NiederlandeKönigin Beatrix dankt ab

Wenige Tage vor ihrem 75. Geburtstag will die niederländische Königin Beatrix den Thron frei machen. Ihr Sohn Willem-Alexander soll übernehmen.

Königin Beatrix bei einem Besuch in Dresden

Königin Beatrix bei einem Besuch in Dresden  |  © Robert Michael/AFP/Getty Images

Die niederländische Königin Beatrix hat angekündigt, im April abzudanken. Das sagte die 74-jährige Monarchin in einer live vom Fernsehen übertragenen Ansprache an die Bevölkerung des Landes. Die Thronfolge übernimmt ihr ältester Sohn Prinz Willem-Alexander.

Seit fast 33 Jahren ist Beatrix Königin der Niederlande und offiziell auch als Staatsoberhaupt Mitglied in der Regierung. Seit einigen Monaten verdichten sich die Hinweise, dass es in diesem Jahr einen Thronwechsel geben könnte.

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In den vergangenen Monaten wurden wichtige Funktionen am königlichen Hof neu besetzt. Das Parlament hat zudem den Einfluss der Königin auf die Politik eingeschränkt und ihr im vergangenen Jahr die Initiative bei der Bildung einer Koalition entzogen.

Wieder mehr politische Stabilität im Land

Der Moment für einen Thronwechsel scheint jedenfalls günstig zu sein. Nach zehn Jahren mit fünf Parlamentswahlen ist wieder mehr politische Stabilität im Land eingekehrt. Beatrix hatte in einem ihrer seltenen Interviews angegeben, dass sie ihrem Sohn einen leichten Start ermöglichen will. Umfragen zufolge sind die meisten Niederländer davon überzeugt, dass Kronprinz Willem-Alexander gut auf seine Funktion als König vorbereitet ist.

Beatrix wurde 1938 auf Schloss Soestdijk in Baam geboren. 1956 trat sie als offizielle Thronfolgerin in den Staatsrat ein. Im selben Jahr begann sie ihr Studium an der Universität Leiden in den Fächern Jura, Soziologie und Geschichte, das sie mit Promotion abschloss. Gegen großen Widerstand in der niederländischen Bevölkerung heiratet sie 1966 den deutschen Diplomaten Claus von Amsberg, der im Jahr 2002 starb.

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Leserkommentare
    • CoMiMo
    • 29. Januar 2013 0:59 Uhr

    Eigentlich ist es egal, ob nun eine Erbmonarchie oder ein Bundespräsident und wie die Amtskollegen so genannt werden, gibt: Das Volk hat bei allem nicht mitzureden.

    Der Unterschied bei der Erbmonarchie zum von Politkern gewählten Staatsoberhaupt ist, dass die Erbmonarchie Ruhe reinbringt und ausgleichend wirkt, denn König oder Königin können nicht so einfach abgesägt werden wie ein gewähltes Oberhaupt. Auch gibts da nicht alle 4-6 Jahre Unruhe weil die Parteien sich um ein neues Oberhaupt prügeln müssen.

    Allerdings ist die Monarchie für Deutschland keine Option: Zum einen haben wir damit bis jetzt nur schlechte Erfahrungen gemacht und zum anderen - und das ist wichtiger - könnten wir uns für gar kein Haus entscheiden.

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  1. Juhuu, es gibt sie also doch noch - Nachrichten abseits von USA, Frankreich, Israel und Mursistan. Ich war noch nie darüber glücklich, welche "Relevanzen" unsere Medien jahreintagaus zusammenkokeln.

    Da in Bezug auf eine Monarchie auch die Demokratiefrage gestellt wurde - sie liesse sich an dieser Stelle erweitern auf: Wozu überhaupt benötigt ein Volk von Gleichberechtigten ein Oberhaupt? Oder andersrum: wie wäre es ohne die Existenz des Postens von Gauck um unsere Demokratie bestellt? Bestärkt uns unser nicht selbstgewählter Präsidenten in unserem Demokratiegefühl? Sind er samt 5 weiteren zu apanagierenden Expräsidenten kostengünstiger als ein nicht vom Volk direkt gewählter König?

    Ein weiteres Argument auch, dass Monarchien eher zu Kriegszügen neigten. Das wäre in der Tat eine Studie wert. Es gab schon reine Arbeiter- und Bauernstaaten mit ausgeprägtem Ausdehnungsbedürfnis und martialischem Drohpotential, es gab einen gewählten Reichskanzler welcher der Menschheit übel mitspielte, aber ja, auch einen kleinen französischen Monarchen für den Europa mit viel Blut bezahlte.

    Ich denke, wenn das betroffene Volk, in diesem Fall die Niederländer, sich mehrheitlich noch nicht für die Abschaffung ihrer Monarchie engagieren wollten, spricht dies wohl doch für einen starken gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage - das scheint mir Demokratie zu sein.

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    Antwort auf "Hohe Relevanz!"
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    • KG
    • 29. Januar 2013 14:56 Uhr

    Wenn Sie die Neuigkeiten dieser Art so viel interessanter finden als Nachrichten "von USA, Frankreich, Israel und Mursistan", dann ist die Bunte vielleicht eher nach ihrem Geschmack.
    Ich hoffe die Behauptung, "dass Monarchien eher zu Kriegszügen neigten" lesen sie nicht aus meinem Posting heraus - das steht da nämlich nicht. Der Witz zielte nur darauf ab, dass solange ich denken kann kein Königshaus etwas getan hat, was eine Nachricht wert gewesen wäre (z.B. einen Krieg zu beginnen).

    Und ob es bei den Niederländern Konsens gibt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch einfach nur niemandem wichtig genug.
    Unabhängig davon, ob die Niederländer ihre Monarchie mögen, finde ich es ein bisschen peinlich, dass ZO die Nachricht vom Rücktritt einer vollkommen funktionslosen Person als wichtigste Meldung ganz oben auf die Startseite packt.

    • BWL
    • 29. Januar 2013 9:37 Uhr

    Die Ansprache der Köningin im Fernsehen war nicht live. Sie war schon Mittags aufgenommen worden.

  2. Die Köngin hat auch im Übrigen im Verhältnis zwischen Deutschen und Niederländer vieles geleistet.
    Nicht nur die Heirat, die in den Niederlanden sehr umschritten war, und dann zum beliebsten Mitglieder Königsfamilie wurde. Sondern auch im Verhälrnis insgesamt. Das kann eine Regierung nicht so in Gänze. Gleichwohl ist es in dieser Zeit wichtig, ein paar feste Bezugspunkte zu haben, die den Zeitgeist überlebt. Ich kann mich noch erinnern, als kleiner Junge, wie Beatrix in ihr Amt eingeführt wurde.
    Vergessen wir doch nicht, dass einen Bundespräsidenten gab, der ähnlich beliebt war und monarchische Züge hatte und auch viel für das Verhältnis beider Nachbarländer getan, Richard von Weizsäcker.

  3. mit diesen furchtbaren Belehrungen (kleines f übrigens).

    Genau so eine Replik hatte ich erwartet.

    Nach meiner Erfahrung haben Holländer (und mit Sicherheit auch Königin Beatrix) ein feineres Gespür für Ironie als viele deutsche MajestätINNEN, die Ironie und das Spiel mit der Sprache nur in Großbuchstaben verstehen. Schade eigentlich, sonst wären z.B. Kurt Schwitters und Ernst Jandl wahrscheinlich bekannter in D.

    Ansonsten haben Sie natürlich völlig recht und bei den wichtigeren Themen bin ich ganz Ihrer Meinung.

    Zitat: >>Majestät ist sowohl männlich als auch weiblich. Seine/Ihre Majestät. Es ist wirklich Schade das unsere Sprache durch solch unwichtigkeiten immer unschöner wird, wie ich finde. Es gibt weit wichtiger Themen als Gendergerechte Sprache auf dieser Welt...aber das ist nur meine Meinung. <<

    • KG
    • 29. Januar 2013 14:56 Uhr

    Wenn Sie die Neuigkeiten dieser Art so viel interessanter finden als Nachrichten "von USA, Frankreich, Israel und Mursistan", dann ist die Bunte vielleicht eher nach ihrem Geschmack.
    Ich hoffe die Behauptung, "dass Monarchien eher zu Kriegszügen neigten" lesen sie nicht aus meinem Posting heraus - das steht da nämlich nicht. Der Witz zielte nur darauf ab, dass solange ich denken kann kein Königshaus etwas getan hat, was eine Nachricht wert gewesen wäre (z.B. einen Krieg zu beginnen).

    Und ob es bei den Niederländern Konsens gibt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch einfach nur niemandem wichtig genug.
    Unabhängig davon, ob die Niederländer ihre Monarchie mögen, finde ich es ein bisschen peinlich, dass ZO die Nachricht vom Rücktritt einer vollkommen funktionslosen Person als wichtigste Meldung ganz oben auf die Startseite packt.

    Antwort auf "Relevanz, Relevanz...."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, zz
  • Schlagworte Niederlande | Bevölkerung | Bildung | Diplomat | Fernsehen | Jura
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