Der Coca-Cola Weihnachtstruck © Mark Renders/Getty Images

Weihnachten ist die schlimmste Zeit des Jahres. Nur Stress, Fressen, auf Knopfdruck geheuchelte Menschenfreundlichkeit und vor allem kaufen, kaufen, kaufen.

In meiner Heimat Amerika ist Weihnachten der Gipfel des Kommerzes und der Geschmacklosigkeit. Kinder beichten Weihnachtsmännern lange Wunschlisten direkt im Kaufhaus, Lebkuchen in den Läden seit September, Häuser, die in einem kitschigen Lichtermeer funkeln, das die Energie von mehreren Kernkraftwerken braucht. Und dann dieser überkandidelte Santa Claus, eine einzige Coca-Cola-Werbefigur!

Und wer ist daran schuld? Die Deutschen natürlich!

Wir Amis könnten uns schwarz ärgern, dass die Deutschen das Weihnachts-Merchandising lange vor uns erfunden haben. Schon im 14. Jahrhundert hielten Spielzeug- und Schmuckmacher in der Weihnachtszeit öffentliche Märkte und Messen ab und verkauften dort ihre Waren als Geschenkideen. Das war der Anfang der Kommerzialisierung von Weihnachten: Noch vor der Industrialisierung überschwemmten die Deutschen den Rest der Welt mit billigem Holzspielzeug und Weihnachtsschmuck, den man im Erzgebirge in Massen produzierte.

Auch die exzessive Tradition der Weihnachtsbeleuchtung stammt aus dieser schönen deutschen Gegend. Wenn die Bergleute im Erzgebirge zur Winterzeit morgens "in die Grube fuhren", war es dunkel, ebenso wenn sie wieder heimkamen. So entstand die Sitte, die Fenster mit geschnitzten Leuchterfiguren zu erleuchten, die in jeder Hand eine Kerze halten. Bald leuchtete zu Weihnachten jedes Fenster, jedes Haus, Dorf im Erzgebirge.

Rentiere mit blinkenden Nasen

Das nächste Mal, wenn Sie den Kopf schütteln über diese amerikanischen Häuser, die mit Lichterketten, Rentieren mit blinkenden Nasen und leuchtenden Sternen überzogen sind, und ihr Nachbar sich auch schon überlegt, so einen Mist ans Haus zu hängen, sagen Sie ihm ruhig: Es geht nichts über traditionelle deutsche Weihnachten!

Selbst der Weihnachtsbaum, der heute massenweise auf riesigen, umwelttechnisch bedenklichen Baumschulen gezogen und abgeholzt wird, kommt aus Deutschland.

Die Germanen, sagt man, schmückten zur Wintersonnenwende ihre Häuser mit Immergrün als Ausdruck der Hoffnung auf den nächsten Frühling. Obwohl als "unflätiger und unchristlicher" Aberglauben verpönt, wurde die Sitte doch irgendwann so beliebt, dass bald ganze Tannenbäume kopfüber von der Zimmerdecke hingen und schließlich Gesetze erlassen wurden, dass jedermann nur noch Anspruch auf einen Baum habe.

Deutsche globalisierten den Weihnachtsbaum

Die Deutschen waren es auch, die den Weihnachtsbaum globalisierten: Der Adel liebte ihn und wann immer eine deutsche Prinzessin ins europäische Nachbarland heiratete, nahm sie den Brauch mit. 1840 machte der deutsche Prinzgemahl von Queen Victoria den Baum sogar in England populär.

In Nordamerika wurde der erste Christbaum bereits 1781 von einer deutschen Baronin entzündet. Da hatte ihr Gemahl, der General Adolph von Riedesel gerade im Unabhängigkeitskrieg gekämpft, leider auf der falschen Seite. Nachdem er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Hause kam, feierte die Familie den Weihnachtsabend mit einem prächtigen Baum in deutschen Stil.

Von Riedesel verlor den Krieg, aber wir lieben ihn trotzdem, weil er uns den Weihnachtsbaum gab. Und damit natürlich auch die Weihnachtsbaumindustrie. Vorher hatten wir gar nicht gewusst, was wir mit unseren endlosen Wäldern im Norden machen sollten!

Santa Claus – eine Werbefigur für Coca-Cola

Doch was die Deutschen am meisten aufregt, ist die Sache mit Santa Claus: Eine Werbefigur für Coca-Cola!

Santa Claus ist tatsächlich typisch amerikanisch: Stark übergewichtig und amerikanisch-freundlich, mit rosigen Bäckchen und immer ein joviales "Ho Ho Ho" auf den Lippen. Und es stimmt: Coca-Cola hat ihn in den 1930ern als Werbefigur benutzt. Aber nicht erfunden. Das verdanken wir vor allem Thomas Nast.

Das erste Mal, dass "Santa Claus" (der Name kommt vom holländischen "Sinterklaas") mit Rentieren in Verbindung gebracht wurde, war in dem amerikanischen Gedicht A Visit from St. Nicholas aus 1823. Aber wirklich zur Ikone wurde der runde Wicht erst, als Thomas Nast ihn in die Hände bekam.

Thomas Nast war der Cartoonist des 19. Jahrhunderts – und ein amerikanischer Held. Es gab nur wenige Publizisten, die mehr Einfluss auf das politische Geschehen seiner Zeit hatten, vielleicht nur noch Mark Twain. Seine brisanten Zeichnungen zeigten den grausamen Bürgerkrieg, wie er war; er geißelte die Sklaverei, den Ku Klux Klan, Korruption, politische Dummheit und die Diskriminierung der Indianer und Chinesen.

Ein gemütlicher, kleiner Mann mit einem Sack voll Geschenke

Mitten im Bürgerkrieg dachte er sich, wir brauchen auch mal etwas Erfreuliches, und er begann, einen gemütlichen fetten kleinen Mann mit einem Sack voller Geschenke zu zeichnen. Er zeichnete Santa am Nordpol, unterwegs mit den Rentieren, am Kamin beim Füllen der Socken – und an der Front, wo er Geschenke an die Truppen (der Yankees) verteilte.

Und woher kam dieses Weihnachts-Genie Thomas Nast? Aus Deutschland natürlich.

Geboren wurde er jedenfalls im pfälzischen Landau (wo es heute auch einen kleinen, aber feinen Thomas-Nast-Verein gibt), und schon mit sechs Jahren kam er mit seiner Familie nach New York. Wie das so ist in Amerika, nimmt jede Einwandererfamilie die Weihnachtsbräuche aus ihrer Heimat mit: So ist stark anzunehmen, dass Nast seine Inspiration für Santa Claus aus den deutschen Traditionen seiner Familie hatte.

Die Mehrzahl der exzessiven und kitschigem amerikanischen Weihnachtsbräuche sind nichts anderes als unsere leicht übertriebene Version deutscher Bräuche. Auf der langen Listen von Dingen, die Deutschland Amerika – und der Welt – geschenkt hat, steht Weihnachten ganz oben. Danke, Deutschland.

In meinem Herzen allerdings, das muss ich gestehen, wird Weihnachten immer eine hawaiianische Angelegenheit bleiben. In meiner Heimat kommt der Weihnachtsmann auf einem Surfbrett an und trägt Shorts, Flipflops, ein Hawaii-Hemd, einen "lei" – Blumenkranz – um den Hals und wünscht jedem ein fröhliches Weihnachten auf Hawaiianisch. Dem schließe ich mich an und wünsche allen an diesen schönen Weihnachtstagen ebenso ein warmes "Mele Kalikimaka".