SpiritualitätDie falsche Rückkehr zur Religion

Es ist wieder schick, religiös zu sein. Den Agnostikern hingegen wird jedwede Moral abgesprochen. Dabei sind sie die wahrhaft Gläubigen. von 

Es liegt nicht nur an der Weihnachtszeit, dass Zeitungen und Radiosendungen gerade vor religiösen Themen strotzen. Nein, bereits seit einigen Jahren ist es wieder schick, sein Kind taufen zu lassen, kirchlich zu heiraten, in den Gottesdienst zu gehen, die Kirchen als Hort von Anstand und Moral in einer "schnelllebigen oberflächlichen Zeit" zu preisen und Atheisten als gefühlskalte Technokraten zu belächeln.

Das Bürgertum hat eine neue Lari-Fari-Religiosität entdeckt, vor allem den zeitgeistigen Katholizismus , der nicht viel fordert, aber dem Bekennenden ein wertebewusstes Image verschafft. Auffällig, wie viele Promis derzeit betonen, religiös – vor allem: katholisch – zu sein: Harald Schmidt, Günther Jauch , Stefan Raab , Alfred Biolek, Thomas Gottschalk, Markus Lanz , Joachim Löw, Franz Beckenbauer , der offenbar diverse Scheidungen nicht im Widerspruch zu den Lehren der katholischen Kirche sieht.

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Außerdem der Schriftsteller Martin Mosebach , der sich als Fan von Papst Benedikt dem XVI. outete und die Rückkehr zur tridentinischen Messe fordert (womit er hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückfällt), der Schauspieler Ottfried Fischer, die Unternehmer Claus Hipp und Gerhard Cromme und so weiter.

Selbst Nicole Scherzinger , Frontfrau der wilden Pussycat Dolls, beteuert mit treuem Blick in die Kamera, sie sei streng katholisch erzogen worden und ginge immer noch jeden Sonntag in die Kirche. Denn "Glaube, Moral und Anstand sind mir sehr wichtig". Haben so Rockstars in den siebziger Jahren gesprochen? Doch noch mehr als das irritiert die anmaßende Vorstellung, Anstand und Moral könne man nur unter Beweis stellen, indem man behauptet, man ginge fleißig in die Kirche.

Mehr Glauben, mehr Fortpflanzung

Selbst wenn viele der derzeit öffentlich ausgestellten religiösen Affekte reichlich kalkuliert wirken, hat man als anständiger, sich der Aufklärung und dem Humanismus verpflichtet fühlender Agnostiker Anlass zur Sorge: Wohin soll diese naiv-sentimentale religiöse Gemütlichkeitsreise gehen?

Was wird da alles ausgeblendet, um die neobiedermeierliche Krippenspielbehaglichkeit nicht zu stören? Selbst im Spiegel wird die Geschichte des Glaubens gerade, man traut seinen Augen kaum, als einzige Erfolgserzählung verkauft: Denn die Gläubigen, so weiß Autor Manfred Dworschak zu berichten, hätten schon immer mehr Kinder gezeugt als die Ungläubigen (es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, den Erfolg von Religionsgemeinschaften mit Darwin'schen Parametern messen zu wollen). Und je restriktiver eine Glaubensgemeinschaft, desto erfolgreicher sei sie langfristig, da sie ihre Mitglieder stärker zusammenschweiße. So wird am Ende des Jahres 2012 in Deutschland argumentiert: Bitte mehr Anpassung, mehr Glauben, mehr Kinder.

Auch Agnostiker haben Werte

Das ist bitter für alle Menschen, die mal an die Autonomie des Subjekts, an die Würde des Selber-Denkens und -Fühlens und an so etwas wie eine emanzipatorische Fortschrittsgeschichte geglaubt haben.

Stattdessen wird Agnostikern und Atheisten im öffentlichen Diskurs  nicht vorhandenes Wertebewusstsein und ein technokratisch-inhumanes Denken unterstellt. Der Religiöse hat die sogenannten "Werte" für sich gepachtet. Doch die meisten Agnostiker und Atheisten folgen einer Moral, nur berufen sie sich hierbei nicht auf Gott. Mit Nihilismus oder Amoralismus hat der Atheismus nichts zu tun. Moralische Prinzipien können durchaus auf der menschlichen Vernunft begründet werden, wie zahlreiche Philosophen dargelegt haben, zum Beispiel Kant . Ihm zufolge sind moralische Prinzipien für eine menschliche Gemeinschaft unabdingbar, doch ist gesellschaftliche Ordnung eher durch vernunftbetonten Interessensausgleich denn durch inbrünstigen Glauben herstellbar.

Auch in neuerer Zeit hat sich immer wieder gezeigt, dass der Anspruch der Religionen auf Allgemeinverbindlichkeit es oft schwer gemacht hat, eine gemeinsame ethische Grundlage für eine Gesellschaft zu finden. Nicht selten führten diese Versuche zu Verfolgungen und Vertreibungen, sogar zu Glaubenskriegen.

Mit der Religion werden liebgewonnene Errungenschaften verbunden

Zum internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, erschien der Bericht Freedom of Thought 2012 . Er macht auf die weltweite Diskriminierung von "Humanisten, Atheisten und Nichtreligiösen" aufmerksam. Obwohl die Zahl von Atheisten und Nicht-Religiösen wächst, sind diese nach wie vor in vielen Ländern Benachteiligungen und Verfolgungen ausgesetzt. In sieben Ländern – Afghanistan , Iran , auf den Malediven , in Mauretanien , Pakistan , Saudi-Arabien und Sudan – droht ihnen bei offener Meinungsäußerung die Todesstrafe. Davon ist in den vielen Gesprächen, Artikeln und Sendungen über die Meriten des Glaubens nie die Rede.

Fanatischer Glaube wird, außer bei Terroristen, derzeit kaum als Entmündigung des Menschen beschrieben – weil er seiner Individualität beraubt in ein Kollektiv gepresst wird. Im Gegenteil: Man liest und hört vor allem, welche wunderbaren Folgen der Glaube für den Menschen hat und wie unerlässlich er angeblich ist.

"Wenn eine Religion/Weltanschauung über viele Jahrhunderte in einer Gesellschaft (...) eine ideologische Monopolstellung hatte, und es keine anderen Sozialisationsagenten gab, ist selbstverständlich, dass wertgeschätzte Eigenschaften mit dieser Religion/Weltanschauung verbunden werden. Wer jahraus, jahrein die Erfahrung macht: Bei Krankentransporten kommt das Rote Kreuz, verknüpft beides zwangsläufig miteinander. Die Logik ist dann: Ohne Rotes Kreuz gäbe es keine Krankentransporte", sagt die Psychologin Ursula Neumann.

Nicht-Religiöse sind hilfsbereiter

Aus empirischen Studien geht allerdings hervor, dass Religionszugehörigkeit und persönliche Moral keineswegs einander bedingen. So stellte der kanadische Soziologe Murray Ross bei Atheisten größere Hilfsbereitschaft gegenüber Armen fest. Viele Entwicklungsbiologen gehen von einer Trennung von Moral und Theismus aus. Sie sehen in der Entstehung von Moralvorstellungen das Ergebnis eines komplexen gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses: Moralvorstellungen wurden notwendig, um das Gemeinwesen zu regulieren.

Was derzeit fehlt, ist ein Plädoyer für den Zweifler und den Suchenden. Denn er ist der sympathischste, ehrlichste und am wenigsten anmaßende Menschentypus. Nur wer meint, im Dienste des Absoluten zu stehen, ist intolerant und gefährlich.

Der Zweifler, der Suchende bleibt menschlich. Er gibt zu, nicht alles zu wissen, er braucht nicht gegen andere vorzugehen. Er fühlt sich von ihnen nicht bedroht, weil er weder Gralshüter noch eifernder Missionar ist. "Gott" oder was auch immer wir hierfür einsetzen mögen, mag allwissend sein, wir Menschen sind es nie, und nicht einmal die Nähe zu einem sogenannten Absoluten tut uns gut. Das Absolute liegt uns nicht, es ist nicht unsere Liga, wir sollten die Finger davon lassen.

Unglücklich, verirrt und verloren muss man deshalb noch lange nicht sein: Wer akzeptiert, dass Zweifel und Suche genau unsere metaphysische Kragenweite sind, kann mit ihnen Frieden schließen. Es war Picasso, der in der Suche das ihr inhärente Moment tiefer Erfüllung fand: "Ich suche nicht, ich finde." Es gibt keine schönere Formel für die Akzeptanz unserer existenziellen Schwäche, die zugleich eine Stärke ist.

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Leserkommentare
  1. "[...] bereits seit einigen Jahren ist es wieder schick, sein Kind taufen zu lassen, kirchlich zu heiraten, in den Gottesdienst zu gehen, die Kirchen als Hort von Anstand und Moral in einer "schnelllebigen oberflächlichen Zeit" zu preisen und Atheisten als gefühlskalte Technokraten zu belächeln."

    Welche Datenbasis liegt dieser Interpretation zugrunde? Irgendwelche Erhebungen quantitativer Art?

    2 Leserempfehlungen
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    Uns Agnostikern wurde die Moral abgesprochen? Das ist natürlich bitter! Jetzt muss ich ein schlechtes Gewissen haben...

    Mal im Ernst: Wen juckts?

    Ich würde Frau Dückers dringend empfehlen "Glauben", "Agnostizismus" und "Atheismus" nicht als homogene Einheiten zu sehen.
    In den zitierten Ländern ( Afghanistan, Iran, auf den Malediven, in Mauretanien, Pakistan, Saudi-Arabien und Sudan) droht nicht nur Atheisten sondern genauso Christen die Todesstrafe.
    Moral und Theismus sollten auf jeden Fall eine große Schnittmenge haben. Aber historisch gesehen sammelt sich immer in den Bewegungen, die macht haben, auch ein gewisser Menschentypus an, der weit weg von Moral seinen eigenen Vorteil sucht. Sei dies nun in Theistischen Oragnisationen wie der Kirche des Mittelalters oder politischer Strömungen der Gegenwart wie beispielsweise die sozialistischen Einheitsparteien in China oder Russland.
    [...]

    Auf Wunsch des Users gekürzt. Des Weiteren möchten wir Sie bitten, auf haltlose Unterstellungen zu verzichten. Danke, die Redaktion/au

    Vielleicht ein gefühlter Zustand im Lari-Fari Bürgertum von Fr. Dückers.

    Allerdings: Null Fakten zur These "Die falsche Rückkehr zur Religion"

    Auch nichts im Artikel, was für Fr. Dückers eine "richtige Rückkehr zur Religion" wäre.

    Viel Milch, wenig Kakao...

    Die Zahl der Kirchenaustritte warin den letzten Jahren konstant bis leicht steigend http://www.kirchenaustritt.de/statistik/

    Und zumindest bis vor 10 Jahren hat die Zahl derer, die regelmäßig einen Gottesdienst besuchen, stetig abgenommen.
    http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Gottesdienstbesuch_regelmaessig_19...
    Daß sich der Trend in den letzten Jahren umgekehrt hätte, kann ich zumindest aus eigener Anschauung nicht sagen. Dieses Jahr waren nichtmal zu Weihnachten die Kirchen ganz voll.

    "Es liegt nicht nur an der Weihnachtszeit, dass Zeitungen und Radiosendungen gerade vor religiösen Themen strotzen. Nein, bereits seit einigen Jahren ist es wieder schick, sein Kind taufen zu lassen, kirchlich zu heiraten, in den Gottesdienst zu gehen, die Kirchen als Hort von Anstand und Moral in einer "schnelllebigen oberflächlichen Zeit" zu preisen und Atheisten als gefühlskalte Technokraten zu belächeln."
    Was wäre denn ein "richtiger" Weg zurück zur Religiosität,
    wenn er denn begangen würde?

    Nur 3% der Bundesbürger besuchen sonntägliche Gottesdienste. Zu Weihnachten werden es derzeit 46% der Bundesbürger. Mitglieder sind noch rund 2/3 der Bürger. So eine Pfarrerin im Radio.

    Ein bedeutender Teil der Kirchenmitglieder geht nichtmal zur Weihnacht in die Kirche. Es gibt mehr Nichtgläubige, als die Mitgliedszahlen vorspiegeln.

    Die Religion verliert an Bedeutung, aber die Gesellschaft wird darunter nicht leiden.

    Nun, was wollen Sie hier mit Zahlen wenn Sie schreiben
    "Welche Datenbasis liegt dieser Interpretation zugrunde? Irgendwelche Erhebungen quantitativer Art?"

    Spiritualität ist nicht in Zahlen zu fassen.
    Wollen Sie einem durchgeistigten Menschen empfehlen eine Statistik des täglichen Kerzengebrauchs nebst Räucherkerze anzulegen ?
    Das tägliche "Omm" ist diesen Menschen auch gegeben.
    Interessiert mich nicht.

    Sind Sie mit Ihren Lebensumständen ähnlich genau ?
    Kann ich empirisch erhobene Daten, Ihr Leben betreffend, im Netz erfahren ?
    Ich bin immer begeistert wenn sich Menschen um das Wohl anderer Menschen kümmern.
    Aber Zahlen zu verlangen, Erhebungen anzumahnen...
    da hört jede Freude auf.

    Sie gehören sicher zu den Menschen die sich an der Kasse des Supermarks um den Bruchteil des Cents streiten.
    Spiritualität ist nicht meine Welt, Erbsenzählerei schon überhaupt nicht.

    Ist nur so ein Gedanke, der mir durch den Kopf ging.

  2. 3 Leserempfehlungen
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    • vadelni
    • 28. Dezember 2012 13:28 Uhr

    Ein Artikel voller Selbstbeweihräucherung des Atheismus und einer naiven Sicht auf den Menschen.

    Das findet seinen deutlichsten Ausdruck in diesem Absatz:

    "Was derzeit fehlt, ist ein Plädoyer für den Zweifler und den Suchenden. Denn er ist der sympathischste, ehrlichste und am wenigsten anmaßende Menschentypus. Nur wer meint, im Dienste des Absoluten zu stehen, ist intolerant und gefährlich."

    Das ist eine Einteilung der Welt in Schwarz und Weiß. Schubladendenken par excellence! Wenden wir das doch einfach mal auf Naturwissenschaften an. Biologen wissen um die Evolution, einem Faktum der Natur. Folglich "verteidigen" sie diese Theorie gegenüber Nichtwissenden. Sind Biologen damit intolerant und gefährlich? Allgemeiner: ist jeder Wissenden intolerant und gefährlich? Jeder, der eine Antwort in seinem Leben gefunden hat, wird damit intolerant und gefährlich. Das ist ein Plädoyer für Dummheit und Unwissenheit, für kindische Naivität.

    Kant würde sich im Grabe umdrehen ob dieser Ablehnung des Wissens, insbesondere da er hier für eine wissensverachtende Weltsicht missbraucht wird.

    Da müssten Sie erst einmal definieren, was "gut ist. Für mich ist der Artikel an Oberflächkeit und intellektueller Unschärfe kaum zu übertreffen. Allgemeinplätze, Verallgemeinerungen, Polemik usw., da scheint kaum etwas ausgelassen. Areligös zu sein, scheint mir für viele Zeitgenossen in und daher wird diess Feld von Journalisten bedient.

    Sie sagen, es sei ein richtig guter Artikel. Das sehe ich auch so, nur ist er zu kurz.

    Die Autorin schreibt:
    "Was derzeit fehlt, ist ein Plädoyer für den Zweifler und den Suchenden. Denn er ist der sympathischste, ehrlichste und am wenigsten anmaßende Menschentypus."

    Das ist ganz toll formuliert und völlig richtig.

    Allerdings bedeutet weder der im allgemeinen Sprachgebrauch gemeinte Glaube noch derjenige mit weitergehender Bedeutung (man kann an alles und in jede Richtung glauben), daß alle Zweifel besiegt sein müssen. Es ist doch vielmehr so, daß jeder Gläubige immer wieder zweifelt, weil er Mensch ist. Das geben nur nicht alle zu. Manche hingegen reden offen drüber. Gefährliche Dogmatiker gibt es aber in jeder gesellschaftlichen Gruppe.

    Egal allerdings, in welche Richtung man denkt, irgendwann müssen wir alle glauben. An irgendetwas. Daß es ein Higgs-Boson gibt, daß es Gott/Jahwe/Allah gibt oder daß alles blau ist oder sinnlos.

    Jeder vernünftige Mensch erkennt irgendwann, daß ihm nichts bleibt als Glaube. Denn unsere Erkenntnisfähigkeit ist sehr begrenzt.

    Meine Weihnachtslektüre zum Thema, für alle ehrlichen Zweifler:
    "Und Gott sprach: Wir müssen reden!" von Hans Rath.

    Sie schrieben:

    „Jeder vernünftige Mensch erkennt irgendwann, daß ihm nichts bleibt als Glaube. Denn unsere Erkenntnisfähigkeit ist sehr begrenzt.“

    Als ich noch ein Kind war, hat mir meine Großmutter (geb. 1906, regelmäßige Kirchgängerin, katholisch) einmal gesagt, dass Einzige woran ich glauben sollte, sei, dass 1 kg Rindfleisch, 2 l Wasser, ein paar Kräuter, etwas Salz und ein guter Herd, eine gute Suppe ergeben würden.
    Diese Erkenntnis hat sich viel später als „Wahrheit“ herausgestellt. Keine absolute, aber immerhin.

    Ich bin mit diesem Rat gut zurecht gekommen. Und wenn es einen „Himmel“ oder eine „Hölle“ gibt, kann ich im Tode nur überrascht aber nicht enttäuscht werden.

    Es liegt mir fern, Sie oder irgendjemanden Anderen, in seiner Spiritualität zu verletzen. Aber ich bitte darum, mich nicht zu missionieren zu wollen.

  3. Gerade nach Studien von Konversationen zwischen Atheisten und Gläubigen muss man zu dem Schluss kommen:
    Wo, wenn nicht im Agnostizismus soll Toleranz zu finden sein?
    Wer, wenn nicht der Agnostiker, hinterfagt?
    Wer, wenn nicht der Agnostiker, überlässt seinem Kind selbst die Entscheidung, ob es getauft werden möchte oder nicht?

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    aber einiges nicht hineingehört.

    Zwischen Atheisten und Agnostikern gibt es "himmelweite" Unterschiede!

    Denn das "absolute" (!) Ablehnen eines "höheren Wesens" liegt nicht im Bestreben eines Agnostikers, zumindest nicht per Definition. Der Agnostiker "glaubt" nicht an jenes bzw. kann keine verifizierbare Erklärung für oder gegen die Existenz eines solchen aufbringen. Mit anderen Worten, er erkennt an "dass er nichts weiß".

    Anders der Atheist, der angeblich weiß und überzeugt ist und dabei genauso fanatisch auftritt wie der fanatische Gläubige auf der "anderen" Seite, der auch vergessen hat wo der Unterschied zwischen "Glaube" und "Wissen" liegt.

    Im Endeffekt sind sich in einigen "Auslegungssachen" moderate Gläubige und Agnostiker näher als Atheisten und Agnostiker.

    und sprach. kirche legt die verantwortung ausserhalb des individs und verbaut den menschen mit kuenstlichen moralvorstellungen. der atheist lebt auf seiner duennen oberfläche einer mentalen logik und baut auf seinen momentanen bewusstseinzustand auf.

    eigentlich muesste man eine vierte sparte eröffnen, jene welche den optimalen evolutiven fluss in sich öffnen konnten, möglicht frei von den gesellschaftlichen zwang-angstmustern, oder den jesus in sich zum leben erwecken konnten. denn dann lebt der mensch aus seinem ruhenden zentrum heraus und braucht keinen nikolaus mehr der mit geschenkeentzug droht wenn man im jahr angeblich nicht brav gewesen war. bewusstseinsarbeiter wäre vielleicht ein schönes wort

    Atheisten sind so gläubig wie strenge Katholiken oder Moslems. In Europa glauben sie monotheistisch nicht an EINEN Gott, in Japan oder Indien polytheistisch nicht an viele. In allen Kulturkreisen bleibt der Atheist seiner mono- oder polytheistischen Kultur verhaftet.
    Der Agnostiker dagegen weiß einfach nicht, ob es irgend ein Höheres Wesen oder mehrere davon gibt, geben kann. Er lässt das offen.
    Er hat allerdings von den Theisten aller Art sehr abweichende Vorstellungen vom "Jenseits" und damit auch vom "Diesseits". Denn sollte es einen (je nach Bedarf höchsten oder alleinigen) Gott geben, so kann sich ein Agnostiker nicht vorstellen, dass dieser ein so primitiver, rachsüchtiger Kerl ist, wie ihn alle Religionen darstellen, und der Menschen weit härter bestrafen könnte für deren Verfehlungen, als es menschliche Gerichte tun, nämlich mit ewigen Strafen.
    Günther Eich hat dieses Dilemma der Theisten in einem Hörspiel sehr schön gezeigt: Ein Heiliger kommt in den Himmel und muss sehen, dass es für die Verdammten keine Erlösung mehr gibt. Er bittet darum, die Verdammten besuchen zu dürfen. Man sagt ihm, dies sei ein Besuch ohne Wiederkehr. Der Heilige geht dennoch zu den Verdammten. Und sagt: die Grenze sei also nicht unaufhebbar. Und erhebt sich damit über Gott und sein angeblich unumstößliches Urteil.
    Höher als alle (Un-)Glaubenstreue steht immer und überall die Überwindung der Grenzen, geben alle Regeln, Dogmen und Götter.

  4. "Welche Datenbasis liegt dieser Interpretation zugrunde? Irgendwelche Erhebungen quantitativer Art?"
    Dieser Fakt - eine Interpretation ist es keineswegs - ist durch einen kurzen Streifzug durch die Medien problemlos erkenn- und belegbar. Das schaffen Sie schon.

    2 Leserempfehlungen
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    "Dieser Fakt - eine Interpretation ist es keineswegs - ist durch einen kurzen Streifzug durch die Medien problemlos erkenn- und belegbar. Das schaffen Sie schon."

    Nun ja, suchet und ihr werdet finden. Daß Medien nicht unbedingt die Realität maßstabsgetreu abbilden, sondern sich die auflageträchtigsten Themen heraussuchen, sollte allgemein bekannt sein. Ein Streifzug durch die Medien bringt darum keine Fakten, sondern eben Interpretationen. Die Frage nach der Datenbasis ist darum mehr als begründet.

  5. Ein sehr wahrer und vor allem ruhiger Artikel, nicht polemisch gegen Gläubige und beiden Seiten gerecht werdend. Angenehm zu lesen.

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    Es steht zum Glück in der Bundesrepublik Deutschland Jedermann/frau frei ob er/sie an etwas glaubt oder nicht.

    Vor diesem Hintergrund ist aber schon die Überschrift des Artikels eine klare Provokation und Herabsetzung der Gläubigen und ein ausgewogener und objektiver Artikel nicht zu erwarten, weshalb ich ihn auch nicht lese.
    Nach dem lesen der Überschrift vermute ich vor allem eine Selbstbeweihräucherung von Atheisten und Agnostikern und darauf kann ich gerne verzichten.

    • ikarus7
    • 28. Dezember 2012 12:27 Uhr

    Keine Fakten für gefühlte Vermutungen am Anfang des Artikels.
    Picasso? "Ich suche nicht, ich finde"? Das ist doch genau das Gegenteil vom Schlussplädoyer.

  6. "Haben so Rockstars in den siebziger Jahren gesprochen?"
    Leben wir noch in den siebzigern?
    "Selbst im Spiegel wird die Geschichte des Glaubens gerade, man traut seinen Augen kaum, als einzige Erfolgserzählung verkauft"
    Ich habe den Spiegel Artikel gelesen. Der Spiegl verkauft die Religion als eine Funktion der Evolution. Das ist für einen wahrhaft Gläubigen natürlich undenkbar. Insofern ist der Umgang mit dem Thema vielleicht Mode geworden. Aber warum denn?
    Es es deshalb Mode geworden weil es gerade bei bürgerlichen Intellektuellen DAS Tabu war in den letzen Jahrzehnten. Vielleicht ergibt sich durch die Erkenntnis, dass Religion entwicklungsgeschichtlich "nützlich" war und ist, ja endlich wieder die Möglichkeit diesem wichtigen Thema den Platz einzuräumen den es verdient. Nicht als romantische Weihnachtsepisode, sondern als elementares Bedürfnis das sich weiter entwickelt hat und weiter entwickeln muss

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    • CoMiMo
    • 30. Dezember 2012 1:53 Uhr

    aber wo hat sich Religion - egal welche -denn weiterentwickelt? Ich persönlich sehe eher eine Rückentwicklung denn eine Weiterentwicklung.

    Gott - so sollte er denn existieren - hat dem Menschen einen Verstand mitgegeben, den er zu benutzen hat und er hat dem Menschen mehrere Wege zur Verfügung gestellt und stellt sie noch um zu ihm zu gelangen.

    Viele religiöse Menschen sind extrem engstirning und intolerant und vergessen in ihrem christ-sein, jüdisch-ein, muslimisch-sein, hindu-sein, etc das wichtiste nämlich das mensch-sein.

    • pjebsen
    • 30. Dezember 2012 14:56 Uhr

    Wie kommen Sie darauf, dass Religion unter bürgerlichen Intellektuellen in den vergangenen Jahrzehnten ein Tabu war? Das ist mir neu.

    Religion mag für religiöse Menschen ein "elementares Bedùrfnis" sein. Als Ignostiker ist sie mir weitestgehend egal.

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