Sex mit Tieren : Ekel allein ist kein Argument

Um Tiere zu schützen, sind fortan sexuelle Handlungen mit ihnen verboten. Das ist unverhältnismäßig, schreibt Leser C. Hübner, denn andere Quälereien bleiben legal.

Am 13. Dezember 2012 hat der Bundestag über Neuregelungen zum Tierschutz entschieden. "Zoophile Handlungen", also Sex mit Tieren, stehen in Zukunft unter Strafe. Ging es hier wirklich um Tierschutz oder um juristische Absicherung persönlicher Geschmacksgrenzen?

In der Debatte um die Kriminalisierung zoophiler Handlungen haben mich stets zwei Empfindungen überkommen. Erstens: "Eklig, wie kann man auf sowas abfahren?" Zweitens: "Wie traurig. Eine intime zwischenmenschliche Erfahrung wird als groteske Parodie nachgeahmt. Sexualität wird entwürdigt." Also verbieten? Unter Strafe stellen?

Befürworter des Verbots argumentierten, Zoophilie sei artwidrig, die Tiere müssten geschützt werden. Das mag ein lauteres Anliegen sein, aber ist hier die Verhältnismäßigkeit gewahrt? Tiere dürfen mit Erlaubnis des Gesetzgebers in industriellem Ausmaß gezüchtet, artwidrig gehalten und getötet werden. Selbst das Schächten, das qualvolle Ausbluten bei vollem Bewusstsein, ist unter gewissen Bedingungen gesetzlich erlaubt. Auch Brandmarkung und die Kastration von Ferkeln bleiben nach wie vor erlaubt. Tiere werden als Zirkusattraktion oder Versuchstiere missbraucht, sie werden von Freizeitjägern erlegt und vegetieren als Haustiere unter teilweise erbärmlichen Bedingungen. Diese Praktiken sind straffrei. Wenn sich aber irgendwer von seinem Hund bespringen lässt, brauchen wir den starken Arm des Strafrechts? Das ist widersprüchlich.

Es versteht sich von selbst, dass Tiere vor Gewalt und willkürlicher Verletzung zu schützen sind. Viele Befürworter der Neuregelung berufen sich auf dieses Gebot. Eine Gesetzesänderung ist hier aber unnötig. Das Tierschutzgesetz stellte schon vor der aktuellen Änderung "das Zufügen erheblicher Schmerzen oder Leiden an Wirbeltieren" unter Geld- und Freiheitsstrafe.

Erleben wir den Einzug einer Zwei-Klassen-Ethik in die Tierrechtsdebatte? Der possierliche Chihuahua im Familienkreis ist soweit vermenschlicht, dass er als schutzbedürftiger Träger ethischer Rechte wahrgenommen wird, während Nutzvieh als Salami ohne größere Bedenken auf das Brötchen wandert? Ernst gemeinter Tierschutz könnte hier anfangen; mit einer vegetarischen Ernährung.

Stehen vielleicht andere Gründe als der Tierschutz hinter dem Verbot zoophiler Handlungen? Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Günter Krings hat gesagt: "Blamabel, wenn wir eine solche richtige Gesetzesänderung nur mit der Tiergesundheit begründen. Das Sittengesetz [...] ist für mich eine viel offensichtlichere Begründung eines solchen notwendigen Verbots." Solche Aussagen erwecken den Anschein, das Tierschutz-Argument diene nur als Vorwand, um Sanktionen bei Übertreten persönlicher Geschmacksgrenzen zu rechtfertigen. Gesetze nach Gusto: "Das finde ich eklig, das gehört verboten!" zu erlassen, finde ich falsch. Unter dieser Voraussetzung lehne ich eine Kriminalisierung ab.

Es wäre wünschenswert, dass der Tierschutz künftig weitere Fortschritte macht. Möglich, dass das Töten von Tieren, die artwidrige Haltung, Schächten, Schnäbel abschleifen, Kastration, maschinelle Gänsemast und dergleichen eines Tages verboten sein werden. In diesem Zuge würde ich auch ein Verbot sexueller Handlungen an Tieren befürworten. Bis dahin: Mein persönliches Unbehagen ist kein ausreichender Grund für ein gesetzliches Verbot.

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Kommentare

178 Kommentare Seite 1 von 25 Kommentieren

Soweit ich den Autor verstehe, ...

ist er ja grundsätzlich auch gegen die Verwendung von Tieren zu sexuellen Handlungen und findet nur, dass der Tierschutz grundsätzlich nicht weit genug geht bzw. die Prioritäten zurzeit merkwürdig gesetzt sind.

Aber dann kann man doch unabhängig von der Begründung des Verbots anerkennen, dass die Tendenz Richtung mehr Tierschutz schon mal stimmt.

Verhältnismäßigkeit

Könnten Sie Ihren Kommentar vielleicht etwas ausführlicher erklären? Von was für einer Verhältnismäßgikeit sprechen Sie? Das neue Gesetz ist möglicherweise (dem Menschen gegenüber) unverhältnismäßig, weil es nicht zur Erreichung des Zwecks (Schutz der Tiere vor Misshandlung) geeignet ist. Diese Aufgabe erfüllt bereits das vorhandene Gesetz. Darum geht es dem Autor ja.

Man kann hieraus nicht im Umkehrschluss behaupten, dass die anderen Tierschutzgesetze unverhältnismäßig sind. Schon garnicht gegenüber Tieren, denn die Überlegung setzt immer beim Menschen an.

Im Übrigen wären die vorhandenen Gesetze vollkommen ausreichend, wenn sie denn stringent durchgesetzt würden: Massentierhaltung wie sie heute oraktiziert wird ist definitiv nicht mit dem TierSchG kompatibel.

Zu Tode relativieren

Letztendlich wird die moderne Zivilisation daran zugrunde gehen, dass der nach Rationalismus strebende Mensch Sitte und Moral zu Tode relativiert. Gesellschaftliche Institutionen wie die des Anstandes werden solange hinterfragt, bis die individuelle Lustbefriedigung des Einzelnen als einzige absolute Maxime übrigbleibt.
Reicht es denn als Begründung nicht aus, dass die Befrieidung niedrigster Instinkte mit Hilfe von Tieren unter der Würde der Menschheit ist?

Natürlich nicht!

Sie fragen
"Reicht es denn als Begründung nicht aus, dass die Befrieidung niedrigster Instinkte mit Hilfe von Tieren unter der Würde der Menschheit ist?"

Sie wollen etwas verbieten, weil es unter der Würde des handelnden Menschen (der ist ja einverstanden!) ist? Also jemanden bestrafen weil er etwas "unter seiner Würde" getan hat?

Oder meinen Sie mit "Würde der Menschheit", dass die Rechte irgendwelcher Nichtbeteiligten geschützt werden müssten? Falls ja: wovor?

Ohne konkreten Schutzzweck (und da kommt hier wohl nur der Schutz des Tieres in Frage) kein Verbot. So einfach sollte das in einem liberalen Rechtsstaat sein.

Ihr Argumentationsmuster erweckt auf mich den Eindruck, dass damit auch alle möglichen Handlungen, die Menschen allein mit sich oder einvernehmlich unter Erwachsenen begehen, verboten werden könnten.

Letztlich kämen wir so nah daran, etwas aus Geschmacksgründen verbieten zu wollen.

@GDH...

Zitat GDH:
"Oder meinen Sie mit "Würde der Menschheit", dass die Rechte irgendwelcher Nichtbeteiligten geschützt werden müssten? Falls ja: wovor?

Ohne konkreten Schutzzweck (und da kommt hier wohl nur der Schutz des Tieres in Frage) kein Verbot. So einfach sollte das in einem liberalen Rechtsstaat sein."

Ein Beispiel:
In Österreich ist Sex mit Tieren verboten. Es meldete sich in den 90ern eine Frau beim Arzt, weil sie an seltsamen Krankheitssymptomen litt. Nun stellte der Arzt eine Erkrankung fest, die man NUR durch G-Verkehr mit Tieren bekommen kann.
Es stellte sich heraus, das ihr damaliger Lebensabschnittspartner Zoophilie betrieb und seine "menschliche" Sexualpartnerin angesteckt hatte.
Also ich sehe hier einen konkreten Schutzzweck im Verbot.

Wortklauberei

Das ist aber jetzt Wortklauberei. Der Begriff Menschwürde ist auch nicht "definiert" in dem Sinne. Der ganze Artikel dreht sich doch um Bergiffe die nicht exakt definierbar sind: Die Würde dee Tiere zum Beispiel, die man schützen will und muss.
Und auf das Ârgument, das die individuelle Lustbefriedigung des Einzelnen als einzige absolute Maxime übrigbleibt sien Sie mit Ihrer Einlassung überhaupt nicht eingegangen. Dabei ist es das worum es dem Verfasser (RobertIonis) inhaltlich ging. Wenn man jetzt die Lust durch Ego ersetzt und sich mal anschaut woran unsere Zivilisation krankt so kann man doch die Berechtigung seiner Einwände nicht von der Hand weisen.

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"Der Begriff Menschwürde ist auch nicht "definiert" in dem Sinne."

Der Begriff Menschenwürde hat sehr wohl eine Definition, die auch mehrfach höchstrichterlich bestätigt und ausgebaut wurde.
Der Begriff "Würde der Menschheit" hat keine Definition, sondern versucht nur eine krude Brücke zur Menschenwürde herzustellen. Wahrscheinlich weil man weiß das Menschenwürde in diesem Fall als Argument nichts taugt.

"Die Würde dee Tiere zum Beispiel, die man schützen will und muss."
Kein Gesetz will die Würde der Tiere schützen. So weit ich weiß wird Tieren vom Gesetz gar keine Würde zugestanden. Daher gibt es auch kein "muß" diese Würde zu schützen.

"Und auf das Ârgument, das die individuelle Lustbefriedigung des Einzelnen als einzige absolute Maxime übrigbleibt sien Sie mit Ihrer Einlassung überhaupt nicht eingegangen."
Darauf bin ich nicht eingegangen, weil es darum gar nicht geht. Es geht um ein Verbot und ein Verbot macht sich immer daran fest das etwas schützenswert ist. Oder anders gesagt: Wenn eine Handlung keinen Schaden anrichtet, dann darf man sie auch nicht verbieten. Das ist ein Grundsatz eines Rechtsstaates.

Tiere und Menschen

"Darauf bin ich nicht eingegangen, weil es darum gar nicht geht. Es geht um ein Verbot und ein Verbot macht sich immer daran fest das etwas schützenswert ist. Oder anders gesagt: Wenn eine Handlung keinen Schaden anrichtet, dann darf man sie auch nicht verbieten. Das ist ein Grundsatz eines Rechtsstaates."
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Ich frage mich allerdings immer noch, warum man bei Tieren einen Schaden sieht, bei Menschen aber nicht.

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"Das Kommentar ist sehr wohl konkret."

Was ist daran konkret eine nicht definierte Worthülse die ähnlich klingt wie die "Würde des Menschen" zu nutzen um eine strafrechtliches Verbot zu begründen?

Und das Kommentar war keineswegs aus dem Zusammenhang gerissen. Wenn sie den originalen Kommentar sich anschauen war der zitierte Satz durch einen Absatz vom Rest getrennt und als alleinstehende Frage formuliert.

Höherwertig?

"Reicht es denn als Begründung nicht aus, dass die Befrieidung niedrigster Instinkte mit Hilfe von Tieren unter der Würde der Menschheit ist?"

Das, was sie schreiben legt nahe, dass der Mensch für Sie eine höherwertigere Lebensform als ein Tier ist.
Ich bin immer noch auf der Suche nach einer treffenden Begründung für diese Ansicht. Lediglich die Kirche liefert hier einen Ansatz, da aus deren Sicht der Geschlechtsverkehr noch eher ein Mittel zur Fortpflanzung ist.

Würde der Menschheit ist?

"Reicht es denn als Begründung nicht aus, dass die Befrieidung niedrigster Instinkte mit Hilfe von Tieren unter der Würde der Menschheit ist?"
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Nein, genau darum geht es doch in diesem Artikel. Außerdem: Was ist die "Würde der Menschheit"? Worin besteht der Unterschied zwischen Menschenwürde und Menschheitswürde? Letzteres ist mir neu.

Zweierlei Maß

Hallo RobertIonis,
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ich teile Ihre Befürchtung zwar nicht, dass die "Zivilisation zugrunde gehen wird", und wenn ich's analytisch betrachte, spreche ich auch nicht von "Anstand" versus "Lustbefriedigung". Aber Ihr K 4 ist wichtig, denn Sie haben als erster Kommentator auf einen wichtigen Punkt hingewiesen: Es gibt einen starken Trend dahin, dass gesellschaftliche Akzeptanz eines Verhaltens im öffentlichen Sexualitäts-Diskurs immer weniger Platz hat. Anders gesagt: Man redet dem Nachbarn immer weniger rein, wenn es um Sex geht; die eigenen Vorstellungen von dem, "was sich gehört" spielen in der Öffentlichkeit kaum noch eine Rolle.
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Jetzt hat die Homosexuellen-Bewegung ein Argumentationsproblem. Sie hat die Homosexualität in die Öffentlichkeit gebracht, Schwule können sich "outen", und müssen keine öffentliche Stigmatisierung mehr befürchten. Sie konnten sich bisher darauf verlassen, dass ihre Nachbarn nicht in fremde Betten schauen, weil allgemein akzeptiert ist, dass man sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern hat. Durch die Zoophilie-Debatte ist aber dieser Schutzwall wirkungslos geworden, weil die Zoophilen dieselben Argumente für sich in Anspruch nehmen können. Auch sie können sagen: "kümmert euch um eure eigenen Sachen. Überkommene Moralvorstellungen sind kein Argument". und, wie aus dem Artikel deutlich wird: Tierschutz ist auch kein Argument!
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(wird fortgesetzt)