteuerten Produkten trägt die Gemeinschaft.

Das hat mit Marktwirtschaft wenig zu tun.

Vorraussetzungen für funktionierenden Markt nicht erfüllt

Manche Wirtschaftszweige eignen sich nicht für die Marktwirtschaft. Dazu gehören z. B. Netze (Schienen, Stromleitungen, aber auch Märkte, die sehr intransparent sind (z. B. Vertrauensgüter). Patienten und Krankenkassen können nicht effizient entscheiden, bei wem sie medizinische Leistungen einkaufen möchten. Die Patienten wissen gar nicht, ob das beste Medikament verschrieben wird, oder ob Ihr netter Arzt in Kauf nimmt, dass sie mit dem überteuerten Scheininnobationsmedikament einen Schlaganfall erleiden, weil die Pharmafirma ihn dafür bezahlt.

Korruption

Was für ein schlimmes Wort.

Die gibt es doch in Deutschland nicht, deshalb muss man auch das Antikorruptionsgesetz nicht ratifizieren.

Das sind doch alles nur "Gastgeschenke" und kleine Aufmerksamkeiten. Ist zwar das gleiche, hört sich aber niedlicher an. Guten Freunden mache ich doch auch kleine Geschenke, in der Hoffnung, wenn ich sie brauche stehen sie auf meiner Seite.